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Rheinisches Wörterbuch 
 
Strebe bis vorstrecken (Bd. 8, Sp. 806 bis 808)
 
  PfWB  ElsWB Strebe -b-, meist Pl. -wən Rhfrk; -:f, –·ă.-, –ē·ə.-, Pl. -wən Mosfrk [-ęf Prüm, Malm]; -b-, –w-, Pl. -wə Sieg-ld; ē:b, Pl. -bə Sieg, Bo; -ēəf, Pl. -wən Gummb; -ēwə, Pl. -wən Sol f.: 1.a. schrägstehender Pfosten der Aussenseite des Gebäudes, Stützpfahl, –balken Allg. — b. der von der Achse des Wasserrades ausgehende Arm, der den Ring oder Kranz trägt, doch meist Arm genannt Sol. — 2. Sg. t. in der Wend.: De setzt sich zur Str. er widersetzt sich, sträubt sich Prüm.

strebeln -əv-, –eə-, –īə- SNfrk in Heinsb, NErk, Kemp, Geld-Straelen schw.: widersprechen, durch Gegenrede streitsüchtig sein, rechthaberisch reden; sich str., sich bockbeinig widersetzen, sich in Worten streiten; die twiə str. sich der gonze Dag. RA.: Wər gonnt no Keəvele (Kevelaer) on donnt os jet str.; dann gonnt wer no Breyell, on do eəte wər jet Prei (Porree) Neckspr. — Abl.: die Streəvelerei, dat Gestreəvel(s), der Streəvel(d)er.

ab- strebeln: einem etwas a., abstreiten.

Strebels-buckse -vəl-, –vələ, –vəltsboks Allg. m.: verächtl. einer, der gerne strebelt. Strebels-hütte -eəveltshøt Viersen f.: im Neckspr auf Kemp-Born u. Öbel Born ös en Str. (streitsüchtige Gegend), Öbel, da's en Jetehött (dort gibt es viele Geissen). Strebels-kerl Allg. m.: -buckse. Strebels-sack -a-, –ǫ- Allg. m.: dass. strebels-süchtig -zøχtĭχ Kemp-Waldniel Adj.: gern strebelnd. Strebels-weib -wīf Erk-Merbeck n.: streitsüchtige Frauensperson.

strebentig -ęvəntiχ NBerg in Sol Adj.: widerstrebend, –spenstig.

strebenzig -ęwətsĭχ Mosfrk in Prüm-Mürlenb 1860, Daun-Neroth 1860 Adj.: 1. strebsam veranlagt. — 2. widerstrebend, –spenstig, trotzig, streitsüchtig.

 PfWB Streber -ēəwər Gummb-Berghsn; -:vər Bo, -:bər vielf. Bo, Bergh-Buir; Pl. -rən, –rə m.: schräger Fachbalken, Zangen im Dachstuhl, Pl. Balkengerüst des Hof- u. Scheunentors.

Streber-balken -:vər- Bo-Bornh Botzd; -:bər- Rheinb-Stdt m.: dass.

strebig verstreut -ęw- Prüm; -·ə.v- Dür-Winden; -w- Sol Adj.: 1. widersetzlich, –spenstig, schwer umgänglich. — 2. streng, ernst Dür-Winden.

Strech I -ē- = Streich III, s. d.; Strech II -e- = Strich, s. d.

Streck I -ę- s. Strecke; Streck II -e- = Streit, s. d.; Streck III -e- = Strick, s. d.
 
 
 PfWB  LothWB Streckde, Strecke die Gruppe ist allg., u. zwar -ęgdə Siegld, OAltk; -ęktə Waldbr, Gummb; -kdə

[Bd. 8, Sp. 807]
Sülzt, Düss-Serm, Heinsb-Dremmen Karken; -gdə Mettm-Cronenbg. Sg. t. f. in der Bed 1 b; sonst -ęk (NSaarbg, Trier-Ld, Wittl, Bitb, SPrüm --), Pl. -gə(n), –kə(n) [Hunsr auch -gər] f.: 1.a. Wegelänge, sich hinziehender Weg; en ganze Str. weck (weit); dat es nur en kuərte Str., dann bes de glich do; dat es en wegge (weite) Str.; de ganze Str. (vill Str.ə) sen ech afgelofe; do hammər ävver en gehürige Str. gemach; wievill Str.ə hammer noch? Rip, Allg. RA.: Jet e Str. lossen zurück, im Stich lassen Eup-Raeren. Half van Str. sin bewusstlos sein Klev. — b. der kürzeste Weg, die geradeste Verbindung durch Abschneiden des gewöhnlichen Weges; de ganze Weg öm de Berg es mer ze lang, ech gohn (fahr) de Str.; ech gohn de Str. erop Rip, Allg.; he nohm de Str. üəver de Wed (Weide) Gummb, Allg.; Streckde machen den Weg abkürzen Altk; of Streckde goh Siegld, OAltk. RA.: He kann de Streckte nich meh halen (halten) der Bezechte torkelt Gummb. De moss dat ganze op Streckte halen alles besorgen, beaufsichtigen Gummb-Nümbrecht. Die Str. hot der Fuchs mirrem Schwanz gemesst die Wegstrecke ist zu kurz geschätzt worden Saarbr-Ostert. — c. Wegestrecke bestimmter Länge, als Aufsichtsstrecke; die Str. steht onger dem Opsichter van N.; höck Ovend häs du de Str. die Streckenbeaufsichtigung bei der Eisenbahn Rip, Allg. — d. Gang, durch den die Kohle, das Erz zum Schacht befördert wird, in der Bergmspr. Allg. (nie -kde); blinn Str. Sackgasse in der Grube Saargeb. — e. Gegend, Gebiet; en gruəs Str. Bösch (gruəsse Str.ə; en klen Streckelche) es afgebrannt; he hät hä de ganze Str. gepaach (gepachtet) Rip, Allg. — f. zeitl. düs Str. diesmal Rip. — g. modal; probier et op en ander Str. (Weise); op die Str. kannste doch net Sieg. — 2. Sitzstange der Hühner Jül-Schleiden.

strecken-weise -wę·i.s, –wī:s Allg. Adv.: streckenweise.

 PfWB  ElsWB  LothWB strecken -ę-, –- (s. o.) Allg. schw.: 1. trans. etwas str. a. gerade machen, im allg. Sinn; streck mer es den krommen Stock jet jrad; du kanns mer dat Iser (Eisen) es jet str., et hät sich ganz verzoge; se han an mengem krommen Been erömgestreck, bös et wedder strack wor; de Gleddere str. Rip, Allg.; eine Glaswalze in der Streckhett strecke ebnen Saarbr; Nolde str. in der Nadelfabrik Aach; auch einen str.; bei de Zaldate werden se dech noch str., du krommen Hond Rip, Allg. RA.: Anem de Uhren str. einen ohrfeigen Trier. Dat Porzelin str. scherzh. Scherben machen, bes. von einem Betrunkenen Siegld-Weidenau. Er es gestreckder Längs hingefall Saarbr-Sulzb. Strecks mi! Zuruf beim Klickersp., der es dem Rufer erlaubt, sich in die Richtung des gegnerischen Klickers zu stellen Ess. — b. die Haare str., glatt kämmen Siegld. — c. gestärkte Wäsche str., bügeln Saar, Trier, Bitb, Prüm, Malm, Monsch u. Dinsl-Aldenr; s. streichen. — d. etwas in Ordnung bringen, die gegenseitige Rechnung begleichen Siegld, Waldbr. — e. einen längeren Weg abkürzen, auch afstr.; he konne mer str. Rip, Siegld. — f. etwas hinstrecken (in Konkurrenz mit stechen); dä streckt de Nas in alle Deppcher; hen setzt emmer lo, de Kopp en't Feier

[Bd. 8, Sp. 808]
ze str.; de Bän enner (unter) de Desch str. an einer Mahlzeit teilnehmen Rhfrk, Mosfrk; de hot all veer von sech gestreckt ist gestorben Trier, Allg.; de Bein onger anger Lütts Desch str. Sol, Allg.; de Tong (Zunge) rutstr. Nfrk, Allg. RA.: De Hänn str. losse schwören lassen, bei Aufnahme eines Protokolls über einen Unglücksfall, in der Bergmspr. Siegld, Altk. Wann es der Miller ohne Kopp en der Mihl? Wann er en zum Fenschter rausstreckt Nahe. Ech str. eraus! ich werde dich anklatschen Trier-Beschd. Enen vam Ledder str. ihn durchprügeln Malm-Weywertz. — g. einen Gegenstand od. Zustand ausdehnen; im Krieg hot mer det Mehl un die Grumbire str. misse Rhfrk, Allg. — h. sich str., nach längerem Sitzen aufstehen und sich recken; sech recke on strecke; ich geh mich strecke schlafen Rhfrk, Allg.; dä hät sich noch net gestr. ist klein geblieben Rip, Allg.; ich haə der of's Bläss (Kopf), dass de dich streckscht! Kreuzn-Langenlonsh; er hot sich gestr. ist gestorben Rhfrk, Westerw, Monsch-Conzen. RA.: Sich no der Deck strecke Allg., nach dem Nhd. Str. dich no din Deck, sös werde de Föut (Füsse) kaut (kalt)! richte dich nach deinen Verhältnissen Eup, NBerg, Ruhr. De sich nit streck no singer D., lit bal met beidse Fösse bläck Köln-Stdt; wer sich länger str., als sing Deck reck (reicht), de krit kal Föss ebd. — 2. intrans. a. dä Weg, den du gehs, streck (en half Stond) kürzt ab Rip, Berg. — b. sich erstrecken; dat Feld streckt of den Weg; die Stecker (Feldstücke) str. eso drof schiefwinkelig auf die Strasse Saargeb. — Abl.: die Streckerei, dat Gestrecks(s).

ab- strecken: eine Grenze abstecken, abschreiten MülhRh-Marialinden.auf -strecken: Wäsche a., aufbügeln, verbr. wie str. 1 c.aus -strecken: 1. etwas a., z. B. die Hände, wie nhd. — 2. sich a., im Bett, sich recken Allg. vor -strecken: einem Geld vorstr., wie nhd. Allg.