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Rheinisches Wörterbuch 
 
auskehren bis bekehren (Bd. 4, Sp. 366 bis 370)
 
 aus -kehren: 1. einen Raum a., durch Kehren bis in die kleinsten Winkel reinigen; de Stuff, de Backove usk. Rip, Allg. RA.: Bei et Utk. fengt (findet) sech der Dreck MGladb-Neersen. Bei et Usk. va der Maət (Markt) fengt sich alles beim gründlichen Aufräumen der Wohnung findet sich Vermisstes wieder Aach. Beim Usk. fingk (findet) et sich, wer en der Stuff (Stube) gesessen hät Köln-Stdt. Su ren wie usgekehrt Rip. Plarrmus (Fledermaus), kehr din Hus, kehr din sieve Hüser ut! SNfrk. De Flermus kehrden et Hus all üt, de Schwälwe drugen den Dreck all üt met de bonte Flögels Geld-Wetten. Plätzen, platzen, Schottele wassen (waschen), Hüs ütk., alles duhn, dat sall ons klen (N.) duhn zwei Kinder tragen ein drittes auf den verschlungenen Armen Klev-Goch. — 2. übertr. a. absol. Schulden ordnen Sol. — b. der Kehraus (). α. den K. danzen den letzten Schlusstanz Allg. De K., de K., ein jerer fehrt sei Schatz no Haus! Hunsr. De K., de K., die Jongen gohn no Haus; wann de J. heim gohn, mussen die Mädcher sich schlofen len (legen), de K., de K., die J. gohn enz heim! Neuw-Rengsd. De Keh (Kühe) eraus, de K. eraus, de Kälwer bleiwen em Stall; wenn die Kälwer em St. bl., muss mer de Keh eraus dreiwen, de Keh eraus, de K. eraus, de Kälwer bleiwen em Stall! Neuw-Brückrachd. — β. K. machen in den letzten Zügen liegen uWupp. — γ. scherzh. die letzten Gäste in einem Gasthause Sol, uWupp.

Kehr Rip Sg. t. m.: das Kehren; sengen K. hale; hat ühr ühren K. alt gehale?

Kehr-besen (s. S.) Allg. m.: 1. wie nhd. RA.: De löppt (läuft) noch wie ene K. trotz seines hohen Alters Kemp-SHubert. — 2. übertr. Besenlitze am Kleide Merz-Conf. Kehr-blech (s. S.) Allg. n.: -schaufel. PfWB  LothWB Kehr-bürste -bīərt Birkf-Idar, Merz-Keuching; -lȳəəl Heinsb-Birgelen f.: Haarbesen. PfWB  LothWB Kehr-dreck (s. S.) Allg. m.: 1. Kehricht. RA.: Dat fengt (findet) sech em K. Sol-Leichl. Wat de Mad (Magd) em K. fengt, hürt ihr Sol, — dat dellt (teilt) se mem Kneit (Knecht) NBerg, NRip, Grevbr. Su tahm (zahm) äs en Mösche (Spatz), de men em K. fängt ausgehungert Sol. — 2. Biesfelder K. Neckn. von Wippf-Biesf. Kehr-dreckshaufen (s. S.) Allg. m.: Kehrichthaufen. Kehr-eisen -ī:zər Sieg-Eitorf n.: Schürstange zum Auskratzen

[Bd. 4, Sp. 367]
der Holzkohlen aus dem Backofen. Kehr-frau Verbr. in den Städten f.: Fr., die um Lohn kehrt. Kehr-geld -jęilt Sol n.: G., Lohn für denjenigen, der kehrt. Kehr-glöckelchen -kl- Bo-Stdt n.: die Gl. auf den Jesuitentürmen, die geläutet wurden, damit gegen zwei Uhr die Dienstmädchen die Strasse kehrten; fand sich eine Stunde später noch Schmutz auf der Strasse, so folgte ein Polizeistrafe (bis etwa 1860). Kehr-haufen (s. S.) Allg. m.: Kehrichthaufen. Kehr-lak -ā:- Bitb-Geichl Mettend, Prüm-Mürlenb Waxw f.: 1. in Wasser getauchtes Scheuertuch an langer Stange zum Reinigen des Backofens. — 2. übertr. Unterbett Prüm-Flering.  PfWB Kehr-mädchen Verbr. in den Städten n.: M., das um Lohn kehrt. RA.: Loss lige, dat es för et K.! gesagt, wenn einem eine kleine Münze entfällt Köln, Aach. Wat enner (unter) den Desch felt, as fir't K. Bitb-NWeis. Kehr-reiser -ī:z- Sieg Pl.: Birken- oder Stechpalmenreiser, die zum Kehren der Ställe besonders geeignet sind. Kehr-schüppe -øp Rip f.: -schaufel. Kehr-stäuber -ȳ·ə.- Remschd m.: Haarbesen. Kehr-weg -wχ Sieg-Fussh m.: der gepflasterte W. vor der Haustüre. Kehr-wüsch -w Heinsb-Kirchhv m.: W. zum Reinigen des Backofens.

 PfWB Kehrsel kēərəl Kreuzn, Simm; -rtsəl Saarbr-Sulzb Sg. t. n.: Kehricht.
 
 
kehren II Rhfrk -ēr-; Mosfrk -ē:-, –ī:-, –ī·ə.-; Rip -ī:-, –ī·ə.-; OBerg -ēə-, –īə-; NBerg -ī:-, –ī·ă.-, -ē·ă.-, –ē-; SNfrk -ī·ə.-; Klevld -ē- [n. Ruhr auch --] schw. (Part. Siegld gəkōărt): kehren, wenden. 1. trans. a. etwas k. α. dem Dinge eine andere Richtung, Lage geben; du kas et k. en drihe, wie de wells Eup, Allg.; dat ongerschte (unterste) ovven k. durcheinandermachen Sol; et ongesch Engk (Ende) ovve k. Eusk; et öngeschte (no) ovve k., se han mer alles et öngesch et övvesch gekihrt Rip; he hät et hengerschte Eng (Ende) fürgekiəhrt in seinen jungen Jahren alles draufgemacht u. muss nun im Alter darben Sol-Burschd; de kihrt alles de Bach eraf verschwendet alles Prüm, Allg.; mer kehrt och net alles den Hals erof darf nicht alles verzehren Bitb; en kihrt alles de Schleck (Gurgel) erob Saarbg-Nittel; de keəhrt alles drof verschwendet alles Trier, — driwer Saarbg; alles durchenannerk. durchstöbern, verwirren Merz, Allg.; den Kopp no N. (Ort) k. sich nach dem Orte aufmachen Gummb; ech hauen dech, dat de de Ben en de Loch (Luft) kiəhrsch! Sieg; enem de Röck k. Rip, Allg.; esu bal wie mer de Reck gekiahrt hot Bitb, Allg.; ene Rock k. wenden Allg. — Im bes. technisch: den Plog k., den Wagen (de Kar) k. wenden; Heu k. umwenden (auch absol. mer gihn k.), dafür mehr drehen; et Bett (Getreidebett in der Tenne) k. Allg.; k. (absol.) den Schlitten lenken Monsch; de Kiəs (Käse) k. poltern, gründlich aufräumen, alles aufdecken u. sich von allem Einblick verschaffen, durcheinanderwerfen; hei wärd de K. gekihrt es geht bunt

[Bd. 4, Sp. 368]
durcheinander Eup; Wasser, de Bach k. aus einer Richtung in die andere bringen zu Bewässerungszwecken Allg.; kehr de Bach dren! verzichte darauf Mosfrk (on halt den Sak op! Trier); e kehrt em de Bach of de Mihl er unterstützt ihn Trier-Mehring; Wasser op hön Mölle k. seinen Vorteil wahrnehmen Aach-Stdt; de Ohr k. die Uhr richtig drehen Bitb-Speicher; Truff k. den Trumpf wenden beim Kartensp. Aach; kihr Si (Seite)! Ruf beim Wechseln im Sausp. Aach. — Übertr. Den hot en gut gekihrt krigt eine Ohrfeige erhalten Saarbg-Onsd. — β. etwas beseitigen; dat solle wei wahl k. SNfrk; den Bang k. die Furcht austreiben Kemp, Geld; Kiəhrches ein Klickersp., wobei nach u. nach die Einsatzklicker herausgeschnellt werden Altk-Birken. RA.: Wat Kält kihrt, k. och Hetz Köln-Stdt, Mörs. — b. einen k. α. einen vom Weitergehen zur Umkehr veranlassen uWupp. — β. einen k., fortjagen Sol; einen herausk. hinausjagen; der Bauer kihrt de faule Knecht heraus Prüm-Ihren; en Weder ze schlecht, fir en Hund rauszek. Wittl-Bengel. — γ. Streitende userenk. (auseinander-) trennen Jül-Gereonsw. — δ. abwehren, hindern, zurücktreiben Sieg, Monsch, Eusk, Dür, SNfrk, Geld; kiəhr det Peərd de Flege! Heinsb-Lümb; on seve (7) Mannshiəren können Hölderdebölder net k. aus dem Rätsel vom Donner Geld-Leuth; de Ale (Alten) soll mer ihre (ehren), die Jonge k. Bo (sonst denne J. der Puckel k.); bes. Vieh, das an einen gewissen Punkt kommt, wegtreiben: dät es de fule Hiərt, de die Köh net kiəhrt! Heinsb-Lümb; lowe, l., liəhre, ech kann de Kuh niet k.! Kemp-SPeter; kihr dat Veh herim! Koch-Leienkaul; absol. schimpfen Malm-Hünning. — Kiəhres on Wiəhres (wehren) han Mühe u. Not Eusk-Lechenich. — ε. de Köh k. in die geschlossene Weide treiben Monsch, Koch-Leienkaul. — ζ. den richen Mann (udgl.) erusk. markieren Rip. — c. sich k. α.sich wenden; kihr dech eröm! Rip, Allg.; de hot sich halwewegs wirrer gekihrt ist umgekehrt Zell-Briedel, Allg.; de Krankhet hot sich gekihrt ebd.; sich k. on driəhe nicht mit der Sprache herauswollen; der kann sich k. on dr., wie er wellt er kann sich helfen Rip. — β. sich an etwas k., drum kümmern; kiəhr dech ent (nicht) dran (dröm)! Eup, Allg.; de kihrt sek an nicks Gummb, Allg.; ech kann mech net an dech k. MGladb, Allg.; was hascht du dich donn dron ze k.! Saarbr, Allg. RA.: De kiəhrt sech an kenen Gott on Gebott Wermelsk, Rip, Nfrk. Kiahr dek an Mattis nit! Barm; vie k. us an den Mattheis nit! (vor mehr als 70 Jahren fuhr ein gewisser M. mit einem Omnibus zwischen Elbf u. Neviges) Elbf. Drüttchen (Gertrud), kiahr dek an nicks! Remschd. — 2. intrans. mit persönl. u. sachl. Subj.; eine Wegebiegung machen, umkehren, umlenken (mit dem Fuhrwerk) Allg.; der Bauer kihrt wendet den Pflug Prüm, Allg.; wofir hosde net erschter (eher) gekeiəhrt (mit dem Wagen)? Ich

[Bd. 4, Sp. 369]
konnt net, de Weg wor ze schmol Bernk-Neumag; en Mul (so breit), dat en vierspänniger Wagen dren k. kann Wippf-UBrochhg; lotte ver k.! Kehrt machen MGladb, Allg. (selten angewandt); hie k. os Stöcker sagt ein Bauer zum andern, wenn sie sich gemeinsam an Ort u. Stelle über die Grenze zwischen ihren zusammenhängenden Grundstücken vergewissern Malm; de Melk kiəhrt gerinnt, gekiəhrde M. Eup; de Botter kihrt bildet sich Monsch-Rott. RA.: Mer mass wässen (wissen), wo mer ze wängen (wenden) on ze k. het was man zu tun u. zu lassen hat Sieg-Leuschd. Wo Mestus kihrt, k. och Krestus soweit der Mist reicht, reicht auch die Ernte Prüm-Ihren. De Frendschaft kihrt om (im) Geldbegdel (-beutel) Prüm. Dat wor en Schull (Schauer), die kihrt op et Fell durchnässte bis auf die Haut MGladb-Rheind. Dat kihrt twei Groschen ich gebe einem andern gegen Tausch zwei Gr. heraus Düss-Calcum. — Ausser der Bed. 1 c β (sich an etwas k., dafür stören, kümmern, Birkf nur diese Bed.), 1 b δ, u. den techn. Bezeichnungen (in May-Mertloch nur noch de Bach k. einzige Verwendung des Wortes, in Rheinb-GrBüllesh ene k. zurückschicken) ist das Wort gegenüber drehen, wenden stark im Rückgange begriffen, während die Kompos. (bes. verkehrt) u. Abl. Kehre volle Lebenskraft besitzen. — Abl.: die Kihrerei, dat Gekihrsch.

ab- kehren: 1. trans. a. etwas a. α. Ungünstiges abwenden; de fule Kuhhiərt, de de Köuh net beəter afkiəhrt Geld-Leuth; de Hohnder a. fernhalten Eusk; de Flege a. Heinsb-Erpen; dat häbbe me noch efkes (eben) ofgekiəhrt Kemp. RA.: Enem der Bang (den Bangen, den Ängs) a. ihn begleiten, um ihm die Angst zu verscheuchen SNfrk. — β. das Wasser a., wegleiten Allg. — b. einen a. α. abweisen, den Laufpass geben; ek häbb se all ofgekiəhrt, mär et badde (nützte) nicks Kemp. — β. dem Bergarbeiter den Entlassungsschein geben Saargeb. — γ. sich a., sich abwenden Allg. nach dem Nhd. — 2. intrans. die Arbeit aufsagen u. weggehen, vom Bergmann Saarbr 1800 (jetzt de Abkehr holen). an -kehren: 1. etwas a., a. in Bewegung, Gang setzen, z. B. die Uhr, Maschine, Mühle, den Kreisel Mosfrk. — b. et doll a. es toll treiben Malm-Amel. — c. eine Gerichtssache zum Prozess bringen; die Geschicht wen (wegen) der Schlägerei wor alt äs (schon einmal) gedeft (beigelegt) gen; du muss erum (wieder) änen se ogekehrt hon Bitb-Dudeld. — 2. einen a., derb anfahren Wittl-Dörb.  PfWB  ElsWB auf -kehren: 1. Wasser a., auf die Wiese leiten; mer mossen et Wasser opk. Daun-Tettschd. — 2. etwas a., zum Verkauf, zur Versteigerung ausbieten; de best Stecker sein net opgekehrt gen ebd. aus -kehren: 1.Geld a., ausbezahlen, bes. bei einer Erbschaft, Verheiratung Eup, Aach, SNfrk, Klev; wenn hei sin Dochter an NN. verfrigen well, dann mott hei äwer döchtieg wat ütk. Mörs; ech moss mer Geld schaffe, för

[Bd. 4, Sp. 370]
em uszek. Eup-Raeren; Geld usk. auszahlen; do kreg heə sene Luəhn utgekiəhrt Eup-Stdt. — 2. etwas darstellen wollen Klev; der Düker (Teufel) usk. im Hause ohne Grund über alles schimpfen Aach. be -kehren: 1. die Wiese b., bewässern, Wasser drauf kehren Wippf, Waldbr. We ken Gras han well un ken Heu, muss de Wiəsen b. em März un em Mai Waldbr-Eckenhg. — 2.a. einen b., zu einer andern (bessern) Ansicht, Lebensführung bringen, bes. in religiösem Sinne Allg. — b. sich b., anderer Ansicht werden, sich bessern. RA.: A.: Wie Zitt es et? B.: Zitt, dats de dich bekiəhrsch (dat dech der Düvel net kritt)! Aach, Grevbr.