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Rheinisches Wörterbuch 
 
graten bis Gratschtier (Bd. 2, Sp. 1364 bis 1366)
 
  PfWB graten -āt- MGladb-Neuwerk, Kref, Kemp, Mörs-Neuk schw.: weinerlich, anhaltend bitten, von Kindern; brummen, knurren, unzufrieden sein. S. grasen II. — Abl. die Graterei, dat Gegrat, ene Grat-pott.

Grate -āt. Pl. -tə f.: Klageweib.

Graten -ātə Kemp-Ld Pl.: kleines, verschrumpftes Obst.
 
 
Grates -ā:t-, –d- m.: 1. Kurzf. für Gerhard (s. d.). — 2. übertr. -:təs, Pl. -sə Streuselkuchen;

[Bd. 2, Sp. 1365]
Erdäppelsgrätes-che Kartoffelküchlein Schleid-Hellenth.
 
 
 NRhWB Gratias jrā:tsĭas , auch -tsĭəs LRip, SNfrk n.: Gebet nach dem Essen; Gr. beəne Allg.; tösche Alleroge (Aller Augen warten auf dich, o Herr) on Gr. beim Essen Heinsb-Bocket; no et Gr. noə heəm komme nach dem Essen Aach. RA.: De hät net ömmesöns et Gr. gebet Bergh-Hüchelhv. Ech schlonn dech en et Gr. (Gesicht), dat dech Allerogen de Rögge roplöf (heraufläuft)! Bergh-Kirchherten, Jül-Tetz.

Gratias-trunk -ā:tsĭjəsdrōŋk Aach, Rheinb-Altend m.: der gemeinsame Tr. nach der Beerdigung; Leichenschmaus.

grätig I s. Grat II.
 
 
grätig II jr:diχ Dür 1880 Adj.: karätig.
 
 
gratis -ā:tis  Verbr. nach dem Nhd.; doch  Mettm-Haan Adv.: unentgeltlich.
 
 
 NRhWB Gratsche, Grätsche I -t f. Birkf, Saarbr, Ottw (-ęi- s. u. bei gratschen), Saarl, SMerz, Trier-OEmmel Waldrach; -ā- f. Merz, Trier-Mettnich Hermeskeil, Saarbg; -a- m. Monsch, MGladb, Erk; Pl. -tə(n): 1.a. Astgabelung des Baumes Allg. — b.Winkel, den die Beine bilden, Spreizstellung Allg. — c. langer Schritt, so gross man ihn machen kann; wat der Kerl Gr.ən hellt; en de Grätsch sprenge im Kindersp. mit ausgespreizten Beinen von einem auf die Erde gezeichneten Häus-chen zum andern springen Saarbr, Allg.; der Grätsch Dür-Gürzenich2. übertr. Kerngehäuse des Obstes, Appelgratsch Saarbr-Völkl.

Grätsche II -ęt [-ā- Bitb-Geichl NWeis Wolsf], Pl. -tən Saarbg, Trier, Bitb, Prüm f. [m. Prüm-Ringhuschd]: Sensenbaum, an dem die Sense befestigt ist, kürzer als der Warf, von Luxembg, Frankreich in den letzten Jahrzehnten erst eingeführt, früher nur der etwas längere Warf.

 PfWB  LothWB gratschen -- Birkf, Wend, Saarbr, Ottw, Saarl, SMerz [-ęi-, –äu- Saarbr-Völkl Riegelsb, Ottw-Dirming Merchw Uchtelfang, Merz-Conf; -- Wend-Aulenb Freisen Heimb Baumholder Berglangenb Nahbollenb, Birkf-Idar Eisen Oberst Tiefenst]; -ā- Merz, Saarbg, Trier, Wittl, Bitb; -ǫ- Bernk-Gonzerath; -a- Neuw, Köln, Bergh, Dür (-ę-), Jül, Grevbr, Neuss, MGladb, Erk, Kref, Kemp, Geld, Mörs-Rheinb Neuk Rumeln; -ǫ- MGladb-Viersen, Heinsb-Erpen, Kemp-Stdt; -ā- Kemp-SHubert; -ę- Grevbr-Hochneuk; -y- Heinsb-Karken; im Nfrk statt -t- auch -dž- schw.: 1.a. die Beine spreizen. — b. grosse Schritte machen; bes. über ein Hindernis; weit ausschreiten Allg. — c. nachlässig, schlaff, schwerfällig, kriechend, mühsam, schief u. ungleichmässig, stolpernd, breitspurig gehen; de gratscht wie en Bär, — mar ens drop an Siegld, Neuw, SNfrk (s. o.). — 2.a. klettern, womit aber eine Reibung der Kleider verbunden ist, auch an

[Bd. 2, Sp. 1366]
glatten Dingen, z. B. wenn ein Junge in einen Baum klettert oder wenn ein kleines Kind versucht, auf den Schoss (Stuhl) zu kl.; auch herop-, herafgr. Neuss, Kref, Düss, Mörs. — b. herumkriechen; et Kend grätscht om Borem erom Birkf, Mörs. — c. nicht still sitzen bleiben, auf einem Stuhl sich hin- u. herbewegen, von Kindern Kref-Fischeln, Neuss-Nievenh, Kemp-SHubert, Mörs-Rumeln, Geld. — d. -ędž- mit einer Scherbe in einem abgesteckten Spielfeld spielen, das wieder in sechs kleine Felder durch Striche eingeteilt ist; es besteht jetzt die Aufgabe, die Scherbe mit dem Fuss ins folgende Feld zu stossen, ohne dass man auf den Strich tritt u. so dass die Sch. genau innerhalb des Feldes fliegt MGladb-Rheind, Grevbr-Hochneuk. — e. übermässig arbeiten Kref-Fischeln. — Abl.: die Gratscherei, dat Gegratsch, der Gratscher.

ab- gratschen: eine Strecke a., mit weiten Schritten abschreiten, etwa eine Wiesengrenze, das Gras niedertretend, um die Grenze zu bezeichnen Allg.be -gratschen: sich b., sich verbessern, geschäftl. u. gesundheitl.; wohlhabend werden Siegld.ver -gratschen: 1. e vergratsch Wif watscheliges Weib MGladb-Rheydt. — 2. die Schuhe v., schief treten, abnutzen Bergh-Kirchtroisd.

Gratsch -a- MGladb-Viersen Sg. t. m.: in der Wend.: Deə hät ene goue (guten) Gr. onger (unter) er ist gut zu Fuss.

Gratsch-bas -ā.- MGladb-Viersen m.: einer, der gut zu Fusse ist. Gratsch-futte -vot Kemp-SHubert f.: derjenige, der sich auf einem Stuhle hin- u. herbewegt. Gratsch-gang Kemp m.: schlotteriger G. Gratsch-karre -kā:r Monsch-Witzerath f.: der Mensch, der unbeholfen geht. Gratsch-kerl MGladb m.: dass. Gratsch-mensch Kref-Lank n.: Weib mit derselben Gangart. Gratsch-pfote -pū·ə.t Kref f.: einer, der gratscht. Gratsch-sack -ǫ- Kemp-SHubert m.: -futte. Gratsch-tante -tant MGladb-Rheydt f.: -mensch. Gratsch-tier -dī·ə.r Kemp n.: schwerfällig gehende Kuh.