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Rheinisches Wörterbuch 
 
wust bis Wusterei (Bd. 9, Sp. 674 bis 676)
 
  NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB wust, wüst das Wort ist Rhfrk, Mosfrk, Rip allg.; dann noch Eup, SNfrk in Grevbr, Neuss, MGladb, Geilk, Heinsb, Kref-Stdt; n. davon leəg, lellek (nur in der Zs. Wüsthüser, s. d.); nfrk. Berg nur in Gummb, Düss-Stdt, u. zwar Rhfrk wīt, -ēi- [doch -u- Kreuzn-Dörrenb Daxw, vielfach Wend, Ottw, Saarbr (u. -ū-), Saarl, Merz-Becking, Trier-Otzenhsn, Bernk-Berglicht Merschd Wintrich; -i- Wend-Alsw Marping Urexw]; -t geht weiter als sonst über den Hunsr, Hochw, Saar u. trifft von Trier-Stdt Trittenh nach Bitb, Wittl hinein bis Bernk-Dhron an die Mos; im mosfrk. Teil (ausser Saarl, wo -u-) wī:t, –ē:-, –e·i.-; n. dieser -t-Linie wī:st, –ē:-, -e·i.-; Siegld wēsdə, –-; NOAltk -:-; Rip usf. w:s [Köln-Stdt w:s u. -stə; Düss-Stdt w:st], flekt. -stə; Gummb wȳst Adj.: 1. hässlich, eklig, in mildem Sinne für jede Art leisen Tadels u. grob tadelnd, im ästhetischen u. moralischen Sinn, von Sachen, Handlungen, lebenden Wesen; en w.ə Gegend; en w. Feld unbebaut, voll Unkraut; dat F. lit w. od. es w.; en w. Wedder Regenwetter; w. Hor; w.ə Wöəder; en w. Mul han; ene w.ə Kopp han ungekämmt, voll Katzenjammer; et lit alles w. durchenēn; en w. Levve führe; w. schreie, spille, spektakele, suffe udgl.; dat hät w. hergegange; se han sich w. verkamisölt; w. met enem ömgohn; ene w.ə Kerl (w.ər Gascht Saarbr; e w. Ferke Dier Oos) unangenehm, frech, roh, Schrecken erregend; ene w.ə Hond; sech w. mache sich beschmutzen (usf.) Rip, Allg. RA.: Er es so w. wie e Eil so hässlich wie eine Eule Birkf-Bundenb, — ne Hengst so wild Bergh, Grevbr. W. ejen Weg (Wiege) wörd stot (stolz) open Stroət Heinsb. — Im bes.: W. Dinger Kinderkrämpfe Saarbr-Püttl; ne w.ə Hongk tollwütig Monsch, Aach, Jül-Merzenhsn, Geilk-Baesw; de es w. zornig Aach. Ene Wöst roher Mensch Neuw-Heimb Weis, Bergh-Bergerhsn; de W.ə Neckn. derer von Aach-Walh; de W.ə Teufel Wittl-Cröv; Westchen ungehorsames Kind Koch-Leienkaul. — 2. zur Steigerung dienend; et es en w.ə Kält, Hetz; ech han w.ə Koppeng, — ene w.ə Hos (Husten); et es w. kalt, hēss, sur; he hät sech w. beklag usf. bei allem Widerwärtigen Rip, Allg. — 3. die  Lexer mhd. Bed. öde, einsam, zerfallen, verlassen ist der MA. heute fremd; doch war auch sie einst nach Ausweis der mit wüst zusammengesetzten ON u. FlN im ganzen Bereich bekannt. S. auch unten die Zs.

Wüst-bart wst- Altk-Herdorf m.: verächtl. struppiger Bart. Wüst-horn w:shən Dür-Frauwüllesh n.: verächtl. liederlicher, unzüchtiger Mensch. Wüst-hausen wȳsthȳzə Geld-Stdt, Klev-Appeldorn

[Bd. 9, Sp. 675]
Rindern m.: verächtl. roher Mensch. Wüst-hof w:shǫvf Bergh-Heppend; -hǫvə Köln-Pulh, Sieg-Bohlschd ODollend Süchterschd m.: dass. Wüst-länder wȳst- Rees-Brünen m.: dass. Wüst-leimich w:s- Neuw-Ohlenbg: in der Antw. auf die Frage: Wohin gehst du? No W. Eigentl. der Ort Wüst-Leimbach (heute Hohenleimbach) im Krs. Adenau. wüst-lich in onfərw:s(t)liχ usf. Adj.: nach dem Nhd. verbr.

 PfWB  ElsWB  LothWB Wust wūt uNahe, Hunsr; wū:t, –ō·u.- Saarbr, Hochw; -ō:- Trier-Euren; wū:st, -ō:-, –o·u.- Trier, Bernk, Bitb, Prüm, Westerw; -ō- Siegld; wō:s Waldbr Rip, Sol, Neuss, Geilk, Heinsb Sg. t. m.: 1. sachl. a. wie nhd., dichtes, buschiges Haar; den hat e W. om Kopp; breit wuchernde Pflanzen; ein wahres Durcheinander, Unordnung; en dem Haus soll wohl e W. sen WMosfrk, Allg.; wat hät de en W. em Gesich! einen dichten Bart Ahrw-Löhnd; den hot sich de W. noch net ausgeroppt ist träge Trier-Euren. — b. im bes. α. üppiges Unkraut auf dem Acker, Quecken Bernckesten, Rip in Aden, Ahrw, Schleid, Bo, Sieg, Neuw (kurköln.). — β. Eiter Trier, Bernk. — γ. Torf Aden-Weibern. — δ. verkohltes Ende am Lampendocht Heinsb-Althaaren. — ε. brachliegendes Land Kreuzn-Daxw Waldalgesh Warmsr, Simm-Argenth. — ζ. de Hund hat W. van em krig Witterung Daun-Neroth 1860. — c. eine grosse Menge, ungeordneter Haufen; en W. Geld, Böcher, Lück (Leute) udgl. Rip, Allg. — 2. persönl. verächtl. a. plumper, roher Mensch Kreuzn, Goar. — b. gieriger Schaffer Birkf-OTiefenb. — c. widerwärtiger Mensch Bitb-Geichl; schlampiges Frauenzimmer Malm-Amel; hässliches Fr. Altk-Hasselb.

Un- wust: Ungeziefer, Schmutz, Unrat; viel Unkraut im Felde Trier, Bitb.

Wust-blume wō:sblō:m Eusk, Rheinb f.: Saatwucherblume, gelbe Margerite, Chrysanthemum segetum. Wust-loch wūt- Verbr. nach Wk. IX, 3 (Wäsche) Rhfrk im Anschluss an das Wuste-Geb. in Kreuzn-Boos Brauw Hennw, Bernk-Allenb Schauren Sensw Wirschw [weit- Kreuzn-Hochstetten; -ē- Simmern unter Dhaun; wītsęit Meis-Hochstätten] n.: Nebentenne, Wuste. Wust-teufel wō:sdȳ:vəl Monsch m.: verächtl. gieriger Schaffer, Arbeitswolf.

Wuste wūt, –ōu-, –ou-, Pl. -də Verbr. nach Wk. IX, 3 (Wäsche) Rhfrk in Wend, Birkf, Meis [we·i. Saarl-Saarwelling; be·i.ĭ Merz-Wadern; s. Wüster] f.: Nebentenne, Abladeplatz für Getreide, Rüben. — S. o. Wustloch.

 PfWB Wüste wīt, –ī:-, wē:st, –:-, –ȳ-, Pl. -ən f.: nach dem Nhd. bekannt u. verbr.

Wüsten-berg -ī:də- Prüm-Dackschd m.: FlN, in der RA.: der Überschlaue hört de Kribs op W. niesten. Wüsten-berger w:- Neuw-Asb m.: verächtl. rücksichtsloses, roher Kerl. Wüsten-rat w:stənr·ə.t Aach-Stdt m.: verächtl. widerborstiger Kerl.

 PfWB  ElsWB  LothWB Wustel wudəl, Pl. -ələ Saarbr, Ottw, Birkf-Türkismühle m.: verächtl. grober, immer unzufriedener Mensch, ein Nimmersatt.

wüsten schw.: 1. -ē:sd- wie wild drauflos arbeiten Neuw-Datzeroth. — 2. der Wend woust stürmt Bernk.

[Bd. 9, Sp. 676]

ver- wüsten: 1. -ud-, etwas v., übel zurichten, beschmieren, verderben Saarl; -o·u.d- Saarbg-Wellen; -ō:sd- Bitb-Bollend. — 2. e vərw:st Feld verwahrlost Altk-Bachenbg.

 PfWB  ElsWB Wüstenei wō:sdənę·i.  Daun-Neroth 1860, Neuw-Datzeroth; wēsdənęj, w- Siegld; w:stənę·i. Aden, Ahrw, MüEif, Köln-Stdt, Sieg, MülhRh, uWupp, Sol, Eup; wȳ·ə.t- Wuppert-Kronenbg Sg. t. f.: grosses Durcheinander, wirre Unordnung, voller Unrat, Unkraut.

 PfWB Wuster Sg. t. m.: 1. -ud- ein Büschel Haare, ungekämmt Ulmet (Kusel). — 2. -ō:st- Menge verknüllter Fäden Heinsb-Wassenbg.

 NRhWB  PfWB Wüster -īd- Verbr. nach Wk. IX, 3 (Wäsche) in Saarbr-Karlsbrunn SNikolaus Sulzb; -i- Güding, Wend-Dörrenb, Saarl-Differten; -ī- Bous; -e- Trier-Schilling; -ē·i.-, –e·i.- Wend-OKirchen, Saarbr-Eiw Heusw Quierschd, Ottw-Eppelborn Fürth Landsw Schiffw Stennw Wiebelsk, Saarl-Felsbg Hülzw Hüttersd Lebach Lisd, Merz-Büschf Erbring Krettnich NLosh Nunk, Trier-Kell Reinsf; -i- Otzenhsn; -ę- Mandern m.: Nebentenne der Scheune, auch Strohw. mit den W.balken.

 PfWB Ge-wüster -we·i.dər Merz-Stdt Sg. t. n.: verächtl. ein wahres Durcheinander.

Wusterei wudəręi Wend-Remmesw Sg. t. f.: Unrat, bes. Schleimabfluss aus dem Uterus der Kuh.