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Rheinisches Wörterbuch 
 
geisseln bis Geizbock (Bd. 2, Sp. 1163 bis 1166)
 
 geisseln schw.: 1. -ęi-, einen g., mit der G. schlagen; ich hon se vom Hof enausgegeischelt Saarbr. — 2. -ēs- MGladb-Mülfort, Grevbr-Aldenhv Wickr, Kref-Anr, Kemp-Dilkr Lobberich Süchteln SPeter, Geld-Leuth; sonst -ei- Erk-Anhv, Kemp, Mörs, Geld, Klev. a. den Kreisel treiben, den Gesseldopp.b. ein Tier g., mit der Geissel schlagen, meist Part. RA.: He löppt wie en gegesselde Kott (Katze) (Kater) Allg. Häj (hast du) anne (an) ons Hüs enen Hond sin g.? warum bleibst du von uns weg Klev. — c. Milch, Kaffee g., durch Wasserzusatz verdünnen; de Melk es gegeisselt Allg. Scherzh. bei aufgelängtem Kaffee: Der för uns ist gegeisselt worden! Kemp-UWeiden.

ver- geisseln: fərgęiələ etwas verderben, durch schlechtes Schneiden Birkf-Berschw.
 
 
 NRhWB Geist Rhfrk bis zur t/st-L. gt; sonst Mosfrk gst, –ā-, –ē-; Rip jēs [-ei-, s. Geiss); NBerg -ē-, –ei-, –ī-, -īə- (s. Bein); Eup γeis(t); SNfrk jēs; Mörs, Geld -ē-, –ē:-, –ei-; Klev -ai-, –-, –-, –ē-; n. Ruhr -ai-, –ęi-, –ei-, –ē-; vielfach auch in nhd. Lautung; Pl. -dər, –stər n.: 1. abstrakt. Sg.t. a. animus, spiritus, nur in vom Nhd. beeinflussten Wend. (dafür Mut, Gemüt oder Umschreibungen, wie de hät jet en; de hät Verstand, Verstehstemich usf.). De G. ufgen sterben Simm; de het nit vill G. opzegen (aufzugeben) hat geringen Verstand Neuw-Asb; de N. hät ouch de G. opgegen; scherzh. Frage: su, hät de dann G.? Sieg-Honnef. RA.: De G. geht mer lofe bei Ohnmacht Bergh; dem es et G.che lofe gegange Aach, Dür. Je gröter G. (Kenntnisse), je gr. Beest Geld, Klev. De freut sech em G. wenn sich jmd närrisch benimmt Jül-Langerw; he freut sich em G. wie de ärm Jüdde Köln; wej kennen us im G. äs de Juden im Pack Meiderich, — äs de Hippen (Ziegen) auch ohne Worte Mettm-Cronenbg, Wermelsk. — b. Mut; do sett kene G. en kein Mut; er ist nicht lebensfroh; auch von Pferden, et Perd hat G. Feuer SNfrk, Allg. RA.: Ich sieh mine G. kruffe (kriechen) mir sinkt der Mut Aach-Merkst. — c. Gehalt des Weines Allg.; die bei der Gärung entströmende Kohlensäure Mos. — Gehalt der Jauche; dat Zeig hot ke G. Saarbr. — d. Stolz; mih G. wie Wess (Weizen)! mehr Eigendünkel als reeller Wert; de G. as bellig! stolz kann jeder sein Bitb-Geichl Ernzen. — e. en unräuhege G. rastloser Mensch Rip. — 2. konkr. a. der hl. G. α. in kirchl. Sinne Allg. RA.: Wenn mer sengtKomm, hl. G.’, es de Nut am allermeist (-näst) (kost et Brot am allermeist) Rip, Allg. Gott der hl. G.! Ausruf der Not Prüm-Leidenborn. — β. Helliggeis-che geweihtes Band, das früher die Kinder trugen Köln-Stdt. — γ. die in Samen übergegangenen Blumen des Löwenzahnes Aach. RA.: Su döck

[Bd. 2, Sp. 1164]
(oft) wie me der hl. G. afblose ka, su völl Johre leəft me noch.δ. hellege G.-bunne Buschbohnen, weiss, mit rotbraunen Flecken an der Keimseite Bergh-Hüchelhv, Aach-Gressenich, Grevbr-Kapellen; Hellegeges-chere Dür-Scherpenseel, Aach-Gressenich. — b.α. umgehendes Gespenst, die einzige mdl. Verwendung des Wortes Allg.; en G. geht öm; de sieht us wie en G.; de hät en der Hüll (Hohlweg) en G. gesehn Rip, Allg.; e seiht aus wie en dure (dürrer) G. Merz-Bergen; do köt en G. eren wenn die Türe von selbst aufgeht Sieg-ODollend; de es en de Matheiesnach gebore; de moss de G.ər pöze (auf dem Rücken tragen) Rip; der hat Gaschter gesihn er ist auffallend klug Saarbr-Auersmacher; de hät de G. er nachtwandelt Bo-Beuel. RA.: All got G.ər loven ihre Mester! Ausruf der Abwehr gegen Schreckliches Rip. — Volksgl. Ene sprekende G. es te helpe einen umgehenden G., der den Grund des Umgehens angibt, kann man erlösen Klev. Es ist nicht ratsam, des abends oder nachts die Mitte eines Weges zu gehen, welche vom Hufschlag der Pferde betreten wird, weil die G. hier ihren Gang haben u. man leicht wider einen G. stossen kann MGladb-Korschenbr; in Sagen kommt vor Geisterseher (-sichtig), –wagen, –schiff, –prozession.β. sieht man leicht zerbrechliche Dinge in den Händen der Kinder oder Unbeholfener, so heisst es: Ech siehn de G. dervon doher gohn Prüm-Mürlenb; de G. vun der Tass geht lo erem Merz-Losh; ich sinn de G. dovun, dat de Schottel kapot en geiht Köln; ich senne der G. dröver krupe dass die Sache mit Unwillen angefasst u. nichts daraus wird Eup. — c. Dämon in Gestalt von Bock, Hund, Pferd (schwarz) udgl., in Volkssagen, der beim Zeichen des Kreuzes verschwindet, aber nicht verspottet werden darf Allg. — d. auch guter G.; do häste enen goden G. bei der gehat Rp, Allg.

Geister-keiker jēstəkikər Rip; -kīk- Nfrk m.: urspr. einer, der Gespenster zu sehen glaubt; Ängstlicher, der überall etwas zu sehen meint; schlecht aussehender Mensch. RA.: Er sieht su jömerlik ut as en G. Gummb. — Volksgl. Wird jmd. von einem G. beim Begegnen scharf angesehen, so wird dieser bald sterben. geister-keikerig -ī- Gummb-Lieberhsn Adj.: -sichtig, elend, schlecht aussehend. Geister-leiter -le·i.ər Bergh-Glesch, Jül-Hasselsw m.: Gespensterseher, bes. eine Person, die angeblich von Alpdrücken geplagt wird, bevor einer im Dorfe stirbt. Geister-päuzer -- Bo, Köln, Bergh m.: einer, der Geister auf dem Rücken tragen muss; bes. die in der Matthiasnacht Geborenen müssen die Seelen der Verstorbenen an ihr Grab geleiten; Nachtwandeler, magerer Mensch. Geister-pitsch -e-, meist Pl. -tə Rip, Erk m.:

[Bd. 2, Sp. 1165]
blaues Mal an Beinen u. Schenkeln, angebl. vom Kneifen der Geister herrührend, auch den Tod eines Freundes oder Nachbarn bedeutend. PfWB Geister-stunde (s. S.) Allg. f.: wie nhd., von 12—1 Uhr nachts. Geister-uhr -ȳ- Geld f.: dass. Geister-wesen -ēə- MGladb-Korschenbr n.: dat G. han von den Geistern geplagt sein, Geister sehen; davon kann man befreit werden, wenn man sich auf den rechten Fuss eines andern stellt u. zugleich über die linke Schulter schaut.

geistern schw.: 1. -- wie ein Geist 2 b α herumlaufen Neuw-Datzeroth. — 2. -ęi-, einen g., quälen Goar-Werlau.

ver-geistert fərgdərt Nahe, Saarbr; -ā- Goar-NHeimb; -ęi- Saarl-Hüttersd, Merz-Wadern, Birkf, Goar-NGondershsn, Neuw-Datzeroth; -sd- Merz-Losh, Simm, Bernk (Hunsr), Zell, Neuw; -ā- Trier-Stdt, Kobl-Winning; -gęiərt Merz-Michelb; -- Bernk-Crummenau Part.: geistesabwesend, verstört, bestürzt, geängstigt (s. Siegld fərgīstərt zu vergäusen, s. gausen); v. Hönkel.

 PfWB  LothWB geist-lich 1. Adj.: nur in Wend.: G. werden Priester werden; op g. studieren; fir g. st.; en g.ən Her Priester Allg. RA.: Häng (Hände) han wie en g.ə Her fein gepflegte Hände Kref-Linn; g. Särgengk (Sargende) Frömmler Sülzt; g.ə Selfkant scherzh. Köchin beim Pastor Dür. RA.: De hät ken g. Flesch an sech er taugt nicht zum Priester Rip, Prüm. Ich scheiss die Welt voll un lewe g. ich mische mich nicht in weltliche Händel ein Simm-Laub; drit op (en) de Welt on dann werd g.! Kref, Mörs, Elbf. — 2. Subst. en G.ə(r) Priester Allg. Geist-lichkeit Allg. Sg. t. f.: Priesterschaft. RA.: De Köster ös de Selfkant van de G. Mörs.
 
 
 NRhWB Geit-ling ö. u. n. der Ürd-L., u. zwar xeitliŋ, –ai-, γ- Mettm, Ruhr, Dinsl, Wesel, Mörs, Klev-Goch; γęileŋ, –- Mörs-Birten Hombg Orsoy Ginderich Marienbaum Pelden Rheinbg Veen Wallach Xanten [-- Mörs-Camperbr Gerdt, Geld-Issum]; γit- MülhRuhr-Saarn, Rees, Klev; -ē- Ess-Borbeck Kupferdreh Werden, Rees-Schermbeck; jīt-, seltener -i-, –e- Gummb, Wippf [-ei- Gummb-Marienheide, Wippf-Egen; jitərliŋ Gummb-Berghsn]; -ę- Mettm-Nordr Vosnacken, Gummb-Derschlag; -e- Mettm-Vohwinkel, Elbf, Barm; -ø- Lennep-Hückeswg Stdt Radevormwald [jeil f. Mettm-Haan]; Pl. -liŋə(n) m.: 1. Schwarzdrossel, auch schwarte G. u. Merling. Der G. singt; Lehn (leihe) mi, l. mi en Veərl (Viertel), en V. Sothawer (Saathafer) bes op et Johr, kris wiər, kr. w., kr. w.! Gummb-Bergneustdt (u. a. Var.). — 2. nackse (flöchse) G.ə spottend für badende Jungen Dinsl-Aldenr.

Geitlings-pott Mörs m.: Drosselnest.
 
 
Geiz I -ei-, Pl. -tsən Bitb-Neuerbg m.: Fink; rugder (roter), geler G.

[Bd. 2, Sp. 1166]

 
 Geiz II -ts, Pl. -tsə(n) m., f.: 1.a. -ęi-, –ei- gern Demin. -tsχə(n) Flohkrebs, der winzige Wasserskorpion Saarl, Merz, Saarbg, Bitb. RA.: Flammen un G.ən hon käs (niemals) genug Saarl-Hüttersd. — b. -- Engerling Neuw-Heddersd. — 2. übertr. -ęi-, –ei-. a. persönl. f. einer, der gierig isst Altk-Bachenbg. — b. sachl. α. m. Wurmstich im Obst; den Appel hat der G. gestoche Altk-Daaden Wissen, Siegld-Holzkausen NDresselnd Lützeln; Kitsche des Obstes, die ausgestochen wird Altk-Bachenbg. —. β. m. tiefes Keimauge der Kartoffel Westerw. — γ. f. ebbes in die G. werfen zum Aufraffen, z. B. Zuckersteinchen unter die Kinder Merz-Mettlach.

Geiz-stich Altk, Siegld (s. Geiz 2 b α) m.: Wurmstich im Obst. geiz-stichig ebd. Adj.: wurmstichig.

geizig Altk, Siegld Allg. Adj.: dass.
 
 
 NRhWB Geiz III Rhfrk -ai-, –ęi-, –ei-; Mosfrk bis zur Diphthongierungsl. -ei- [Saarbg --]; Siegld, Rip, Grevbr, Neuss jits [-ks Sieg (neben -ts), MülhRh, Wippf, Köln, Bergh, Grevbr, Geilk-Üb]; Berg, Nfrk jits, x-, γ- [-ī- Kemp-Born Lüttelbracht, Mörs] Sg. t. m.: 1. wie nhd., Geldgier, Angst, Geld auszugeben; dat is neist wie lauter G.; der G. brengt den noch öm; der vergeht noch va luter G. on Knisteghet; e fresst sich selver op für G.; die esse sich net satt für luter G.; der G. deht dem esu lef (lieb) an, dat he sich net satt iss Rip, Allg. RA.: Dem löt (leuchtet) der G. ut den Ogen Mettm. Der G. fresst seinen egenen Dreck Altk-NFischb. De kratz va G. de Erd op Schleid-Hellenth. G. hät keinen Boddem Köln. Ös de Plat (Tonsur) geschoəren (beim Geistlichen), ös de G. geboəren Kemp-SPeter; wie die Scher ging gitz, g., g., do kom de G. met Hofen eren Eusk-Billig. G. wird net satt, bes er et Maul voll Erd hat Kobl-Vallendar. Stotz, st., ditz, de N. N. es ene G. wenn die heischenden Kinder nichts erhalten Sieg-NDollend. — 2. übertr. a. übelriechender Schleim an den Innenwänden der Viehdärme, welcher von den Metzgern abgeschabt wird, wenn sie die Därme zur Wurstfüllung bereit machen Verbr. in den Kr. Simm, Goar, Zell, Koch, Bitb (-- f.), May, Neuw, Siegld, Aden, Ahrw, Schleid, Rheinb (f.), Bergh, Grevbr, Wippf, Lennep, Mettm, Düss, Kref; de G. afschrappe.b. kurzes, schmerzhaftes Stechen in den Fingern bei Frostempfinden; de G. en de Fengere hon Kreuzn-Dörreb Bingerbrück, Birkf, Wittl-Binsf. — c. Heisshunger; der Gitz han Aach-Vicht.

Geiz-balg Sieg-Fussh Seelschd Wahlschd, Wippf-Thier, Gummb-Faulmert, Geilk-Üb m.: -hals. Geiz-beutel -bę·i.dəl Kobl-Bend; -by·l. MGladb; -bl Elbf m.: dass. RA.: De es en Gitzböl fir sin eigen Därm Elbf. Geiz-bock

[Bd. 2, Sp. 1167]
Mörs-Birten m.: dass.