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Rheinisches Wörterbuch 
 
Widde II bis Widder-lamm (Bd. 9, Sp. 484 bis 487)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Widde II das Wort, mnd., nd. wedde, wede, as. widh, ahd. wid, mhd.  Lexer wit, wide, ist Rhfrk hier u. da, geschlossen Mosfrk an der Saar, Mos, in der WEif in Wittl, Bitb, Prüm, im Westerw, Siegld, anschliessend OBerg in Gummb, Waldbr, Sieg u. in Sol, LRip in Ahrw, Malm, Schleid-Dreiborn, Rheinb-Wald, dann Eup-Raeren; ferner ganz abseits im SNfrk in Erk-Elmpt, Kemp, Mörs verbr., u. zwar Rhfrk wīt Kreuzn-Münchw Münster Sarmsh Warmsr Winterbg, Birkf-Bergen Berschw, Simm-Laub Laufersw Schlierschd, Zell-Sohren, Goar verbr.; -i- Wend-Baumholder Dörrenb Werschw, Saarbr-Rentrisch, Bernk (Hunsr), Goar verbr.; Mosfrk wit [doch -ī- Wittl. Bitb, SPrüm, Bernk (Mos); -ǫ- Prüm-Steffeln]; Pl. -dən [Westerw auch wirən, –lən]; Siegld wet, Pl. wērə; OBerg wit, –īə-, Pl. wīən; Rip (s. o.) wit, –e- [Sieg-Fussh, Waldbr-Bladersb -ǫ-; Altk-Horhsn NFischb Hellert -ø-, –-], Pl. -də(n); SNfrk (s. o.) wet, wīət (Elmpt), Pl. -tə; gern Dimin. -tχə(n), –tə f. [n. Birkf-Bergen]: 1.a. ½—1 cm starke, gedrehte biegsame Gerte aus Birken-, Hasel-, Hainbuchen-, Weidenholz, zum Binden von Holzwellen, Schanzen, Stangen, Heu, Flachs; die W. wird durch einen Knevvel (Knebel) festgezogen (gefrongen, gefrissen, gedreht); en Birkenw. (usf.); auch besteht die W. aus zwei zusammengeknoteten Reisern; man bindet mit W.ən (meist W.chen) auch junge Bäume, Reben, Zaunlatten an den Pfahl, bindet einen Sack damit zu; man befestigte mit ihr die Strohschauben am Strohdach (Dachw.) Allg.; Schlinge zum Aufhängen der Würste Goar, Eup-Raeren; Strohseil, Strihw. Verbr. Mosfrk, Gummb-Lantenb; en W. afschniən, blank maken (flicken) un onger dem linken Arm (bei stärkeren o. dem Ben »Fuss«) friten »um sich selbst drehen«, fringen, broden, drehen, widden (s. d. W.) Gummb, Allg. RA.: Et Fläsch es su zäh (fräd) wie en W.; er es su z. (fr.) wie en W. sehr widerstandsfähig Westerw, Siegld, Prüm. Strack (schlank) wei en W. Merz-Losh. De Kerl es aus der W. aller Streiche voll Kobl-Bendorf; de wor aus W. un Wendsel rasend, zornig SONeuw. Beim Schmedd hängt de Dür an de W. er übt seine Kunst für andere, nicht für sich aus Berg. He kemmt a de W. den Strang, Galgen; ech brenge dech a de W.! Siegld. Dat es eso viel, dat bengt (bindet) me all binen en en W. das behandele ich geringschätzig Gummb-Nümbrecht; de Erpel

[Bd. 9, Sp. 485]
(Kartoffeln) sind jo so gutt geroən, dat me se in en W. bringen kann so lang gewachsen sind sie Gummb. Wenn einer wegen Alters, steifer Glieder keucht u. sich schlecht bücken kann, sagt er zu seiner Entschuldigung: Menste, ek här den Arsch (noch) in der W. hangen; zu einem Kinde: Du häs doch (noch) den A. in der W. h. bist noch gelenkig; du häs jo noch kene Röcken, du h. jo den A. ener W.! Gummb. Er os in de W. in grosser Angst Koch-Weiler. Mer ment, mer mit (müsste) sech de Kopp met W.ə benne verzweifelter Ausr. Prüm, Malm. Das Mädchen, das gern heiraten möchte, dieht anen heiroden, egal wen, on wenn en de Schuh met W.ən gebonn hätt Trier, Mosfrk. — b. wetə Pl. Schlingen von Hopfenranken Eup-Raeren. — c. wīt Binse, Juncus Bitb-Kruchten. — 2. übertr. a. sachl. Lenkbaum am Wagen, auch Lenkw. Saarbr, Langw. Siegld-Hickengrund (s. Lang-). — b. persönl. verächtl. einer, der zähen Widerstand leistet Simm.

Widd-darm wet- Prüm-Willwerath m.: Schlund des geschlachteten Schweines. Widd-holz wīdən- Saarbg-Beurig n.: wolliger Schneeball, Viburnum. Saft,. S., W., de Beck hät e junge Wolf, er werft en en de Grawe, er fresst em alle Rawe! Bastlösespruch. Widd-kasten widən- Lennep m.: K. des Schuhmachers, mit W. verschliessbar. Widd-korb witkarəf Altk-Bachenbg m.: K. aus ungeschälten Weidenwidden, in Eimerform. Widd-messer wetəmęts Mörs-Orsoy n.: M. am langen Stiel, zum Herabziehen dürrer Äste. Widd-piff widəpif Kobl-Bendorf (sonst hier Weidenpeif für die grössere Flöte) f.: kleinere, schmale Weidenflöte. Widd-wind witweŋk rip. Wippf, uWupp 1870 (RhKlaaf); s. Wiwind m.: Wirbelwind. Widd-winde (ags. wiþewinda) witwe·n. kurköln. Neuw, Sieg (u. -wę·n., –we·ŋ., –ǫ-, –-) [Sieg-Eitorf wikw·n.]; wīətwe·ŋ. Gummb-Homburgisch; witwe·ŋ. Bo (rrhn.), MülhRh, Sol [widəwi·ŋ. Burschd]; -wø·ŋ. Köln-Sinthern Widdersd, Bergh-Blatzh f.: Ackerwinde, Convolvulus arvensis, Zaunwinde, C. sepium, auch Sammelname für Schlinggewächse des Waldes, z. B. Geissblatt.

Widdel wetəl, Pl. -lə LRip in Jül-OMerz, Aach-Alsd [Eup-Raeren wet, Pl. -tə] m.: gedrehtes Stroh, Strohschlinge, an der das Fleisch hängt.

 PfWB  ElsWB widden schw.: 1.a. -īd- eine Gerte w., drehen, dass sie eine Widde I wird Wittl-Meerf; -i- Koch-Leienkaul, Prüm; -e- Schleid-Marmagen; -ǫ- Sieg-Fussh. — b. -īd- etwas w., hin- u. herbewegen, z. B. eine Axt, die im Holz festsitzt, am Stiel w., dass sie sich wieder lockert u. man sie herausziehen kann Prüm; -i- Malm. — c. -i-, einen w., mit einer Widde schlagen, prügeln Trier-Hermeskeil, Bernk (o. O.). — 2. sich w. a. sich biegen, drehen lassen, von einer Gerte; et Holz widd sech Schleid-Urft, Prüm. — b. -i-, ein im Gefüge lockerer Teil widd sech, schwankt hin u. her Aden-Herschb. — c. -i-, sich vor Schmerz hin- u. herwinden Prüm, Malm, Schleid-Blankenh. — d. -ī- sich zurückziehen, weigern, zögern; wer bei einem Unternehmen allzu bedenklich ist, wid sech wie en Wurm Prüm. — Abl.: die Widderei, dat Gewidd(s) (s. u.).

[Bd. 9, Sp. 486]

Ge-widde jəwit Daun-Tettschd Sg. t. n.: in der Wend.: Un't (ins) G. kunn (sein) in Angst kommen (sein); un't G. dreiwen in A. jagen.

widdig Adj.: 1. -id- zäh, widerstrebend, schwer lenkbar, vom Menschen, bes. aber vom Zugvieh, Ochsen Prüm-Ihren Leidenborn Welchenhsn, Malm-Amlen. — 2. -īd- durchtrieben Trier-Fell Mehring.

Widdse mndl., ndl. wisse entsprechend wes Klevld, Geld bis zur ss/ts-Linie; dann wets, –i- Geld, Mörs-Wallach, Erk-Elmpt (u. wīət), Selfk, abseits Monsch-Rötgen, Schleid-Reifferschd; Pl. -sə, –tsə, Dimin. -skə, –tskə, –χə f.: 1. im Klevld (s. o.), wo für Salweide Wej, für Kopfweide Wilg herrscht, ist W. eine Bindrute aus Weide, u. die Salix viminalis heisst dort Bende-, Mandew., an Flussufern zur Befestigung derselben gepflanzt; sonst ist W. Salix viminalis (im Selfk auch wī·ə., aber meist »Pappel«). RA.: Wenn me ut Wänn (Wortsp. mit »wenn«) Monge (Manden) mackt, sind de W.ə düər Selfk. De geht W.ə schniə (schneiden) läuft davon Geld-Nieukerk. Ene de W. bijhaute (-halten) sich nicht unterkriegen lassen Heinsb-Breberen. Wann danzen de Erten (Erbsen) op W.ə? in der Wanne Heinsb. — Teppe, t., tape, ek woll en Flöcke (Flötchen) make van Esse (Esche) of v. Wesse; v. W. sin de beste; half af, gans af, bitt de Kuhw de Stert af! Bastlösespruch Geld-Schravelen. — 2. übertr. die aus Korbweiden geflochtene Schüssel Selfk. RA.: De W. bihaue (beihalten) sorgen, dass das Kuchenmesser immer etwas auf der Schüssel vorfindet, übertr. einen niederhalten. Wann de Schenk dervan es, dann stenkt de W. wenn der Mohr seine Schuldigkeit getan hat, kann er gehen.

Widdsen-baum -ō- Mörs-Sonsbeck, Selfk m.: Korb-, Kopfweide. Widdsen-grient -jrent, –ŋ Selfk m.: Korbweidenanpflanzung. Widdsen-häpe -hī·ə.p ebd. f.: Hippe, zum Schneiden der Widdsen. Widdsen-höcke -hk Heinsb-Millen f.: Hippe, etwas gebogen, mit längerem Stiel. Widdsen-strauch -u- (s. S.) Allg. m.: W.strauch. RA.: De Lir (Viol) [Leier, Geige] in de W. hange seine Arbeit, sein Geschäft drangeben.

Widdel s. o. bei Widde II.
 
 
widdeln das Wort, gleichen Stammes wie nhd. wedeln (vgl. waddeln, wuddeln), ist geschlossen als -id- in der Ahrzone bezeugt in Malm, Prüm, Daun, Schleid, MüEif, Ahrw, Aden, May-Galenbg; abseits Saarl-Hüttersd, Koch-Ulmen; dazu Bed. 2 Saargeb. schw.: 1.a. kleine, schnelle Bewegungen machen; de Fesch w. durch dat Wasser; et widdelt (on knibbelt, weg) he van Ommessen; wat widdelt et do em Sächommessehōf; der Käs widdelt va Wörm; den Hond widdelt mot dem Schwanz. Woröm w. den Hond m. dem Sch.? weil der Schwanz nicht mit dem Hunde wedeln kann Allg. — Im Kleinen geschäftig sein Saarl-Hüttersd. — b. gelockert sein, sich hin- u. herbewegen, im Gegens. zu feststehend, –liegend, unbewegl., u. an etwas w., wackeln; der Zant, dat Brett widdelt; mer widdelt an em Brett das festgenagelt ist, um es zu lösen. — 2. er es geweddelt gewandt, gefügig, — wie e Pännche Saarbr. — Abl.: die Widdel(er)ei, dat Gewiddel(s).

[Bd. 9, Sp. 487]

widdelig Allg. Adj.: behende, emsig; e w. Dingen (Mädchen) [w. ist ein junges Mädchen, das beginnt, nach den Burschen Ausschau zu halten Malm-Ameln].

widder s. wider u. wieder; Ge-widder s. Gewitter.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Widder das Wort ist nach Wk. IX, 4 Rhfrk, Mosfrk im Geb. der Schafzucht südl. u. westl. eines trierischen Mittelraumes mit Witz (s. d.), und zwar Trier, südl. Bernk, Simm-Dill, Goar-Rheindieb, Altk-Weitef, Neuw-Raub Linkenb, im N. Bitb, Prüm, Malm, Wittl-Stdt Heudw, Daun, Aden, Ahrw-Stdt; Lautung widər, wirər, –ī-, –ilər (s. wider) [widərt Zell-Sohren; wīdər Trier, Bitb, Prüm]; vereinz. neben häufigerem Schof(s)bock u. Hammel widər, -e- auch im Kölner Raum [wē:r Eup-Stdt]; Pl. -rə(n) m.: 1. wie nhd.; et Schof (de Au) muss bei de W., — get bei de W. gefohrt. RA.: Dau has e Kopp wie e W. bist eigensinnig Prüm-Burb; W. sein och Schof, breng en eraus! Daun-Wiesbaum. Wenn et Heit (Wortsp. zwischen Häute u. heute) rent, get et Leder böllig; w. et Murgen (dass. zwischen Morgen »Ackermass« u. morgen »Tageszeit«) r., get et Land böllig; w. et W. (Widder u. wieder) r., as de Woll b. Trier. — 2. übertr. das Sternbild; der W., de stüəss Schleid-Berk.

Widder-lamm -lamp Bernk, Daun n.: männl. Schaflamm.