Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
witt III bis Witthei (Bd. 9, Sp. 596 bis 598)
 
  PfWB witt III, aus frz. vite, wit Rhfrk in Wend-Furchw Adv.: schnell.

Witt I -i- = Bindgerte s. Widde.
 
 
Wittchen witə, –tjə, –e-, Pl. -əs Nfrk verstreut; vgl. auch Witz II, n.: 1. Lockruf u. Kosename für Tiere. a. witə für Hühner, bes. für Küken Grevbr-Hochneuk, Erk-Vennr, Kemp-AmernSt-Georg Born, Mörs-Wallach. — b. -e- junge Ziege Geld-Straelen. — c. witχən Schweinchen Sol-Pattschd. — d. witə Rufn. für einen Hund Rheydt-Giesenk. — 2. im Reim: Schille, welle, Wittje, Passmann Grittje (Grete), Fusel es min Lewe; wenn ek niet in den Hemmel komm, dann k. ek doch dernewe! Mörs-Rheinbg. Wise, w. Wittche geng en de Lade, woll för zwei Fennig Zocker han usf. Eusk-Eschw.
 
 
Witte wet [-ø- Hargard Witzerath], Pl. -tə vereinz. Monsch f.: Waise, armes Kind, hilfloses Geschöpf (wahrscheinl. zu *widu-, das auch in Witwe, Witfrau usf. enthalten ist).

Wittem = Schneewehe s. Weh-tem; witten I = weiss machen, tünchen s. bei weiss; witten II -i-, –e- s. wissen.
 
 
Ge-witter das Wort, mdl. Rhfrk -wīrə(r); Mosfrk -widər (doch sind Dimer, Gedimer, Dimerwedder echtere MA.) [Neuw, Altk -wirər, –lər]; Rip -widər u. Donnerwedder; das Nfrk besitzt die nhd. Lautung -witər, echt mdl. Berg Donnerweər, SNfrk, Klevld Hummelweər [witər, et git en W. Schleid-Hellenth], Pl. Rhfrk wie Sg.; sonst daneben -rə(n) n.: 1. wie nhd.; et es so schwül, et güt en G.; wann sek der Himmel so tutreckt, güt et en G., — kriegen fi en G., dat G. kümmt, — hält an, — steht, — hät sek vertrocken, — kann nich üəwer de Berg, et geht hingen eröm, — treckt langs de Ruhr; et G. schleht en (udgl.)

[Bd. 9, Sp. 597]
Gummb, Allg. — Wetterregeln: Wo em Fröhjohr de irschte Donner kömmt van dännen, k. em Sommer dat gefährlechste G. v. d. Sol. Wo et irschte G. em Johr hinzehjt, zehjen de annern och hin Koch. Wo om Ustern der Rōch hinzöuht, do kummen det Johr de G. her Altk-NFischb. G. of de kahle Bam get wenig Melch on kä Rahm Goar-Morshsn, — iwer leere Äscht jet viel hungrige Gäscht Saarbr-Quierschd, — op ene dörre Bom, Schniə op ene gröne B. Eup-Kettenis. Kimmt dat G. iwer Brauneberg (Bernk), so gerret kreiz un quer un iwerzwerch Bernk-Mülh, — iwer de Hog, g. Kommer un Plog ebd., — iwer Plän (Plein), dann mach sich jeder häm ebd., — iwer de Ho, dir Leitcher, dann g. et schro; k. et i. de Scherichbach, hät et noch Zeit bis de annern Dag ebd. In der Ruhr hät et kein Dur, de Lippe nemmt et in de Schlippe Meiderich. Ovverländisch G. on onnerländische Fraulöck, die sen gefährlech MülhRh. G. im April git Kegel (Heuhaufen) wie en Fill (Füllen) Siegld. Werden em September G. profezeit, get et wisse Kresdagszeit Neuw-Unkel. E G. em Oktower sat bestännig: der kenftige Wenter werd werrerwennisch Bernk-Bruchw. — Volksgl.: Schnappt et Veh no Lof, dann rückt et G.dof Mörs-Rheinbg. Bim G. darf me nich lopen, dat es Sünde Gummb. Schlih dut de Friesser, wek op de Schliefer, los bede, wen bet! Wittl-Meerf; schlag dut de Freisser, loss levve de Schliefer! Dür-Golzh; den Gräber lass graben, den Schläfer schlafen, den Fresser schlag tot! Altk-OWamb. Heiliger Florian, verschon mein Haus, stech andere an! Bo. Im G. legge de Lü e Stöck Bruət e jen Fenster Selfk. Es ging unsere liebe Mutter (Maria) über das Land, se hatt e goldenes Büchlein in der Hand; se kann lesen u. schreiben, se kann alle bösen G. vertreiben; se sieht ein Häuslein brennen, in dem waren viel kleine Kinder drinnen; Gott der Vater, G. der Sohn, G. der hl. Geist, Amen! Bernk-Maring. RA.: Dat G. schött us (schüttet aus), dat köt van den Bergen Sieg. Dat gehr wie's G. rasend schnell Rhfrk. Hei hät en Stemm wie e G. Mörs-Kapellen. G., Dunnerkeil! Fluch Kobl, Rhfrk; Potz G.! Kref. G. of e Nachtshawe (N.dippche)! Ottw-Neunk; G. em Frack! Kreuzn-Sobernh; e G. soll dich siewe Klofter deif en de Borem verschlahn! Rhfrk; dass dich das G. so rän wie Salz verschlaht! Saarbr-Quierschd; dat dich dat G. su vill Klofter def en de Erd verschlög, as en Has en honnert Johren laufen kann! Neuw-Rodenb; sall di en G. in en Magen fahren! Ess; en G. sill sich verzehren! Goar-Weiler. E schwier G. hält net lang un Trier-Schleidw. Dem hät et G. in den Hut geschlagen sein Hut hat ein Loch, eine Delle Gummb. Er hats G. in de Knoche Rhfrk, Allg. Mer mänt, et G. wer em in de Häse (Hachsen, Kniekehlen) geschlahn so entsetzl. sieht er aus Simm-Horn. A.: Wuhin gähste? B.: Of de Hih, G. verdäle! Zell-Löffelschd. Pitter, et git e G.; Hannes, et es net wohr, et wüərd widder klor! Köln (s. Var. bei Peter). Et get e G., sot de P.; et küt vam Rhing, sat et Sting (Christine); o, loss, sät Klos; es egal, sät de Al Neuw-Ehrenst Strauschd. — 2. em G. im Nu Goar-Weiler.

ge-witter-achtig -wedəręχtiχ Sieg-Alzenb Adj.: -drohend. Ge-witter-günz -- Gummb-Berghsn m.:

[Bd. 9, Sp. 598]
-schauer. PfWB  ElsWB Ge-witter-regen m., PfWB  ElsWB Ge-witter-ruse f. OBerg: dass. PfWB Ge-witter-verteiler -dlər Saarl, Merz m.: scherzh. breiter Hut. PfWB Ge-witter-wolke (s. S.) Allg. f.: wie nhd. PfWB Ge-witter-würmchen Berg n.: kleine, winzige Fliegen, die bes. vor Gewittern schwirren.

witterig -id-, –it-, –e- Bitb, Prüm Adj.: ungebärdig, widersetzlich, schwer umgänglich, von Mensch u. Tier.

ge- witterig: gəwirərigər Hond ein Teufelskerl, auch Gewirrerhond Neuw-Dörrenb.un -witterig: roh; den as u. Wittl-Binsf.

 PfWB ge-witterisch -wi·r.ər, –lər Neuw-Rodenb Adj.: verflucht; en g.ər Hond. — De werrersch (ohne Vorsilbe ge-) Gecht Siegld.

 PfWB wittern schw.: 1. es hat mer gewiddert ich habe es geahnt Saarbr. — 2. -id-, –it-, –et- eine Spur finden, vom Jagdhund, aus der Jägerspr., in nhd. Lautung Allg.

er- wittern: -øt-, einen e., ausschimpfen Bitb-Heichl.ge -wittern: -id-: et gewiddert es blitzt u. donnert Wittl-Meerf. RA.: Im Brautstand pittert's, hernoch gewittert's Kreuzn.

 PfWB Witterung -id-, –it-, –et- Allg. aus der Jägerspr. f.: 1. den Hond hot en gut W. Trier, Allg.; Fussw. etwa faule Eier dahin legen, wo die Füchse gewöhnl. hinkommen; Föschw. verkaufen die Düringer (Hausierer); man streicht sich diese an die Hände u. hält sie ins Wasser, dann kommen die Fische op enen an, dat me se krieən kann Gummb. — 2. Rostwasser, durch eisenhaltiges Gestein geflossenes W., das auf seinem Wege einen rot gefärbten Niederschlag absetzt, in der Bergmspr. Siegld, Altk.

wittes -i- = weh! (s. d.); Witt-hammer, Witthei = schwerer hölzerner Hammer s. bei Wide III.