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Rheinisches Wörterbuch 
 
Zwacke bis Zwang (Bd. 9, Sp. 879 bis 884)
 
 Zwacke das Wort reicht vom Rhfrk bis ins Rip hinein, u. zwar tswak [-ā(:)- Kreuzn-Sobernk, Koch-Urschmitt, Kobl-Güls Metternich (u. -:k) Urmitz, Neuw-Engers, Aach-Walh], Pl. -kə(n), –gə(n), Dimin. -əlχə(n) (vgl. auch die Gruppe schwack II) f.: 1.a. Astgabelung Kreuzn-Sobernh, Hunsr, Birkf-Bergen Idar, Wend, Ottw, Bernk-Neumag, Bitb-Dudeld, Daun-Neroth, Zell-Blankenr, Koch-Urschmitt, uMos um Kobl, Neuw-Datzeroth Engers HeimbWeis, Aach-Walh. — b. Rechenstiel in Gabelform Aach-Walh. — c. Knabenschleuder, aus einer

[Bd. 9, Sp. 880]
Zweiggabelung hergestellt Siegld-Helberhsn (-kə).d. Seitentrieb Hunsr; an Kartoffelstauden Goar-Weiler. — e. krähennestähnl. Zweigwucherung an Bäumen Ahrw-Schalkenb. — f. knorriger Auswuchs an Bäumen Kobl-Güls. — g. Ast, Knoten im Brett Wend-Furschw. — 2. übertr. a. winkeliges Ackerstück Wittl-Cröv. — b. Zahnstumpf Trier-Braunshsn, Wittl-SpangDahlem. — 3. die ausnahmsweise vorhandene fünfte Zitze am Kuheuter Kreuzn-Boos, Simm-Laub, Daun-Deutesf OStadtf, Prüm-Stadtkyll.

Zwackel m.: 1. -ak- Zweig-, Astgabelung SWesterw. — 2.a. -ǫg- Baum, der nicht gedeihen will, der im Wachstum zurückbleibt Kobl-Güls. — b. -ak- scherzh. Buckel, Höcker Kreuzn-Langenlonsh.

zwackeln -akələ Goar-Gondershsn schw.: handeln, feilschen.

ab- zwackeln: 1. änem ebbes azwackele schnell entreissen Goar-Liesenf. — 2. abfeilschen, herunterhandeln SWesterw.

 PfWB  ElsWB  LothWB zwacken das einfache Verb ist nur sporadisch bezeugt, u. zwar Rhfrk an der Nahe u. im Hunsr -agə(n), sonst -ake; letzteres auch an der Saar, Rip, soweit bezeugt; Heinsb-Birgden twǫkə; Remschd, Barm twakən schw.: 1. zwicken Birkf-Idar, Hunsr, Saarbr-Völkl, Merz-Merching; zupfen Remschd. — 2.a. ärgern trans. Aach-Merkst. — b. plagen, roh behandeln MüEif, Schleid-Hellenth, Heinsb-Birgden (auch tückisch schlagen), Remschd, Barm; de Löck (Leute) zw.ə mit Härte behandeln, ihnen Steuern usf. auferlegen MüEif; packe on zw.ə Schleid-Hellenth. — c. mit Bitten bestürmen Birkf-Idar. — d. abnötigen, abdingen, abpressen Kreuzn-Hahnenb, Monsch.

ab- zwacken: -agə(n), –ak- (diese Zs. ist weiter verbr.), einem etwas a., im Spiel, betrügerisch, durch inständiges Bitten u. Quälen abnötigen, abdingen, abnehmen; auch auf nicht ganz redl. Weise einen Preisnachlass erwirken Rhfrk in Simm, Saarbr-Güding Sulzb; Mosfrk in Saarl-Hüttersd, Trier, Zell-Sohren, Bitb-Dudeld, Neuw-Rodenb; Rip in Sieg, MülhR, rip. Wippf, Ahrw-Remag, Schleid-Lückerath, Monsch, Malm-Bütgenb, Dür-Bürvenich, Köln-Berrenr, Bergh-NEmbt, Aach-Merkst, Eup-Stdt, Grevbr-Otzenr; SNfrk in Rheydt (-tsw-), Kref-Stdt (-tw-); NBerg in Remschd (-tw-), Elbf (-tsw-); ach, jetz wollen ihr a noch ebbes a. dran vom Preis Saarbr-Sulzb.ver -zwacken: nur Part. -tswakt. 1. verästelt Wittl, Daun-Neroth. — 2. übertr. verwickelt, schwierig zu behandeln Merz-Brotd, Bitb-Dudeld (doch kann hier auch –zwickt vorliegen, s. d.); er is v. wei en Gäss Brotd; dat elo as e Bəzwackten er hat einen bösen Sinn Dudeld.

 PfWB  LothWB Zwacken -agə, –akə(n) Simm-Argenth Laub, Saarbr-Sulzb, Wend-Dörrenb, Ottw, Daun-Tettschd (-ā-) m.: 1.a. Zweig, Astgabelung Wend-Dörrenb, Ottw. — b. Ableger Simm-Argenth. — c. Zinke an der Gabel Daun-Tettschd. — d. Pl. die Wurzelzacken des menschl. Zahnes Saarbr-Sulzb. — 2. Auswuchs an Kartoffelknollen Simm-Laub.

[Bd. 9, Sp. 881]

[Bd. 9, Sp. 883]

Zwack-karre twakkārə Gummb-Lantenb f.: Art Handkarre.

zwackerig -əreχ Birkf-Idar Adj.: in zw. Morte Mohrrübe mit zwei od. mehr Wurzeln.

 PfWB zwackig Merz-Nunk, Daun, Prüm, Neuw-Datzeroth Adj.: gabelig, vom Ast, Zweig.
 
 
Zwaddeling twadəlig vereinz. Viersen m.: he ös enen Tw. einer von einem Zwillingspaar.
 
 
Zwadder die Gruppe ist bereits bei zu-wider (s. ‘zu’ II 4) angerührt worden, doch geht hier -a- weit über das Geb. der Vokalsenkung i > a (Kind > Kand) hinaus, so dass eine gesonderte Behandlung erforderlich wird; daneben erscheint ungefähr in gleichem Geb. eine Form mit -at-, die gesondert behandelt ist (s. d.); Lautung u. Verbr. tswadər Saarl-Hüttersd, Merz, Saarbg m.: Wirres, Unansehnliches. 1.a. Gewirr von Ästen Saarl-Hüttersd. — b. krähennestähnl. Wucherung an Birken u. Fichten Saarbg-Wellen. — c. ineinandergewühltes, unlösbares Knäuel ebd. — d. verwirrtes, ungepflegtes Haar Saarbg; dau seischt aus ewei en Zw. zu einem Mädchen mit wirrem Haar Saarbg-Winchering. — 2.a. missgestaltetes Gewächs; Baum, der nicht gedeiht Merz-Dreisb Merching. — b. persönl. α. kleiner, unansehnl., krüppelhafter Mensch Saarbg. — β. unbrauchbarer M. Merz-Losh. — γ. eigensinniger Mensch m. u. f. ebd. — δ. tswadərχi Mensch, der eine Locke ins Gesicht hängen hat Saarbg-Irsch.

Ge- zwadder: Gewirr von (dürren) Ästen Saarl-Hüttersd, Merz-Konf.

 PfWB Zwadder-kopf -ǫ-, –- m.: 1. –nickel (s. u.) Saarbg-Wellen. — 2. starrköpfiges Rind Merz-Saarhölzb. Zwadder-nickel -ø- Saarbg-Wellen m.: Kind, das die Haare durcheinander hat. Zwadder-nickkopf -nīkp Saarbg-Stdt m.: = Zwadder 2b α.

 PfWB zwadderig -adər-, –adr- Wend-Marping, Ottw-Neunk Uchtelfang, Merz, Saarbg Adj.: 1.a. verwirrt, vom Haar Merz-Saarhölzb, Saarbg; dat (Mädchen) hot zw. Hor.b. sehr grob, vom Stoff; en zw.ən Stofft Merz-Saarhölzb. — c. zwadderig Geschir verkrüppelte, oft halbreife, fest an den Wurzeln haftende, kleine Kartoffeln ebd. — 2.a. unbrauchbar; wat es dat lo en zw.ən Kerl Merz-Losh. — b. verdriessl., missgelaunt Saarbg-NLeuken. — c. eigensinnig Wend-Marping. — d. ungeduldig, auch aufgeregt, nervös Ottw-Neunk Uchtelfang

 PfWB zwaddern -adərə Ottw-Neunk schw.: der hat gezwaddert vor Rasch gezittert vor Wut.

ver- zwaddern: 1.a. er v. fast verzweifelt fast abseits Kreuzn-Stdt (-atərt), Birkf-Ld. — b. er is ganz v. verwirrt ebd. — 2. sich ungeduldig gebärden Ottw-Neunk Schiffw; ich se ball verzwaddert vor Ungeduld Saarl-Pachten Diefflen.
 
 
Zwalge, Zwälge, Zwalke das Wort, das gewiss zu ahd. zwëlga (f.), mhd. zwëlc (m.) gehört u. das bereits bei Telg (s. d.) angeführt wurde (s. d.), macht hinsichtl. seiner Lautung Schwierigkeiten; das Verhältnis a: e kann alter Ablaut, aber auch Umlaut sein; aus diesem Grunde müssen die einzelnen Lautungen ohne Rücksicht auf ihre Geschichte zusammen behandelt werden, u. zwar α. tswalkə Sg. u. Pl.

[Bd. 9, Sp. 884]
m. (u. f.) Siegld; -alk, Pl. -kə f. May-Löf Ochtendung; β. -alχ, Pl. -aljə u. -ęljə f. Siegld-oFerndorft Netphen; γ. -ęlkə Sg. u. Pl. f. Siegld-Heisbg; δ. tswęljə Sg. u. Pl. f. NWSiegld; -ę·l.əχ, Pl. -ę·l.jə f. Rheinb-Wald, Jül-Röding, Grevbr-Weckhv (sw-), Rheydt-Odenk (-ē-); twę·l.əχ, Pl. -ę·l.jə f. Grevbr-Büttgen, Rheydt, MGladb, Erk-NKrüchten, Kemp-Burgwaldniel [urkdl. einen (!) dürren zwelgen Kref-Fischeln 1612]: 1.a. Zweig-, Astgabelung, auch Zweig schlechthin Allg. — b. Baum mit zwei Kronen Rheinb-Wald. — 2. aus einem Gabelzweig verfertigte Gummischleuder der Knaben Siegld-Hilchenb NSchelden Siegen.

zwalkig Siegld Adj.: verästelt, viele Queräste habend.

Ver-zwälgung -twę·l.juŋ MGladb-Günhv f.: Verästelung.
 
 
zwandern NSiegld schw.: hin u. her laufen.

Zwanderich ebd. m.: zerfahrener Mensch.
 
 
 PfWB Zwang soweit dieses Wort als Anlaut tsw- hat, entstammt es dem Nhd. od. ist von dorther eingelautet; rein mdl. ist dwaŋ, –ŋk, tw-, das jedoch nur noch nfrk. vereinz. bezeugt ist, u. zwar Eup-Stdt, Geld-Aldekerk, Klev-Stdt, Remschd, Mettm-Velbert (dazu twa·ŋ.ə f. Selfk; vgl. die Gruppe Quange Bd. VI); sonst tswaŋ(k), das im ganzen übrigen Geb., aber nicht sehr häufig, belegt ist m.: 1. wie nhd.; wenn de Zw. net wör, würd ke Mensch Stür (Steuer) bezahle MüEif, Allg.; mir es jedde Zw. verhass Monsch-Kalterherberg, Allg. RA.: Zw. doot (dauert) nit lang Köln-Stdt. Moss es Zw. (Dw.) Müssen ist Zw., die Verhältnisse zwingen mich Köln-Stdt, Aach-Stdt, Klev; M. ös Zw., en Krische (Weinen) ös Kängdergesang (Kinder-) Aach-Breinig. — 2.a. de Arbet in Twangk häbbe die Arbeit gut eingeteilt, gut geplant haben Geld-Aldekerk. — b. tswāŋk Aufregung Wittl-Binsf. — c. Zwangk nennt man das Absondern des Mutterschweines, das die frisch geworfenen Ferkel aufzufressen pflegt; es wird in einen engen Stall gesperrt u. ihm ein Brett derart hinter dem Kopf befestigt, dass es sich kaum bewegen kann; erst, wenn es sich beruhigt hat, werden ihm die Ferkel zum Säugen angelegt MGladb-Rheind.