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Rheinisches Wörterbuch 
 
Fickmühle bis zerfiddeln (Bd. 2, Sp. 440 bis 442)
 
  Fick-mühle (s. S.) Allg. f.: 1.a. Zwickmühle, günstige Stellung der Steine im Mühlensp., so dass man durch die Öffnung der einen M. die andere schliesst Allg. — b. Stellung im Kartensp., bei der dem Spieler seine Handkarten wechselweise abgestochen werden Saarbr-Völkl. — 2.a. Fangmittel im Handel u. Wandel, Mittel u. Weg, um jmd. in die Enge zu treiben, dass er nicht mehr entweichen kann; se han en en er F. gehat Rip, Allg. — b. Gelegenheit, Stellung, Nebenbeschäftigung, die viel einbringt. sehr vorteilhaft ist; ebenso hat einer eine F., dem ausser den Hilfsmitteln seiner gegenwärtigen Lage noch eine andere sichere Quelle fliesst Allg. Fick-nasen Kreuzn-Kirn Pl.: Strafe. Fick-weiler Birkf: in der RA.: De host jo e F. Derche (Türe) im Au du hast Schlaf.

fickig -i- Trier-Igel; -e- Merz-Saarhölzb Adj.: lebhaft; frech, vorlaut; beschde met deim f.ə Maul och schun derbei?

fickstern -e- Sieg-Birlinghv 1841 schw.: flimmern, funkeln; et feckstert gen Steərn.
 
 
Ficke-dibes fikədībəs  Bernk-Neumag; -dīwəs Prüm-Mürlenb, May-Hatzenport, Neuw-Puderb m.: Schlauberger, Tüfteler; ein Mensch, der mit Klugheit, Vorsicht, Falschheit zu Werk geht, der seinen Vorteil wahrnimmt. Ficke-dimmes -ī- Malm-Amel n.: leichtsinniges Mädchen.

Fickel I = Sitzstange der Hühner s. Fäken; Fickel II = vulva s. Ficke IV.

[Bd. 2, Sp. 441]

 
 Fickel III fegəl, –ek-, Pl. -əln Bitb-Cruchten, Lennep-Ronsd; fikəlχən, Pl. -əlχər Altk-Willr, Neuw-Dendert Urb Wehr, Sieg-Troisd; fikər Altk-Wissen n.: 1. Schweinchen. Häns-che, bo (wo) worschde? Bei de kleine F.cher. Bi (wie) mochen die? Quack, qu., kleiner Drecksack Altk-Willr. — 2. Schimpfw. für einen schmutzigen u. unsittlichen Menschen ebd., Rees; en F. sen lausiger Patron MGladb-Rheind.

Fickes -i-, Pl. -əsə, –əsχən, Pl. -əsχər Neuw-Rengsd, Altk, Siegld, Waldbr n.: 1. Schweinchen, Ferkel Allg. — 2. übertr. a. persönl. α. schmutziger, unsittlicher Mensch Allg. — β. magerer Mann Ahrw-Königsf. — b. sachl. Überreste im Topfe beim Käsemachen; Fickes-che fauler Bauernkäse Koch-Poltersd.
 
 
Ge-ficksels -fi- Zell-Raversbeuren Sg. t. n.: Tand, Zierat.

Fidau I = Fiduz (s. d.)
 
 
Fidau II vidǫu , Pl. -s Aach m.: Art des Finkenschlages.
 
 
Fidäuzcher  Schleid-Hellenth Pl.: F. mache allerhand Sprünge u. Gesten.
 
 
Fiddel I -id-, –e-, Pl. -ələ, Demin. -əlkə Heinsb-Millen m.: Fetzen; doə gef ich geine F. um rein gar nichts. S. Fiddem.
 
 
 NRhWB  PfWB Fiddel II Pl. -ələ f.: 1. fidəl Rip; vī·.l Eup-Std; -ē:- Eup-Raeren: Geige, doch nur scherzh. oder verächtl. — 2. übertr. -id- a. sachl. α. verächtl. altes, stumpfes, wackeliges Messer Rip; -chen kleiner Spaten Sieg-Ägid. — β. in der RA.: Wöərsch de dehem gebleve en hätts der Katz de F. gereve! dann wäre es dir in der Fremde nicht so böse ergangen Rheinb-Merkenh. — b. persönl. α. liederliches Weib, Dirne, feiles Frauenzimmer Merz-Zwalb Merching, Saarbg-Faha, Daun-Neroth, Trier-OFell, Bernk-Winterich (-ī-). — β. bewegliches Persönchen Eusk-Zülp.

Fiddel-auf fidəlop  Sieg-ODollend: Kindersp., wobei es gilt, eine Zahl zu erraten. PfWB  ElsWB Fiddel-bogen filəbōə Simm, Birkf; fīlb:γə Sieg-ODollend; -bǫ·u.ən Sieg-Fussh; sonst Rip NBerg fidəlb.γə m.: 1. Violinbogen. RA.: Zieht ein Holz, Stiel sich krumm, so heisst es: Dat get en F. Sieg-Odollend. Su dönn wie en F. Siegbg. — 2. übertr. krumm gehender Mensch ebd. Fussh. Fiddel-bohr fidəlbr Simm-Laub, Kobl-SSebastian, Köln, Grevbr-Wickr n.: Drillbohrer. Fiddel-drau Sieg-ODollend m.: dass. Fiddel-hobel -ov- Sieg-Fussh m.: H.art. Fiddel-ohr fidəlō:r  Köln; -ū:- Aach-Merkst n.: lustiger Bursche, Musikante; e geck F. lustiges, tolles Mädchen; einer, der gerade einen dummen Streich geliefert hat Aach-Merkst.

 PfWB fiddeln schw.: 1. scherzh. oder verächtl. Geige spielen Rip, Eup, Prüm-Mürlenb. RA.: Wer ger danzt, dem es gout f. (-ī-) Bernk-Neumag. — 2. übertr. a. et fiddelt mir en den Uhren es klingt Bo. — b. herumfuchteln mit

[Bd. 2, Sp. 442]
den Händen Kobl-Moselweiss. — c. verächtl. mit stumpfem Messer ungeschickt (dünne Stückchen) oder aus Mangel an Übung schneiden; ein (nicht scharfes) M. hin- u. herbewegen; säbeln, schnitzeln; am Brot udgl. f., herömf. Rip, NBerg, SNfrk bis Geld-Hinsbeck, Rees-Stdt Wesel. — d. streichen; schlagen Sieg-Fussh. — e. zusammenstopfen Siegld. — f. lang f. sich bemühen, arbeiten uWupp 1870. — g. op jet gefiddelt sin bedacht sein ebd. — Abl: die Fiddel(er)ei, dat Gefiddel(s), en Fiddeler, sech zerf.

ab- fiddeln: etwas a., ungeschickt, unordentlich mit stumpfem Messer abschneiden; sech en paar Nöselche Schenke a.; her hät sech en düchtegen Knaf (Fumm) afgefiddelt Verbr. wie fiddeln 2 c.zer -fiddeln: Brot udgl. durch ungeschicktes Schneiden verderben Rip, Rees.