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Rheinisches Wörterbuch 
 
Gleiche bis Gliedschwamm (Bd. 2, Sp. 1271 bis 1273)
 
 Gleiche -χ, –ā- Nahe, Saar bis Merz, Hunsr bis zur kurpfälzisch/kurtrierischen Grenze [-ęi- in einem schmalen Streifen von der Saar (Saarbr, Saarl) aus bis nach Simm], Pl. -χə f., n.; -ęiχə Sg. u. Pl. m. Saarbr-Sulzb Bischmish Überhf Quierschd Guichenb, Ottw-Wiebelsk Wiesb, Merz-Merchw Losh, Simm-Dichtelb Riegenr; -χər, Pl. -rə m. Saarbr-Nassw, Saarl-Dilling, Merz-Steinbg; -χt, Pl. -də f. Kreuzn-Bockenau Bretzenh Hergenf Langenlonsheim Sponh Strombg Roth Weinsh, Bernk-Horath; -ęi- Wend-Ruschbg: 1. Kettenglied; Schmied, mach mer e anner Gl. an de Kire! Hunsr; nemm de sibde Gl.ə vom Werwel (aus)! zähle sieben Glieder ab vom Wirbel der Zugkette u hänge sie mit dem betreffenden Glied in den Haken des Wagenscheits Saarbr-Sulzb; sponn et Perd in de sechst Gl.! Saarbr-Heusw. — 2. Finger-, Zehenglied Saarbr-Auersmacher.
 
 
gleimen -ęi- Wend-Bliesen schw.: auf der Eisbahn, der Gleim (f.) gleiten.
 
 
Gleimer Ahr Sg. t. m.: Rebsorte, weisser Elbling.
 
 
 NRhWB Gleipe jlēpə, –ei-, –ī-, –īə-, auch jəl-, x- NBerg; -- Lennep-Radevormwald, So l-Leichl; lpə MülhRh-Wiesd 1870; Pl. -pə(n) f.: 1. Luftloch am Keller bei den alten Häusern, an Stelle u. in Grösse des Kellerfensters am sog. Glepenkeller, im Herbst mit Säcken, Stroh, Erde zugestopft, gewöhnlich vergittert Allg.; Mauerspalte, auch Glepenloch Lennep. — 2. übertr. Gefängnis, in der Wend.: He sett henger de Gl.ən.

Gleise I = Geleise s. Leise.
 
 
Gleise II glęis, Pl. -sə Simm-Kappel, Kr. Zell allg., Wittl-Reil f.: Eisbahn.

gleisen I schw. [Zell-Tellig Part. gəglisə]: Eisbahn schlagen.
 
 
gleisen II -ai- Birkf schw.: lächeln mit dem ganzen Gesicht. — Das Wort mit seinen Abl. nur noch vereinzelt.

gleiseln -- Wittl-Spang schw.: schmeicheln, heucheln. — Abl.: die Gläselerei, dat Gegläsel.

gleis-lich jəlēslĭχ Prüm-Ihren Leidenborn Adj.: 1. von Menschen. a. gleisnerisch, schmeichlerisch, heuchlerisch; en g.ə Mensch; g. schwätzen.b. umgänglich, gelassen

[Bd. 2, Sp. 1272]
(seltener) Prüm-Ihren. — 2. vom Wetter, gl. Wedder gelindes W.

Gleisner jəlēsənər Prüm-Mürlenb 1860; -ei- Trier-Stdt Sg. u. Pl. m.: Freundschaft- u. Tugendheuchler; einer, der die Zerwürfnisse zwischen andern durch Aufhetzen erweitert.
 
 
gleisten -ē- Wippf-Lindlar schw.: glänzen.
 
 
 NRhWB  PfWB gleiten nur vereinzelt -ęirə Wittg-Erndtebrück Berlebg; -id- Trier-Filsch; xlīət (3. Pers. Sg.) Lennep-Ronsd; -eə Rees-Isselbg, Geld-Straelen (γlibān): wie nhd., glitschen, rutschen; Eisbahn schlagen. — Sonst glitschen.

 NRhWB be- gleiten : einen b., nach dem Nhd; dafür enen an de Dür, op de Weg brengen. — De Braut begläden einen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen Bernk-Maring.

Be-gleit-schaft -jlētaf MüEif Sg. t. f.: Gefolge.
 
 
 NRhWB  PfWB glem glm. gəlm, –ē- Birkf, Kreuzn, Goar, Trier-Mehring, Bernk-Merschd Neumag Wintrich; -- Neuw, Siegld; glēmχĭχ Goar-Salzig Adj.: 1.a. weich, geschmeidig, gelenkig, beweglich, z. B. durch Frost erstarrte Glieder werden gl., wenn sie durch Wärme wieder geschmeidig werden; gut, lose gehende Riegel, Schlösser sind gl.; Leder wird durch Wärme gl; eine Wunde (Schwären) wird heiss gebadet, damit sie gl. wird; de Knubben (Geschwulst) es ganz hart; schmer Schmalz drof, da werd e meh gl.; der Stuhlgang ist gl. regelmässig u. ziemlich dünn. — b. gl. Weder gelinde, lauwarm; auch gl. Wasser.2. fügsam, von einem vorher störrigen Zugtier u. Menschen; weil os et gl. sagt man, wenn ein Stück Vieh wild ist, aber dann soviel gefahren wird, dass es ruhig u. müde wird. — S. lem.
 
 
Glenz -ęnts vom RhKlaaf angegeben Sg. t. m.: Monat März.

Gletz = Glatteis s. Glitz; glick = gleich (s. d.).
 
 
glickstern -e- uWupp; -i- Sol schw.: glitzern, glänzen. — Abl.: die Gleckstererei, dat Gegleckstersch.

Glickster -e-, Pl. -ərə uWupp m.: Misteldrossel, die schwarz u. weiss glänzt u. im November die Mistelbeeren frisst.
 
 
gliddern -id- Lennep schw.: gleiten, rutschen. — Abl.: die Glidderei, dat Geglidder.
 
 
 NRhWB Glied Rhfrk -īt Pl. -ērə, –īrə; Saar -it, Pl. -idər; Mosfrk -ī.t, –ī-, Pl. -dər; Siegld -et, Pl. -ērər, –e-; Rip -et, jəl-, -i- [Eusk -ø-; Schleid-Blankenheimerd Wollenbg -ǫ-], Pl. -dər u. -dərə; ebenso Berg, doch Elbf -ēt, Pl. -dər; Wermlsk -et, Pl. -ēdər; Eup let u. γlet fast nur in dubəl γledərə Rachitis; Selfk nur dubəl jəlīər (u. γəlejər Kettenglieder) Pl., sonst SNfrk knōək [Mörs-Neuk -īt, Pl. -īdər]; Klevld let, Pl. -dərs; diese einfache Form ist vom Rip an auch in Zs. üblich, z. B. Augenlid, Lidwasser n.: wie nhd. 1. am menschl Körper, bes. von den Beinen; et Kend hät doch winnigstens

[Bd. 2, Sp. 1273]
grad Gl.ər; de Gl.ər sen mer stif; en Gl. vam Fenger Rip, Allg.; ich sin so mid (müde), ich kann ke Gl. meh reə (regen) (rere) un beweə Hunsr, Allg.; ek föhl all ming Gl.ər Elbf. RA.: Wenn et Häuf (Haupt) krank es, trore (trauern) de Gl.ər Köln-Stdt. — Ech han et en de Gl.ər; et es mer en de Gl.ər gefahre; dat Wedder han ech at lang en de Gl.ər gehat (gespurt, setze gehat); dat W. stich mer en de Gl.ər; et es (lit liegt) mer wie Blei en de Gl.ər Rip, Allg; he raselt (zittert) an alle Gl.ərə Aach; dat geht mer durch alle Gl.ər Hunsr, Allg. — Dubbel Gl.ər die sog. englische Krankheit, Rachitis Rip, Nfrk; abgesetzte Gl.ər Saarbr, Ottw. — — 2.a. Kettenglied Allg. (doch s. Gl. iche). — b. das Stück der Rebe von Knospe zu Kn., lang on kuərte Gl.ər Kobl-Winning, Ahr. — 3. militärisch, wie nhd.; e Reih on Gl.; aus dem Gl. treden.4. enem et Gl. donn Gesellschaft leisten Monsch-Witzerath.

glied-gängig Prüm-Burb Adj.: einen gl. machen einen Faulenzer antreiben zum flotten Gehen; einen Gegner zum Weggehen veranlassen. glied-lang Adj.: 1. -īds- lang wie ein Glied Hunsr. — 2. -īt- Kleblabkraut, galium aparine Koch-Bertrich Lutzerath.  PfWB Glied-schwamm Sol m.: Schwellung an den Gelenken.