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Rheinisches Wörterbuch 
 
vorrücken bis Rückenhau (Bd. 7, Sp. 561 bis 565)
 
  PfWB vor -rücken: 1. trans. etwas v., voranschieben. — 2. intrans. vorwärts marschieren Allg. zu -rücken: 1. trans. das Mieder z., zuschnüren mer em Reckerieme Goar-Morshsn. — 2. intrans. hinzurücken Allg.

ruckelig -uk- Ahrw-Neuenahr Adj.: uneben, holperig; der Weg es r.

 PfWB rückeln -ug- Simm-Laub, Siegld-Eiserf; -uk-, –ug- Sieg-Ägid schw.: an etwas r., etwas hin- u. herschütteln, stochern; ruckel mol e biss-che am Ämer (Eimer)! — Abl.: die Ruckel(er)ei, dat Geruckel(s).

Ruckeldut Siegld-Eiserf Eisern m.: scherzh. Abc-Schütze. Ruckeldut-eisen -īə- Siegld-Eiserf Rinsd n.: Stocheisen. Ruckeldut-holz ebd. n.: Schürholz, –stange für den Backofen.

rückeln -yg- Saarbg-Kreuzw; -e- Simm-Uhler, Bernk-Longkamp; -øk- Grevbr-Kapellen schw.: 1. unruhig mit dem Stuhle hin- u. herrücken, unruhig auf dem Stuhle sitzen. — 2. etwas r., in Erinnerung bringen; de reckelt alles va freiher Bernk-Longkamp.

auf- rückeln: -ø-, die Gartenerde, die Pflanzen a., auflockern Waldbr-Geilenkausen.

Rücker -ig-, –e- Sg. u. Pl. Saargeb. m.: Arbeiter, der die beladenen Kohlenwagen von dem Förderkorb abzieht u. leere W. auf den Korb drückt, in der Bergmspr.

Aus- rücker: Apparat im Kohlenbergwerk, mittels dessen man den Seilkorb von der Fördermaschine absondern kann Saargeb.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Rücken das Wort ist allg., doch im Rhfrk wird das Simpl. nicht angewandt, dafür Buckel (nicht nur, wie sonst, verächtl.; in Zs. aber auch hier R. verwandt), u. zwar Rhfrk (in Zs.) rik, –e-, Mosfrk -e-, –ø-, sonst -ø- [die nhd. Form mit -ən ist schon hier u. da als -gə(n), –kə(n) eingedrungen, doch ist die mdl. Form -k noch fest; der Dat. Sg. noch vielfach -gə(n), –kə(n) neben -k]; bes. Formen in geschlossenen Geb.: ryjən um Gummb-Müllenb,

[Bd. 7, Sp. 562]
røyən u. r·y. Elbf, Lennep-Ronsd; ryk um MülhRuhr; n. Ruhr røχ, røx (ö. Dinsl-Overbeck u. Gahlen Besten røk); lrhn. ö. Mörs-Büderich Menzelen Vynen, Klev-Appeldorn Till Kellen Brienen røχ, røx; Pl. (selten) -gə(n) [-jən, r·y.ən]; Demin. -gəlχə, –kskə, –gəltjə m.: 1. wie nhd., beim menschl. u. tierischen Körper. RA.: Wer einen breiten R. hat, hät en R. wie en Oəssen (Ochse) Gummb-Drabenderhöhe, — en Wann (Getreideschwinge) Schleid, — en Stalldür ebd., — en Schürporz (Scheunentor) Monsch-Neuenhf, — e Schelderfeldche (FlN) Eusk, — do konnen irer vier Sebbeschröm (Siebenschräme, Kartensp.) drop karte, dann hant se nouch e Pläzche für de Krick (Kreide) ze len (legen) Bergh-Blatzh, — do künnt mer ene Backovve drop baue Sieg-ODollend, — als hätt er e Backes (Backhaus) fel (feil) gedrohn Altk-Herpteroth. Kinder, die beim Kartoffelausmachen darüber klagen, dass ihnen der R. weh tut, erhalten die Antw.: Dau hos jo noch kene R., den hängt jo noch on em Zwirfodem! Trier-Schleidw, — du hes jo den Arsch en er Wedd (Weide) hangen! Gummb-Nümbrecht; jonge Mögge (Mücken) häwwe noch gen R.! Klev-Calcar. Der hät ene brede (storken Prüm-Mürlenb) R. eigentl. u. er beachtet kleine Widerwärtigkeiten nicht, kann vieles ertragen, ein weites Gewissen Rip, Allg., — en lange R. eigentl. Allg. u. er ist träge Emmerich, — ene huhe R. mit hochgezogenen Schultern, einen Höcker Rip, Allg., — en hohle R. eingesunken, bes. vom Pferde und Rindvieh Bitb, Allg., — en kromme R. von vieler Arbeit NBerg, Allg.; de kann got ene kr. R. make katzbuckeln Heinsb; der hät ene stive (steifen) R. rheumatisch Rip, Allg.; de R. stif hale, ne st.ə R. h. nicht nachgeben, nicht katzbuckeln Rip, Allg.; st. R., seilen Glöck wer nicht katzbuckeln kann, hat selten Glück Wippf-Lindlar; (hüte) dech för Fraulüt, die ene kale (kalten) R. hant! die zuviel sitzen Heinsb; sech de R. frei hale wie nhd. Rip, Allg. Böck de R. Nachahmung des Wachtelrufes Rip, Allg. Hot mer de R. gekihrt (verwandt Rhfrk), dann as der Deiwel los Bitb, Allg.; enem de R. drehe (dardr.) ihn missachten Rip, Allg. Sech de R. wärme mit dem R. zum Ofen hin stehen, bildl. nichts tun Allg; den hot de R. gut gemäst hat einen Höcker Trier-Mehring; einem de R. schruppe ihm einen derben Verweis geben Ahrw-Heimerzh; Emes de Rögg stieve stärken Heinsb-Millen; dann sall ow Röckske Kermes halde! du bekommst Prügel Klev. Hä hät de Rögg nao de Stöck stoon ist Prügel gewohnt Heinsb-Millen. De R. eraf böste brav; de R. erop häste e kodd (böses) Fell op! du bist umgänglich, wenn man deinen Willen tut Bergh, Dür, Jül. Der läuf (krüff) einem der R. erop katzbuckelt Köln. Du kanns mer de R. eroplofe (-klemme, –kruffe, –rötsche)! abschl. Antw. Rip, Allg.; du kas mich met genälde (genagelten) Klompen (Schohn) der R. eroplofe! Monsch-Ruhrbg; du kanns mer der R. erafrötsche; sich (sieh), bös datste e Loch fengs

[Bd. 7, Sp. 563]
(findest)! Bergh-Hüchelhv. Et löf mer kalt on hess de R. erop vor Schauder Rip, Allg. Dech laupen se de R. op du bist sehr ausgelassen, nicht gescheit Mörs, Geld; den löppt et ok de R. op er verlangt nach Schlägen Mörs-Xanten. He friss nem ale Perd de R. af so essgierig ist er Berg, Köln. — Den hät wat achter de R. er kann sich helfen Rees; ene a. de R. kalle ihn verleumden Eup. Hej hät et an de R. ist nicht gut gelaunt Klev. Ech han at (schon) mannich Johr om R. bin alt Rip, Allg. Er hat e Brut om R. einen Höcker Aden-Herschb, — schine Stoff om R. Wittl, — dräht si Hus om R. Köln-Stdt, — dr. et Herz om R. geht gebückt Bergh. Dat ös hönge (hinten) we om (em) R. es steht sich gleich Dür-Golzh Gürzenich; et blieft sech h. wie om R. Gummb-Nümbrecht. Der Wengk (Wind) op en (em) R. han die grössten Anstrengungen überwunden haben, in günstigen Verhältnissen leben Aach, Erk, MGladb, Kref, Düss-Stdt. Mer kann net Ogen op dem R. han nicht sehen, was hinter einem geschieht Prüm, Allg. He geht do met de Hangk (Hand) op de R. er faulenzt Rip, Allg.; den hält de Hänn op dem R., os wonn he Koren (Roggen) zu verkofen hätt er geht müssig Prüm, Daun; wenn ich mer en Hand op de R. benne (binde), dann dohn ech noch mih als wie du met zwei Hänn! Ahrw-Heimersh. Enem et Gesech op de R. schlohn ihn verprügeln Eusk-Dirmerzh, Köln; eich drähn (drehn) der den Hals of den R.! Saarl; ech schlonn dech, dat do et Gesech om R. häs! Köln, — dir et Gesech em R. hängk Sieg-Bergh. De Ben op de R. nehme (holle) schnell laufen Duisb, Allg. Hej hät de Katt (Katze) op de R. ist nicht gut gelaunt Klev. Ment gei, dat min de Grosse op de R. wasse (wachsen)! soviel Geld habe ich doch nicht Rees. Wem et om R. geschrevve es, dem bruch mer et Hemb net opzehevve bei Verdacht eines übel beleumundeten Menschen Bo. Mer ment, mer hätt et om R. hange man kann den widerlichen Anblick nicht ertragen Schleid. Enen op de R. sehn ihn überleben Schleid-Hellenth. Eich siehn dem liewer op de R. wie an't Gesicht ich sehe ihn lieber gehen als kommen Bitb, Allg., — as för de Kopp Mörs. Dor fall ek op de R.! vor Verwunderung Klevld, Allg.; op de R. falle eine Aussage nicht aufrecht halten, wenns drauf ankommt Eusk; nau fall of de R. on verwonner dich met de Bain! Kobl. Dem et Unglöck well, de fällt op der R. un zerbrich de Nas Köln, Dür, Schleid. Sech platt op de R. lege Rip, Allg.; dat leəgt der Man open R. bringt ihn um Aach; sech op de R. lege sterben Allg. Sich leiver open R. leəgen en met de Ziəhne (Zehen) speəle ehe dies tun Aach. En hat et aus em R. er ist in gute Verhältnisse gekommen, hat nun die Kinder gross Saarbg, Trier. Et löf mir kalt dörch de R. ich schaudere MüEif. Et brennt em hinger'm (hinter dem) R. er ist ungeduldig Gummb-Bergneustadt. Henger dem R. jet dohn heimlich Rip, Allg. Ene Schoss em R. Hexenschuss Rip, Allg.; he hät e Brett (en Stang, Hebeisen, ene Steck, ene Knoək)

[Bd. 7, Sp. 564]
em R. geht aufrecht, aber steif, kann sich nicht bücken SNfrk, Allg.; de hät ene Gode am R. er geht gebückt, hat einen Höcker Eusk-Liblar, Dür; er hät et em R. Schmerzen im R., Allg., hat alle Sorgen hinter sich, ist reich Neuw, Rip; de hät alt jet em R. viel durchgemacht Rip; der hät ene em R. der ihm hilft Rip, Nfrk; engen e jen R. stoəh ihn unterstützen Aach. Dat spüre ich em R. habe eine Ahnung, dass es so kommen wird Dür-Winden. Dem es et Herz en de R. gerötsch er hat einen Höcker MüEif. De schmiss sich en de R. wie ne Hahn macht einen krummen R. Dür-NZier, Geld-Nieukerk. Singe Mann hät et (seine Frau) en der R. getrodde (getreten) sie ist schwanger Köln-Rodenk. Sie essen, dat en de Buch om Röggen steht Wippf-Frielingsdf. Enem en de R. falle wie nhd. Allg. Du kanns mich ens lang s jen R. erop lofe! abschl. Antw. Aach-Merkst. We angere glöft on si Bett verköppt, fällt met der R. en et Strüəh MGladb. Den sehn ech nit mem R. an! ich verachte ihn Rip, Allg. Dem kammer möt en Schürreskar üvver de R. fahre so geduldig u. gleichgültig ist er Rip, Nfrk. Et läft (läuft) mer eiskalt iwer de R. Birkf-Herrst, Allg. De hät sich en Rot (Rute) för singen eige R. gemat dadurch, dass er seine Kinder schlecht erzog Köln, Verbr. — Rätsel. Ruə (rotes) Rückske soət henger (hinter) e Strückske (Strauch); wie ärger de Sonn schiən, wie miəh ruə, r. R. griən? die Erdbeere MGladb. Wickel di Wackel geht üəver de Bröck, se drät (trägt) dem Köning si Bett op der R.? die Gans MGladb. Et hat zwanzig Ben on geht noch op dem R. hem? die Egge Prüm-Ihren, Kochem-Dünfus, Waldbr-Eckenhgn. — Röckske sen ein Kindersp., bei dem jmd. dem andern stets den R. zukehren muss MGladb. — 2. übertr. a. Rückenteil eines Kleidungsstückes Allg. RA.: De hat en R. un (an) der West ist reich Bernk-Elzerath. De hät keine R. em Hemd ist arm Köln. — b. die Rückenlehne an Stuhl u. Bank; R.teil am R.tragkorb Allg. — c. die grade Seite an der Bohne, im Gegens. zum Buck (Bauch) der gebogenen Seite Mörs; die erhöhte Seite (gegenüber dem Käulchen) beim Spielknöchel (Röck, Röckelche, Röckske) Monsch, Eup, Aach, Erk, Kemp-Hagenbr, Geld, Rees-Hamminkeln; Röggel Geld-Straelen; die Falte in der Mitte bei Leinen Bitb. — d. die Seite des Eies Goar-Boppard, MülhRh. — e. der erhabene Teil des Brotes, die unbeschmierte Seite des Butterbrotes, Brot darf nicht auf dem Rücken liegen, bringt Unglück Rhfrk, Mosfrk, Allg. — f. rückenartiger Teil an Schneidewaren und Werkzeugen (z. B. an Säge, Sense, Feile, Messer, Schwert, am Heft und am Gang des Taschenmessers); man unterscheidet derbe, dicke, doppelte, flache, hohe, hohle, runde, spitze R., ferner R. mit Kopf, Sattel oder Stecken. Nach der Gestalt des R. sind oft die Gegenstände benannt, z. B. (meist veralt.) Sensenarten: Hochrückensense, Beirückensense, Doppelrücken, Flachrücken; Schwertarten: Rückschwert, Kopfrückschwert, Rückhauer, Rückpalasse,

[Bd. 7, Sp. 565]
Steckenrücksklinge, Sensenrücken, Hochrücken; Dickrücken = Brotmesserart; Spitzrücken = Tischmesserart; Rückensäge, Rückenbeissel Sol, Remschd. blo R. Sense mit blauem R. Remschd. — g. der Buchrücken Allg.; der Sprungr. aus mehreren Lagen zusammengeklebter R.deckel MGladb. — h. Erhöhung im Gelände, im Acker, in der Wiese Allg.; beim Pflügen in nassen Feldern wird so gefohren, dass man zuerst durch die Mitte zwei Furchen zieht u. hieran anschliessend die anderen (zesomefohren); in der Mitte entsteht so ein R.; dies geschieht mehrere Jahre hindurch Saar, Trier, Bitb; durch Pflügen quer durchs Feld, durch die Mitte wird das Feld zu Recker (Abteilungen) zerlegt; eich ham drei R. newenənanner met Wäss (Weizen) Saar, Dinsl.

Rücken in der Zs. meist røk- (s. S.); wo -gən- steht, ist dies angegeben: Rücken-bord Sol n.: dicker Wulst am Rasiermesser. Rücken-braten -gəbrərə Siegld-Afholderb m.: -stück des Schlachttieres. Rücken-brett Allg. n.: Br. im Rücken des Schrankes, der Kiste, der Kiepe. Rücken-bruch Sol m.: Br. im Rücken des Messers; beim Plisten der Messer entstehen infolge Erwärmens Spannungen auf dem dicken Rücken gegenüber der dünnen Wate; die Messer springen dann. Rücken-buckel rugəbugəl Prüm-Schönf m.: ein Kind R. drohn huckepack (s. Wk. III, 2). Rücken-botte -bǫt Ahrw f.: R.tragkorb. Rücken-bürge(r) Siegld, Altk m.: Brett, das man in der Frühstückspause als R.lehne benutzt, in der Bergmspr. Rücken-bütte -γənbyt Rees-Haldern Pl.: die auf dem Rücken der Kuh verlaufenden Dornfortsätze des R.grates. Rücken-feder Kobl-SSebastian f.: Rückenflosse des Fisches. Rücken-gicht (s. S.) -k- u. -gən- Allg. f.: wie nhd. PfWB  ElsWB Rücken-grat -:t Trier-Stdt, Bitb-Dahlem, Zell-Briedel, Sieg-Honnef, Köln-Stdt u. so wohl noch weiter aus dem Nhd. (mdl. R.strang) m.: nach dem Nhd. Rücken-gurt -ü- Merz, Saarbg, Trier, Bitb f.: lederner Riemen, über dem Rücken des Zugtieres. Rücken-hau -hǫu m., -hykə n. Klev, Rees: Rückenstück vom geschlachteten Schweine.