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Rheinisches Wörterbuch 
 
vorrätlich bis Ratsch III (Bd. 7, Sp. 134 bis 137)
 
  PfWB vor -rät-lich: firrdiχ (usf.), etwas v. han; et es v. noch im Vorrat, überschüssig, über den eigenen Bedarf.

Rätsel das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk rdsəl [Kreuzn-Weinsh -ā-]; Mosfrk -:- [NSaarbg, Trier-Mos u. n. Mos, Wittl, Bitb -ī:-; Saarbg-Irsch Wellen, Prüm-Büdesh -e·i.-; Altk-Weyerbusch -:s-; Rip -:ts- (u. -:-) [LRip auch -ī:-; Aach-Stdt r·ə.tsəl u. -ntsəl]; Berg -ts- u. -:ts-; SNfrk -·ə.ts- [Selfk, Kemp-Vinkr -ī·ə.-]; Klevld rǫtsəl (Geld-Winternam (--) u. rosəl, neuer auch -ts-; Pl. -əls, –əln, –əlts; Demin. -əlχə(n), –lkə, –lə, –ltjə n. [OBerg n. u. f.): 1. wie nhd. (s. auch Ratstückelchen); enem en R. opgen; en R. rode; et R. es schwer (lech). — Hausr. bei solchen werden die vorhandenen Personen einzeln aufgezählt, d. h. nicht mit Namen, sondern im Verhältnis zum Haushaltungsvorstand, z. B. et is en Mann un e Fra un en grosser Bu un noch en Bu un e Mädche

[Bd. 7, Sp. 135]
un en kläner Bu; ror emol, wer is dat? wer die Familie richtig rät, darf dann seinerseits ein solches Rätsel aufgeben Simm. — 2. übertr. nach dem Nhd., der es mir en R.; dat es mir en R. ich verstehe ihn (es) nicht Rip, Allg.: RA.: Dat es mir en Wessenschaf on dir e R. Dür.

rätseln -ds- Saarbr-Krughütte schw.: enträtseln; ich ko mer gar nit r., wo der Trawant dat ville Geld uf ämol herkrig hat.
 
 
rataplang (frz., ndl. rataplan) : 1. ratapla·ŋ. bumbum Elbf. — 2. verächtl. ratə- Sg. t. m.: a. Plunder, Krempel Eup, Aach. — b. niederträchtiges Volk, Gesindel. rata-ta radada  Wend-Sotzw: im Spielreim beim Sausp. Kesselche, r., wer kä Loch hat, der es dran! rata-zing ratatsi·ŋ.  Elbf: bumbum; r. de Musik fällt en.
 
 
Rate ratə Elbf f.: Teilzahlung; en R. betahlen; rattewis.
 
 
rateln rātələ (ndl. ratelen) ist ein sndfrk., klevld. Wort (lsrhn. nur in Rees), dem südlichen rasseln entsprechend; in besonderer Bed. noch südl. der Benr-L. -āt- in Aach-Stdt Merkst Würselen, Sieg-Ägid schw.: 1. intrans. mit ‘sein’ a. rasseln; de Ratels r.; de Maschine r. Allg. — b. herabkollern, vom Obst; de Äppel r. van de Bom (af); et ratelt Geilk, Heinsb, Geld-Aldekerk. — c. et Fat ratelt ist leck Heinsb-Süsterseel. — 2. absol. a. mit der Kinder-, Kartagsrassel rasseln Allg. — b. ununterbrochen, mit durchdringendem Tone sprechen Erk-Rath; dummes Zeug reden; schimpfen, tadeln Aach-Merkst. — c. scherzh. gratulieren Klev-Calcar. — d. die Nacht schlaflos zubringen, sich im Bette herumwälzend Aach-Stdt Walh Würselen, auch Sieg-Ägid. — Abl.: die Ratel(er)ei, dat Geratel(s).

aus- rateln: ūsjərātəlt abgespannt, erschöpft, Aach-Walh.ver -rateln: 1. dat Fat es verratelt ausgetrocknet, undicht Heinsb-Bocket Höngen Süsterseel, Kemp-Schier Waldniel, Mörs-Neuk; -ǫt- Heinsb-Bocket Oberbr; -rāt Klev-Cranenbg. RA.: En Stemm wie en verratelde Tonn.2. -ratəlt gerädert u. müde nach schlechtem Schlafen Aach-Stdt.

Ratel -āt-, Pl. -ələ, –əlts, Demin. rtelkə, –əltjə SNfrk, Klevld f.: 1. Kartagsrassel, –schnarre, durch ein Rädchen in Bewegung gesetzt; Kinderrassel (ohne Demin.). RA.: Hen es su geck wie en R. Kemp, Geld. Dem geht de Mull wie en R.2. übertr. a. sachl. α. verächtl. minderwertiger, zerbrochener Ziegelstein Klev-Warbeyen. — β. verächtl. Rückentragkorb Mörs-Xanten. — γ. rtəlkə Rillenseite des Spielknöchels Erk-Terheeg. — δ. Pflanzen. αα. meist Pl. Klappertopf, rhinanthus Geilk, Heinsb, Erk, Kref, Geld. — ββ. Pl. Leinkraut, linaria Erk-Elmpt. — γγ. Löwenzahn Erk-Orath, Geld-Leuth. — δδ. Kornrade Geilk-Tripsr. — εε. Storchschnabel Geld-Weeze. — b. persönl. verächtl. α. e doll R. wildes, ausgelassenes Mädchen

[Bd. 7, Sp. 136]
Heinsb-Hülhv; -- flinkes, wibbeliges M. Kemp-Born. — β. Schwätzerin Heinsb-Lümb. — S. auch Ohrratel ‘Ohrwurm’.

Ratel-apfel -apəl Mörs m.: A.sorte, deren reife Kerne beim Schütteln rasseln. Ratel-dose -əltsdū·ə.s Kref-Linn f.: verächtl. geschwätziges Weib. Ratel-junge -əltsjo·ŋ. Allg. m.: Messdiener, der die Kartagsratel schwingt. Ratel-maul -əlmu·l. Heinsb-Erpen f.: Plappermaul.

ratelig Adj.: 1.a. -ā- erregt, ungeduldig Kemp; -- flink, wibbelig Kemp-Born. — b. -- ausgelassen, bes. von Mädchen den Jungen gegenüber (ohne unsittlich zu sein); r. sin wie en alt Regenfat Mörs. — c. -ā- ausgetrocknet, undicht, vom Fass Kref-Strümp.
 
 
Ratingen: Stadt bei Düss. RA.: De es von R. wer einen breiten Daumen hat Düss-Stdt. Nüsser (Neuss) Wengk (Wind), Düsseldörper Kengk (Kind), R.ər Perd sind kene Heller wert.
 
 
 PfWB Ration das Wort (frz. ration) ist Rhfrk, uMos, Eif, Siegld, Rip, NBerg, Ruhr, u. zwar Rhfrk ratsĭ(j)ōn; Siegld-tsĭ; sonst -tsi(j)ū:n [rantsjū:n Bernk-Lieser; rǫtsəū·ə.n Erk-Keyenbg], Pl. -nə(n), Demin. -tsi(j)ēnχə, –ȳ:nχə f.: 1.a. bestimmte zugeteilte Menge an Nahrung; er muss immer sei R. hon, sust is er nit zefriere Rhfrk, Allg.; dat Perd krig jeden Dag seng R. Haver; du kris noch van mir deng R. Häu (Prügel) Rip, Allg. — b. ein langes Heugebund, mit Strohseilen zweimal quergebunden, im Gegens. zum Pongen, der nur einfach gebunden ist (diese Bed. stammt her von den Lieferungen, die die Franzosen im 18./19. Jhdt. von den Bewohnern erpressten); en R. Heu; dohn en jede R. drei Kuzen (drei Armvoll) Sieg, Köln-Poll, Bernk-Lieser. — 2. übertr. grosse Menge; der kann der awer en R. Schnidde (Schnitte Brot) verkamesöle; en ganze R. Blagen viele Kinder zusammen.

ratsch I = Schallw. bei Zerreissen s. bei ratschen I; ratsch II in ritrat (s. d.).
 
 
ratsch III das Wort, mit rack, racks, ratz in einer Reihe stehend, hat in dem grössten Teil seines Geb. sicherlich von dem Schallw. ratsch ‘beim Zerreissen, Abschneiden, Abschlagen’ kräftigen Antrieb erhalten; verbr. ist es in Saarbr-Sulzb, Goar (n. Bopparder L.), Kobl, May, Daun, Bitb-Ehlenz, Prüm, Malm, Eup, Aach-Ld, Erk-Körrenz, MGladb-Rheind, Köln, Bo, uAhr, u. rrhn. Siegld, Sieg, MülhRh, OBerg, NBerg, Duisb (ratiχ), Rees-Wesel; rats on knats Geld, u. zwar -rat u. rattiχ [-ę- May-Rieden, Daun-Meisbg] Adv.: 1. ganz u. gar; et es r. nicks meahr do; wat angersch kregen se r. net ut enem erut; he het et r. affreten Elbf, Allg.; er es r. of dem Hond Siegld; et es r. us, — af; ech han et r. fergeissen; bes. zur Verstärkung von Adj; r. dut, r. ful, r. doll, r. voll, r. eweg, r. kapot (usf. bei Ungünstiges bezeichnenden Adj.) Sieg, Allg. — 2. mit einem Male, mit einem Ruck, plötzlich, flink, mutig Allg.

[Bd. 7, Sp. 137]

Ratsch I -a- = Riss, Schramme s. bei ratschen I; Ratsch II -:- = Honigwabe s. Rass(e); Rätsch I -- = dass. s. ebd.; Rätsch II -ę- = Schwätzer(in) s. bei rätschen.
 
 
Ratsch III, Rätsch III Sg. t. m.: Pflanzen. 1. -:- Kornrade, agrostemma githago Sieg-Alzenb Eitorf Fussh Ruppichterroth; -ā:- Eschmar Happerschoss Meind Menden Scheiderhöhe Süchterschd Uckerath Wielpütz, Bo-Pützchen, Gummb-Nümbrecht; -:- blaue Kornblume Sieg-Seelschd. — 2. ręt Ackerknöterich, polygonum persicaria Heinsb-Höngen, Kref, Kemp, Mörs-Neuk; ręts Geld-Straelen Schravelen, Erk-Merbeck; rēt Neuw-Anhsn.