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Rheinisches Wörterbuch 
 
Fluderhannes bis Flug (Bd. 2, Sp. 670 bis 673)
 
  Fluder-hannes m.: 1. ausgelassener Mensch Bitb-Metterich. — 2. -häns-chen Schmetterling Trier-Becond; -nəsχən Daun-Glaadt Mückeln. Fluder-haube -hǫ·u.f Prüm f.: H. mit Bändern, Flitter (veralt.) Fluder-jann Bitb-Dudeld; -jā:nəs Trier-Schweich, Bitb-NWeis m.: Flatterhans. Fluder-juffer Dür f.: ärmlich aufgeputztes

[Bd. 2, Sp. 671]
Frauenzimmer. Fluder-kaule -odərkū:l MülhRh-Overath f.: Loch, das sich die Hühner gescharrt haben. Fluder-kram -udərkr:m Köln; -dər- Trier-Stdt Heidenbg m.: Flitterkram, Unsolides. NRhWB Fluder-maus f.: 1. Fledermaus Saarl-Betting Gresaub Schwalb, Trier-Cordel Issel Rodt Schleidw Zemmer, Wittl-Asenr Altrich Bausend Bergw Bombog Bruch Carl Eisenschmitt GrLittgen Greimerath Gipperath Hetzerath Krinkhf Minderlittgen NÖffl NScheidw NBach OKeil OÖffl Platten Plein Wallschd Wengerohr, Bernk-Erden, Koch-Büchcl Kliding Ulmen Urschmitt Wollmerath Dohr (-urər-), Bitb-Rittersd Weiding Landscheidbg (-mę·i.sχən), Prüm-Waxw, Daun-Brockschd Büscheich Darschd Ellschd Gillenf Immerath Mehren Meisbg Mückeln Neichen Neunk NWinkel NStadtf OStadtf Pützborn Rengen Schalkenmehren Strohn Strotzbüsch Tettschd Udler Utzerath, Aden-Ürsf, Neuw-Kausen (-ūdər-) KlMaischd (-urə-), Altk-Steinb (-urər-).2. Nachtfalter Wittl-Bergw Dierschd NKail Platten Plein, Bitb-Landscheidbg, Koch-Beuren Kliding Weiler. Fluder-michel -odərmiχəl Aach m.: herumschwärmender, schlotteriger Mensch. Fluder-milch -ūdər- Trier-Schilling f.: geronnene M. NRhWB Fluder-mütze -odərmøts Klev f.: weisse, lose M. Fluder-nickel -ūdər- Bitb-Dudeld m.: flatterhafter Mensch. Fluder-pungen -po·ŋ.ə, –əl Aden-Liers Hümmel m.: Bund aus Fl.stroh. Get mer en gode Fl. für os arm Märtesjonge! aus dem Martins- liede. Fluder-sack Sieg-Ägid m.: bummeliger, unbeständiger Mensch. Fluder-stroh -trȳ: Aden, Ahrw, Rheinb n.: das zerknitterte Str., welches von dem schnacke Str. ausgesondert wird. Fluder-tier -dē:r(χən) Trier-Thomm, Wittl-Honth Minderlittgen NÖffl OÖffl Pantenbg SpangDahlem, Daun-Bleckhsn OStadtf Wallenborn n.: Schmetterling. Fluder-wochen -odərwχə Monsch-Witzerath Pl.: Flitterwochen.

 NRhWB fludern verbreiteter als Fl. Rhfrk -urərə; sonst -ud-; Trier, Wittl, Bitb -ūd-; LRip neben -ud- anch -od-; -ūərə Jül-Langend [Nfrk selten, nur in best. Bed.; s. d.] schw.: 1. intrans. a. flattern, mühsam fliegen, von jungen Hühnern, Vögeln, Fledermäusen; et Hohn fludert iwer den Zaun Daun, Allg.; bes. auch vom Fl. der Vögel oder Hühner im Sand oder Wasser Sieg-Felderhoferbrück (auch sech fl.), MülhRh-Overath, Ahrw-Altenahr, Dür-Drove, Daun-Steinborn. — Im Winde wehen; de Fahn (Röck) fl. (em Wend) Rip, Allg. RA.: Wat net floddert (Volants, Rüschen am Kleide trägt) dat juffert och net dann sieht man auch nicht wie eine Dame aus Eusk-Zülp. We Kirmes as, we K. as, da schlacht mei Papp e Bock, dann danzt mei Mamm, do fludert hihre Rock Bitb. — Federn, Faserteilchen fl. fliegen herum Trier. — Ein im Gefüge loser Teil fluddert (hin on her) Merz-Bergen Rimb. — Alles, was ein surrendes Geräusch hervorruft,

[Bd. 2, Sp. 672]
z. B. ein geworfener Stein flurert Zell-Alf. — De Wend floddert säuselt, bald nach dieser, bald nach jener Richtung Sieg-ODollend Fussh. — Et fludert es geht durcheinander Wittl-Binsf; ich schlonn dich, dat et fluddert! Köln-Frechen; e werkt, dat et esu floddert Monsch. — Et fludert mir fir den Auen es flimmert Trier-Cordel. — b. von Menschen. α. mit Fl., Flitter behängt einherstolzieren; auffällig gekleidet kommen; mit Kleidern rauschen; herangefluddert kommen Allg.; dat könnt gefludert, as wann et en Prinzessin wär Bitb. — β. von Vergnügem zu Vergnügen fliegen, herumschwärmen; auch herömfl. Neuw, Rip; viel ausgehen Trier-Trittenh; de Dänzer fl. doher bewegen sich rauschend Gummb-Berghsn. — γ. bummelig, nachlässig gehen; gefluddert (heran-) kunn; de küt gefluddert wie en Hohn Rip; herumfl. hastig gehen Hunsr. — δ. dor et Water fl. mit den nackten Füssen im Wasser gehen Geld-Sevelen; lärmend auftreten Klev-Cranenbg. — ε. unregelmässiger Tätigkeit sich hingeben Ahrw-Sinzig; hastig arbeiten Monsch. — ζ. ärgerlich sein u. dies durch Bewegung kund tun ebd. — η. mat de Nol (Nadel) fl. ungeschickt hantieren Trier-Issel. — 2. trans. einen fl. a. mit der Rute schlagen, bes. Mädchen (dass die Röcke fl.), auch se enem fl., se gefluddert kreien Saarbr, Birkf, Simm, Trier, Wittl, Daun, Neuw, Ahrw. — b. vertreiben, wegjagen (dass die Röcke fl.), wobei man mit dem Stocke etwas nachhilft Simm-Schlierschd, Bernk-Wehlen, Daun-Strohn, Schleid-Hellenth, Monsch-Witzerath, Bo-Vollmershv. — c. mehrere durcheinandertreiben, vorwärtsbringen zur Arbeit Merz-Nunk. — Abl.: die Fluddererei, dat Gefludder(sch), der Fludderer, sich zerfl.

ab- fludern: einen a., gehörig verprügeln Birkf-Bergen.auf -fludern: 1. aufflattern, von Vögeln Eif. — 2. einen (sich) a., herausputzen, meist Part. ofgefludert (-ū-) Koch-Leienkaul Lutzerath. zer-fluddert -o- Sol: zerlumpt.

Fluderes -ū-. Pl. -əsən Bitb-Dudeld m.: Flatterhans.

 NRhWB Fluderich -χ, Pl. χə(n) Prüm-Ihren, Ahrw-Löhnd, Eup-Raeren (-o-) m.: dass.; einer, der sich gehen lässt. — S. auch Flürk.

fluderig Adj.: 1. von Sachen. a. schlaff herunterhängend Allg. — b. zerfetzt, zerlumpt, dünn, unsolid, durchsichtig leicht, von Kleidern, dass der Wind sie bewegen kann; flitterartig, nicht solid, nicht däftig, mehr zu einer leichten Dirne passend; fl.ə Kleder (Pluten) Allg.; leicht, duftig Bernk-Neumag. — Fl.ə Hor herumflatternde Haare Allg. [leichtes, weissblondes H. Merz-Saarhölzb.]. — Unordentlich, in ungleichen Klumpen, dabei allerdings schmiegsam, vom Haar Sol-Burschd. — c. fl.ə Wengk schwacher Wind Rip, Bitb. — d. locker, nicht fest geschlossen Kreuzn,

[Bd. 2, Sp. 673]
Bernk-Neumag. — 2. von Menschen. a. mit Flitter, flatterhafter Kleidung behangen; aufgedonnert, e fl. Deng; nachlässig angezogen; nachlässig gehend Allg. RA.: Fischen un Jagen meckt hungerige Magen un fl.ə Blagen Dinsl, Rees. — b. flatterhaft, oberflächlich, leichtlebig, leichtsinnig Allg.
 
 
fluen -ū- schw.: 1. die Getreidegarben fl., überdreschen, ohne sie aufzubinden, bevor man sie auf das Gerüst in der Scheune legt, damit sie leichter werden; got geflut, es half gedroschen Kobl-Kettig. — 2. ich sen nit geflut ich lasse mir nichts gefallen Rheinorte in Goar.
 
 
Flu-flämmchen flū- Aach-Bergr; flūlę·m.χə Dür-Hastenr n.: Marienkäfer, Siebenpunkt. S. Fliflämmchen.
 
 
 NRhWB Flug nicht allg.; Rhfrk -ūk, Pl. -ī-; sonst -ox, Pl. Mosfrk -eχ, sonst -ø-; Rip auch -ux, Pl. -yχ; LRip auch -oux, Pl. -øyχ; Selfk, MGladb Sg. -øχ m.: 1.a. wie nhd., das Fliegen; de Schwalfter schnappe de Beie em Fl. Rip, Allg.; de Schwenge wasse en der Fl. Aach-Warden; Fl. maken vom Einfliegen der Bienen Geld; de Beie han höck (heute) de Fl. no de Hed (Heide) Rip, Allg.; de Beie han de Fl. afsidig (abseitig) das Bienenhaus öffnet sich nach Norden MüEif. RA.: Girdrögd (Gertrud) get de Beien de Flock, de Kihen de Gangk, de Perden de Strangk, dem Fuhrmann de Rotthau on de Hand on den Hämmelen heft sie de Krepp op Prüm-Ihren. — Doch fehlt bes. den mosfrk. MA. das Wort, dafür Umschreibungen. — Em Ulen-, Schneppenfl. Namen von Walddistrikten uWupp. — b. mehr übertr. in best. Wend.: He dei ene Flög er sprang auf ihn zu MGladb; freie Fl. han freie Hand Verbr.; de Märercher (Mädchen) han Flög, fir dat de Alen fort sein Altk-NFischb; me dasch (darf) de Jonge net ze vell Fl. losse Rip. — En enem Fl. in einem Zuge; om Fl. sen auf dem Sprunge sein Schleid; op de Flüg sen wohlauf Mü-Eif; op de Flög sen in der besten Kraft, im Mannesalter Rheinb-Flamersh. — Flög mache Tollheiten m., flottes Leben führen; mach ken Flög! sei vernünftig Rheinb; de get der Arbet de Fl. er arbeitet flott Prüm-Ihren; do ös kene Fl. henge (hinter) keine Energie, kein Vorwärtskommen Bergh-Heppend; dat es jet för der Flüg Kleiderstoffe, für kurze Zeit schön, aber nicht solide MGladb-Rheind. — De hät Fl. (en) Angst Sieg-Süchterschd, Jül-Fronhf. — 2.a. en Fl. Duve Kette Tauben; sämtliche T. Rip. — b. -χ Taubenschlag, sämtl. Tauben Aach-Merkst; en vlyχ junges, gerade ausgeflogenes Vögelchen MGladb-Rheind; -øχ Flieger, eine Taubenart Elbf. — 3. -ūk Milzbrand, Euterentzündung der Kühe; se hat de Fl. an der Detz Birkf, Wend, Ottw, Saarbr. — 4. -ȳχ

[Bd. 2, Sp. 674]
Flaumfedern Heinsb-Dremmen. — 5.a. -ux, –oəx Gewinde im Butterfass, in der Wannmühle Jül, Grevbr. — b. -øχ nennt man den Klicker, den der Verlierende vom Gewinner bekommt, damit ersterer wieder mitspielen kann MGladb-Odenk. — S. Flog.