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Rheinisches Wörterbuch 
 
Mull bis mullen (Bd. 5, Sp. 1378 bis 1380)
 
  PfWB  PfWB Mull, Müll Sg. t.: 1. weicher, lockerer Humusboden, u. zwar mol, –ǫ-, mo·l. f. Wend, Saarbr, Saarbg, Bitb, Prüm, Bernk-Lösnich, Koch verbr., Goar-Morshsn, Simm-Laub; -u- Trier-Mehring; -e- Koch-Ernst; -ø- Koch-Lutzerath; m. -ǫ- Ahrw-Sinzig, Dür-Langerwehe, Aach-Kohlschd; -ø- Altk-Betzd; -y- Sieg-Honnef, Sol; -u- Elbf, Lennep-Windgassen; -ø- Eup [-- Raeren], in Monsch, Aach [-- Walh] verbr., MüEif, Köln-Stdt u. in Klev; -ō- n. Mörs-Neuk; wenn kän M. do as, kan et och kän Fruicht gen; die Schüffelshaufen sen zu M. gebrannt.

[Bd. 5, Sp. 1379]
RA.: Sä das Kore in die M. un de Wäss (Weizen) nore in die Scholl, Bur, so wird de Schir (Scheune) wohl voll! Saarbr-KlBlittersd, Bernk-Lösnich, — Scholl un de Hower an (in) de Pohl (Pfuhl), setzt de Bauer op de Stohl! Bitb-NWeis. — 2.a. mo·l. f. mit zersetzten Abfällen der Küche u. Werkstatt gemischte Stauberde, Kehricht, Holzstaub; der Bodem hot en gout M. Saarbg-Nennig, Bitb-Mettend. — b. mo·l. f. feine Erde, entstanden aus dem vermoderten Innern alter Buchenstämme, meist Buchemoll; Asche, die übrig bleibt beim Schüffeln (s. d.), oder wenn man im Frühjahr im Garten Laub, alte Pflanzen, Unkraut verbrannt hat Koch. — c. mil, –e-, –y-, –ø- m. Kehricht bei der städtischen Müllabfuhr Verbr. in den Städten, aus dem Nhd. nach Bed. u. Form übernommen. — S. Malm, Melm, Mulm.

mull-achtig mǫlətiχ Dür Adj.: samtartig, weich, sanft, fleischig. Mull-blatt Neuss n.: Königskerze, verbascum. Mull-blume (s. S.) Trier-Welschbillig Geizenbg f.: dass. Mull-bodem mølbǫdəm Dür-Frauwüllesh m.: lockerer Ackerboden. Mull-eimer (s. S.) myl-, –ø-, –i- in den Städten m.: E. für Kehrichtabfuhr. Mull-erde molērt Simm-Laub; mǫ·l.·ə.rt Heinsb-Saeffelen f.: leichte, lockere E. (s. Millierd). Mull-erde-haufen mølhǫuf Altk-NFischb; mølhōp Rees-Haldern m.: Komposthaufen. Mull-karre (s. S.) in den Städten (s. o. –eimer) f.: K. für die Kehrichtabfuhr. Mull-karst molkā Birkf m.: K. zum Lockern u. Aufhäufeln der Erde. Mull-kätzchen Kobl-Metternich n.: Blütenkätzchen der Weide, Pappel, Haselnussstaude. Mull-kaule mølku·l. Aach-Kohlschd f.: Scharrloch der Hühner. Mull-kirsche mul-, molkīər Saarbr-Heusw Neud f.: K.sorte. Mull-loch (s. S.) møl- Aach-Herzogenr; mol- Geilk n.: Scharrloch der Hühner. Mull-mann , meist Pl. {ete} Mull-männer (s. S.) m.: die die städtische (s. –eimer) Müllabfuhr besorgen. Mull-mehl mul- Saarbr-Dudw n.: beste Sorte M. Mull-pflug (s. S.) mul-, –o-, –e-, zu mullen, s. d., verbr. wie dies im Rhfrk m.: Pfl. mit zwei Riestern zum Häufeln (u. Auspflügen) der Kartoffeln. Mull-scheppe melęp Koch-Büchel f.: 1. Schaufel für die M.asche. — 2. übertr. verächtl. breite, plumpe Hand. Mull-schör mulr, –ȳər Mörs-Marienbaum Xanten [-ūər Lütting]; -r Klev-Calcar Grieth Qualbg Wissel [myl- Appeldorn, Rees-Stdt Haldern] (s. Wk. V 26) m.: Maulwurf. Mull-stein mol- Altk, Siegld m.: über Tage, gewöhnlich an Bergabhängen zu findender Eisensteinblock, der auf das Vorhandensein eines nahen Eisensteinganges schliessen lässt, in der Bergmspr. Mull-stück ebd. (moltdekə UWilden) n.: dass. Mull-wurm mulwǫrəm u. mult- Geld-Stdt, Duisb-Meiderich Beek (s. Wk. V 26) m.: Maulwurf.

Mullche mǫlχə, Pl. -lχən Altk-Hellert f.: heimliches Obst-, Geldversteck, Mauche, Mautsche.

 PfWB Ge-mülle -mø·l. Koch, Kobl, May, Aden,

[Bd. 5, Sp. 1380]
Ahrw [-mol u. -milts Simm-Castellaun; -me·l.ts Goar-Lingerhahn, Koch-Mörsd, May-MüMaif], Neuw, Altk, Siegld (-e-), Sieg-Fussh, Dür-Kreuzau, Malm-Bülling (Bed. 2 b), MGladb-Rheind, Geld (2 a), Klev Sg. t. n.: 1. verächtl. das durch Zerreiben, Zermalmen Entstandene. a. Schutt, Tabakstaub in der Blase, Flausen in der Tasche; Überbleibsel von allerlei Gegenständen u. Vorräten [das Gekrümel von Blättern u. Reisig, welches im Hauberg (s. d.) nach dem Wegräumen von Holz übrigbleibt Siegld] — b. dürres, trockenes Reisig. — c. Lumpen, Gerümpel, allerhand Kram. — d. unordentlich durcheinanderliegende Gegenstände. — 2.a. Torfgries Geld. — b. unreife, taube Getreidekörner Malm-Bülling. — c. übertr. scherzh. Geld Siegld. — S. Gemülster, Gemülter.

Gemüll-kuppen Kobl-Arembg m.: Haufen von Gemülle.

 PfWB mullen, müllen schw.: 1.a. -e-, –i- die Erde mit der Hacke, mit der Hand oder bei Kartoffeln auch mit dem Mell-, Mollplug auflockern, um Pflanzen u. diese behäufeln; Grumbiern, Bohnen, Gemis udgl. m. Verbr. nach Wk. III 10 in OWend, Birkf, Meis, Kreuzn, Bernk-Talling [meldə, auf mülten zurückgehend, Kreuzn-Monzing Strombg, Goar-ODieb]; -o- Birkf-Bundenb NHosenb Kirschw Sonnschd Veitsr Weiden Wickenr, Simm-Bruschd Castellaun Gemünden Maitzborn Schneppenb Wonr, Bernk (Hunsr); -u- Simm-Schlierschd, Bernk-Morschd; dann nicht allzu abseits dieses geschlossenen Geb. -e- Kobl-Arzh Horchh Bendrf, Neuw-Engers Heddesd NBieber Segend Datzeroth u. -ø- das Feld mit der Egge rühren, lockern Lennep-Lüttringhsn. — b. -o- heben, vom Maulwurf; de Molderhaf hot gemollt Simm-Castellaun; das Schwein mollt wühlt Zell-Beilst. — 2.a. -u-, etwas m., zerreiben Klev. — b. -ø-, die Trauben m., mahlen Sieg-NDollend; mahlen schlechthin Merz-Stdt. — 3.a. -ø- Staub aufwirbeln mit den Füssen Eup, Aach-Merkst; et möllt der Staub wirbelt auf; et schneit, dat et möllt der Schnee fällt in vielen dicken Flocken Aach-Walh. — b. -y- eine Flüssigkeit aufwühlen, trüben Düss-Erkr; -ø- Neuss-Nievenh Dormag; -øə- Aach-Eilend; -- Neuss-Stdt, Köln-Stdt (veralt.); s. auch -u- bei muddeln, Mudd; sech losmüllen sich loswühlen, vom Schlamm Ahrw-Rech. — c. -ø-, –-, de Hohnder m. sich paddeln, baden im Sande Sieg-Bergh, Dür-Langerwehe, Aach, Eup, Geilk-Gangelt; -ǫ- Dür-Langerwehe. RA.: De kann sech e ge Geild m. hat Überfluss an Geld Eup. — 4.a. -ø- einen Furz lassen; de hat gemöllt Eup. — b. -ø- stark Tabak rauchen, dass dichte Rauchwolken zu sehen sind Aach-Walh. — c. -o-, einen Wald m., abholzen, in der nberg. Volkssage der Zwerge: Ich bin so alt wie der Duisberger Wald, siebenmal gemollt u. s. gekollt usf. — Abl.: die Mollerei, dat Gemoll(s).

[Bd. 5, Sp. 1381]