Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
Kartenschläger bis Kartoffel (Bd. 4, Sp. 213 bis 216)
 
  PfWB  ElsWB Karten-schläger m.: 1. dass. MüEif. — 2. derjenige, der die Karten 2 b für die Weber locht Elbf. Karten-schlägersche -ər(ə) Allg. f.: Wahrsagerin. Karten-schusseler -os- Saarbg-Wilting m.: verächtl. leidenschaftlicher K.spieler. PfWB Karten-spiel (s. S.) m.: 1. das Spielen mit Spielkarten. RA.: Dorch K. on Kann wiərd männicher zom ärme Mann Bo. — 2. die Gesamtheit der Kartenblätter (scherzh. auch et Gebetboch mat 32 Blädern Trier-Mehring, Simm). Karten-spieler (s. S.) Allg. m.: wie nhd. Karten-sterz Köln m.: der Schweif des Papierdrachens, an dem in bestimmten Abständen Stücke von Spielkarten geknotet sind. Karten-stip -ī- Bitb, Prüm m.: verächtl. leidenschaftlicher K.spieler. Karten-stöpfchen -tøpkən Elbf n.: 1. in der Weberei, ein kleines, kreisrundes Pappdeckelstückchen, welches aus den Karten 2 b vom K.schläger ausgestampft wird. — 2. übertr. scherzh. Linse. Karten-teufel (s. S.) Wittl-Hetzerath; kārt- Kreuzn-Bockenau, Dür, Eup m.: verächtlicher leidenschaftlicher K.spieler. Karten-tisch kārt- Allg. m.: T., an dem gekartet wird. Karten-tuppert Wittl-GrLittgen m.: verächtl. leidenschaftlicher K.spieler. Karten-vogel kārt- Elbf m.: dass. Karten-weib -wīf NBerg n.: -legerin.

 PfWB  ElsWB  LothWB karten Allg. schw.: 1. Karten spielen; beim Kartensp. eine zahlreiche Reihe technischer Wend.: die Minscher die schwarzen Damen (Schüppen, Kreuz), die Bassdam Schüppendame; der Linke der Bauer, der mit dem Trumpfbauer die gleiche Farbe hat; en Kopp (Kopf) Herzneun mit noch einer Herzkarte beim Siebenschram, en gode K. mit noch zwei H.karten Daun-Tettschd; Mensch Kreuzdame, Link Schüppendame, Spass (Spiess) oder Spetzt Kreuzsieben Prüm-Balesf.; die Al Kreuzdame, die Bass(dam) Schüppend. Gummb. Ass, Zehn, König vier mo ich habe diese aufeinanderfolgenden Karten und noch eine kleinere Karte (acht oder sieben); die Minscher ze drett die beiden schwarzen Damen u. noch irgendeinen Trumpf; dat Spetz Trumpfsieben (bester Trumpf in einem best. Spiele) Ottw-Eppelborn; man spielt op drei Recht in drei Partien Prüm-Ihren; beim Karten mischen, (mengen, sticken), afheven, geven (angeven, usgeven), usspillen, trompen,

[Bd. 4, Sp. 214]
üvvertrompen, Tromp opspillen, de Trömp herushollen, stechen, bedenen (bekennen), kaufen (fressen), ramschen, fauteln, mauern (s. d. W.); van jedem Buərnhoff en Hund sagt der, der eine sehr gemischte Karte erhält Ess-Frintrop; de Op (das Aufspiel) äs e Brut wert, wann et öm e Maler (Malter) Kor (Roggen) geiht Neuw-Asb; lans de Front rije (reiten) die Trümpfe hintereinander herausholen Erk-Keyenbg; Jann het Griet in den Näck (Nacken) gesiehn, twelf en acht es twentig (20)! bei einem geglückten Trumpf Klev; he ös us dem Schnider (Schneider) hat dreissig Augen Rip, Allg.; he hat sich Jann gekart Monsch; hen hot Hamburg gedreckt, — hot Bermes gespielt Bitb-Messerich; iərschte Gewenn es Katzegewenn der erste Gewinn gilt nicht viel Malm, Verbr.; de erscht Hunn (Hund) erseift mer (wirf mer en et Wasser) Mos, Verbr.; no, sicks (seichst) de dorut (daraus) oder sicks de dorut? damit fordert der Spieler eine Farbe nach der andern des Gegners heraus Gummb; freass de Pan (Pfanne) met der Wurscht! zu dem der immer gewinnt Trier-Mehring; Schol (Schule) us! damit beenden die K.spieler das Spiel Agger. Et as dach neist Gots enner de Gessen, sot der Man, dur hat en nemmen (nur) e Bock (Trumpf) Bitb-NWeis; mih wie Kopp af on zer Hell eren kann et net gevve sagt der, der ein aussichtsloses Spiel wagt Bergh-Heppend. — Beliebte K.spiele: Bauer, bauern, Burjagen, brüten (s. bräuten), biet Eckstein, hunderteint (101), Klavriass, Kolär (Ecksteinsolo), Komödchen, Lachs, legen (lügen), mauscheln, Mensch (Solo), Napoleon, Pandur, schwarze Pitter, Ramsch, Schafskopp, Sechsonsechsig, Sibbenschröm, Skat, Solo, Spitz pass op, sticheln, tuppen, von Zwavig eronner, zwicken. — RA.: De kann net k. on net keəgele er versteht nichts Heinsb. De kart, de hüt (hütet) gene (keine) Schoəp (Schafe) Geld. Do setze se die halwe Nachte en k. em die Kaffibohne von Karten spielenden Frauen Birkf-Idar. Die k. op enen Hof (openander) sie halten stets zusammen Sieg. Er hät met im kot (kurz) gekart kurzen Prozess gemacht Köln 1838. Met grote Here is nit gut k. Klev, Rees. We en de Höll ös, mott (muss) met dem Düvel k. Kemp-Süchteln, Rees. De hät ene Rögge (Rücken), do konnen er ihrer vier Sebbeschröm drop k., dann hant se nouch e Pläzche, für de Knick (Kreide) ze len (legen) Bergh-Blatzh. Wo gekart wüərd, do es der Düwel onger (unter) dem Dösche Wermelsk, Mörs-Pelden. Us dem Stock k. gemeinsam mit dem Löffel nach der grossen Schüssel, die in der Mitte des Tisches steht, langen mErft. De es op et K. wie de Düvel op en ärm Siel (Seele) Rip, Allg. Dat hat de och em K. gewonne, et hat de siəve Schröm (vom bekannten K.spiel) noch om Balg von einem Pferde, dem man die Rippen zählen kann Erk-Keyenbg. Wat ek mät et K. gewonne, well ek nit mät Dobbele (Würfeln) verliere! ich gebe dir das nicht Klev. —

[Bd. 4, Sp. 215]
2. übertr. a. für ‘spielen’ bei Knabensp., z. B. Perdjes k. auf dem Rücken eines andern sitzend den von einem andern geworfenen Ball zu fangen suchen; Käppkes k. man wirft den Ball in eines andern Mütze; der Besitzer der M. greift schnell den B., um damit jmd. zu treffen Klev-Calcar, Rees. — b. Pläne schmieden Koch-Poltersd. — c. schlagen, verhauen Eusk, Rheinb. — Abl.: die Karterei, dat Gekarts.

 PfWB ab- karten: 1. etwas a., heimlich verabreden; dat hat ühr metenander afgekart; dat wor afgekart Werk, Spill, — afgekarte Sach, Krom Rip, Allg. — 2. einen a., abkanzeln Heinsb-Saeffelen.  PfWB  LothWB an -karten: 1. den ersten Stich aufspielen; du karts an Rip; dat es öm angekart es geht ihm ganz nach Wunsch Geld-Straelen. — 2. etwas a., anstiften, ins Werk setzen; do härr ich ball ebbes angekart Kreuzn, Hunsr, Saarbr-Sulzb Völkl, Kobl-Bend. auf -karten: den ersten Stich aufspielen; du karts op; wat für en Kart häste opgekart? — Opk. tut auch jeder, der eine Karte auf den Tisch legt Rip, Allg.aus -karten: 1. das Kartensp. beginnen; du karts us; eine Karte aus seiner Hand legen Rip, OBerg. — 2. etwas a. a. einen Preis a.; op Neujohrschovend werde Bretzele on Kränz (ein Gebäck) usgekart Rip, Allg. — b. etwas ausklügeln, entdecken Bitb-Mettend. nach -karten: 1. nach einem andern k. Allg. — 2. übertr. in der Wend.: Du häs jot n. erteilst einen guten Rat, wenn es zu spät ist Rip. Nok. gölt nöt! was abgeschlossen ist, bleibt abgeschlossen Trier, Allg.  PfWB  LothWB ver -karten: 1. etwas v., mit Kartenspiel verlieren Allg.; ich kennt Vermeə (Vermögen) hon, härr ich et nit verliererlicht (verliederlicht), versuff, verkart, verdohn Simm (Rottm.). RA.: De hät der Bart verkart beim Spiel alles verloren Schleid-Blumenth. — 2. übertr. et wär net verkart nicht umsonst, nicht unangebracht Siegld. vor -karten: vor einem andern seine Karte legen Allg.

Kärter kətər, –ēə- Rip, OBerg, SNfrk; -āt- Kreuzn-Bockenau, Birkf, Koch-Cobern, Kobl-Bend, Siegen, Prüm-Rommersh, Schleid, Mettm-Düssel, Aach-Stolbg, Kemp-Hüls, Heinsb-Braunsr, Geld, Rees-Ringenbg Elten; kətənər Ahrw-Altenahr, Sieg-ODollend, Pl. wie Sg. [Geld -ter, –tərs] m.: ein leidenschaftlicher K.spieler. RA.: Der beste K. verlöppt (verläuft, irrt) sech Heinsb-Braunsr. Enen K. os dem anneren sinen Büdelsdräger Malm-Weywertz, — sin Sackdräər OBerg. Hädd ech, wöllt ech on wär ech send drei arme K. Sol-Burschd.

Karteel = Leitseil s. Kardeel.
 
 
Kartell kardę·l.  Wittl, Bitb, Prüm, Malm; -d:l Wittl-Eisenschmidt Meerf Sg. t.: in der Wend.: K. halen (halten). 1. ausharren, durchhalten, etwa in einem Wortgefecht, Prozess, einer Arbeit, einem Unternehmen; sich den Rang nicht ablaufen lassen Allg.; hal mir de K.! unterhalte dich mit mir, erzähl mir etwas Wittl-Meerf. — 2. Wort halten, sein Versprechen

[Bd. 4, Sp. 216]
erfüllen; dat es ke Man, de net K. hält, on wenn et och en Uhr (Ohr) vom Kopp kost.
 
 
Kartjee kartjē:  Saarl Sg. t. n.: Dorf-, Stadtteil, Gegend, frz. quartier.
 
 
 NRhWB Kartoffel das Wort reicht nach Wk. IV 9 über den Westerw (die Rheinorte haben meist grumbīr u. n. Neuw-Rheinbrohl ərtapəl), Siegld u. die Sieg abwärts etwa bis Sieg-Fussh Ägid, u. zwar Westerw tufəl, –o-, auch daneben kad-, gad-; Siegld dofəl; im Klevld kartufəl neben rdapəl u. rtnot; in Erk-Doveren tøfəlkə in der Kinderspr., Pl. -ələ, –əln [døfəl Altk-Hellert; kartufəlts Klevld] f., m.: 1. wie nhd.; die technischen Wendungen zum K.bau s. bei Erdapfel u. Grundbirne, dazu de Duffeln va de Fern (Federn) hacke auf dem bestellten Kart.feld die gepflügten Schollen einebnen; de D. kebbe das Feld lockern, wenn die Pflanzen aufgegangen sind, de D. haufe (mit der Hacke), — hoəche (mit dem Pflug) behäufen Siegld; gekochte, gedämpte, gebrodene, gequallte, saure Toffeln; Toffeln met Bröh (Brühe). RA.: Setzt mer de K. em Aprel, dann kimmt se, wann se well; setzt mer se awer em Mai, dann kimmt se gleich Neuw. Morgens K.n en aller Freh, meddags K.n met der Breh, owends K.n en em Kleid (gequellt), K.n, K.n en Ewigkeit; morgens gebroren, meddags en Stecker (Stücken), owends gequallt oller (oder) en Scheiwen, dobei soll et bleiwen Neuw. Bat haət mer uf de Welt, wenn mer K.n schellt, wenn mer Deppekochen (Düppenkuchen) hat on esst sich dann net satt! Neuw. Dat well ech der son (sagen), Tuffele ka mer drohn; ech well der jet verzällen (erzählen), T.ə ka mer schellen; ech well der noch jet verroden (verraten), T.ə ka mer broden, no mosste awer net kiwen (keifen, schimpfen), mer kann se och riwen (reiben) Neuw-Asb, Neuw verbr.; ech well der wat son, Ollich (Öl) es kei Dron (Tran); ech well der wat verzehle, K.ə kann mer schele; ech well der wat verrode, K.ə kann mer brode Neuw-Dierd. Net fir honnert (100) faule K.n, on dat sein er net winnig! Neuw-Wienau. Kartoffele, K.! demjenigen nachgerufen, der in scharfem Trabe auf weichem Boden reitet Rees. Was haben wir gekocht? Antw.: Doffeln on Stipp Siegld. — Im Klevld wird der letzte K.strauch mit anhängenden K. ins Haus gebracht, wobei der überbringende Knecht spricht: Hier breng ek ou (euch) de Stoppelhahn mät fifontwentig (25) Kartuffels dran; se sönd nit ütgelest, sönd alle so gewest; dat Feld ös leg (leer), den Kelder (Kelter) ös voll, Frau, schött ons e e Gläsken voll! Dinsl-Hünxe. — 2. übertr. scherzh. a. Taschenuhr; krig ens deng Tuffel erus on kick ens, bievill Uhr dat et ös! Sieg-Ägid, Allg. — b. verächtl. Nase Siegld.