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Rheinisches Wörterbuch 
 
Zein bis zeisen (Bd. 9, Sp. 742 bis 744)
 
  NRhWB Zein das ahd., mhd.  Lexer zein m., n. »Zweig, Riet, stock«, as. tên, mndl., ndl. teen entsprechende Wort ist nur einmal aus Mörs-Xanten 1880 als tēn, Pl. -nə überliefert; die Abl. Zeine s. u. m.: schwanke Gerte. RA.: Dönn as en T.

 PfWB  ElsWB Zeine I zu ahd, zeina, mhd.  Lexer zeine, got. tainjo »Korb«, anord. teina »Reuse«, anscheinend zu obigem Zein eine Kollektivform; trotz der nahen Bed. Verwandtschaft hat es mit Zeine II (s. u.) nichts zu tun; α. ts:n in May-Ettring, Aden, Ahrw-N u. ODürenb NZissen; -ē:- Ahrw; -e·i.- Löhnd Heimersh Sinzig [tse·i. Bodend]; dann β. tsē:nχən Sülzt (veralt.) u. tse·i.n u. tsē:n OAltk; tsāi, tsi, ts, tsē, tsŋ Siegld, Ol. -nə(n), Dimin. -χə(n) f.: 1.a. einhenkeliger Korb aus geschälten Weiden geflochten, für Kartoffeln, Obst; Schinnenz. Verbr. im Geb. α. (u. ts:mχən Obstkörbchen mit Hängebogen u. Haken zum Pflücken Saarl-Berus). — b. ein aus Holzschienen geflochtener viereckiger Korb mit Griffen an beiden Seiten od. Stangen zum Tragen, bes. die Kohlnz., die aus Eichenschälholzschienen an zwei Tragstangen, als Kohlenmass dienende Z., mit welcher der Messer die mit der Kohlnraize, –köze angefahrenen Holzkohlen mass; auf einer Kohlnr. waren bei guten, nicht zu steilen Strassen, wenn eine Kuh als Zugtier benutzt wurde, 5 Z.ə geladen; die Grösse der Kohlnr. richtete sich nach Gelände u. Zugtier; der Köhler, der die K. mit dem Fellwəs (Lafass, Lowes) belud, rechnete, dass etwa 4 Fellweser auf 1 Z. gingen; die geeichte Z., in welche die Kohlen mit einem gebogenen Krämmer aus der K. gezogen wurden, fasste 1 hl; der Messer rechnete nach vollen Z., u., wenn ein Rest blieb, ursprüngl. nach sechstel, später nach achtel Z.; 10 Z. ergeben 1 Wagen (Wawel) Verbr. OAltk, Siegld (veralt.). — 2. übertr. verächtl. a. faul Z. träges Weib Ahrw-Lorsd. — b. Frau, die nicht gut gelitten ist Ahrw-Heimersh.

Zein-bänder -bęnər Siegld m.: Arbeiter, der bei den alten Holzkohlenhütten die Holzkohlen vom Fuhrwerk in die Schuppen u. aus den Schuppen auf die Gicht brachte; ursprüngl. wohl der Hersteller von Z. Zein-karre -karχə Siegld f.: Schubkarre, eine kleine Zeine statt Kasten habend. Zein-mächer ebd. m.: -flechter, jetzt nur noch in FamN. Zein-messer ebd. m.: jmd., der die auf die Eisenwerke gelieferte Holzkohle mit der Zai mass.
 
 
Zeine II das Wort, auf tîne zurückgehend, nd. tîne, ndl., mndl. tijn(e), frz. tine, ital. tina < lat. tina, ist LRip, SNfrk, von einschl. Prüm-Ihren Steffeln, Schleid-Blankenh Hellenth Marmag, Eusckessenich an bis einschl. Heinsb, Kemp (u. Geld-Straelen), Geld-Pont, Mörs-Schaephsn Rumeln Rheinbg, rrhn. vereinz. in Sieg-Fussh Much (veralt.), Waldbr, Sülzt, Gummb-Berghsn, MülhRh, Sol, Düss, Mettm-Wülfr bis Duisb, Dinsl-Aldenr verbr., u. zwar Rip tsi·ŋ., –e- [Köln-Stdt daneben tsi·n. u. ti·n.]; n. Benr.-L. ti·n. Eup-Stdt, Erk, Rheydt-Giesenk, Kemp-UWeiden, Mörs (s. o.); tī·ə.n, Pl. tīənə, Dimin. ti·ŋ.kə Selfk, Geld (s. o.); ti·ŋ. sonst

[Bd. 9, Sp. 743]
SNfrk u. NBerg [in Neuss, Grevbr bis nach MGladb hinein tsi·ŋ.]; Gummb-Berghsn tīn u. tiŋ; Pl. -ə(n), Dimin. -χə(n), –kə [urkdl. van den ciene ce dragen Aach-Stdt 1338; eyn ziehn myt druben Trier 1463] f.: 1.a. kleinerer Bottich (grösser Bütt), bes. als Wäsch-, Bükt.; en T. Water; der ganze Dag an der T. stohn; en de T., wird das geschlachtete Schwein gebrüht, wird das Gebreie für das Vieh gered gemacht (den Köh de T. geəve), wird das Fleisch eingepökelt; ausserdem grosse Milchtonne, in der die Milch im Stalle gesammelt wird, Melkt., en T. Melk; in der T. wird die Butter geknetet u. gewaschen; Spölt. Spülbottich SNfrk, Allg. RA.: Klen Zenge han gruss Uhre kleine Kinder hören das, was sie nicht hören sollen Schleid-Hellenth. Treng (Katharina) holl de Z.! ebd. Jann wor ene rare Schnak, stop der Kopp en et Kellderschap, froət de Röbkes ut de Tiən, on dij schmackden hem su fin! Heinsb-Breberen. — b. im bes. eine grosse, oben engere, 90—100 cm hohe Tonne, oft mit blank gehaltenen Messingbändern versehen, mit einer Öse auf jeder Seite, in die man am Brunnen das Wasser füllte u. die zwei Männer an zwei Stangen (Z.baum) ins Haus trugen, heute nach Einführung der Wasserleitung veralt. Allg. — c. Jauchefass, auf der Schürgeskarre gefahren MGladb, Kemp, Mörs, Mettm-Wülfr. — d. Metallgefäss, koperne T. Duisb. — e. en T. Koəhle Scheffel Kohlen Heinsb, Rheydt. — f. Giesskanne Kemp-Süchteln. — 2. übertr. scherzh. grosse Trommel, de decke Z. Düss-Stdt, MGladb.

Zeinen-baum tsi·ŋ.(ən)bōm, tīən(ən)- usf. [tsī:mbōm Grevbr-Allr Hochneuk, Sol-Burschd; ti·m.- Erk; tī:m- Kemp-AmernSAnton; tsī:- Jül-Hasselsw Münster Titz, Bergh] Allg. veralt. m.: Stange, woran die Z. 1 n getragen wurde. Zeinen-baumreuter -ryktər uWupp m.: wer früher von einer Hochzeit zu früh nach Hause ging, wurde von den jüngeren Leuten zurückgeholt, indem sie ihn auf einen Zingbom setzten u. wieder zum Festhause trugen. Zeinen-karre, Zeinen-klump, Zeinen-löffel, Zeinen-pumpe Verbr. wie Z. 1 c: Geräte beim Jauchefahren. Dölker Jecke kome getrecke, habbe ken Schöppleəpele, mödden ut de Tinklomp eəte!

zeinen tīnə, –i- schw.: 1. Jauche fahren; de Bäng (Wiese) t. Verbr. wie Zeine 1 c. — 2. das Vieh tränken Kemp-Süchteln.
 
 
zeinens tsęinənts (-ənts < eines »mal«) May-Kollig Adv.: en z. manchmal, zu gewissen Zeiten.
 
 
Zeip I tseip, Pl. -pə vereinz. in Geld-Kevelaer m.: verächtl. alden Z. alter Klepper, Schindmähre.

Zeip II s. folg.
 
 
Zeipe das Wort, auf zīpe zurückgehend u. mit Zäupe u. Seifen zu vgl., ist als tseip, –ęi- OMosfrk in May (auch -øy-), ODaun u. Rip in Aden; als tsīp RRip in Sieg (rheinwärts) verbr.; Pl. -pə(n), Dimin. -pχə(n) f.: 1. Ausflussrohr an einem Laufbrunnen u. dieser selbst; mer hollen et Wasser an der Z., am Zeipchen.2. übertr. meist Pl. die hohlen, grünen Stengel, Röhren der Zwiebel u. des Breitlauchs Daun-Kirchw Neroth, Prüm-Steffeln.

[Bd. 9, Sp. 744]

zeipschen -īp- schw.: spitz fressen od. trinken Sieg-Ägid.
 
 
Zeip-kittel tsēpkedəl (dies auf zaip- zurückgehend) RRip in MülhRh-Overath m.: verächtl. einer, der langsam spricht, überhaupt langsamer Mensch.

zeipig -ēp- ebd.; -- BGladb Adj.: langsam sprechend, arbeitend.
 
 
 PfWB  ElsWB zeise das Wort, das trotz des stimmhaften –szu mhd.  Lexer zeiʒ, ags. tát »zart, anmutig« gehört, ist nur in der WEif bezeugt, u. zwar als ts:s Bitb-Ernzen Geichl; -ē:- Prüm-Ihren; Abl. gehen weiter Adj.: schwächlich, zart gebaut, armselig, äusserst empfindlich hinsichtl. der Gesundheit, von Menschen u. Tieren.

zeis-haftig tse·i.s- MülhRh-Overath Adj.: leicht empfänglich für Krankheiten.

zeisig diese Bildung ist unter den Einfluss des Vogelnamens Zeisig (mhd.  Lexer zîsec) geraten, und so finden wir Formen, die auf -ei- und auf -ī- zurückgehen. α. -ei- liegt vor in -ē:z- Daun-Katzwinkel, Aden-Kaltenborn, Schleid-Dollend Hellenth Reifferschd, Monsch [-:- Höfen], Dür-Pier, MülhRh-Ensen, uWupp; -e·i.- Daun-Wiesbaum, Prüm-Steffeln (an beiden Orten < -ī-?), Ahrw-Remag, Mülh-Rh-BGladb, Sol-Steinbüchel, Eup-Raeren, Aach-Stdt, Kemp-Breyell; te·i.s- Düss-Erkr, Mettm; β. -ī- liegt vor in tsī:s- Rip allg., Grevbr, MGladb, Erk, Geilk, Heinsb (n. der Ben.-L. aus dem Rip stammend) Adj.: 1. empfängl. für eine Krankheit, erbl. belastet; he es der Krankhet z., — z. op de Bros (Brust), — met sengem Hals ärg z. Rip, Allg. — 2.a. -ī:z-, he es ärg z. empfindl., trinkt z. B. nicht aus dem Glase eines anderen Erk-Doveren. — b. -ē:z- langsam, zaudernd uWupp. — c. -ī:z- reif, vom Obste Erk-Körrenz. — d. -ē:z- eiternd, vom Geschwür Schleid-Dollend.

ge-zeisigt jətsøziχt Prüm-Mürlenb 1860; -tsī:ziχt Neuw-Leutesd Part.: zeisig 1.
 
 
zeisen Rheinschiff schw.: 1. einen Schleppstrang z., d. h. bei mehrteiligem Schleppzug den Strang für den 3. Anhangkahn so befestigen, dass er nicht unter den 2. Kahn gerät. — 2. eine Flagge od. Laterne z., sie halbstocks herablassen od. zur Zeichengebung auf- u. niederbewegen.