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Rheinisches Wörterbuch 
 
verwickeln bis wid I (Bd. 9, Sp. 481 bis 483)
 
 ver -wickeln: 1. Garn udgl. v., verwirren Allg. — 2. übertr. a. en verwickelte Geschicht (Sach) kompliziert Rhfrk, Allg. — b. in etwas verwickelt weren in eine unangenehme Sache hineingezogen werden; er grault, er wird nit drin v. Rhfrk, Allg. — c. sich v. wie nhd. RA.: He verweckelt sech en de Täukes (Webstuhl) in Widersprüchen Kref.  PfWB zu -wickeln: wie nhd. Allg.

Ge-wickel(s) Birkf-Selb, Meis-Meddersh, Wend-Marping, Ottw-Merchw Scheuern Uchtelfang, Saarbr-Heusw-Püttl Wehrden, Saarl, Merz, Trier-Farschw Mesenich, Bernk-Gutenth Hirzlei Weiperoth, Goar Manub, Wittl. Bitb, Prüm, Aden-Wiesemschd Sg.

[Bd. 9, Sp. 482]
t. n.: Deckenfüllung u. Fachwerkwand aus mit Lehmstroh umwickelten Spalthölzern.
 
 
wickeln II das Wort, im Abl. zu wackeln, wuckeln, wekeln (s. auch wicken bei Wicke II), ist vereinz. Rhfrk u. Saar als -eg- Saarbr-Altenkessel, Saarl-Differten Saarwelling, Merz-Dreisb, Saarbg-Söst (-īə-) bezeugt; geschlossen -ik-, meist -ig- Rip in NMay, Aden, Ahrw, Schleid, Malm, Eusk, Dür, um Altk-Bachenbg, im Siegld, OBerg in Waldbr, Gummb, Sieg u. SNfrk in Heinsb, Kref-Lank schw.: 1. intrans. wackeln, schwanken; de Bröck (Steg), de Pohl (Pfahl) udgl. wickelt (hin on her); der Desch wickelt on wackelt jo; de Bom wiggelt on weg van Äppel.2. trans.; met dem Schwanz w.; met dem Bom jet (hin on her) w.; am Bom (Stohl) w. schütteln, rütteln. RA.: A.: Dat es ävver rührend. B.: Jo, wammer dra wiggelt Dürr-Stdt. — Abl.: die Wickel(er)ei, dat Gewickel(s).

Wickel-bahn wekələbānə Sieg-Siegbg, Neuw-Unkel: im Abzählr.: Selwer, Krahne W., puff, paff, afgeschaff! Wickel-ente -ęnt Köln-Stdt f.: Watschelente. Wickel-wackeln : in Reimen: Da host en Dalerche, geh uf et Martche, kaf der en Kihche un en Kälbche un en Gäns'che mit em Wiggelewaggeleschwänzche! Simm-Laub. Wiggelwaggel log op de Bank; W. flog von de B.; et wor kene Schuster em ganze Land, der W. kuriere kann? das Ei Bo. Wiggeldiwaggel geht övver de Bröck on hät der Könneng si Bett op en Röck? Gans od. Ente Heinsb, MGladb. Wickeldiwackel hät Lover (Laub) gedrage; W., die dräht er ken miəh? W. dr. Lif on Siəl? Wiege Kemp-Grefr, Heinsb (u. wigələwǫk). Krane, Kr., wickeliwane, wer will met no Engeland fahre usf. SNfrk, Klevld. Wickel-wane wigəlwānə  Erk-Körrenz: beim Kinderreigen.

wickelig Verbr. wie das Zeitw. Adj.: wackelig, bewegl., nicht feststehend.

wicken I -i- = weichen II (s. d.); wicken II -i- = schaukeln s. bei Wicke II.
 
 
wicken III das Wort, mnd., mndl. wicken »zaubern«, ags. wiccian; mnd., mndl., auch wicheln wêghelen, ags. wiglian, ndl. wicheln »wahrsagen, zaubern« [urkdl. al dieghene die mit der wichelien umbgaint Nrhn XV; dyn nycht, die so plach te wigelen; de wigelersche ebd. 1437; die genk myt wichgelige umme; so gengen se dann na der wichgelerschen Duisb 1444; der XII affgot is wichelei NBerg 1537; wichelei, wickelei Grevbr-Hülchr 1607; die Wicheler Berg 1633; eine wonde, die man wicken moess, die hochste buiss Bernk-Neumag 1315 u. so häufig in Weistümern; se underwisede den pastoir also, dat he orloff gaff to wickende Duisb 1444], ist als -ik-, –e- geschlossen, aber veraltend, im Siegld, OAltk, Berg in Waldbr, Sieg-Fussh, Gummb, Lennep, Mettm, verbr; dann weit getrennt in Bed. 2 LRip -ek- in Dür-Hoven Langerwehe, Jül-Inden Schaufenbg, Aach-Breinig Eschw Stdt u. Eup-Stdt 1842 schw.: 1. etwas w. a. vorhersehen, wahrsagen, prophezeien (etwa mit Kartenlegen); der kann enem w.; der hät sek bi ner Wickfrau ens w. loten; der (die) het em wat Schönes gewickt; dat hät e mer alt lang geweckt davor hat er mich schon lange gewarnt; ek

[Bd. 9, Sp. 483]
häww deck lang genog gewickt on gewahrschaut Berg (s. o.). — b. einem etwas w., zugedacht haben, androhen; einem Schläg w.; he well er em schoă w.; dem han ich et geweckt; loss et dir geweckt sin! Siegld, OAltk, OBerg, Lennep. — 2. -e-, einen w. a. überlisten, übervorteilen; de hat mich emol geweck, ävver net mih Jül-Inden Schaufenbg, Aach-Eschw, Eup-Stdt 1842. — b. prügeln; dem moss me ens w.; die w. sich Aach-Breinig Stdt. — c. Holz w., hacken Dür-Hoven (ob hierher?). — Abl.: die Wickerei, dat Gewick(s).

Wick-frau, wickmann, Wickweib (s. S.) Berg (s. o.): Wahrsager(in).

Wicke wek, Pl. -kə, Dimin. weksχə Aach-Stdt f.: verächtl. leichtes Weib, Dirne.

Wickersche -ə, Pl. -ən Berg f.: Wahrsagerin, Kartenschlägerin.

Wicken -i- = Docht s. Wieke II; wicker -i- = welcher s. welch II.
 
 
Wicker -i- Sieg-Siegbg Sg. t. m.: das die Gedärme des Schlachtviehs umschliessende Netz.

wicker-lich -i-, –e- NBerg in Sol, Wuppert-Barm Kronenbg u. SNfrk in Kemp-Stdt Adj.: weichlich, süssl. im Geschmack; dat schmeckt so w., — w. süt.

Wickert = Weidenanpflanzung s. Weidgart bei Weide II.
 
 
Wickes wikəs m.: 1. Kurzf. für Ludwig (Ludovicus) (s. d.). Wickes on Wackes soss em Backes (Backhaus); W. flog erus, wer wor noch em Backhus? Wackes Aach-Höngen. — 2. übertr. persönl. verächtl. mit Pl. -əsə. a. dicker, beleibter Mann Schleid-Dollend Einruhr. — b. träger M. Sieg-Fussh Siegbg. — 3. sachl. Sg. t. a. der kleine Finger; so alt wie mein kleiner W. Saarl-Hüttersd. — b. in der Wend.: Enge de W. köre (kosen) den Hintern versohlen Jül, Aach, Eup-Ld.
 
 
Wickrathhahn wekərhā:n Ort im Krs. Grevbr: in der Wetterregel: Kümmt der Wengk (Wind) van W., fängt et bald ze rene (regnen) an.

Wicks-hammer = schwerer Holzhammer s. bei Wide III.

wid I -ī- = weit (s. d.).