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Rheinisches Wörterbuch 
 
Weide I bis Weidwiese (Bd. 9, Sp. 366 bis 368)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Weide I das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk wt, Pl. -rə; Mosfr, w:t, –ā:-, –ē:-, Pl. -də(n); Siegld wāi, Pl. -ə; Rip wē: [uAhr, gegenüberliegender Kr. Neuw, Sieg-Rhönd Honnef, Köln-Stdt -e i-], Pl. -də(n); Gummb-Müllenb Rodt, Lennep weiə; OBerg sonst wē, wē:, Pl. -ən; NBerg wē:t, –e·i.-, -ī·ə.-, Pl. -dən; Eup wē:, we·i., Pl. -ə; SNfrk (schon Monsch-Zweifall, Jül, Aach (u. we·i.), Selfk wē: (Selfk auch wē:j), Pl. [Pl. wē:nə Aach-Walh, Geilk-Beggend]; Dimin. wē:kə, wetə; MGladb, Kref, Kemp, Mörs, Geld,

[Bd. 9, Sp. 367]
Ruhr we·i., wę·i., Pl. -ə; Grevbr, Neuss, Rheydt wē:t, Pl. wē·ə.; Klevld wai, Pl. -ə f.: 1.a. Viehweide, umzäunt; Eingang aus Balken (Schlieten) ist das Falder, Heck(en), Reckes (s. d.); bis etwa 1890 trieb man das Vieh erst nach der Grummeternte bis zum Eintritt des Frostes auf die Weide; im Gebirge stand dann jede Wiese vom Michelstag an (29. IX.) bis zum Gertrudentag (17. III.) für die Beweidung offen; Mechelsdag get et opgedohn (de Ströppzit Prüm-Hallschlag), dann sind alle Wiesen preis; auch gab es da noch Gemeindeherden unter einem Gemeindehirten; heute treibt man das ganze Jahr hindurch während der frostfreien Zeit das Vieh auf die umzäunte Weide, ohne besondere Hüter; Heu u. Grummet werden aus besonderem Grasland gewonnen; zum Melken werden die Kühe abends in den Stall getrieben, mancherorts melkt man sie aber auch auf der Weide, wo sie auch während der Nacht verbleiben (Gebräuche s. bei Hirte); de Köh-, Schofsw.; de W. opdohn; de W. geht (es) op; et Veh op de W. dohn; et Veh geht op der W. Rip, Allg.; mir fohren mat de Kehen op de W. WEif; no dem Gromerich (Grummet) steht noch W. MülhRh-Heiligenhs. Treiben die Kinder das Vieh von der W., singen sie: Hem welle mer fahre; de W., die w. mer spare usf. Malm, Monsch (s. weiter bei heim). RA.: E Stöck Lond wie en W. schlecht bearbeitetes Feld Heinsb-Waldenr. Got W., awwer korze Gang gute Kost u. kurzer Weg zur W. WSaarbg, WBitb. Je klener de Herd, je besser de W. Eif, Mos, Goar. Wo de W. knapp es, stoasse sech de Keh Siegld. Dem lo hätt eich doch Wasser un W. versot für dessen Gesundheit hätte ich nicht viel mehr gegeben; bei dem as Wasser on W. bersot alles vergebens Merz, Hochw, Trier-Mos. Et hät wiər en go W. agetroffe sie bleibt lange aus Kemp. He hät w. en fresche W. seine Frau ist niedergekommen MGladb, Erk. Den Ogen de W. gen gut zusehen, bes. wenn vom anderen Geschlecht etwas sonst Bedecktes zu sehen ist Schleid-Marmag. Drifste op schlechte W. de Koh, verdirfste de Melch on de Botter dozo Bo-Dransd; ber hät of gester (unfruchtbarer) W. en Koh, verleərt de M. on de B. dezo Neuw-Maischd. Heit gihn de Schäfcher op de W., mor g. se op de Dränkt heute gutes Wetter, morgen Regen Bitb-Kyllbgw. Do komme de Perd op de W. wenn die Bauerntöchter zum Ball geführt werden Viersen-Helenabrunn. Mädchen, die keinen Mann bekommen, komme op de grote W. Lennep-Radevormwald. De es op en go W. gewes gut gelaunt, abends lange aufgeblieben SNfrk. Of de W. gehn auf Hurerei ausgehen Saarbr-Sulzb. Möt dem geht et op de gröne W. er stirbt bald Bergh-Hüchelhv. Fruhch op de W., fr. fett Duisb. — b. in einem Geb. lrhn. in Eup, Aach, Selfk, n. einschl. Ürd.-L. u. rrhn. n. einschl. Duisb, Dinsl-Byfang Schmachtend Hiesf Bruckhsn, Rees-Drevenack Wackenbr Lackhsn Brünen Hamminkeln fehlt das Wort Wiese (ehemals dort Wīsche); dafür heute Weide (lrhn. aber noch Bände; auch SNfrk Wiese fast nur in FlN u. »Festwiese«), also auch Höjwei, ohne das sie dem Vieh zur Weide dient; en fette, go, hoge (schlechte), sure W.; de W.ə werde grön met de Kau (Kälte) un

[Bd. 9, Sp. 368]
vergönnt (vergehen) och met de K. Allg.; de W. schödde in einer Wiese Obstlese halten Aach. We de Mes (Mist) brengt op de W., ös en min Augen nit gescheit Mörs-Friemersh. Enem achter de W. sin ihn beinahe erwischt haben Geld-Straelen. Dou Langen, dou Schmalen, wo geihs dou her? D. met de geschore Plat, wat frogs d. mej dat? Zwiegespräch zwischen Bach u. Weide Klevld. — 2. wē:tχən. a. Bachbunge Dür-Drove. — b. W.spölen ein Klickersp.; die Kl. gegen eine Mauer werfen, dass sie zurückschnellen Aach-Kellersbg.

Weid- in Zs. zu Weide u. weiden: Weid-bauer -būər Klevld m.: B., der sein Vieh auf die Weide treibt, der hauptsächl. Weideland besitzt. Weid-bruder -ō-d- Sieg-Eudenb. m.: verächtl. Mensch mit gutem Appetit. Weid-butter Aach, Klevld f.: B., die während der Weidezeit erzeugt wird, bes. gut. Weid-draht (s. S.) Allg. m.: Dr. um die Weide (heute als Elektrozaun). PfWB  ElsWB Weid-gang vereinz. Saarbg-Weilen, MüEif; in Urkunden sehr häufig m.: die Zeit der; Viehweide. PfWB Weid-gras Neuw-Heddesd n.: das nach dem Grummet noch wachsende Gras, das vom Vieh abgeweidet wird. Weid-kalb (s. S.) Klevld, Sieg-Fussh n.: K., das schon auf die Weide getrieben wird. Weid-kante -nt Klevld m.: Wiesenrand. Weid-käse (s. S.) Klevld m.: K., aus der Milch des Weideviehs gewonnen. Weid-kaule -kul ebd. f.: Tümpel in der Wiese. Weid-klee -ī: Kobl-Metternich m.: Sauerklee, Oxalis acetosella. Weid-kuh (s. S.) Berg f.: K., auf die Weide getrieben, im Gegens. zur Stallkuh. Weid-kümmel Dinsl-Eppinghv m.: Wiesenkümmel, Carum carvi. Weid-land Klevld n.: Wiesenland. Weid-misthup -mēshūəp Geld-Walbeck m.: Komposthaufen. Weid-pfahl -p:l (s. S.) Allg.: Pf. für den Weidezaun. RA.: A.: Wat dehste do? B. scherzh.: Musköttele (Mäusekot) spetze für W.pöhl Waldbr-Bladersb. Enem met dem W. wenken mit dem Zaunpfahl Gummb. Weid-pforte wē:pərt Heinsb-Bocket Harzelt f.: kleines Scheunentörchen. Weid-recht Simm-Schlierschd, Saarbg-Wellen n.: Erlaubnis, das Vieh weiden zu lassen. Weid-rind (s. S.) Kreuzn-Boos, Prüm-Stadtkyll, Kemp-UWeiden n.: R., das schon auf die Weide getrieben wird. Weid-sack uWupp 1870 m.: erster Magen der Kuh. Weid-stibel -iv- Aden-Antw m.: W.pferch für die Schafe. PfWB Weid-strich m.: übertr. 1. freies Revier Daun-Strohn. — 2. gute Kost Merz-Mettlach.  PfWB Weid-vieh (s. S.) Allg. n.: V. auf der Weide, im Gegens. zum Stallvieh. Weid-wiese (s. S.) Prüm-Leidenborn f.: W., als Weide gut geeignet.