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Rheinisches Wörterbuch 
 
Fumme IV bis Fummelwurst (Bd. 2, Sp. 886 bis 890)
 
  NRhWB Fumme IV fu·m, –o-, Pl. -·m.ə f.: etwas in surrende, schwingende Bewegung Gesetztes, z. T. Abl. vom folg. Verbum fummen, u. zwar 1. sachl. a. scherzh. dicke Trommel, auch Lafumm Neuw-Dattenbg, Trier-Stdt, Verbr.; Decklaf. May-Ochtendung. — b. scherzh. Bassgeige MülhRh. — c. Balkenschaukel Dür-Kleinhau; -ø- Aden-Hümmel. — d. kurzes, dünnes Brettchen, das die Knaben mittelst eines Seiles in der Luft herumschwingen, wodurch ein Geräusch entsteht Koch-Hambuch, Prüm-Mürlenb; Scheibchen, Knopf, durch zwei Kordeln in surrende Bewegung gesetzt Simm-Riegenr, MGladb-Bockert, Heinsb-Orsbeck. — e. lange Peitsche zum Gebrauche beim Pflügen Bernk-Neumag, Dür-Froitzh. — f. Angel mit Schnur u. Gerte, bes. der Kinder Zell-Pünderich Senh. Koch, Kobl [-ū- Koch-Beuren, Kobl-Winning]. — g. Hafersense mit Auffangvorrichtung Schleid-Reifferschd. — h. Zentrifuge Trier-Welschbillig. — i. Kolben des Schilfs Heinsb-Kirchhv Lümb; fo·m.ət Heinsb-Karken. — k. Ohrfeige Dür-Froitzh. — l. Energie, Lust, in folg. Wend.: Do es keine F. dehender Ahrw-Remag; ek häff keng F. meahr keine Lust Elbf, MülhRuhr; et sett F. dohenger ebd.; in Barm F.ən (Pl.). — m. fu·m.ə Münzen zum Geldsp. (s. fummen 2 b) Eup. — 2. persönl. Schwätzerin Bitb-Geichl.

 NRhWB fummen -u·m.-, –o- schw.: schnelle, schwirrende Bewegung machen. 1. intrans. a. hohl klingen, infolge eines Schlages uSaar, Trier, Eif, Rip; wenn jmd. die dicke Trommel schlägt, heisst es dat fummt, ebenso beim Schlagen mit einem Hammer auf einen schweren Stein Allg.; e schleht drun, dat et fummt Daun-Tettschd, Allg.; hent (heute Nacht) heət äwer os Port gefummt hat sich heftig unter Geräusch bewegt Koch-Laub; hür ens, wat de Wend fummp! Ahrw-Neuenahr, Trier-Olk;

[Bd. 2, Sp. 887]
-ū- Kobl-Winning. — De Hund fummt knurrt Kobl-Lützel. — De Oven fummp, well net f. brennt laut zischend Ahrw-Remag; -ū:- Ahrw. — Et fummt mech es klingt mir im Ohre Erk-Richelr. — b. et fummt es geht flott von statten; et well net f.; et fommp dir (met der Arbet); die Arbet fommp dir Rip, Sol, Kref, Mörs-Rheinbg. — c. hastig, aufgeregt gehen, dass man das Kleid schlagen hört; se es durch et Zemmer gefummt Goar-Pfalzf, May-Hatzenport, Koch-Poltersd; jagen, eilen; sech (sieh) ens, wat de met dem Rad fummp! Ahrw-Neuenahr Sinzig, Koch-Moselkern; fest auftreten; de Soldat fummt der äwer en de Dreck Koch-Laub. — 2. absol. u. trans. a. schwatzen Bitb-Geichl; mach mer ke Gefumms! keinen blauen Dunst vor Zell-Trarb. — b. ein verbotenes Geldsp. spielen; zwei Geldstücke, welche auf den Fingern flach liegen, werden in die Höhe geworfen, u. es gilt zu raten, welche Seite nach oben zu liegen kommt; eine Partie wettet auf die zwei Köpp, die andere auf die zwei Märt Eup. — c. auf etwas schlagen, dass ein gedämpftes Geräusch entsteht uSaar, Trier, Eif bis Ahr, Rees; hen hot dra- (drein-) gefummt; de Dir f. mit Knall zuschlagen Bitb, Allg.; dünnstehende Frucht oder Gras muss man f. Zell-Briedel; dau fummscht orentlich met em Blaul (Waschbleuel) drop; de Kouh höt en mem Schwanz gefummt uSaar, Allg.; enen f. verprügeln Allg., auch Heinsb-Millen. — Etwas weich hauen, weich kochen Trier-Geizenbg. — d. dä, fumm! Ausruf beim Klickersp., wobei der Gegner die geballte Hand fest am Boden halten muss Jül-Broich. — Abl.: die Fummerei, dat Gefumm(s).

ver- fummen: 1. einen v., prügeln Trier-Ld. — 2. etwas v., verkehrt machen Sol-Burschd. zer -fummen: 1. einen z., prügeln Ahrw-Bodend. — 2. sich z., sich prügeln, balgen Saarbg-NLeuken.

Fumm-bass May-Allenz MüMaif m.: 1. scherzh., verächtl. dicke Trommel. — 2. dickes Weib. Fumm-bätsch Wittl-Osann f.: dickes, plumpes Weib. Fumm-blume -blō:m Bitb-OGeckler f.: Klatschmohn. fumm-feien schw.: 1. fomfę·i.ən jmd. mit der Hand um den Kopf fuchteln, schlagen Malm-Vith. — 2. -fęχtə etwas naschen, stehlen Sieg-Fussh. — 3. verbreiteter ist das Komp. ver -fumm-feien fərfumfę·i.ə(n), –fom-, –fāi- Mosfrk [südl. Mos in Boppard, Simm-Horn], Rip, Berg, SNfrk in Erk, MGladb, Geilk, Heinsb, Kemp u. in Rees; -fǫmfę·i.ə Eup; -fomp- Wittl-Manderschd, Daun-Tettschd, Mettm-Haan, Remschd; -fomfęχtə Prüm-Ihren Leidenborn, Malm-Amel; -fęχə Sieg-Ägid; -pomfę·i.ə Kemp-Süchteln; -bom- Kobl-Stdt: die richtige Gelegenheit verpassen, verscherzen, durch Nachlässigkeit oder unrichtige Auffassung der Sachlage eine Angelegenheit aus dem richtigen Geleise bringen; eine gute Sache

[Bd. 2, Sp. 888]
leichtsinnig zugrunde richten; Vermögen durchbringen. — Auf Wallfahrten soll man früher im Rosenkranz nach dem Ave Maria den Zusatz gemacht haben: Den Himmel, den os onser, wonn mir os hen net v. Prüm-Ihren. — Verfommfeit verrückt Bernk. fumm-fiddeln fərfomfid- Saarbr; -feid- Trier-Clüsserath; -file Dinsl schw.: dass. 3. S. auch verbumfiddeln. Fumm-tänze fomdęnts Sieg-Fussh Eitorf Honnef NDollend; -tsχə Sieg-ODollend Pl. t.: F. mache Unsinn, Dummereien, lose Streiche machen.

 NRhWB Fummel -u·m., –o-, Pl. -ələ: 1. persönl. a. f. α. dicke, ungeschlachte Weibsperson Ahrw-Sinzig, Westerw, Bergh-Blatzh, Rees. — β. flatterhaftes W., Dirne Wittl-Cröv, Bergh-Blatzh, Aach, Heinsb-Oberbr. — γ. böses Weib Ahrw-Sinzig. — δ. Zimperliese Sieg-Süchterschd Eitorf, Waldbr-Dattenf. — b. m. ene drüge F. verschlossener Mensch Kemp. — c. fyməlkən n. der an einer Arbeit, ohne sie recht zu kennen, bloss herumpfuscht Ess. — d. fuməl u. fumχə Kosen, für Katze Aach-Würselen. — 2. sachl. a. f. Glätter des Schusters Kreuzn. — b. m. Rand der Sohle an Mannsschuhen, welcher mit dem F.holz (s. d.) geglättet wird Bergh-Blatzh. — c. m. α. zerrissenes Kleidungsstück, Lumpen Wittl-Cröv, Rheinb-Wald, Aden. — β. Flausen in der Tasche Kemp-UWeiden. — γ. eingekerbter Klicker Kemp. — d. m. Sg. t. wisse F. Milch von einer Kuh, die eben gekalbt hat MülhRh-BGladb. — e. m. eine Art Backwerk, Halbtorte Bergh-Blatzh. — f. vyməlχə n. kleiner Strich , worüber beim Klickern der Spieler nicht mit seinem Finger hinausragen darf Erk-Kofferen. — 3. abstr. Sg. t. m. ene F. han verrückte Idee, Fimmel Ottw-Neunk, Sieg-Bergh, Duisb, Mörs, Klev, Rees.

fummeln schw.: eine hin- u. herfahrende Bewegung unter starkem Reiben durchführen, u. zwar 1.a. unter starkem Reiben etwas gründlich fegen, reinigen, z. B. Schuhe wichsen, Wäsche reiben, Metallsachen blank reiben Rhfrk, Mosfrk, doch auch Rip mögl.; bei de Soldade hommer f. messe; de Schuh messe gefummelt were; ech weren dir de Uhre mol met der Wurzelbirscht f.! — Der Schuster fummelt die Schuh mit dem Fummelholz, er glättet die Ränder Allg. — Eifrig die Geige streichen Boppard, Kobl. — Etwas f.; drehend zwischen den Fingern reiben MGladb. — b. einen f., tüchtig schlagen; mach, dat ech dech f.! Verbr. wie 1 a. — Einen zur Arbeit aufdrehen Schleid-Hellenth. — c. angestrengt tätig sein; wat ho mir de Glocke gefummelt! tüchtig geläutet; in die Dire f. tüchtig hineinwerfen; de fummelt orentlich drof drischt Verbr. wie 1 a. — Ungestüm sein, alles durcheinanderwerfen Zell. — 2.a. an etwas (einem) (herum)f., (spielend) unnötig (heimlich) herumtasten, tändeln, befühlen (u. dadurch

[Bd. 2, Sp. 889]
verunstalten, beschmutzen); fommel net an de jong Diere (heröm), die werden jo ganz schro; an der Nas (der Wond) f.; dren heromf.; dorch de Fengere f. wenn das Kind Sachen in die F. nimmt, die es nicht nehmen soll; etwas zerknittern Allg. — Oft mit unsauberem Sinne, an einem Mädchen f., es unsittlich betasten; he hät er dran (an er) gefummelt; se löt sech f. Allg. — An (in) etwas herumstochern; ömherf. herumfuchteln Allg. — b. tändelnd, spielend arbeiten; langsam machen; etwas ungeschickt, oberflächlich ausführen; tätig sein ohne Energie u. Ziel, wursteln Rip, Nfrk; er fommelt de ganze Dag (an der Sach) heröm on krit nüs gedohn; dat häste jo nur su beijenen gefummelt [fehlerhaft stricken, nähen Gummb-Osberghsn]. — Kleine, langweilige (oft unnütze) Arbeit, die eine gewisse Handfertigkeit verlangt, verrichten, kutzeln; an einem Knoten f., auch usenanderf. zupfen, ihn zu entwirren suchen; dat hät e fein gefummelt klug betrieben, zu seinen Gunsten gelenkt; dat welle mer all f. ausprobieren; et (Kind) wess et sech ze f. durch Schmeicheln seine Absicht zu erreichen Rip, Nfrk. — c. unter dem Schein einer sichtlich harmlosen Tätigkeit geheime Ziele verfolgen; e fommelt on f., bes e dem Ohm seng ganz Sach hät das ganze Vermögen erschlichen hat Rip, Nfrk; he knommelt on fommelt treibt Machenschaften Schleid. — Etwas (fort)f. heimlich durch rasche Handbewegung dem Blick der Eintretenden verbergen, auf die Seite schaffen oder stehlen; heimlich sprechen; einem etwas heimlich zustechen; he hät et fortgefummelt; sich derlangsf. heimlich (an der Arbeit) vorbeidrücken; sech heranf.; sech herenf. hereinschleichen ebd., bes. LRip, SNfrk. — Heimlich Tauschgeschäfte treiben, unter Kindern Köln-Keldenich. — 3.a. hässlich essen Kemp-Süchteln. — b. streicheln, liebkosen, verwöhnen Sieg-Eitorf Fussh, Grevbr-Aldenhv. — 4.a. ein loser Gegenstand fummelt, dreht sich hin u. her Aach-Dorff. — b. ein Klicker, eine Kugel fummelt rollt langsam Gummb. — c. sich herumdrücken, schweifen Siegld. — d. mit einem Lichte herumlaufen uMos 1808. — 5. summen Schleid-Hellenth. — Abl.: die Fummel(er)ei, dat Gefummel(s), der Fummeler, sich zerf. — Umlaut weisen auf –ø- Waldbr-Rosb, MGladb-Rheydt; -y- Siegld-Kromb.

 PfWB ab- fummeln: 1. ein Mädchen a., derb abknutschen Allg. — 2. einem etwas a., durch Betrug abgewinnen, ablocken Eusk-Bürvenich, Sol. an -fummeln: sich a., unordentlich oder auffällig ankleiden Köln-Brühl Pingsd.be -fummeln: 1. etwas b. a. an etwas unnötigerweise herumtasten Allg. — b. schon besorgen, ausführen, ohne dass der andere sich drum zu kümmern braucht; dat (die Sach) sall ech at b. Rip, Allg. — 2. einen b. a. gehörig bearbeiten Wittl-Monzel.

[Bd. 2, Sp. 890]
b. betrügen Geilk-Prummern, Wermelsk. — c. eine b., unsittlich betasten Allg. durch -fummeln: durchschlüpfen Wend-Guidesw.ein -fummeln: sich e., fest einwickeln Aach.ver -fummeln: etwas v., durch unnötiges Betasten verunstalten Heinsb; eine Sache nicht recht beginnen u. durchführen Wermelsk; verknittern Köln; verschleppen Eup-Raeren; etwas betreiben, bearbeiten Saarl-Berus.

Fummel-bas SNfrk, Klevld m.: einer, der nichts fertig bringt. Fummel-faus -ələ –Neuw-Dierd Maischd f.: im Rätsel vom Baum u. Fenster: Henner Simmons (menges Allbabbes) Haus stäht en F.; je mih bie dat de Wänd (Wind) jagt (gäht), je mih die F. schlacht (schläht). Fummel-holz Allg. n.: Glättschiene des Schusters. Fummel-mann Gummb-Berghsn m.: langsamer Mensch, der trändelt. Fummel-pitter -əlts- MGladb-Rheind m.: einer, der gern Mädchen fummelt. Fummel-sack -əlts- MGladb-Rheydt m.: einer, der an Tieren herumfummelt, tastet. Fummel-stab -tāf Geld-Straelen m.: -holz. Fummel-wurst -əltswūə Erk-Stdt f.: billige W.