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Rheinisches Wörterbuch 
 
Rindssuppe bis Ringholz (Bd. 7, Sp. 434 bis 438)
 
  PfWB Rinds-suppe rønsup Klev f.: -fleischsuppe.

Rinder-kuh re·ŋ.ərs- Kemp-Dülken f.: Rind, das zum erstenmal gekalbt hat. Rinder-männer Sieg-Fussh, Gummb, Wippf, Lennep Pl.: späte

[Bd. 7, Sp. 435]
Kartoffelsorte um 1870; an einem Strang waren viele Kartoffeln so fest angewachsen, dass man sie abschlagen musste (eingeführt um 1870 von dem Lehrer R.mann aus MülhRh-Altenbg). RA.: Setz doch luter R., schreten (schrien) all de Erpelskenner, genog ze kouchen on g. ze broden, wenn se nu got geroden Sieg-Fussh. In dem Hus sind onger (unter) den Kingern R. Kinder von einem anderen Vater.  PfWB Rinder-pest f.: wie nhd. PfWB Rinder-schmalz -malts Rheinb-Wormersd; -malt Mörs-Eversael Utfort n.: Nierenfett. Rinder-stall Allg. m.: wie nhd. Rinder-talg Merz-Stdt, Erk-Rickelr, Dinsl m.: Nierenfett.

rinden de Koh es re·n.ə brünstig Neuw-Ariend usf. s. bei rindig.

 PfWB  ElsWB rindern -ind- Lennep-Bornef schw.: de Kouh rindert ist brünstig.

Ge-rindersch gəre·n.ər Koch n.: die Rinder.

 PfWB  ElsWB rindig das Wort re·n.iχ, –i- ist nach Wk. VI 3 geschlossen an der Mos in Trier, Wittl, Bernk, dann vereinzelt Koch-Bruttig, Kobl-Güls Kettig Lay Winning, geschlossen wieder in May u. häufiger in Aden-Arft Acht Engeln Hanneb Weibern, Ahrw-Blasw Cassel Fronr, in der WEif nur vereinzelt in Bitb-Badem Beiling Dudeld Gond Herforst, Prüm-Feuerschd (-ę·n.d-), Mürlenb, dann geschlossen in Neuw, Altk-Flammersf [ra·n.iχ Trier-Butzw Biewer, Wittl-Hupperath, Bitb-Dudeld; in Trier (Mos) auch hier u. da -ø-, –y-; in Neuw-Ariend Bruchhsn Dattenbg Erpel Ohlenbg re·n.ə]; dann beginnt rrhn. das Wort als rindiχ, –e- wieder in Lennep-Radevormwald, Ess-Schuir u. häufiger in Dinsl-Eppinghv Hiesf Mehrum Möllen Walsum, lrhn. gegenüber in Mörs allg. (-i-, –ē:, –ę-, –ø-) u. Kemp-Niep, Kref-Fischeln (re·ŋ.əriχ) (es sind also zwei getrennt liegende ziemlich geschlossene Geb. α. Mosfrk, β.Dinsl, Mörs) Adj.: brünstig, von dem Rind, der Kuh; de Kuh mott gelet (geleitet) werden, se ös r. Mörs, Allg.

rindisch geschlossen in Geld, Mörs-Lütting Labbeck Sonsbeck Schaephsn Vynen Wardt, Klev, u. zwar rønt Mörs-Labbeck Sonsbeck; rents Schaephsn, Geld-Pont Sevelen; re·ŋ.ks Geld-Dam Straelen (u. rint-, dies auch Sevelen); sonst røn(t)s Adj.: dass.

Rindsert rintsərt, Pl. -də Saarbr m.: 1. Wollbohne, pfaseolus multiflorus; dicke, bunte Bohne beim Bohnchesspiel (gefleckt wie ein Rind); sie gilt mehr als eine weisse B. (Deifchen ‘Täubchen’). — 2. übertr. verächtl. dummer Mensch.
 
 
 PfWB  ElsWB Rinde, das Wort ist oder war der MA. fremd, dafür Siegld, Berg Beune, Klevld Bast, Aden, Ahrw, Schleid Schörz, sonst Schale, Schels (s. d.) für Baumrinde, Kruste für Brotrinde; doch begegnet heute im Rhfrk, Mosfrk, Rip ri·n., –e-, –ø-; dabei beweisen Formen wie re·n.t, –ø-, dass die Einlautung (-nde > -nn) noch nicht überall vollzogen ist Sg. t. f.: 1. Baumrinde.

[Bd. 7, Sp. 436]
2. rø·n.ə Pl. Hülsen des Spelzes Schleid-Holzmühlh.

Rinde-klöter re·n.kltər Gummb-Derschlag m.: Specht.

rindig, rindisch, Rindsert s. bei Rind.

Rines I = Kurzf. für Severin (s. d.)
 
 
Rines II rīnəs, Pl. -əsən m.: 1. ein auffallend hoch aufgeschossener Mensch mit schmalem Körperbau Bitb-Geichl. — 2. Pl. t. Gebärden; mach net esou viel R.ən! Wittl-OKail.

Rinett = Reinette (s. d.).
 
 
ge-ring das Wort ist allg., im Mosfr. aber nicht eigentliche Mundart, u. zwar gəriŋ, –e- u. gr-, jr- Adj.: 1. klein, von Gestalt; do wor ech noch g.ər Waldbr. — 2. geringwertig. a. von Sachen, Zuständen; g.ə Luhn (Lohn); e g. Hüs-che usf.; dat sull doch e g.ste sen, den ze kamesöle (prügeln); dat es nüs G.əs, su herenzefalle; wenn du dech noch em G.stə mucks! Rip, Allg. RA.: Et es ken Düwel so g., he well sinnen Unnerdüwel hewwen Ess. Wo et es ömmer evve reng (eben rein), do es de Nahrong g. Aach-Stdt. Dau spinns g. Seid es ist zu deinem Nachteil Trier-Mehring. We et g. net ach (achtet), dat git kene göldene Här Ahrw-Holzw. Et es nicks g.əs, wenn em (einem) e Kuh wat of et Ag (Auge) mächt von einem Prahler Siegld. — Der Wein es (schmeckt) g. Bernk-Neumag. — b. von Menschen α. der g.ə Mann, g. Löck (Leute) sozial niedrig stehend, ohne Besitz Rip, Allg. RA.: So'n g.ə Mann mott ömmer ondersteke wird unterdrückt Mörs-Wallach. Kein Helliger es su g., he well nen eige Kerzesching (-schein) Köln. Dem Riche wich (weiche) on hal dich g., dat he dich net en Onglöck brengk Dür-Golzh. Ovve fing, onge g.! hui-pfui Bo-Dransd. — β. noch g. sen sehr jung Altk-Birken.

ge-ringlich Adj.: 1. -ri·ŋ.kəliχ dervankonn glimpflich davonkommen Prüm-Steffeln 1880, Daun-Neroth 1860. — 2. gri·ŋ.iχ, gr.ə Lück gewöhnl. Leute Köln-Stdt 1817.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Ring das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk riŋk, –e-, Pl. riŋ, –e-; Mosfrk reŋk, Pl. re·ŋ. [im Geb. der Senkung raŋk, –u-, –o-, -ǫ-, –ę-, –ø-, –-, aber Pl. stets re·ŋ.]; Rip, Berg, SNfrk reŋk, –ø- [Aach rē:ŋk], Pl. re·ŋ.; Eup ręŋk, Pl. rę·ŋ.; Klevld reŋk, Pl. reŋ; demin. reŋəlχən, –i- (auch raŋk usf. gilt); Nfrk re·ŋ.skə m.: 1. wie nhd., ene gölde, isere, glatte R.; ene Fönger-, Braut-, Trau- (Treu-) [der Trauring auch effe R. genannt MGladb, Dür-Ellen], Ohrreng; ene R. van er Kett, Ketter. (Kettenglied), ene R. en der Nas (bei Tieren), Nasereng; ene R. an der Ses (Sense) Sesenr. zur Befestigung der S. an den Stiel; der R. an der Et (Egge), Edereng; R. op dem Herd als Verschluss der Öffnungen Ovve(s)r.; R. am Kump (Trog), woran das Vieh befestigt wird; R. an der Wo (Wage des Wagens; R. an den Leitern des W.); am Plog (an der Hal ‘Halte’), an der Handhabe des Pfluges, zum Durchschlingen der Leine Allg.; die han sech de Reng gekof haben sich verlobt Rip, Allg.; Ring(e)

[Bd. 7, Sp. 437]
schloəhn schmieden Gummb; ringförmiger Einschnitt in einen Stock. — Im bes. Holzring im Wasserrad, der von den Armen oder vom Viergespann getragen wird u. in den die Stollen u. Traufeln eingehauen sind; Fingeröffnung am Schlüssel Berg. — Der eiserne oder kupferne R. in der Mitte der äusseren Seite oder oben am Gadder, mit dem man klopfte, um Einlass bittend Allg veralt.; mach de R. op öffne die Türe Malm-Wallerode [in Eup war früher an den Häusern der Schweineschlächter ein R. eingelassen]. RA.: Op den R. kloppen betteln Berg. Kloppe, kl., Rengelche, do stohn zwei ärm Kengerche (Kinder); get (gebt) en jet, lot se gohn, de hemmelsche Poərz (Pforte) wird opgedohn! Heischeld. der Kinder Dür, Aach (klocke, kl., R.), Monsch; rabbele, r., R., kome zwei- Jül-Tetz. — Fingerhut, Nähreng Heinsb. — Radreifen, auch Radr. Koch, Prüm, Siegld, Gummb, Heinsb-Bocket. Reng schlepen (schleifen) zwei Radreifen über die Wiese ziehen, um die Maulwurfshaufen auseinanderzuspreiten Barm. — Reifen um das Butterfass Koch-Laub. — Spielring der Kinder; der R. schmecken (mit der Peitsche) Bo-Witterschlick, Aach-Warden, — schlage Grevbr, Kref-Anr, Geilk-Honsd, Heinsb-Bocket, Aach-Stolbg, — schloh Siegld-Geisweid Nauholz Netphen Sohlb, — drive Heinsb-Waldenr, — jagen Dinsl-Gahlen. RA.: Dur dem sin Ben kann men ene R. schlohn er hat O-Beine Geilk-Honsd. — Krampen on Ringelcher Haken u. Ösen am Kleide Saarbr, Saarl, Ottw, Trier-Mettnich; Rengskes Kemp-STönis. Rengelscher Öse im Schnürschuh Allg. — Polsterring auf dem Kopfe, zum Tragen von Kopflasten Nahe, Saar bis Merz, Trier-Hermeskeil, uWupp, Sol, Elbf, Remschd. — Tragriemen der Hotte (Rückentragkorb) aus Weiden Saarbg, Trier, Wittl, Bernk. — Der R., den beim Partieschnappen der auf dem Karussel reitende Bursche erhascht; den R. to packen krieən un rutriten ut der Busse (Büchse) für Freifahrt Gummb, Allg.; R. steəke Kref. — R. schmiten mit Ringen nach aufgesteckten Messern werfen, auf dem Jahrmarkt ebd. — Reng werfe einen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen Schleid-Dollend. — Dor den R. schete (schiessen) im Klickersp., wobei der Klicker durch einen R. mit der Hand geschnellt wird Geld-Hinsbeck; Reng sch. Jül-Boslar; Rengske sch. Geilk-Porselen. — RA.: R. am Fenger, Dreck (Rotz) am Back Neuw-Altenbg Ehrenst. U (an) jedem Fanger e R. un de Bockel voll Leis (Läuse) Trier-Mehring. De Finger met Ring gezert, dat Brot met Berekraut geschmert! Goar-OGondershsn. Besser Horn (Schwielen) en de Hand wie ne golde R. am Fönger Bo-Wesseling. We en Destel met de Wottel (Wurzel) ganz uttröckt (auszieht), föngt (findet) ene goldene R. dran Heinsb. De liet (lässt) sich ene R. durch de Nas trecke so dumm, gutmütig ist er Köln, Allg. He es so düər (mager), dat men öhm dörch ene R. trecke kös (könnte) Eup. Der

[Bd. 7, Sp. 438]
Neuling in der Schule muss en de glihrige (glühenden) R. beisse so ängstigen die älteren Schüler die Neulinge Ottw-Remmesw. Wenn dat net wohr es, dann fress ech en Beassem meat siwwe (dreizehn) Ring! May-Pillig MüMaif, Simm-Riesw, Birkf-Idar. — Im Kinderld. Mönnche, M. (Muhme), gemmech ene Emmer Watterpott! Wat göfste mech dann? Ene golde R.! De mag ech net! Ene selvers R.! De mag ech och net! Da krup der dur on fall net dren! beim Brückensp. MGladb. Dubbe, dubbe, dubb (bei jeder Zeile am Anfang stehend), wo es min Vader? In Eckenhagen. Wat deht he do? (De) Ringe schloəhn (eiserne R. schmieden). Wat sallen de R.? De Kuh anbengen (-binden). Wat sallen de K.? De Melk gewen usf. dem Kinde zur Unterhaltung schlägt man auf die Tischkante u. spricht dabei, das Schmieden im Viertakt nachahmend, diese Worte Gummb-Berghsn. Dau brauchs kän Ringelche, dau br. kän Ring, dau br. kän Sonnenschein, dau verreckt Ding! Bernk-Mülh. Rätsel, Scherzfr. Rond, r. Rengelche, eich trere der of dei Zengelche on rappe der all die Hor aus? Spinnrad Bernk-Sulzb. Allg. Wat förne R. ös nit rond? der Häring Mörs, Verbr. — Volksgl. Über bösartigen Hautausschlag streicht man mit einem gesegnete R. Geilk, Erk. — 2. Ringförmiges aus andern Stoffen. a. Rengsje Einsatzrechteck für Klicker, beim Klickersp. Aach-Bardenbg. — b. der feste Stein in der Mühlsteingrube (Basaltlava) May-NMendig. — c. Neujahrsbrezel, effe oder geflert (einfach oder geflochten) Geld-Leuth. — d. am Körper. α. an der Wurzel des Fingernagels Allg. — β. blo R. om de Awen (Augen) Trier, Allg. — e. ene R. öm de Mond Hof um den M. Allg. RA.: Ene R. öm der M., Ren (Regen) dren wohnt Geilk-Süggerath. — f. R. einer Tabakwolke der kann got Reng roche (blose) Rip, Allg. — Abl.: dat Gerengs die vielen, lästigen Ringe Rip.

Ring-buchweizen -bukənt Mörs-Asbg m.: windender Knöterich, polygonum convolvulus. PfWB Ring-finger (s. S.) Allg. m.: wie nhd. PfWB Ring-geissel -ais- Siegld f.: eine Peitsche mit kurzem Holzstiel u. langer Schnur von dickem Seil, in welcher in bestimmter Entfernung voneinander Holzklötzchen angebracht sind; früher knallte der Hirte damit, um die Kühe zum Austreiben auf die Weide zusammenzurufen; jetzt wird sie noch beim Einholen der neuen Hirten am Michelstag oder beim Wingkefplatzen geschwungen; sie erzeugt einen lauten Knall; ihre Handhabung ist schwierig, s. auch Klotzer-, Hinterrücksg. geknüppelte G. Ring-holz -hōt Heinsb-Erpen n.: Holzring von ca. ½ m Dicke, auf dem das Brunnenmauerwerk aufgeführt wird.