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Rheinisches Wörterbuch 
 
Richsel bis Richte (Bd. 7, Sp. 386 bis 391)
 
 Richsel reχsəl, Pl. -əln vereinzelt Prüm-Leidenborn n.: Traggurt.

richt I = recht (s. d.).
 
 
 PfWB  LothWB richt II das Wort, im Ablaut zu recht, ist, reich entwickelt, nur lrhn. im Rhfrk im Saargeb., Wend, Birkf, Simm, im Mosfrk an der Saar, Hochw, an der Mos bis Koch, in der Eif bis einschl. Malm, Prüm, Daun-Auel OBetting, May-Kollig Trimbs (einige Ausläufer nach N., auch rrhn. im Berg, s. u.), u. zwar Saargeb., Wend riχt [Urexw Alsw Winterb ]; Birkf, Simm -ī-; mosfrk Saar -i- [n. einschl. Saarl-OEsch, Merz-Silwing Weiler, Saarbg-Nohn Taben Greimerath bis einschl. Saarbg-Eft Orscholz Freudenbg Kastel Hamm, Merz-Bergen Waldhölzb rit; n. davon rīt; Saarbg-Stdt rīχt]; Trier bis Bernk, Bitb, SPrüm rīχt [Trier-Crettnach Igel Karths Kell Mandern Merzlich Lampaden Pluwig Schilling rīt] Zell -i-; Koch, May-Kollig, Aden-Virnebg ris (< richts); Daun riχt u. -ī-; NPrüm, Malm rīt [Bütgenb -ē-; n. anschliessend Monsch-Witzerath reiχ]; dann noch einige verstreute Ausläufer rīət Dür-Ellen; rex Heinsb-Millen; rīt uWupp 1870; Adj., Adv.: 1. räumlich a. grade, nicht krumm oder gebogen, gradlinig, in grader Richtung [gerade

[Bd. 7, Sp. 387]
hat nur zeitl. Bed.] verstärkt peil-, schnacker-; e r.ə Strich; e r.ə Stock; e r. Stick Holz; en r.ə Fuər (Furche); et Holz as ganz r. (gewoss ‘gewachsen’); der Pohl (Pfahl) stäht g. r.; he kann net mieh r. gohn; sech r. halen (halten); der Weg (de Bach) läft (läuft) r.; he kom r. op mich los; dat leit r. fir (vor) dir; dem sein Hor stihn r. an (in) der Loft, — zu Berg senkrecht; r. der Nas no soll man gehen; et rent (regnet) r. herof (erunner); r. de Berg (Trapp) aus (erof) WEif, Allg. RA.: Su r. wie en Kerz Allg., — de Bedeshemer (Prüm-Büdesh) Bach, die viele Krümmungen hat, iron. krumm Prüm, — de Zerwer (Trier-Zerf) B. (die Ruwer) Merz-Nunk, — de Kordeler B. Bitb-NWeis, — de Krummener (Bernk-Krummenau) B. Bernk-Merschd. Hen hält sich su r., wie wenn hen en Pohl (Pfahl) geschluckt hätt, — durch de Reche gezogen h., — hen e Besemstaf am (im) Bockel stechen hätt SWEif, Allg. Adjes, hal dech riss, dat de kane kromme Buckel kris! May-Kollig, Koch-Driesch. Eso r., wie en Sau sächt (seicht) iron. krumm Trier-Mehring. Mit dem es kän r. Fur (Furche) ze fahren (pflügen) ist nicht auszukommen uPrimstal. Et hot alles en r. Seit, nömme (nur) de Kromme vu Krujchten (ein widerborstiger Bauer aus Kruchten) net Bitb-Seimerich. Eich hun Hunger, dat ich net meih r. kucke kann Saarbg-Wehing. Dat elo (eine Sache, ein Geschäft) reisst (net) r. nimmt (nicht) den rechten Fortgang, kommt (nicht) zu gutem Ende; wenn dat r. reisst, da son (sage) eich neist mih, — da well eich et lowen! Zell, Bernk, Trier, Bitb, Prüm. Dau kömms r. an (in) de Hel (Hölle)! Drohung Trier, Allg. R. un Krumb, wo läfste (läufst du) hin? Geschurene Kapp (Kopf), wat geht et dich un? Mei K. as net esou dack (oft) geschurgen wie dei Arsch zugefrur as Bach u. Wiese Trier. — b. auf der richtigen Seite (rechts), im Gegens. zu :wənts (s. äbich) links, bei Kleidungsstücken, Stoffen Bitb, Prüm, Malm. RA.: Den os mer liewer äwenzig wie den annere r. Prüm-Ihren. — 2. zeitl. sofort, schnell; ech ku r.; komm es (einmal) r.; heə geht ewell (jetzt) r.; ich komm lo (allda) r. u. ənricht Bitb, Wittl, Daun, Prüm, Malm [reiχ bald, über ein paar Wochen oder Monate Monsch-Witzerath].

auf- richt: oprīts Adv. aufrecht stehend; o. fohren über die Eisbahn gleiten Saarbg-Ockfen.er -richt: ərīt gradeswegs, ohne Umweg, ohne Säumen, sofort Saarbg-Wellen.ge -richt: engem ebbes g. machen so, wie es ihm gefällt, mundgerecht Prüm-Mürlenb.

 PfWB  LothWB richt- in der Zs. mit andern Adv. : ab -:f Bitb: geradewegs, de Kop r. hauen, den Ast as r. gebroch. richt-abhin -awə Nahe: r. do a. gerade da hinunter. richt-auf rītop Malm-Amel; rēχ- MüEif; rēt- uWupp 1870: 1. aufrecht; dat Kend stond em Bettche r.; de Kopp r. drage Allg.; ene Ritop plumper Mensch Malm-Amel.

[Bd. 7, Sp. 388]
Schnider, Schn., Getbock (Geiss-), stip die Hoəre (Hörner) r.! Spottr. gegen den Schneider MGladb-Rheind. — 2. auf der Stelle, sofort uWupp 1870. richt-aus Allg.: grade aus; der Weg gäht r.; dem stohn de Biārschte (Haare) r.; r. gohn Allg. richt-durch -dūrəχ u. dədurəχ Allg.: grade mitten durch, gradeaus; der Weg geht emmer r. Allg.; et geht bei dem r. derdurch er kümmert sich nicht um rechts oder links Prüm-Ihren. En Ris derdorch plumper Mensch Koch-Lutzerath. richt-fadems fdəms Bitb: dem gespannten Faden entlang. richt-fort Simm-Ebschd, Koch, Bernk, Trier, Bitb, Prüm, Daun: 1.a. geradeaus; gih r., he sät et r. Allg. a. RA.: R. kucken (in der Betrunkenheit) wie en Gordendir, — en Kladerlaus Bitb-NWeis. — b. fortwährend, an einem Stück. — 2. schlicht, einfach; et as r. an (in) dem Haus; bei us gäht et r. et gäht haut (heute) r. heute ist das Essen einmal aussergewöhnlich einfach; r. gekläd setn; en as en allem esu r. offen, ehrlich, schlicht u. einfach; e r. Kläd (Blus); en r. ər Mann einfacher M., mit dem jeder umgehen kann Allg. RA.: R. wie en Gordendir (Gartentüre) von einem ohne viel Kunst angefertigten Gegenstande Bitb. R., wie der N. Jakob gelaut (geläutet) hot Simm-Ebschd. R., wie der Deiwel de Bauern helt (holt) Bitb-NWeis. Et gäht r., wie de Pelicher Ranzen Pölich (Trier) ist eine Filiale von Mehring; dort ist wöchentlich einmal Messe; ein Bauer ist Küster, der immer dasselbe singt: ‘Hier liegt vor deiner Majestät’; ech drenken haut (heute) R.ən gewöhnlicher Branntwein Koch; et os en R.ən Tölpel ebd., Daun-Strohn, Saarbg-Nennig. richt-herab Allg.: grade herab; et geht r.; et schitt (schüttet, regnet) r. Allg. Anton, Schmandtun, drei Reihe Knäpp (Knöpfe) r.! Neckspr. auf Anton May-Trimbs. richt-herauf Allg.: steil in die Höhe; de Weg gung emol r. richt-heraus Allg.: den as r. offenherzig, nimmt kein Blatt vor den Mund; den sot et r., — kennt r. dermat. richt-herüber Allg.: grade gegenüber. richt-herunter Allg.: steil herunter; et rent (regnet) r. richt-über Allg. — grade gegenüber. richt-weg -əwęχ Allg.: 1.a. gradeaus; geh r. dem Pedchen (Pfad) no.b. sofort, mit einem Schlage. — 2.a. einfach, ohne Umschweife; en hot mer et r. afgeschluhn; der (dat) os en R. der plump u. derb seine Meinung äussert. — b. schlicht, bescheiden (s. r. fort); e r.ər Rock. richt-zu 1.Bitb: geradewegs; En ass richtzo op mich dorkommen.2.Prüm, Malm, Daun: sofort, e kennt ewellen (jetzt) r.

Richt- in der Zs. mit Subst. . Richt-dingen ris- Mayf n.: durch den Schiefer durchziehende Kluft. Richt-mass rīχtm:s Bitb-Wiersd n.: Lineal, Masstecken. Richt-scheit riχt-, rīχt-, rit-, rītęit (s. S.) n.: 1. Lineal, Messlatte n. Wk. VII, 11 Saar, Nahe in Wend-Marping, Birkf [rīt- Bundenb], Kreuzn-Hennw Pferdsf (rī-) Spabrücken, Simm [rīt- Bruschd], Goar

[Bd. 7, Sp. 389]

[Bd. 7, Sp. 391]
[rī- ODieb], Hunsr-Orte von Bernk, Zell, Mos [ris- Koch-Auderath Landkern], Eif [rī- Bitb-Stahl; rīt- Messerich; rīl-Biersd; rīnət Trimport; rī- Daun-OEhe Schöneb Strohn; rīt- Hillesh; vielfach rīχtət; rī- Aden-Quiddelb, May-Kollig; griēt Ahrw-Dernau] bis einschl. Malm, Schleid-Udenbreth, Ahrw-Dernau Kassel Sinzig Brohl; rrhn. Neuw-HeimbWeis, Altk-Horhsn, Sieg-Hangelar. E kromm R. holen Aprilscherz Wittl-Dörb. — 2. übertr. ungeschickter Mensch mit steifen Bewegungen u. schlechtem Benehmen Malm-Weywertz. S. andere Zs. bei richten.

 PfWB  LothWB Richte das Wort ist als riχt, –ī-, rit, –ī- im Geb. von richt allg.; dazu rīt Schleid; rīχ uAhr; -ē- Rheinb, Bo, Sieg, Sülzt, Erk-Körrenz, Mörs; -e- Kemp; reχt Klev; dann richtde > rīədə Bergh, Aach; -ī- uWupp; -ē- Erk-Klinkum; -e- Eup; -rēχdə Heinsb; reidə MGladb, Kref-Linn, Sol, Wermelsk, Remschd; reitə Mettm u. Elbf (u. drītə u. redə); riχtə Ruhr Sg. t. f. (einige Fälle Pl. -dən): 1. örtl. a. grade Richtung, im Hauptgeb. in folg. Wend.: Hal de R. gehe (fahre) grade, ziehe die Linie gr.; der Betrunkene kan de R. ewell och glat nöt me halen (behalen), of de R. gehn gradeaus, nicht die Kehre; hea kan sich net mih an (in) der R. halen der Betrunkene; ebbes an (in) de R. brängen (kreien) wieder grade machen, eine verfehlte Sache in Ordnung bringen Allg. im Hauptgeb. — Im NGeb.: De R. gohn immer gradeaus, die nächste Richtung gehen, quer über eine Strecke; de R. nemme den kürzesten Weg einschlagen, einen Umweg abschneiden Allg.; er kann noch de R. hale aufrecht gehen uAhr; der R. nolofe den nächsten Weg Sieg; de Mur steht net en der R. steht schief; de Böm stohn net en der R. nicht in grader Linie MüEif; in de R. gohn einen Weg abschneiden; dat ös in de R. das schneidet den Weg ab Mörs, Klev; ech kann net en de R. komme nicht mehr recht gesunden MGladb; in de R. halden z. B. den Pflug in der rechten Lage, Richtung halten Elbf, Bergh-NEmbt, Mörs; en de Geride blive sich aufrecht halten, in der graden senkrechten Richtung bleiben Bergh-NEmbt. RA.: Met dem es gen R. te schete (schiessen) keine Richtung zu halten, nichts zu machen, nicht auszukommen Heinsb, Kref-Linn, Kemp, Klev, — ken Riəder ze schesse Bergh-Glesch. — En de R. aufrecht; en der R. blive sich aufrecht halten, in der graden senkrechten Richtung verharren; he kann nit an der R. bl. kann nicht aufrecht sitzen, auch wegen Schwäche, Kränklichkeit das Bett aufsuchen; de blif en de R. er darf sich sehen lassen Rip (s. o.); jet en de R. hale im Gleichgewicht halten Sieg-ODollend; jet en de R. brenge aufrecht stellen Aach, Elbf. — Übertr. Ordnung; er hät dat Geschäf wedder en de R. brat; e köt net mih en de R. auf ordentliche Lebensbahn MüEif; net en de R. komme könne

[Bd. 7, Sp. 392]
in wirtschaftlicher Hinsicht nicht vorankommen Aach, Eup; beste widder en der R.? wohl, gesund uAhr; en as aus der R. eraus ganz aus der Ordnung Trier-Ld. — b. besondere Richten. α. riχt Furche an der Längsseite des Feldes Merz-Haustdt, uPrimstal. — β. riχt n. Lager von zu Dachschiefer spaltbarem Tonschiefer; e stoots (schöne) R. mot gode Stan Mayf. — γ. rēχt Gartenbeet Altk-Witthecke; rēχ Eichen. — δ. rīχt kleines Fensterchen über der Stubentüre, um im Dunkeln besser die Türe finden zu können Bitb-Dudeld. — ε. in der Wend.: Der hot awer en lang Rich scherzh. eine lange Nase Kreuzn-Sarmsh. — ζ. s. Brand-, Feuerrichte.2. rīχt, zeitl. in der Verb. äne (u. än) R. sogleich, auf der Stelle; mach dats de äne R. häm kimms; do wort (warte), eich gehn ewei (jetzt) äne R. mät Verbr. an der Mos in Bernk, Wittl, Trier u. in Bitb, Daun-Strohn, Prüm-Steffeln 1880.