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Rheinisches Wörterbuch 
 
Kutsche II bis einkutscheln (Bd. 4, Sp. 1793 bis 1796)
 
 Kutsche II das Wort ist allg., u. zwar kut (Rhfrk auch g-; Klevld kuts], Pl. -tə(n), Demin. Rhfrk, Mosfrk kitəlχə(n), Rip -y-, Nfrk kytkə f. [Aach-Stdt m.]: 1. Droschke, Kutschwagen Allg. RA.: Em Miskarr (Mistkarre) bring dem Bur meahr in es en K. MülhRuhr. Bei iəmes ut (en) de K. kuəme (siən) aus (in) die Gunst Kref. Mancheiner meint, he führ en der K.ən, on wann he ens (einmal) reit (recht) nosüht, es et en Mestkar Sol. De Arm, de drohn hirt Kreiz om Bockel, de Reich, de fehren hirt an (in) der K. Bitb-Geichl. En Sau es en S. un bleift en S., un wemmer se och mäd er K. en de Kärch fiəhrt Neuw-Steimel. — Im Kinderld. Ri, ra, rutsch (hari, rutsch Bernk-Berglicht), mer fahre in der K., mer schiesse mit Kanone, mit Erbse, Linse, Bohne, ri, ra, rutsch, mer fahre in der K.! Rhfrk, Verbr., — möt der K., mer fohre möt der Eisebohn, ri, ra, rutsch! Trier-Stdt, Verbr. — K. ohne Perd scherzh. Automobil Saarbg-Schoden. Juffer en der K. Rittersporn, delphinium Ajacis Geilk; Eisenhut, aconitum nap. Geilk-Üb, Heinsb-Horst; Engelcher em Kitschelche Siegld-Seelb. — Kitschelches spiele ein Kind auf den verschränkten Händen tragen Eif (o. O.). — 2. übertr. a. scherzh. Kinderwagen Saarbg-Wellen. — b. Kitschelchen Karussell Merz-Losh; Kütsch-che Bergh-Blatzh; Kütschke Rees-Wesel. — c. Kasten, in den sich die Frauen knien, wenn sie an der Mosel waschen Saarbg-Wellen. — d. Kaffikutsche ein Gestell, auf dem der kupferne Kessel mit dem Kaffee auf dem Tische stand, dessen Brettchen, beim Biegen des Kessels nach vorne, sich hinten hob uWupp 1870. — e. Kutsche Eisenhut, aconitum nap. Altk-Breischd; Kitschelcher Neuw-Brückrachd Dierd, Siegld. — f. Kütschke (-ts-) verächtl. Apfelmus Rees; Kitschelchen Merz-Stdt.

 PfWB Kutsch-bock Allg. m.: wie nhd. PfWB Kutsch-fenster Allg. n.: wie nhd. Kutsch-karre (s. S.) Rip, SNfrk, Klevld f.: 1. Bauernkutsche, einspännig, mit viereckigem Kasten, zwei kleinen Fenstern an den Seiten, auf zwei Rädern, ohne Federn, mit zwei Bänken darin, mit weissem Leinen überspannt (mit Federn Schäss), zur Fahrt nach

[Bd. 4, Sp. 1794]
der Kirche, zur Stadt benutzt, auch Wagen des Arztes (jetzt veralt.). RA.: Gej word nojt van en K., äwer wäll van en Strontkarr (Dreck-) öwerfahre nicht von anständigen Leuten, sondern von Lumpen hast du Misshandlungen oder Beleidigungen zu gewärtigen Klev, Rees. — Düffkes (Täubchen) in de K. Rittersporn, delphinium consolida Geld; Vader on Moder in de K. Eisenhut, aconitum nap. Klev-Üdem. — 2. übertr. a. scherzh. Bett Bergh-Heppend. — b. Kinderkarren MGladb. — c. Eisenhut, aconitum nap. Monsch-Rötgen, Bergh-Heppend. Kutsch-wagen Rip, Berg, Eup m.: Kutsche.

Kutschen-blume -blūm f.: 1. Kapuzinerkresse, tropaeolum majus Ottw. — 2. orchis Morio Merz-Nunk. — 3. Bartnelke, dianthus barbatus Saarbg-Ayl. Kutschen-kraut -ū- Aach-Stdt n.: Sirup aus Holunderbeeren. Kutschen-laterne -lantər f.: Neckn. für Trier-Igel. Kutschen-mann -mā Siegld-Weidenau m.: im Spottruf der Kinder: Henne dra, vorne dra, medden setzt de K.! Kutschen-pferd -pərt [kut-, kuts- Mörs, Geld, Klevld; kitər- Koch-Poltersd] n.: 1. wie nhd. RA.: En Orsch hon wie e K. wohlbeleibt sein; sein Frau hot e Fassaun wie e K. Trier, Bitb. De dreiht de Kopp esu huh bie en K. Koch-Poltersd. De lisst de Lepps (Lippe) hängken wie en al K. Trier-Stdt. He rasonniert as en K. Mörs. — 2. übertr. a. dat es e K. verächtl. ein vierschrötiges Frauenzimmer Trier-Stdt; dat es e K. van e Mädje robust Eup. — b. -pətχər Pl. α. Rittersporn, delphinium Neuw-Hargarten; Eisenhut, aconitum nap. Dür-Füssenich Gürzenich. — β. Aronstab, arum maculatum Saarbg-Portz Soest. — c. -p:rdχər die Samenkapseln der Herbstzeitlose Merz-Silwing. — d. kutp·ə.rdərχər Apfelmus Saarbg-Borg OLeuken. Kutschen-schlag Rip, SNfrk m.: wie nhd. Kutschen-schmier -ē- Siegld n.: verächtl. das billige Obstkraut.

Kutscher -ut- [-ts- Klevld; -it- Koch-Poltersd; kitnər Bitb-Ernzen Malbg Mettend] Sg. u. Pl. [Pl. -tsərs Klevld] Allg. m.: 1. wie nhd. RA.: Hall (halte), K., et Perd scheisst! gesagt, wenn man einen andern in seiner Rede unterbrechen oder wenn man Einspruch erheben will Trier, Bitb. En K. fehrt af stirbt Sol. Wer met Hoffe fährt, de hät Ärmot als K. Köln-Stdt. No fofzig Johr deht der Hiər der K. fahre so wechselt das Glück Grevbr-Wickr. — E jerer hot's, em Borem (Boden) rouht's (ruht es), der Her befiehlt's, der K. douht's? die Vorfahren im Wortsp. zu vorfahren Bernk-Bruchw. — Neckr. Und der K. op dem Bock schiss vor Angst wohl in den Rock, u. die Damen in dem Wagen konnten das Stinken nicht vertragen! Gummb. — 2. übertr. a. Name einer Kuh Neuw-Notschd. — b. verächtl. schlechter, billigster Wein Allg.

Kutscher-gaul Rhfrk m.: Kutschenpferd. RA.: Er macht e Kopp wie e K. der Hochmütige. Kutscher-tasse -tass Bergh-Heppend f.: bis oben gefüllte T.

[Bd. 4, Sp. 1795]

kutschieren  Allg. schw.: die Kutsche fahren, zum Vergnügen reisen, erömk.; de kutschiert a (auch) es ganze Johr en der Welt erom Saarbr, Allg.; de do Mann kutscheert de Bach eronner macht Bankerott Kreuzn.

ab- kutschieren: scherzh. abfahren Allg.an -kutschieren: ankutschiert kommen herangefahren kommen Allg.
 
 
Kutsche III kut, Pl. -tə(n), Demin. kitχə(n), –y-, je nach Bed. verschieden verbr. f.: 1.a. das muldenförmige Lager des kleinen Wildes u. der kleinen Haustiere, der im Sande sitzenden Hühner (Hinkels-, Hihnerk.); die durch das Liegen entstandene Vertiefung, etwa im Heu, Stroh, Bette Saarbr, Ottw, Merz-Reimsb Rappw, Trier-SMatthias, Wittl-Neuerbg, dann Kreuzn-Sponh (gu), Goar-Pfalzf, Simm-Buch, Zell-Rödelhsn, Kobl, May, Aden, Daun, Schleid, Eusk-Stdt, Prüm, Malm, Monsch, Eup-Raeren, Dür-Heistern, Jül-Gereonsw, Aach-Walh, Geilk-Gangelt, Heinsb-Rurkempen; hei sis (siehst) de noch de K., wo de Has gelege hat; de Hase verderve et Gras met de K.ə; keck (schau) doch ens, wat de Honnder sech depe Kule en K.ə mache; ich seh, dat de got geschlofe has, dc has eng depe K. e je Bett Aach-Walh, Allg. S. auch Kotsche, Kötsche, Kautsche. — b. Bett, bes. der Kinder Bitb, Prüm, Schleid, May-Kottenh, Ahrw-Altenahr; -ø- Bo-Pech; -ytχə Neuw-Ockenfels; namentl. Bett zum Ausziehen, am Tage als Bank benutzt Saarbr-Feching; in eine Wandnische oder unter einer Treppe eingebaute Schlafstätte in alten Häusern (wenn nach aussen hin durch eine Türe abgeschlossen, als ein Schrank aussehend) Eup-Raeren (m.), Aach, Jül, Geilk, Heinsb, Geld-Leutherheide; s. Doppele-, Tummelek. u. Kautsche. — Kiste auf Rädern, die von einem alten Kinderwagen herstammen Ottw-Neunk. — c. Leintuch zwischen den Leitern des Erntewagens o. O. — d. das stumpfe Ende des Eies, bes. der Eindruck, der hohle Raum unter der Schale Monsch-Witzerath Mulartzhütte Zweifall, Aach-Breinig Stolbg. — e. der Magen des Schweines Aach-Alsd. — f. Kütschche eine Mottenlarve Schleid-Hellenth. — g. Kutschje Spielknöchel, Schnappstein beim Fangsteinsp. Bo-Rüngsd. — 2.a. Mistbeet, eingefasst u. überdeckt mit Glas; de K. mache; de K. robbe die Pflanzen ausrupfen Saar, Nahe, Bernk-Rhaunen Neumag, Kobl-Kesselh SSebastian, Wittl, Prüm-Mürlenb 1860. — b. einzelne Hecke Wend-Heimb Reichw. — c. breit wuchernder Pflanzenwuchs Kobl-Neuend.

Kutsch-stein -ē- Schleid-Berk m.: Spielknöchel, Schnappstein, beim Fangsteinsp.

Kutschen-bettchen gutə- Simm n.: Bett, in der Kinderspr. Kutschen-salat Kreuzn m.: Mistbeetsalat. kutschen-warm -ā-  Birkf Adj.: et Bett es k. sehr w.

kutscheln schw.: 1. ku- u. gu- Saarbr, Ottw, Nahe; ku- Merz, Saarbg, Trier, Goar,

[Bd. 4, Sp. 1796]
Zell, Koch, Kobl, May, Aden, Sieg-Honnef; -i- Simm, Prüm-Duppach Weinsf; -y- Schleid-Sötenich, Dür-Schlich. a. sich k., sich behaglich warm in die Decken hüllen, sich dicht an jmd. schmiegen; kutschel dech bei mech! Allg.; sich zesammek. zusammenkauern, der hot sich z.gekitschelt wie en Il (Igel) Simm; schlafen gehen, in der Kinderspr. Allg.; s. auch kuscheln. — b. -y-, –i- übermässig liebkosen, verzärteln, hätscheln Siegld; -u- Wend-Furschw. — 2.a. ku-, (sich) k., sich niederkauern, bes. auch von der Henne, die die Küchlein unter die Flügel nimmt Bitb-Wiersd, Zell-Trarb. — b. -u- sich mit jmd. absondern u. dann im Flüsterton etwas bereden, tuscheln; se han su lang metenanner gekutschelt, bes et richtig wor bis die Heirat beredet war Neuw (nicht kurköln.), Altk; -y-, –i- tuscheln, einen heimlichen, auch wohl nicht ganz einwandfreien Verkehr mit einer Person haben Siegld. — c. -o- heimlich Tauschgeschäfte treiben, unter Kindern, heimlich verkaufen Goar-Salzig Weiler, May-Stdt. — d. -y-, k. gohn zu Bett gehen, in der Kinderspr. Bo-Pech. — Abl.: die Kutschel(er)ei, dat Gekutschel(s).

an- kutscheln: sich a., anschmiegen Verbr. wie k. 1 a.ein -kutscheln: sich ink. warm einhüllen Verbr. wie k. 1 a.