Petition bidătsĭōn Simm (bei Rottm.); pi-, pətsĭū:n Prüm-Mürlenb 1860; Pl. -nə(n) f.: Bittschrift.Petrannes = Peter (Jo)hannes s. bei Peter.
Petrellen pədrę·l.ən Merz-Mond Pl.: Eisenträger.
PfWB ElsWB LothWB Petroleum das Wort, heute freilich durch die Durchführung der elektrischen Beleuchtung bedrängt, ist seit etwa 1890 allg. geworden u. hat das früher herrschende Steinolig zurückgedrängt, ohne dass freilich dies völlig verschwunden wäre; lautl. pətrōləu·m., –lĭ(j)u·m.; vereinzelt auch pĭtr- [Rhfrk, Westerw, Siegld auch bədr-; Rhfrk, Mosfrk pədr-; Merz auch pədrōlĭəm; Neuw auch bədrǫləjəm, –ju·m.; Ahrw-Rheineck pədrǫlə·u.m; Daun-Pelm pətrulĭu·m.; Aach-Breinig -troləjəm; WSaarbg pədrl; WBitb (Sauer, Our) petrǫl , auch Aach-Merkst; Trier-Leiwen pedərōləχ; Mettm-Cronenbg pətrōl; Klevld pətrōli, petərōli, –lej; scherzh. Bildungen: petərløym Köln-Stdt, Kemp-Stdt, Mörs-Orsoy; pitərløyt Sol] n. [doch Rhfrk, Mosfrk, vielfach SNfrk m.]: wie nhd. RA.: Wenn de Fuss (Fuchs, Rothaariger) no hem köt, dann es de Motter fruh, dann bruch se kenn P. mih; de Fuss, de lüət (leuchtet) esu Dür-Frenz, Wippf-Hardt. Et brennt, et br.; de Feuerwehr, die rennt, der Pitter löppt (läuft) de Trapp erop on schött noch jet P. drop! MGladb. — P. in der [Bd. 6, Sp. 640]
Volksmedizin häufig, so zum Einreiben gegen Gicht, Grindkopf, bei Zahnschmerzen zum E. der Backe, P. auf Watte ins Ohr. — Zs. Petroleumseuel kleines, altertümliches P.licht Altk-Steckenst, — funzel verächtl. schlecht brennendes, qualmendes P.licht Verbr., — gäpchen Lichtchen in der Laterne Saarbg-Winchering, — kann (-mäut, –täut) (s. Simpl.), — krad kleines P.licht zur Erhellung des Backofens Sieg-Caldauen, — lampe, leuchte, –licht, –luchte (s. Simpl.).
petroleumsen pedrōləmsən Merz-Saarhölzb schw.: nach P. riechen oder schmecken; dat Brut elo petrolemst.
Petronella die volle Form petər-, pitərnę·l.(χən) noch vielfach in Reimen; als jetzt seltener Vorn. meist Kurzf.: nę·l.ā:, –lī, nę·l., nę·l.χə Rip; ne·l.(ā:), nę·l.(ə)kə Nfrk; pit Malm-Aldring Schönbg f., n.: 1. wie nhd. In Reimen: Pitronelle soss em Keller on fross Kamelle (Karamellen)! Aden-Liers. Ech moss öch jet verzälle vom alde Pitternelle (als m. gedeutet), de soss en singem Kelle(r) on fr. en Blos K.! Sieg-ODollend, Köln-Efferen (-nelles), — on schess K. on konnt se net zälle! Sieg-Süchterschd (Petersch-). P. kroch en de Keller, fross K. on dress se op de Teller, kroch wedder erus, wor't Verzällchen us! Rheinb-Queckenbg. De al Pitternelle, de kreit er en möt de Pann für de Fott (Gesäss), do fing se an ze grelle (schreien) Bergh. Die alde Pitternelle geht an de Düre schelle, schlott si möt de Pann für die Fott, dann fängt se an te gr.! MGladb, Erk. De al Peddernelle (m.), de gungk met singe Geselle no de Belle Erpele (Kartoffeln) schälle! Jül-Tetz. Rommele, r. in de Pott, Petronelle schlug de Welle; wen sall sin? Eke nit! Wen dann? Onse klene, schmale Jann! Abzählr. Mörs-Xanten, Geld-Issum. Ich well der jet verzälle van de Petternelle; ich well dich net belege (belügen), ich well dich am Ührche zehje (ziehen)! Schleid-Hellenth. Ich well dich jet verzälle va sövve Petternelle; du moss se net begecke, söns moss du se met de Nas trecke! Aach. Lot os jet vertälle van die siəve Petternelle, die ginge lans de Düəre schelle; schlog me se möt de Pann för de Fott, fonge se an te grelle Erk-Örath, MGladb. One, done, Hasen jagen; wen nit löp, den wellt wi jagen, ower de Rhin, ower de Schwin; wen sall P.nöllken sin? P.nöllken schlug sin Föllken, knitz, knatz, Bier, Brot, Mus, dot! Abzählr. Dinsl-Gahlen, Klev. Ach, Petternellchen, die Fosicht (Fastnacht) as do, da bache mer gelle Schnittcher! usf. Heischeld zu Fastnacht Eif (o. O.) 1856. Et sall Dens (Dienst) sin, hat Petternelle gesat, wen os Griet kregt on war os Nelles freie geht Malm-Weywertz. Et es klor (klar) nor Petronell; dann met (messe) de Rock mar met de Ell! Klev. — 2. übertr. a. persönl. gecke Nell verächtl. Närrin, dumme, eingebildete Person; Nellen altes Kartensp., bei dem die Damen N. genannt wurden Aach. — [Bd. 6, Sp. 641]
b. sachl. α. Pflanzen. αα. Petternellchere Pl. Zittergras, briza Dür-Pier. — ββ. Petternellche Hasenbrot, luzula campestris Sieg-Eitorf. — γγ. Pitternell Vogelknöterich, polygonum aviculare Malm-Rocherath Krinkelt. — δδ. Peddernelcher Pl. Fliederblume, Syringe Merz-Biel; Pitternellkes Pl. MGladb-Bockert Bettr Hahn. — εε. Pitternelleblaəder Pflanze, in feuchten Wiesen wachsend, mit weiss-grünen Blättern Malm-Amel; -nölle- Blätter der Herbstzeitlose Prüm-Stadtkyll. — β. Pettenell beim Fallen entstandene Kopfschürfung Dür-Pier. — γ. in der scherzh. Wend.: Der schleht de Pitternell er hat das Zittern in den Gliedern Bergh-Kirchherten.
Petrus s. bei Peter.
Petschaft das in Urkunden pytzsche Aach 1442, pitzet Köln 1450, beytzafft Jül 1546, pittschaft Bo 1769 genannte Gerät ist naturgemäss nicht allg. mehr bekannt, Rhfrk bidaft Nahe, pi- Simm; Mosfrk pødaf Trier; Rip petaf; Elbf -aft; Ruhr pitaf [Sieg-Fussh petər], Pl. selten -ftə(n) m. u. n.: Stempel zum Siegeln. — Dazu petē:rə schw. siegeln Köln-Stdt; pitī:rən Sol, Ruhr.
petschen I -e- = kneifen s. pitschen.
petschen II -ēt- Düss, Neuss; s. pitschen I schw.: wählerisch im Essen sein. — Abl.: die Petscherei, dat Gepetsch.
Petsche pēt, Pl. -tə ebd. f.: verächtl. 1. zimperliches Weib; Kind, das wählerisch im Essen ist. — 2. übertr. Nase, bes. auffallend grosse oder rote N. Düss-Stdt.
petschig -ē- ebd. Adj.: wählerisch, zimperlich.
Petschen -e- = Bund, Büschel s. Putschen.
Pett I -ę- = Frosch s. Pädde; Pett -ę- = Dachpfette s. Pfette; Pett III -e- = Docht, Mark, Kraft s. Pitt; pettern I -e- = basteln s. pittern; pettern II -e- = stochern s. putteln; pett-lich = getüpfelt s. peitlich.
petto pętō in den Städten: in der Wend.: Etwas em (en) p. han nach dem Nhd.
Petünchen pətȳnjəs u. banduskəs Geld-Schravelen Pl. t.: Petunie, petunia violacea.
Petürer pətȳrə(r) (< frz. pétulant ‘ungestüm’?) Sg. u. Pl. Bergh-Blatzh m.: Bettler.
Petz s. bei petzen II.
petzen I -ęts- NBerg in Barm, Elbf, Mettm schw.: Kleinigkeiten stehlen, stibitzen, bes. Obst in Gärten. S. pitzen II (Dür). — Abl.: die Petzerei, dat Gepetz.
petzen II gegenüber dem verbr. pitən beschränkt sich pętsə(n) [in Saarbr daneben -ē-] auf die MA. der Nahe, der Saar, ausserdem im Hunsr in Simm-Wahlb (u. -t-), Bernk-Allenb u. in Goar, an der uMos von Koch-Treis an [-- Kobl-Winning]; dazu am WRande von Bitb, Prüm bis Malm-Grüffl (-ē-) -øts- u. in OAltk, Waldbr, Siegld -i-, –e- (seltener -ę-), [Bd. 6, Sp. 642]
Bildungen, die auf pitzen zurückgehen; s. pitzen III schw.: 1. etwas (einen) p., mit den Fingernägeln kneifen, überhaupt zwicken, krampfhaft zusammendrücken; er hot mich gepetzt; lu (sieh) emol, wie der mich g. hot, de ganz Arm es blo on schwarz; sich de Finger p.; de Arschbacke sammep. RA.: Ich han dich net gepetzt! sagt man zu einem, der sich um etwas kümmert, das ihn nichts angeht Ottw-Neunk. Dich soll die Krott (Kröte) p.! wünscht man scherzh. einem Kinde Allg. Dat hat eso viel Wert, wie wemmer äm Ochs en et Hore (Horn) petzt das ist ganz nutzlos Allg. (s. weiter bei Ochs). — Es petzt mich im Leib; ich han P. im L. Leibweh Allg. — P. mit den Augen zwinkern Saarl-Wadgassen, Merz-Steinbg. — 2. übertr. a. äne p. einen trinken; äne Schobbe p. Saarl-Bous SBarbara, Saarbr, Nahe, Bernk-Allenb. — b. gepetzde Milch durch die Zentrifuge gelassene M. Merz-Bardenb. — c. absol. α. mit Bitten belästigen, quälen; dau hälts dich och lauder am p. Koch-Treis. — β. antragen, klatschen Ottw-Wiebelsk, Siegld. — Abl.: die Petzerei, das Gepetz.