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Rheinisches Wörterbuch 
 
ausholen bis Holfer-back (Bd. 3, Sp. 762 bis 764)
 
 aus -holen: 1. trans. a. zu h. 1. α. etwas a., herausholen; et Brot üthalen aus dem Backofen; den hät de Mösse (Vögel) ütgehalt er hat stets Glück; wat uth. aufstöbern; en Nest uth. ausnehmen Klevld, Geld, Viersen, Selfk (sonst heraush.). RA.: Beim Flachsbrechen ruft die eine Partei der anderen höhnend zu: hoəl ut, Melk en der Buk (Bauch)! Geld. — β. einen a., hinterlistig aushorchen, ausfragen, bes. Kinder, um Neuigkeiten zu erfahren; de hät su e Hängkche (Händchen), für de Löck (Leute) uszeh.; ech verstohn, su höllt mer en doven Geck us Ablehnung des Aushorchens Rip, Allg. — b. zu h. 2; en Nest a. die Eier, junge Vögel herausnehmen. — 2. intrans. mit ‘haben’; (weit) a. a. mit einem Instrument udgl.; du bruchs met der Hau net esu wit uszeh. Rip, Allg.; der höəlt us met de Ben er macht eine bogenförmige Linie nach aussen beim Gehen Sieg-Leuschd. — b. beim Erzählen; do moss mer weck (van alen Zeggen (Zeiten) her) ush., wammer dat richtig verzälle well Rip, Allg. bei -holen: 1. in sinnl. Bed.; etwas b. a. herbeiholen, zusammenbringen, –tragen, bes. die zum Haushalt, für die Küche notwendigen Waren einkaufen, Bestellungen ausrichten; de Jong moss alles b. alle Gänge machen; Wenkelswar b. Nfrk, Rip. — b. bei der Herstellung von Kleidern einen zu ausgedehnt vorgeschnittenen Teil verengern; de Rock wirf em Röck Fale (Falten), dat moss nom Krag zo beigehollt weəre Rip. — 2. übertr. a. etwas b., Versäumtes nachholen; wer nüs versüme kann, kann och nüs b. Rip. — b. einen b. α. einen Gehenden erreichen; de geht su flöck, den kannste net b., — den krigste net beigehollt Rip, Eif. — β. einem Gewinner gleichkommen; ich han en beigehollt Rip, Eif. durch -holen: 1. in sinnl. Bed. absol. Maschen beim Stricken durchziehen Köln. —

[Bd. 3, Sp. 763]
2. übertr. a. he hät et noch ens duərgehollt sich von der Krankheit erholt Heinsb-Lümb (derdurgehalt Rees, Kemp). — b. etwas (einen) d., durchhecheln, verlästern Klev. ein -holen: 1. zu h. 1. a. in sinnl. Bed. α. Pach e. einziehen Sieg-Rhönd. — β. einen e., einem Ankommenden entgegenziehen u. ihn unter Ehrenbezeugungen empfangen Rip, Geld. — b. übertr. einen entfernt Gehenden, Laufenden e., ihn erreichen; eich hon hen noch agehuəlt Bitb, Allg. — 2. zu h. 2. a. in sinnl. Bed. α. eine Versäumnis e., etwas e., Arznei e., einnehmen Allg. — β. absol. einnähen, einschlagen, das Ende eines Ärmels, eines Hosenbeines oder die Stoffränder an einer Naht e. Bernk-Neumag. — γ. dat Mädche hat de engeholt in ihre Netze gelockt Kobl. — b. übertr. α. in Anspruch nehmen; de Brode hollt en grusse Pann en Monsch, Allg. — β. hen as ganz dofir ageholt dafür eingenommen Wittl, Allg. — γ. den as ageholt beklommen Bitb, Prüm; bestürzt Bitb-Wissmannsd. — δ. einen e., aufhetzen Ottw-Elversbg. er -holen: 1. schwer e. seufzen Trier-Mehring. — 2. sich e. a. schneller machen; erhol dich e winig! Bitb-Hütting. — b. die Kuh erholt sich nimmt an Milchertrag zu Bitb. — c. sich von einer Krankheit, geschäftlichem Niedergange e. wie Nhd. Allg.; sich an enem e. schadlos halten MüEif. nach -holen: versäumte Arbeit nachträglich leisten; he well et all noh. Sol, Allg.um -holen: 1.a. einen u., zurückholen, der schon weggegangen war Allg. — b. sich de Kopp ömhalen loten sich verwirren lassen; lot ow de K. niet ö.! Klev, Rees. — 2. etwas u., zurücknehmen Verbr. wie h. 2; ich hole um! ändere die Lage der Klicker Rhfrk.  PfWB ver -holen: sich v., unanständiges, dummes Zeug reden Klev, Rees.vor -holen: zu h. 2. 1. sich etwas v., vornehmen, geloben; hol der ebbes fir! mach ein Versprechen; ech hatt mer och alt e Gangk no Klause firgehoəlt eine Wallfahrt; hean hat sich dat fest firgehualt Allg. — 2. einen v., zur Strafe, zum Tadel heranholen Allg. zer -holen: sich z., sich abmühen Prüm.zu -holen: zu h. 2, zunehmen an Körpergewicht Allg. RA.: Du holscht zu wie der Abreisskalenner Saarbr-Lauterb.

hol hǫl yvər trǫl s. holen.

 NRhWB Hol hǫl Rheinb, Eusk, Sieg Sg. t. m.: Genuss, Ertrag, in der Wend.: Er hät sengen H. a jet er kann von einem grösseren Vorrat holen; an dem Klistöck han ech goden H. gehat; an esu nem Gärtche hät mer et ganze Johr dörch senge H.

Er- hol: 1. ərhǫl Vorteil, Nutzen, Gewinn; en hat viel E. on seiner Tant; en hot gor kenen E. aus dem Land (schlechten Acker); en hat dit Johr en schinen E. om Veh Wittl, Daun, Prüm. — 2. ərholt Ruhepause während der Arbeit, Schonung Trier-Mehring.

Hol-mahl hāləml Rees n.: das Festmahl, das den Nachbarn gegeben wurde, die die Brautkarre

[Bd. 3, Sp. 764]
mit der Mitgift zum Hause des jungen Paares eingeholt hatten, am Tage vor der Hochzeit. Hol-mann Gummb m.: in der RA.: De Brengkmann es mi leiwer as de H.

holäcks holəks, hølęk usf. = Hetzruf zu Hunden s. holen 1 a; holäcksen = reizen s. ebd.

Aus-holer ythālər Klev m.: krummes Messer der Schmiede zum Ausschneiden der Hufe.

Holenkter, Hölentöle, Höleter = Holunder (s. d.); Hölf = Nussschale s. Hülbe.
 
 
 NRhWB holfern ho·l.v-, –olv-, –ǫ- MGladb, Erk, Heinsb, Kemp, Kref, Mörs [-olb- Bönninghardt], Geld; -ǫlw- Klev, Dinsl-Walsum, Rees-Loikum; abseits uMos -o·l.w- May-Hatzenport, Kobl-Lützel, Goar (Rheinorte); s. Holfter I schw.: ein ungeschicktes, geräuschvolles Tun bezeichnend. 1.a. holpern, stolpern, unter Anstossen, torkelnd, plump, unter Poltern gehen; auf holperigem Boden gehen; geholvert kommen; angeh. k. Allg. — b. ungeschickt, halsbrecherisch klettern; derowerh. über einen herklettern MGladb, Kemp, Klev, Dinsl-Walsum. — 2.a. in der Arbeit sich überstürzen, unüberlegt, oberflächlich arbeiten; schwere, grobe Arbeit bei grosser Unordnung verrichten; he holvert sech wat tereit (zurecht); he holvert de ganze Dag en der Dreck; an wat herömh. Allg. — b. sich balgen, Mutwillen treiben; sorglos wild spielen; waghalsige, mit Gepolter oder Lärm verbundene Übungen machen, wie Jungen sie lieben Kemp-Dülken Süchteln SPeter. — c. unruhig auf dem Stuhle sitzen, mit ihm hin u. her fahren; sich unruhig (im Bette) hin u. her wälzen Kemp-Dülken Hüls, Mörs-Bönninghardt Ossenbg, Geld-Pont. — Abl.: die Holverei, dat Geholver(sch), der Holverer.

 NRhWB Holfer -ǫləv- Sg. t. m.: 1. schwere, grobe Arbeit bei großer Unordnung, z. B. bei einem Hausputz, Umzug Kemp-Süchteln. — 2. dat geht h. över tolwer Hals über Kopf Kref.

Holfer-back Klev m.: einer, der holfert.