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Rheinisches Wörterbuch 
 
quiddeln bis Quil (Bd. 6, Sp. 1340 bis 1343)
 
 quiddeln ein Iterativum, gebildet zu queden (s. d.), vgl. mhd.  Lexer quitteln ‘schwatzen’; -id- ein

[Bd. 6, Sp. 1341]
rip., sndfrk. Wort an der uAhr, in Bo, Köln, Bergh, Dür, Jül, Aach-Eschw, Erk, MGladb, Kemp, Kref, rrhn. Sieg, MülhRh, WWippf, uWupp, Sol (rip.), Düss-Stdt; -īlən Elbf schw.: 1. zwitschern, die ersten Versuche zum Singen machen, von jungen Vögeln. RA.: Wie de Ale songe, su qu. de Jonge Sieg. Wann ich dann en Hahn han, dann moss ich och en Ent han; quiddelequent sät de Ent usf. Dür-Stdt. — 2.a. klagend u. anhaltend hohe Töne von sich geben, wie Kinder in der Wiege; erste Sprechversuche machen, von kleinen Kindern Allg. — b. in leisen, hohen Tönen musizieren Sieg-Honnef. — c. umständlich reden Köln-Stdt, Aach-Eschw, Düss-Stdt. RA.: Der (Schwätzer) quiddelt we en Elster, — nen Aal Köln-Stdt. — d. stets nörgeln; die häbben ömmer jet te qu.; h. se genug Wet (Weizen) donn h. se Mongel a Kaf Kemp. — e. wat häste dann noch he (hier) ze qu.? herumzusuchen, –zustreifen Dür-Birgel. — f. sprudeln mit hohen Tönen, vom kochenden Wasser, von kochenden Kartoffeln, Erbsen Köln-Stdt, uWupp. — Abl.: die Quiddel(er)ei, dat Gequiddel(s), sech zerqu.

ver- quiddeln: etwas v., verlieren, draufmachen Bo-Stdt.

Quiddel -idəl, Pl. -ələ Sieg-Fussh m.: verächtl. Taugenichts.

Quiddels-tatsche -tāt MGladb f.: Dorngrasmücke.

Ge-quiddel Ahrw-Holzw Sg. t. n.: verächtl. kleine Baum- u. Knollenfrüchte.
 
 
quiddern tsərkwidərə Malm-Amel schw.: etwas z., zerknittern, verbiegen.

Quie = Quitte (s. d.).
 
 
Quierschied -t: Dorf im Kr. Saarbr. RA.: Do kennt mer mich jäe (jagen) bis Qu.! solchen Abscheu habe ich davor.
 
 
quijirlen -ijīələ  OBerg in Gummb-Müllenb Rodt schw.: leise, bittend brummen, vom Rindvieh. — Abl.: die Quiji·ə.lerei.

quik I s. bei quiken.

Quike I -ī-, –īə- = Quecke (s. d.).
 
 
Quike II das Wort, nd. Quitze, Quitzbom, –beere, westf. quiəke, verwandt mit nd. Quekbeere, engl. quickbeam, stimmt lautl. durchaus mit Qu. = Quecke überein, so dass beide Pflanzen im Berg gleiche Bezeichnung haben, u. zwar -iχə, –e- Waldbr, Gummb, Wippf; -īk- Gummb-Kotthsn Marienheide, Lennep [Remschd auch -kəl], Mettm-Cronenbg; -ēk- Elbf (u. -kəl); dazu noch -ekənbōm Rees-Brünen Hamminkeln; -eχəkīərən uWupp f.: 1. Eberesche, sorbus aucuparia; an der Strote (Schossee) stonnt Qu.ən. — Zs. Quichenbaum, –bearen, –ris (-reis), -ru (-rute), -stang, -stock, –stūətər (Stösser in der Knallbüchse Remschd), aber Quichkirschen.2. übertr. -īkə, Pl. -kən Schwiele Mettm-Wülfr.

quiken I -iχ-, –īk- Adj.: aus Eberesche bestehend; qu.ə Stangen, Riser usf.

[Bd. 6, Sp. 1342]

 
  PfWB quiken II -īk- das Wort ist allg. (Wend, Saar (Saarbg-Wellen -īgən) dafür nur -gsə(n), das auch sonst neben qu. vorkommt; Birkf mehr -gsə) [Heinsb, Erk -ī·ə.k- u. -ī:k-, letzteres auch sonst bei hohem, kurzen, abgebrochenen Tone; -ē·ə.k- Erk-Körrenz; -ik- Dinsl, Aach-Eilend schw.: 1. hohen Schreiton von sich geben. a. von Tieren. α. vom Schwein, bes. vom Ferkel; et Ferkelche quik; de Ferke qu., wann se hongerig sen; auch das Schwein quik Angstschrei beim Schlachten Rip, Allg. — β. piepsen, von Mäusen Simm-Castellaun, Wippf-Reudenb, Jül, Kref-Willich. — γ. von jungen Vögeln Remschd, Kemp-Dülken. — δ. von jungen Hunden u. H., die, getreten, winseln Lennep-Elbringhsn, Barm, Mettm-Vohwinkel, Ess-Wattenschd, Erk-Elmpt. — b. von Menschen. α. vor Freude laut und hell aufschreien, auflachen Allg. — β. schlecht singen Ruhrort. — γ. schreiend weinen Berg, Kemp-Lobberich; he gof sek an't qu. on quaken Elbf. Ich hon Honger, dat ich qu. Zell-Raversbeuren. — δ. kränkeln Dinsl. — c. von Geräten α. eine alte Orgel quikt Allg. — β. schlecht geschmierte Türen, Räder udgl. qu. knarren Allg. — 2.a. ein Schwein qu., stechen, schlachten, das dabei schreit, in der Kinderspr.; de Sau wird gequik; mer qu. moərn de Sau Rip, Allg. (von kleinen Tieren Bitb). — b. indem die Kinder den Zeigefinger nach Art des Messers an den Hals oder die Brust eines andern setzen (oder indem Erwachsene dies an Kindern tun), sagen sie scherzh.: ich qu. dich! Allg. — c. scherzh. einen qu., impfen May-Kell, Waldbr-Hurst. — d. einen qu., kitzeln Sieg-Eudenb. — e. einen qu., durch Wucher verderben Dür-Stdt 1880. — Abl.: die Quikerei, dat Gequik(e).

quik -ī- Allg. Schallw.: 1. den Angstschrei des Schweines nachahmend. Mer welle dat Bünnes-che schlachte, dat sall sage: qu! aus einem Kinderld. Rip; Pöggske steke van de Weke (Woche), dat sall sägge: qu.! Ruf beim Kindersp. ‘Schweinchen schlachten’ Klevld. — 2. indem das Kind quikt oder gequikt wird 2 b, ruft es jedesmal, wenn der Finger den Hals oder die Brust trifft, qu.!

Quik-eisen Neuw-Leutesd n.: Setzeisen für Rebsetzlinge. Quik-mähre -mr f.: 1. -īk- brünstige Stute Wermelsk. — 2. -īk- verächtl. oft schreiendes Kind Gummb-Berghsn. Quik-quak -īkwāk: Neckn. für einen aus Saarbg-Beurig, Bitb-Metterich, Prüm-Wallersh. Beriger; B. Qu. met dem decken Orschbak, met de korzen Knien, den Deiwel soll ich (auch) all of än Haufen mihen (mähen)! De Metriger Qu.ən mat de siewen Orschbaken, mat de lange Fusssohlen, der Deiwel soll se holen! — Quikquakəs Neckn. für einen aus Saarbg-Kelsen.

Quiker(t) -īgər Simm-Hecken, Bernk-Hochschd Rhaunen; -īgərt, Pl. -də Simm-Henau, Bernk-Rhaunen, Zell-Bärenb Rödelhsn Sohren

[Bd. 6, Sp. 1343]
m.: verächtl. altes, stumpfes Messer; mehr Krottenqu. (Kröten-).

 PfWB quiksen diese Abl., zu der noch quitschen III zu vergleichen ist, ist Rhfrk, Mosfrk allg., rrhn. bis einschl. Sieg, Waldbr, Altk (Sieg), Siegld reichend (n. davon noch in Mettm-Neviges, Düss-Benr Stdt, Rees-Wesel), lrhn. bis einschl. Monsch, Ahrw, Aden (drüber hinaus noch in Köln-Stdt, Dür, Eup-Ld, Erk-Wegbg, Kemp-Hüls, Mörs-Veen, Klev-Stdt), u. zwar -īgs-, –īks- [-ē- Simm-Laufersw, Zell-Sohren; bei kurzem, hellen, abgebrochenem Tone auch allg. -ī:-] schw.: 1. quiken. a. von Tieren. α. vom Schweine Allg. — β. von Mäusen Rhfrk, Mosfrk verbr., Dür-Drove, Mettm-Neviges. — γ. von jungen Vögeln Zell-Pünderich, Koch-Bertrich, Daun-OBetting, Eup-Hergenr. — δ. winseln, Schmerzensschrei ausstossen, von Hunden, Katzen Saarbr, Monsch-Rötgen, Ahrw, Altk-Herdrf, Düss-Benr, Erk-Wegbg. — b. von Menschen. α. mit heller, schriller, misstönender Stimme schreien Allg. RA.: Der quikst wie e gestoche Sau Saarbr-Sulzb. Ech haue dech, datste quiks! Sieg-Troisd. — β. vor Freude aufjauchzen, lachen Saarbg-Beurig, Siegld, Kemp-Hüls, Klev-Stdt. — γ. laut weinen Merz-Reimsb Weisk. — δ. -i- in der Wend.: Do hilft kä Qu. on kä Quackse Aden-Kaltenborn; et kann qu. ower (oder) quackse es kann gehen, wie es will, es muss sein Goar-Weiler. — c.α. von Geräten; Türe, Rad (udgl.), schlecht geschmiert, neue Schuhe qu. Allg. — β. das Feuer quickst knistert; nass Holz qu. im Feuer Kreuzn-Seibersb, Koch-Ernst. — 2.a. ein Schwein qu., stechen, schlachten, in der Kinderspr.; et Schwein göt gequikst Rhfrk, Mosfrk, Mörs. — b. mit dem ausgestreckten Zeigefinger nach Art eines Messers ein Kind an einer kitzlichen Stelle berühren, indem man dabei quiks! sagt (quiks machen) ebd. — Abl.: die Quikserei, dat Gequiks.

ab- quiksen: ein Schwein a., abstechen, schlachten Koch-Bertrich.

quiks -ī- Allg. Schallw.: wie quik 1, 2.

Quiks-männer Siegld-Mittelhees Pl.: Fetthenne, sedum acre.

Quikse -īgs, –ē-, Pl. -gsə Simm f.: Gerät, das quikst 1 c α.

 PfWB Quikser -īgs- Sg. u. Pl. Ottw-Wiebelsk, Meis-Meddersh, Kreuzn-Nussbaum m.: verächtl. altes, stumpfes Messer; mehr Krottenqu.

Quil -ī·ə.- = kleine Beule, Insektenstich, knorriges Stück Holz s. Quärle II.