PfWB ElsWB LothWB Schnurre f.: 1. sachl. a. Sg. t. of die Schnurr gehn nach Beendigung der Spinnstube an die Fenster gehen zu sehen u. zu lauschen, was in andern Häusern vorging, oder mit verstellter Stimme allerhand ins Fenster hineinzurufen oder um Schlappe (s. d.) in ein Haus zu werfen, ein Gefäss mit Unrat, aus Feindschaft oder Rache, von den Burschen gesagt Nahe, Hunsr (veralt.). — b. -·r., Pl. -·r.ə(n). α. das Kinderspielzeug, Surre (s. o. Schn.apfel) Allg.; -oăr eine Walnuss oder dicke Haselnuss wird an den beiden spitzen Enden derart aufgebohrt, dass man den Kern herausarbeiten und einen langen Nagel hindurchstecken kann, der dann mit dem Nagelkopf oben aufliegt. Ehe man den Nagel einsteckt, wird seitlich in die Nussschale noch ein feines Löchelchen gebohrt und durch dieses und das obere Loch ein Faden geführt und unterhalb des Nagelkopfes am Nagel befestigt; durch Umdrehen des eingeführten Nagels wickelt man den Faden innerhalb der Nuss um den Nagel auf; das freie Ende des Fadens befestigt man an einem Holzgriff; an das unten aus der Nuss herausragende Nagelende spiesst man eine dicke Kartoffel; man fasst nun mit den Fingern der einen Hand die Nuss und reisst mit der anderen Hand mit scharfem Ruck an dem Faden, so dass sich der durch die Kartoffel beschwerte Nagel schnurrend dreht und den herausgezogenen Faden im Weiterlaufen wieder aufwickelt und so das Reissen an dem Handgriff dauernd wiederholt werden kann Siegld. — β. spasshafte Erzählung, Anekdote, Witz; de ka so allerlei Schn.n Siegld, Allg. [gern Demin. -y·r.χə(n); Siegld -u-, im OBerg Sg. -u(·r.)ən m.]. — 2. persönl. a. -u·r.χən Kosen. [Bd. 7, Sp. 1683]
für Katze Waldbr-Holpe. — b. -urən Sg. u. Pl. m. schwanzloses Huhn Lennep-Radevormwald. Schnurren-mächer (s. S.) Allg. m.: Erzähler spasshafter Geschichten, Witzbold.
Ge-schnürre -ø·r. Gummb-Schwarzenbergisch, Mettm-Cronenbg Sg. t. n.: verächtl. ein Durcheinander, Masse von allerlei wertlosen Sachen (etwa Zweigen, Gerümpel, Überbleibsel, Flitter, Gewimmel von Kindern); drägt dat G. vam Dösch; jagt dat G. (Kingergeschn.) rut! Gummb, Allg.
PfWB ElsWB Schnurri Sg. t. m.: 1. Rufn. für einen Hund Bitb-Roth. — 2. liederliches Weib Mörs-Vynen.
PfWB ElsWB schnurrig Allg. Adj.: spasshaft, witzig; ene schn.ə Verzäll; ene schn.ə Kerl Rip, Allg.
Schnürrsche -ȳ:rə, Pl. -ən uWupp 1870, Mettm-Cronenbg f.: verächtl. vorwitziges, vorlautes Mädchen, katzige Frau.
schnurrzen -ūăts- Koch-Poltersd schw.: schnell gehen, eilen. — Abl.: die Schnurrzerei, dat Geschnurrz.
schnurrzig -ūəts- Sieg-Siegbg Adj.: vorlaut.
schnus -ūs Dür-Stdt: im Spr.: Schn. onge (unten), schn. bovve on de Hore opgestouche (-gesteckt), dann es de Juffer ferdig.
Schnus -u- = Tanzknopf s. Schnause; Schnüs -ȳ:- = Waldschneise s. Schneise II.
schnuse -ūzə Düss-Serm: im Ballsp. alle Balle kuse, was der älteste Spieler sagt; der rechts neben ihm stehende: schnipp, schnapp, schnuse (usf., s. schnipp).
PfWB Schnüsel das Wort, eine Abl. zur Wz. schnu »Schnabel«, ist geschlossen RRip, Berg, Ruhr, vereinzelt lrhn. s. u., u. zwar RRip, Berg, Ruhr -yz-, –ø- [Gummb-Berghsn -yz- u. -ȳrz-; Wippf-Engeld, Mettm-Wülfr, Sol -ȳ-, –ȳə-; Ess -øy-]; dazu -øs- N u. WSiegld; lrhn. -ēz- Trier-Castel (abseits); -øyz- Schleid-Hellenth; Jül, Erk-Örath -ȳə-; MGladb, Kref-Stdt, Mörs-Rheinbg --; Geld-Schravelen -ō-; Pl. -ələ, -əln, auch verbr. -əlts, Demin. -əlχə(n), –ələn, –əlkə m.: 1. verächtl. a. junger, unreifer, flegelhafter, vorwitziger, vorlauter Bursche, der sich in Sachen mischt, die ihn nichts angehen; auch ein solches Kind Allg. — b. im Wachstum Zurückgebliebener Wippf. — c. schmutziger, verkommener Mensch Düss-Hucking. — d. putzsüchtiges Weib Siegld-Hilchenb. — 2.a. Schnüselche Kosew. für kleines Kind, Geliebte Sieg, Köln-Stdt, Düss-Stdt. — b. -øzəl der Zeigefinger, im F.märchen Schleid-Marmag.
Schnüsels-blag, Schnüsels-junge, Schnüsels-mädchen, Schnüsels-put, Schnüsels-wicht : verächtl. Kind, Junge, Mädchen, vorlaut.
Ge-schnüsel -øz- Sg. t. n.: 1. die eingesalzenen kleinen Fleischteile des geschlachteten Schweines Rees-Haldern, -øzəlts Fleischfasern Düss-Stdt. — 2. -yz- Vorwürfe Sieg-Ägid.
schnüselig Laut u. Verbr. wie Schnüsel Adj.: verächtl. noch unreif, flegelhaft, vorwitzig, vorlaut, bes. von jungen Burschen, Kindern.
schnüseln schw.: 1.a. -yz- vorwitzig etwas suchen, stöbern; wat häste he (eröm)zeschn.? Sieg, [Bd. 7, Sp. 1684]
Köln, Geilk. — b. -øz-, an etwas schn., schnuppernd riechen Sieg-Ruppichteroth. — c. -uz- schnaubend flohen, von Hunden Dinsl-Aldenr. — 2.a. -yz- verächtl. absol. u. eine(n) schn., küssen Köln-Stdt. — b. -yz-, Schnaps udgl. schn., trinken, saufen Düss-Stdt.
schnusen -ū- = sausen, schnaufen, schnüffeln s. schnausen; Schnus-plack -ū:s- = Taschentuch s. Schnaub-.
PfWB ElsWB Schnüsse das Wort, mit dem Schnute, Schnauze, Schnütze, nd. schnuss, ndl. snoes zu vergleichen ist, ist im Rhfrk, Mosfrk, Rip allg., reicht aber über die Benr.-L. hinaus nach N. ins Berg, SNfrk hinein bis einschl. Heinsb, Erk, MGladb, Kref-Stdt, Kemp bis fast zur Ürd.-L., rrhn. im Berg (jünger) bis zur Ürd.-L., Düss, Barm, Elbf, Wermelsk, Dinsl-Sterkr [im nfrk. Teil auch Schnute, das aber auch für best. Bed. nach S. bis ins Rhfrk reicht; am WRande des Rip steht Schn. neben Schnütze (s. bei schneuzen)]; Rhfrk -is, –e- [Wend-Ulmet, Meis-Meddersh, Kreuzn-Allenf Hergenf Ippenschd Oberhsn Weiler Stdt, Simm-Argenth Dichtelb Horn Klosterchumbd Laufersw (-o-) Laub (u. -i-) Riegenr, Goar-Boppard Borb Liesenf Trechtingshsn Weiler, Bernk-Langw -u-], Mosfrk -e- [Trier-Ld, WBitb -ø-; Koch-Greimersbg -ets]; sonst -y-, –ø- [uSieg, LRip auch -øzs, –øys, –-], Pl. -sə(n) [Rhfrk, Saar daneben -sər, bei -us n. Pl. -sə, –isər], Demin. -sχə(n), –skə f. (Rhfrk auch n.): 1.a. Tierschnauze, bes. rüsselartige Schn., bes. des Schweines, Igels, Hundes, aber auch der Kuh (aber hierfür mehr Maul n.); de Ferkes-, Hongsschn. Rip, Allg.; oberer harter Gaumen des Schweines WEif; Schnüsscher on Ührcher (Öhrchen) gepökelte, manchmal auch geräucherte Schweineschnüsse u. –ohren, als Leckerbissen in der Erbsensuppe, bei Sauerkraut gekocht Rip, Allg. RA.: Mer kennt de Schwein un (an) de Schn.ən Saarbg-Faha. Et beste Stöck vum Ferke sitz zwesche Schn. on Sterz Köln-Stdt. Wenn mer et F. schlachte, dann krit der de Schn. gesagt von dem, der nicht grüsst Jül-Langw. He süht us (so befriedigt), als of he sore Kappes met Schn.cher gessen hätt Köln-Stdt. Was haben wir gekocht? Ausweichende Antw. Schn.cher un Öhrcher Gummb. — b. verächtl. Mund des Menschen, bes. zugespitzter M. mit aufgeworfener Oberlippe (noch derber klingend als Maul n.). RA.: α. die Schn. als Körperteil. De hät (mach) en Schn. (so breit, dick) wie en Breischepp (-schöpfe) Sieg, — en Blotschen (Holzschuh) Sol, — e Schohch (Schuh) Trier-Fell Mehring, — en Verderschohch Daun-Strohn, — en Schürepoərz (Scheunentor) Eusk, — e Kurwel (Teigkörbchen) Saarbr-Völkl, — e Schläpschouh (Hemmschuh) Birkf, — do kannste för ne Daler Grosche op zälle Neuss, — dat en Schoster sech drop setze kann Altk-Isert. He hät en ageschöhchte (angeschuhte) Schn. dick hervortretend Sieg-Rhönd, — en weit Schn. Mosfrk. Dem geht seng Schn. dreimol öm de Lif Bo. Jo, eich sen et met Schn. un Uhren (Ohren)! Antw. auf die Frage: bist du es wirklich? [Bd. 7, Sp. 1685]
Saarbg-Hamm. En (deck) Schn. mache schmollen Rip, Allg.; Schn.ə m. daneben Rip, Düss. Lis-chen, mach mer e Schniss-chen! Neckspr Koch-Leienkaul — β. als Organ des Essens. Der hot en därr (dürre) Schn. ist ein verwöhnter Esser Ottw-Landsw, — en dinn Schn. Trier-Gutw; de Kuh hat en spatz (spitz) Schn. sie wirft das Futter aus der Krippe Prüm-Burb; der hot e sunnseidig (sonnenseitige) Schn. es schmeckt ihm nur das Beste Zell-Trarb. Dat wor singer Mul en Schn. es ist nach Wunsch gegangen Sieg-ODollend. De sieht och aus wie en Schn. em Herwst sehr zufrieden Bernk. Die Äppel falle der nit in de Schn.! Simm. — γ. als Organ des Sprechens. Der hat en Schn. (am Kopp); dem geht de Schn., wie en Entenorsch er spricht andauernd Wittl, Allg., — e Hertehund Wend, Ottw, — en Papagei Allg., — e Schereschliffer Rhfrk, Mosfrk, — e Advokat Saarbr-Heusw, — e Dreckschneider Saarbr-Sulzb, — en Ax ein böses Maulwerk May-Trimbs, — wie geschmert Rip, Allg., — möt Höhnerfett g. Altk-Horhsn. De hät en Schn. am Kopp ist zungenfertig, hat eine Revolverschnauze Allg., — en Maul an der Schn. Bitb, Prüm, — en Schn. on der Schn. Bitb-Kyllbgw; der hät en Schn., do kammer Schess (Scheisse) met fresse Kobl-Bend, — die hert armlangk abgeschlah Ottw-Bub; sein Schn. geht in änem fort of un zou wie en Entenärsch Saarl, Allg. De hät en got geschmerte, domm, freche, grusse, bret, decke, ongewäsche, rosen (rasende), widig (wütende), widderwärdige, schlechte (s. d. W.) Schn. (am Kopp) Allg.; die Frau: Et weiss kei Mensch, va bem (welchem) dat Känd de freche, ungewäsche Schn. het! der Mann: Van dir nit, du hes de ding noch! Neuw-Asb. Se hotten geschder Owend sich mol grendlich de Schnesser drof sie schwadronierten Merz-Erbring. Schn., wat dran es von einem, der viel schwätzt MGladb. He hät de Schn. üvverall (fürop) Rip, Allg., — der irscht Altk-Wissen. En grusse Schn. fihre prahlen Kobl-Bend; de Schn. schwarde zu viel u. ungebührlich schwatzen Kobl. Neuw, Rip, — lafe losse Rhfrk, Mosfrk, — spaziere l. Bernk-Allenb — en alles (en jede Dreck) steche (menge) Rip, Allg., — (net) dehem losse May, Allg., — hale schweigen Rip, Allg., — net mih opdohn ebd.; der hät de Schn. verlor Kobl; sech de Schn. verbrenne Allg.; änem de Schn. stoppe uMos, Allg.; hopp, h., de Trapp erop, de Mädche kren de Schn. gestopp! Neuw-Mendt. An dem senger Schn. kennt mer sich mat dem Sumerworn (Erntewagen) kehren ein solches Grossmaul ist er Bitb-Wiersd. Eich fale lewer an (in) e Kehdrek wie an dem (der) säng (hir) Schn. ins Lästermaul Bitb-Mettend. — δ. als Ziel des Schlagens, Fallens. Äm (einem) de Schn. verdellere (-tellern) auf den Mund schlagen Ottw-Landsw, — zorech setze einen Verweis erteilen Kobl, — orndlich abbotzen Saarl. Eich schlohn dir op (en, fir, om) de Schn., dat der de Zänn (Zähne) erausspazeeren Trier, Allg., — dass es so dick werd wie e Brot Kreuzn. Mach net, sos krieste än an (in) die frech Schn. Bitb, Allg. He es op de Schn. gefalle weiss keine Gegenantwort [Bd. 7, Sp. 1686]
Rip, Allg. De sät et enem marschtich för de Schn. Rip, Allg. — 2. übertr. a. sachl. α. Stückchen Leder, Riester, vorn auf dem abgestossenen Schuh oder an der Seite des Oberleders aufgenäht, auch Schnöss-che(n) Trier-Conz, uMos von Bernk an, Goar, May, Neuw-Dattenbg, Ahrw, Schleid, Prüm, Malm, Bo, Dür-NZier, Sieg, MülhRh, Heinsb, MGladb, s. Mäulchen. — β. Aufsprung beim Brote Bernk-Wehlen. — γ. die Milch micht e Schn. wallt beim Kochen auf Simm-Horn. — δ. bei Geräten. αα. Ausgussröhre an Gefässen uWupp, Rees-Wesel; s. Schnute. — ββ. der spitze Vorderteil am Amboss Koch-Lutzerath. — γγ. Eisenbügel an der Hinterwand des Kastens am Kippwagen, an dem man den Wagenkasten hochhebt, um ihn zu entleeren, in der Bergmspr. Siegld, Altk. — δδ. nyskən Pl. -ər Überlaufschleuse am Eingang des Obergrabens, durch die das Wasser wieder dem Bachlauf zugeführt werden kann Remschd. — ε. scherzh. Mond Bitb-Stdt. — ζ. äm en Schness (meist -ss-chen) gen einen Kuss, von Kindern Saarl, Merz, Trier, Bernk, Goar-Alken, Kobl-Bassenh (-us, –usχən Bernk-Allenb Gonzerath Immert Talling Veldenz). — b. persönl. α. verächtl. unfreundliche, vorlaute, vorwitzige, frech antwortende Person Schleid-Hellenth, Jül-Titz, MGladb; vorwitziger Mensch, vorlaufendes Vieh Aden-Morswiesen; Eckensteher Eup-Stdt; därr Schn. verwöhnter Esser Ottw-Landsw; Schnöss-chen Plaudertasche Prüm-Mürlenb; Alftere Schn.ə Neckn. für die von Bo-Alfter. — β. Schnüss-chen Kosew. für Kind, Geliebte; lief, goldig, lecker Schn. Saarbr, Trier-Stdt, uMos von Zell an, May, Aden.
schnüss-ab -af Bo-Godesbg Adv.: barsch. Schnüss-birne -bīər Neuw-Asb Altenhf f.: scherzh. Schlag mit der Hand ins Gesicht.