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Rheinisches Wörterbuch 
 
Wurm II bis Wurmsaat (Bd. 9, Sp. 656 bis 660)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Wurm II das Wort ist allg. (s. u. die Bed.), und zwar Rhfrk uNahe ö. einschl. Kreuzn-Boos OStreit Sponh Argenschwang Spabrücken wǫăm, Pl. -ęă-; w. u. n. -ōə-, –ūə-, Pl. -ēə-, –īə- [in Wend auch -o-, –u-; Saarbr auch -ǫ-]; Mosfrk in Saarl wu·r.əm, –o-; sonst an der Saar wǫrəm, Pl. -ę-, dies auch Kobl, Neuw, SAltk; sonst Mosfrk -u-, –o- [Bitb, Wittl, Trier ö. Stdt -ūă-], Pl. we·r.m, –i-, –ø- [-īă-]; sonst wurəm, –o-, Pl. wy·r.əm, –ø- [um Waldbr-Eckenhg -ū-, Pl. wi·r.əm]; dann noch n. Ruhr wǫrəm, Pl. -- bis einschl. Rees-Bislich Wissel Meerhoog Wittenhorst

[Bd. 9, Sp. 657]
Heelden, von wo ab wrm Sg. u. Pl. gilt; dies auch Klev bis südl. Mörs-Orsoy Xanten Rheinbg, Geld-Winnekendonk; Dimin. węămχə, wīərmχə(n) usf., -ke m.: 1. wie nhd. a. Regenwurm Allg., nur NLRip, SNfrk dafür Pier, Piering u. Reəgenw. (s. d. W.). RA.: W. on Pier es ein Dier Duisb. W. in de Göt (Gosse), Dropp, wat duhj in de Regen? wenn einer etwas unternehmen will, dem er nicht gewachsen ist Klev. So näu (geizig) wie ne W. Rheydt-Mülfort Odenk. Su hangerich wie e W. Wittl-Meerf, Bitb-Malbg, Prüm. De krömmp sich wie ne W. Rip, Allg. E Wirmche kr. sech vir dem Dud Trier-Mehring, Ahrw. De krüfft (kriecht) eröm wie enge getroəne (getretener) W. Aach-Ld. Et is neist vullkummen, sost hätt jo ach der W. kä Loch Kreuzn-OStreit. Der W. en de Eərd schüt der Duəd Heinsb-Wassenbg. Der Überkluge hüərt de Wörm (en der Erd) hoste (husten) SNfrk. Der Kurpfuscher sagt: Hilft et neist, dann schod et neist; stirfst dau, dann fressen dich de Wirm! Trier-Schleidw. Wer einen schmutzigen Mund hat, hät möt de Mul Würm gesok (gesucht) Bergh-Glessen. En hellt (holt) se wie de Hohner de Wirm isst sehr hastig Bitb-NWeis. Wat sall dann dat? sagg de Hahn on hatt enne W. in de Schnabel; dor schlug den sech en Knöpp (Knoten) en de Start Mörs-Rheinbg. Wemmer de W. tritt, da kremmt e sech May-Trimbs. Der Geizige schüss sech ene W., spalt en on mach sech ene Strombändel drus Eusk-Billig, — spliss ne W. on bruch en als Schohnsrēm Bergh, Dür, — treck ne W. us de Erd Dür-Lucherbg. Practica et multiplex, sät der Bur, do trock he ene W. ut der Erd (de Arsch) on bong sech de Schohn dermöt MGladb. Dubbeles W.s aufgerollt, zusammengekugelt; d.s W.s doliegen; ich hott en d.s W.s gepack Bergh. De es got van W. hat guten Appetit Kref-Fischeln. — In Liedern. De Stohl un Bänk, die wollde sich schlonn; de Schottelplack ging dotöscher stonn; do soət ene W. en de Eərd un song, dat em ene Knop van de Botz (Hose) afsprong MGladb. Uf em Termche sitzt e Wermche mit em Schermche unnerm Ärmche; kommt e Stermche, werfts W. mit em Schermche unnerm Ärmche vum Termche Kreuzn-Dörrenbg, Simm. Et geng e Männche den Berg erop, et sät: Wehrt mer de Hohnder; Katzen on Hong doh mer nicks; un dat es en W. OBerg) Dinsl-Gahlen. — Im Volksglauben. Wenn de ene W. bem Grave kapottstecks, dann göt et Ren (Regen) SNfrk, Allg. — b. W. im menschlichen Körper, wie Band-, Spul-, Nagew.; dat Kengk hät Wörm; wenn enem de Nas jöck, krig mer Wörm; der W. geht em af; jet für de Wörm dohn Rip, Allg. RA.: Dem (Geizigen) geht ne W. af, wann he latze (bezahlen) moss Rip, Nfrk. He drīss ene W., spleck en dörch on bruch en für ne Hosebängel Bo-Witterschlick; häs de Wörm, esu bīss ene de Köpp af, spleck se on mach Schohnsrem dervan! Rheinb-Meckenh. Häs de Wörm? zu dem, der in der Nase bohrt Köln; häs de Wörm? De häs wal W.! abschläg. Antwort auf eine unbillige Forderung Rip, Allg. De hät ene W. (e Würmche) (en) ist überspannt, eingebildet, übelgelaunt, eigensinnig, — em Kopp Mosfrk, LRip, SNfrk, — em Gehirn Monsch-Conzen; dem steckt ene W. in de Kopp Mörs, — krabbelt e

[Bd. 9, Sp. 658]
Wörmche em K. Sieg-Kaldauen, — bitt ene W. em K. Viersen; e verkihrt Wörmche han launisch sein Schleid-Hellenth. He kickt, als wenn he Wörm häi Kemp-UWeiden. De hot dem de Werm aus der Nos gezogen ihn ausgeforscht, nach u. nach zu einem Geständnis gebracht Mosfrk, Rhfrk; de liet sich de Wörm us de Nas trecke Rip, SNfrk, — us et Mul tr. Düss-Stdt; am de W. zehen Bitb-NWeis. Et kemmt em e W. aus der Nas Rotzfaden Birkf-Bundenb, Bitb-Mettend. Der armselige Kerl as net am Stann (im Stande), dat hen am e W. aus dem Orsch zehjt Saarbg, Trier; de kregt kenem en dugdege (toten) W. aus dem Arsch gezogen Prüm-Ihren. Den es praktesch, den zieht sech e W. aus em Orsch on bönd sech de Schuch dermöt Trier. Dat well schleit (schlecht) rötsche, seit ne Bur, du trock he singem Wif ne W. ut dem Arsch MGladb. Ech han em gen vor drei Penning vor de Werm! ihn geprügelt Saarbr, Saarl; eich gen dir noch fir de Werm! Trier-Hermeskeil; loss se heiroden, da kreən se fer de Wirm! Bitb-Dudeld. Leiden Kinder hartnäckig an Würmern, so gibt man ihnen an einem Freitag bei Neumond Zittwersamen ein; denn dann stünden die W. mit dem Kopf nach unten Kemp. — Die Anschauung, dass manche Krankheit durch W. veranlasst sei, war allg.; deshalb noch alte W.segenssprüche: Petrus u. Jesus fuhr aus gen Acker, ackert drei Furchen, a. auf drei Würmer; der eine ist weiss, der andere ist schwarz, der dritte ist rot; da sind alle W. tot; im Namen des Vaters usf. Rhfrk. Unser lieb Frau, Herr Jesu Christ; verschwinn, du W., wo du bist u. wo du seist, du seist gleich unter der Leber oder in den Därmen! Simm. Noch nennt man den Umlauf (panaritium): he hät de W. am Fenger Rip, Allg., — de bisen W. am F. Bitb, — de rose W. om F. WSaarbg, Bitb, Prüm, Malm; ein sehr abgemagertes Tier hat de W. im Schwanz (Sterz) Rhfrk, Allg.; man heilte den W., indem man eine ungerade Zahl dicker Bohnen nahm, diese zerschnitt u. kochte u. in der so gewonnenen warmen Lösung den kranken Finger bähte Ess, NBerg. Gegen den W. in den Füssen: W., tu dich drücken, du sollst dich bücken u. nicht nur b. allein, du s. auch gleich tot u. der Schade geheilet sein! Birkf. RA.: Dir sall ech der W. wahl seəne (segnen)! dich schon heranholen, den Kopf zurechtsetzen, prügeln Rip, Sol, SNfrk in MGladb, Erk, Kemp, Kref, Klevld in Geld, Mörs, Klev, — schnegge (schneiden) Dür-Stdt. — c. Made in Früchten, Speisen, gern Dimin. Allg. (wo Made gilt, ist dies Wort bevorzugt); der Appel hät ne W.(en); do es (set) der W. dren Rip, Allg. (auch in übertr. Bed.). RA.: Wenn et sint Jannsdag (24. VI.) rent, dann krit alles de W. en bes. die Zwetschen Jül-Boslar. De schünste (rutste) Äppel han de deckste Würm RRip, Berg. — d. andere Schmarotzer; Engerling (Angeldier) Kreuzn-Weinsh, Wend-Berglangenb, Prüm-Rommersh, Altk-NFischb, Bergh-Harff, Grevbr-Wickr; Raupe May-Hatzenport; jonge W. Bienenmade Mörs; s. Acker-, Holz-, Korn-, –Mehlw. RA.: Die hät de W. gestoche wenn das Getreide schlecht hervorspriesst Sieg-Ägid. Völ W. onger der Sölder es noch ärger äs v. drop eine grosse Kinderschar verdirbt den

[Bd. 9, Sp. 659]
Landmann noch eher als das Überhandnehmen des schädlichen Kornwurms auf dem Speicher Kemp. — e. Jannswörmche Johannisw., Leuchtkäfer; Donner-, Hummelwörm(kes) Gewitterwürmchen (s. d. W.). — 2. übertr. a. persönl. α. verächtl. dummer, machtloser, beschränkter Mensch Allg. — β. misshandelter, armseliger M., bes. Kind; du arme W.: en armsilig Würmchen Allg. — γ. kosend; e klen (söss) Würmchen kleines Kind Allg. — b. sachl. α. Wärmcher Blütenkätzchen des Haselstrauches Neuw-Dierd Windhg, Sieg-Sieglar, MülhRh-Katterb, Schleid-Üdelhv, MüEif, Bo-NHoltorf Rüngsd, Köln-Pingsd, Kemp-Born. — β. verächtl. Rotzfaden, Nasenpopel Saarbg, Koch-Treis, Schleid-Weyer, Eusk. — γ. scherzh. Schnuller an der Säuglingsflasche Bo-Kardorf. — δ. Schraubenspindel an der Schrämmmaschine u. der Handbohrmaschine, in der Bergmspr. Saargeb. — ε. Schiebkarre Lennep-Radevormwald. — ζ. -o- Firstpfette (volksetym. aus Wirme [s. d.] umgedeutet) Geilk-Übach, Kemp-Breyell. — η. scherzh. Zunge Sieg-Birk. — θ. Wermcher Fadennudeln Saarl, Merz, Koch-Lutzerath. — ι. Würmchen. αα. scherzh. Pickel, Pustel im Gesicht Sol-Leichl. — ββ. Stirnfalte Bitb-Outschd, Daun-OBetting. — γγ. langes, schmales Feld Kobl-Kobern. — δδ. kleines Drahtstück von Ellenlänge, aus dem die Stecknadeln gearbeitet werden Aach. — εε. e Wörmche Tromp gewagter Trumpf Sieg-ODollend. — ζζ. wirft ein Spieler beim Sauspiel zum zweiten Male vorbei, hät he et W. letztes Anrecht zum Weiterspielen Schleid-Dollend. — κ.Worm, der Fluss, zur Rur gehend; Wurmmessergilde in Dür-Stdt. — Abl. dat Gewürm(s).

Wurm-batz, Wurmbitz -bats (a<i) Saarbg-Wellen, Trier-Aach Eitelsb Eisenach Euren Irsch Kenn Kordel Pluwig (-ā-), Wittl-Arenr Bruch, Bitb (u. -ā-), Prüm, Olmschd Watzerath; -bets May-Stdt, Aden-Antw; unter Einfluss von Made -mats Saarbr-Burb Fürstenhsn Heusw, Ottw-Neunk Schiffw Uchtelfang Wiesb Wustw, Merz [węrmats Bachem], Zell-Hirzlei; -wats Saarbr-GrRosseln, Merz-Erbring; wę·r.m- Rech; unter Angleichung des anlautenden w an -mats murwats Saarl-Berus; -mats Saarl-Fraulautern Fürw, Merz-Conf m.: 1. –stich im Obst. — 2. übertr. verächtl. elender, schwächlicher Mensch Saarl-Berus. Wurm-batzert mur- Saarl m.: -stichiger Apfel. PfWB  ElsWB  LothWB wurm-batzig batsiχ, –ā-; dazu -ę- Saarl-Biring Hostenb; -a- Merz-Keuching Mettlach Stdt; -a-, –ā-, –ę-, –- Saarbg, Trier, Wittl, Bitb, SPrüm, Bernk-Dhron Filzen; -- Kobl-Kärlich; -i-, –e-, –ęi- May; -i-, –e-, –ø-, –ǫ- Aden; -besiχ Saarbg-Kahren; -bęts Orscholz; -ts- Greimerath; bourbats- Merz-Weisk; burmbęts- Saarbg-Weiten; wūərəmatsiχ Birkf-Eiw Neunk Selb, Wend, Ottw, Saarbr, Saarl Merz, Saarbg-Ayl, Trier-Hochw, Wittl-Stdt, Bernk-Graach [wę·r.m- Merz-Bachem Bergen Merching Rech Riml Stdt Wadrill]; -mętsiχ Wend-Alsfassen Namborn, Ottw-Illing Merchw Neunk Kohlhf Schiffw, Saarbr-Sulzb, Saarl-Gerlfang Kerprich Hemmersd Niedaltorf Roden, Merz-Lockw Losh Morscholz Rappw, Saarbg. (u. --), Trier-Hochw Schweich, Wittl-Monzel

[Bd. 9, Sp. 660]
Osann; -ę-, –- Bernk, Zell, Koch-Bremm Eller Lahr Lieg Mörsd Zilshsn; -ę- Simm-Mörz, Goar-NGondershsn, Birkf-Jeckenb; -mętsəliχ Goar verbr., Birkf-Schwarzenb; -māsiχ Bernk-Kesten; -mantsiχ Ottw-Hütting Rassw; -watsiχ Saarbr; -ę- Wittl-Pohlb Ürzig; -węrtsiχ Merz-Silwing; murmatsiχ, –-, –ę- Saarl; -ęts- Saarbg-Faha Kirf Sinz Trassem Weiten; -a- May-Ochtendung; -i- May-Stdt; mrəmętsiχ Bernk-Neumag; mormęts- Trier-Kenn; murbęts- Saarbr-Püttl; -ats- Saarl-Griesborn; murwatsiχ, –ęts- Saarl, Saarbr; murbębsiχ Saarl-Hostenb Schaffhsn Adj.: 1. –stichig. — 2. übertr. gebrechlich, mürrisch, lebensmüde. Wurm-blumen (s. S.) Monsch-Hammer, Waldbr-Stdt f. Pl.: Rainfarn, Tanacetum. PfWB Wurm-farn (s. S.) Kreuzn-Stdt, Merz-Becking, Simm-Kirchbg, Koch-Lutzerath, Monsch-Rötgen m.: dass. wurm-fressig -ęs- Waldbr-Eckenhg; -t- Mörs-Ossenbg Adj.: -stichig. Wurm-fuss -ō:- Rheinb-Neuk m.: Hederich. wurm-geizig Neuw-ODreis, Altk-Bachenbg Adj.: -stichig. wurm-gestechen -teəkə, –ə- Kemp-Bracht Breyell Dornbusch Lobberich, Geld-Hinsbeck Leuth NDorf Part.: dass. wurm-grutzig mur- Saarbr-Lauterbach Adj.: dass. wurm-herzig -hę(r)ts- Wittl-Minh, Bernk-Dhron, Zell-Burg Masterhsn Pünderich Senh; -rts- Merl Adj.: dass. wurm-kackig Neuw-Kasb Ockenfels Ohlenbg; -ā- Ahrw-Unkelb Westum Adj.: dass. Wurm-knoppen -ǫp- Grevbr, MGladb, Kemp, Geld-Hinsbeck, Heinsb-Willich Pl.: Rainfarn. Wurm-krankheit Allg. f.: wie nhd. PfWB  ElsWB Wurm-kraut (s. S.) Allg. n.: Rainfarn [zwey loit wurmkruts Siegld 1519]; Burenw. Geld. Wurm-kuchen -ō:- Zell-Trarb, Köln-Thenhv m.: K. mit Mistel gegen Spulwürmer. Wurm-land Koch-Lutzerath n.: rückständige Gegend; die sen aus dem W.lann. PfWB  ElsWB Wurm-loch (s. S.) Allg. n.: L., das der Wurm bohrt; W.löcher stoppen. RA.: W.loucher stoppe sich sättigen; dat stopp e W. sättigt Rip, Elbf, Düss, Birkf. Weil (jetzt) hommer de W.lächer gestoppt (nach der Suppe), weil fänke mer on ze essen Trier-Stdt. De W.lächer ausschmere Sauerkraut mit Erbsen essen Simm-Horn. wurm-lochig -ǫux- Ahrw-Rech Adj.: -stichig. Wurm-made -mādən Saarl-GrHemmersd Pl.: -stich. wurm-madig Saarl-Ensd Saarwelling, Merz-Saarfels; -măd- Bitb-Fliessem; -mediχ Ahrw-Karw Lantershf Ringen; murmēdiχ Saarl-Bedersd Kerling Rammelfang, Merz-Becking Adj.: -stichig. wurm-matzig s. o. bei –batzig. PfWB  ElsWB Wurm-mehl (s. S.) Allg. n.: 1. wie nhd., vom Holzwurm. RA.: Dem riərt et W. an de Botzebēn (Hosenbeinen) erus er ist hinfällig krank Eusk. Mit W. bestreut man die Wundstellen bei kleinen Kindern Simm. — 2. übertr. verächtl. du W. armseliger Kerl Sieg-ODollend. wurm-plätzig Daun-Lendersd Adj.: -stichig. Wurm-saat -z:t (s. S.), -s:tə, –tjə Kemp, Geld f.: Zitwer- od. Rainfarnsamen als Wurmmittel.