Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
Flug bis Flügg-auf (Bd. 2, Sp. 673 bis 677)
 
  NRhWB Flug nicht allg.; Rhfrk -ūk, Pl. -ī-; sonst -ox, Pl. Mosfrk -eχ, sonst -ø-; Rip auch -ux, Pl. -yχ; LRip auch -oux, Pl. -øyχ; Selfk, MGladb Sg. -øχ m.: 1.a. wie nhd., das Fliegen; de Schwalfter schnappe de Beie em Fl. Rip, Allg.; de Schwenge wasse en der Fl. Aach-Warden; Fl. maken vom Einfliegen der Bienen Geld; de Beie han höck (heute) de Fl. no de Hed (Heide) Rip, Allg.; de Beie han de Fl. afsidig (abseitig) das Bienenhaus öffnet sich nach Norden MüEif. RA.: Girdrögd (Gertrud) get de Beien de Flock, de Kihen de Gangk, de Perden de Strangk, dem Fuhrmann de Rotthau on de Hand on den Hämmelen heft sie de Krepp op Prüm-Ihren. — Doch fehlt bes. den mosfrk. MA. das Wort, dafür Umschreibungen. — Em Ulen-, Schneppenfl. Namen von Walddistrikten uWupp. — b. mehr übertr. in best. Wend.: He dei ene Flög er sprang auf ihn zu MGladb; freie Fl. han freie Hand Verbr.; de Märercher (Mädchen) han Flög, fir dat de Alen fort sein Altk-NFischb; me dasch (darf) de Jonge net ze vell Fl. losse Rip. — En enem Fl. in einem Zuge; om Fl. sen auf dem Sprunge sein Schleid; op de Flüg sen wohlauf Mü-Eif; op de Flög sen in der besten Kraft, im Mannesalter Rheinb-Flamersh. — Flög mache Tollheiten m., flottes Leben führen; mach ken Flög! sei vernünftig Rheinb; de get der Arbet de Fl. er arbeitet flott Prüm-Ihren; do ös kene Fl. henge (hinter) keine Energie, kein Vorwärtskommen Bergh-Heppend; dat es jet för der Flüg Kleiderstoffe, für kurze Zeit schön, aber nicht solide MGladb-Rheind. — De hät Fl. (en) Angst Sieg-Süchterschd, Jül-Fronhf. — 2.a. en Fl. Duve Kette Tauben; sämtliche T. Rip. — b. -χ Taubenschlag, sämtl. Tauben Aach-Merkst; en vlyχ junges, gerade ausgeflogenes Vögelchen MGladb-Rheind; -øχ Flieger, eine Taubenart Elbf. — 3. -ūk Milzbrand, Euterentzündung der Kühe; se hat de Fl. an der Detz Birkf, Wend, Ottw, Saarbr. — 4. -ȳχ

[Bd. 2, Sp. 674]
Flaumfedern Heinsb-Dremmen. — 5.a. -ux, –oəx Gewinde im Butterfass, in der Wannmühle Jül, Grevbr. — b. -øχ nennt man den Klicker, den der Verlierende vom Gewinner bekommt, damit ersterer wieder mitspielen kann MGladb-Odenk. — S. Flog.

 NRhWB  PfWB Aus- flug : 1. term. techn., das Ausfliegen der Vögel, Bienen; meng Duve düsche (dürfen) noch kene Usflog han sie sind noch nicht angewöhnt: de Beie han dese Wengter noch kene U. (Reinigungsausfl.) gehat Rip, Verbr. — 2. Spaziergang in die weitere Ferne, aufs Land, nach dem Nhd. Allg. — Wenn ein Klickerspieler seine Stellung zum Kreise ändern will, sagt er: Ech holle mer Usflog! Prüm-Steffeln. — 3. ūtflox, yt- Ausschlag im Gesicht; et sind all Brätsch (Krusten) op den U. Kemp, Geld, Mörs.

Flüg-auf flyχop s. fliegen.

 NRhWB Flug-fett -ox- Aden n.: Schweineschmalz, Lünte. Flug-haare -ȳəχ- Aach, Heinsb-Dremmen; -øχ- Aach-Mariad n.: Flaumhaare; bei Kindern das Haar, solange es noch so kurz ist, dass es sich zum Flechten u. Binden nicht fassen lässt. PfWB Flug-hafer -ox- Klevld; -øχ- Geld-Schravelen m.: wilder H., Windh., avena fatua. PfWB Flug-loch -ux- Rip; -yχ- Eup-Raeren n.: L. im Bienenkorb. Flug-mehl -ūx- Kobl-Sayn n.: der Staub, Müll, der im Neste junger Vögel zurückbleibt. S. flügge. NRhWB Flug-mütze -yχmøts Kemp-Lobberich f.: Haube für Frauen mit lang herabhängenden Bändern.

Flu-geck = Fastnachtsnarr s. Fu.
 
 
 NRhWB Flügel Rhfrk -īəl (Sg. u. Pl.); Mosfrk -ījəl (Sg. u. Pl.) (s. Anmerk.); Rip -yjəl, seltener -ø- [Rheinb, Eusk, Schleid, Monsch hier u. da -ȳ·ə.l; Sieg-Leuschd -ø·y.əl; Waldbr -əl; Berg-Kirchhert, NWDür, Jül, Grevbr hier u. da -:n, Pl. -nə; Dür-Birkesd Sg. -ȳ·ə.l, Pl. -:nə]; Pl. -ələ; Eup -·ə.γ-; SNfrk -ȳəj-; Klvld -γ-, Pl. -əlts m.: 1. der Fl. des Vogels, Engels. RA.: Mer moss net hüher flegen, als enem de Fl. gewassen sen Altk, Allg. (s. fliegen). En de Fl.ə schlohn aufbrausen, heftig für jmd. Partei ergreifen, anmassend, grosstuerisch sich gebärden Rip, Allg. De Fl.ə hange losse mutlos, gedemütigt sein Rip, Allg. Ümmes de Fl.ə beschniən (stüppe, stömpe Rip, Nfrk) ihn zurechtweisen, in seine Schranken weisen MülhRuhr, Allg. Enen met de Fl.ə kreie Rip, Allg. — 2. übertr. a. Fenster-, Türfl. Allg. — b. Seitenbau Allg. — c. Seitenteile der Lunge, Nase udgl. Allg. — d. an Geräten. α. Fl. an einem Spinnrade, über dessen eiserne Spindel die Spule gesteckt wird Verbr. — β. Windmühlenfl. Verbr. Rätsel: Ver (4) Hase lope op e Wäschke, ge kosch (konnte) et onger (ander) bikomme Heinsb-Aphv. — γ. Gewinde in dem Butterfass, der Wannmühle Allg. — δ. die Eisenteile, an denen die Pumpe am P.brett

[Bd. 2, Sp. 675]
befestigt ist Aach. — ε. Schutzblätter der Räder Aach. — e. Aufsprung bei gequellten Kartoffeln; de Quellmänner strecken de Fl.ə (-əlcher) van sech Rip. — f. das kleine Fähnchen am Mast Rees. — g. scherzh., verächtl. α. Arm; lang Fl.ə han Rip, Nfrk. — β. Ohr; en Paar düchtege Fl.ə han Schleid-Blumenth. — γ. Bandschleife Zell, Wippf-Hardt, Grevbr-Kelzenbg. — h. persönl. Windbeutel Altk-Bachenbg. — Da, wo andere Worte für Fl. 1 gelten (Flichte, Flitte, Fluchte, Flutsche, Flitsche, Flute, Flittich) hat Fl. nur Bed. 2; z. B. Bitb-Rittersd flījəl (Sg. u. Pl.) 2 a, b, c, d α, aber flīχt Fl. 1; in Simm-Laub flīəl 2 a, d γ; aber flīt Fl. 1. — Im WMosfrk ist flījəl der Dreschflegel, mit dem Pl. -əln, während flījəl Fl. 2 in Sg. u. Pl. gleich lautet.

Ge- flügel γəvl ə.γəl Eup n.: in der RA.: Hie is et an et Hoff va G. wie in einem Taubenschlag geht es ein u. aus.

Flügel-eisen -īzər Geld n.: E. am Spinnrade hinter der Spule; auf ihm sitzt die Flügelschif, über die die Schnur geht. Flügel-fucke -fuk Klev, Rees f.: Fischreuse mit zwei Flügeln. Flügel-porz -- Köln f.: Tor mit zwei Flügeln. Flügel-scheibe -īf Geld f.: am Spinnrad (s. o.). Flügel-tätchen -tętə Geld-Leuth n.: am Spinnrad, wodurch der Faden über die Flügel an einem Fl.tongk (-zahn) vorbei auf die Spule läuft. Flügel-werk Simm-Laub n.: zwei flache, Hochkant stehende eiserne Flügel am untern Ende der runden, drehbaren Säule in der Mitte des Maischbottichs. Flügel-zahn -tǫŋk Geld-Leuth m.: s. o.

Flügelches-kaffee vljələskafə Kref-Linn m.: Gerstenkaffee, wegen der in den Tassen herumschwimmenden Reste der Grannen, die wie Flügel kleiner Insekten aussehen.

flügelig -yjəlĭχ Altk-Bachenbg Adj.: windbeutelig.

 NRhWB Flügeling flȳ:liŋk Prüm-Mützenich; -lek Malm; flī:nik Prüm-Ihren, Trier-Olewig; Pl. -kən m.: Vogelflügel.

flügeln schw.: 1. et Feldhohn es geflügelt an den Flügeln getroffen, dass es nicht mehr fliegen kann Bergh-Hüchelhv (in der Jägerspr.). — 2. -ȳ·ə.lə einen fl., herausschmeissen, fortjagen Rheinb-Meckenh MüEif.

flügen s. fliegen.
 
 
 NRhWB  PfWB flügge n. Mos u. Wied -ek, flekt. -gə; Rip, Nfrk -øk, flekt. -kə u. –gə [daneben in Aden, Gummb, Waldbr, Wippf, Sol -y-; Mülh Ruhr , w. Heinsb-Süsterseel Saeffelen -y-; Kemp -:-, flekt. -øgə; Siegld -øgə (auch unflekt.); Aden-Rodder, MülRh-Romaney u. im SNfrk hier u. da -ok Erk-Elmpt, Grevbr-Weckhf, Mörs-Rheinbg, Geld-Leuth; -e- u. -o- Prüm-Ihren; -k Kemp-Süchteln; -øks Mörs-Wallach; -øχs Dinsl-Aldenr]; s. Mos -e-, -i- nur in der Bed. 1 Adj.: 1.a. flügge, von jungen Vögeln, südl. Mos einzige Bed., Mosfrk

[Bd. 2, Sp. 676]
n. Mos, Eif allg.; im Rip, Nfrk verbr., aber nicht allg., z. B. nicht Bergh-Hüchelhv, Sieg-Ägid (nicht fl. kack, katsch); fl.ə Jonge; de Jonge sen bal fl.; e Nes met fl.ə Vuəle Rip, Allg. RA.: Mer ment, mer möt (müsste) en fl.ən Euəl (Eule) kotzen wenn man solchen Unsinn hört Neuw-Asb. De kreischt (kriegst) och ene, wenn se mol fl. sen Vertröstung kleinen Kindern gegenüber oder auch spottweise gegen Erwachsene für irgendeinen kleinen Dienst Merz-Schweml. — Gerupfte Gänse, Enten oder Hühner nach der Brutzeit sind fl. Saarbr-Sulzb. — b. übertr. auf Menschen. α. fl.ə Mösche umherlaufende Mädchen Gummb-Bellingr. — β. fl. ist ein Mädchen oder Bursche, die ihre Geschlechtsreife verraten; der (die) is all fl.; die is fl., die Selfk, Allg. RA.: E Weit (Mädchen), fl. füər den Tit, sech selle (selten) ene Mann opfrit (-freit) Kemp. — c. übertr. α. leicht und dünn angekleidet Saarbr-Sulzb, Birkf, Westerw. — β. hochmütig; fl. optreden Merz-Schweml. — γ. locker, vom Schnee Eup-Raeren. — δ. der Flachs es fl. zur Ernte reif, wenn die Hiərt sprock es Geld. — ε. fl. ist der, der im Klickersp. alle Kl. verloren hat Merz, Koch-Moselkern, Bitb-Herforst, Bernk-Zelting, Kobl-Bisholder. — 2. früh aus dem Bett aufgestanden; munter, aufgeräumt, geweckt, lustig, fidel, gelenkig, behende, gewandt n. Mos allg. [fleissig, rührig, emsig Kemp-Süchteln; ausgelassen, von Mädchen Mörs-Wallach]. RA.: Fl. wie en Ap Barm, Köln, — en Bei Dür, Jül, Grevenbr, — en B. em Hartmond (de om Rögge lit on kann net opkumme) Bergh-Esch, — en Eichkätzche Köln, — en Eierwiseler Daun-Tettschd, — en Föllen Mörs-Orsoy, — en Hewerlingsmännche (Maikäfer) Trier, — en Hiərz MGladb-Hockst, — e Lerchen Trier-Mehring, — e Maus Bitb-Ernzen, — en Mösch Nfrk, — en Möschemännke em Frühleng MGladb, — en bleie Mösch Dür-Heistern, — en Meərl (Amsel) Bo-Wesseling, — en Ohrwörmche Gummb, — e Pannesterzchen Bernk, — eng Rihgess (Rehzicke) Bitb-Geichl, — en Schermaus Sinzig, — en Spenn Dür, — en Sekamelte (Ameise) Barm, — en labendige Wachtel Monsch, — en Vugel Rip, — en Pengstmösch Aach, — en Wandlus (Wanze) Köln, — en Wisel Allg., — de Bletz Allg., — e Gorwand (Garnwinde) Wittl-Gransd, — en Kugel aus der Flent Bitb, Allg., — en Loft Daun-Tettschd, — en Mängkche (Mande) Lehm Eusk, — Ren (Regen) Köln, — ne Schoss Monsch-Zweifall, — de Wengk Rip, Allg. Flenk on fl. Aach; de kickt so fl. wie en Mösch Kemp-Born; us em fl.ə Art sen es liegt ihm im Blute; he es net mih fl. op den Ben; ne fl.ə Jong flotter J. Rip, Allg. — Auch gesund; böste

[Bd. 2, Sp. 677]
wiər fl.? Rip, Nfrk. — 3. Adj. u. Adv. schnell, rasch, mit andern Worten desselben Begriffs, wie flink, flott, gäng, gau, rasch, schnell, sehr, schwind, wacker (in derselben MA.), freilich mit einem mehr gefühlsmässigen, nicht in Worten ausdrückbaren Gradunterschiede n. Mos. allg. [doch auch Merz-Zwalb; im Selfk ungebräuchl., wenn angewandt, klingt das Wort nachgeahmt u. fremdartig]; he es fl. em Esse, äver lantsam en der Ärbet; fl. op de Ben, met de Mul sen; fl. erges gohn, arbede udgl.; he hät fl.ə Ben Rip, Allg. — Der fl.ə Makfüran Durchfall Erk-Bellinghv; de Petter mach fl. Sieg-ODollend; de fl.ə Mattes han Dür-Pier. — Ech han den ens fl. gemach Rip, Allg. Fl.ə Löck (Leuten) es kene Esel bedent Dür. — Fl. om Peərd sen aufgeregt sein Eusk, Köln. Jöck et jet fl.ər! beeile dich Sieg; me es fl. ens gestorve Rip, Allg.; me es fl. bestad (verheiratet), wat enem iwig schad Rheinb-Meckenh; me hät fl. ne Steck, wemme ne Hongk (Hund) schlohn well Eusk; wer ger danz, dem es fl. geflöt Dür-Gürzenich; fl. ös jet gesat (gesagt), äver net fl. gedohn; du häs dat fl. sage Rip, Allg.; da's fl. gesat, äver et krit sech kollig Köln; we fl. iss, deiht och fl. arbeide Köln; fl. gedohn on got (wahl) gedohn, dat wellt net zesammegohn (künne schlech z. g.) Sieg, Bergh; der lüg su fl., as en Has löf (läuft) Rip; dat geht so döck (oft) on so fl. wie bei e Möschemännke (Spatzen-) MGladb-Rheind; wer am fl.ste geht, ös och et fl.s do Rip. — Fl. eweg schnell, sofort Rip. — 4.a. m. ene Flöck ein halbwegs Erwachsener, der sich kindisch, ausgelassen benimmt; dem benömmp sech wie ne Fl.; die lopen eröm wie de Fl.ə Kemp, Mörs; ene grote Fl. lang aufgeschossener Mensch Mörs-Veen. — b. f. faules Mädchen; en grote Fl. Klev, Rees; gemeines Weib Ess. — c. m. Angstmeier; ne bange Fl.ə; en Fl.ə van ene Kerl Geilk, Heinsb.

Flügg-auf fløkop  Elbf m.: Hoffmannstropfen.