Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
walken bis wall (Bd. 9, Sp. 218 bis 220)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB walken das Zeitw., in der Spr. der Tuchwirker allg., hat sich in übertr. Bedeutung auch in der Umgangssprache zieml. verbr., u. zwar waləkə [Rhfrk, Mosfrk -l(ə)gə(n); –ālək- Prüm-Mürlenb 1860, Dür-Ellen, Mörs-Neuk] schw.: 1. trans a. technisch. α. Tuch w. in der Walkmüll, eine der Abschlußarbeiten bei der Tuchbereitung zur Verfilzung des Gewebes

[Bd. 9, Sp. 219]
Allg.; gewalkde Derde (Tirtei) Hunsr. — β. das Leder w., weich klopfen, formen für den Fussrücken Neuw-Asb, Sieg-Fussh, Gummb-Schwarzenbergisch, Heinsb-Oberbr, Mörs-Neuk. — γ. Ton w., ein auf der Walkbank abgeteiltes Stück Ton mit den Händen w., d. h. mit den Fingerspitzen Rillen hineinziehen zur Auffindung etwaiger Fremdkörper bis zur vollständigen Reinheit SNfrk. — δ. Schneidewaren walken, ihnen beim Schleifen eine geringe Rundung zur Schneide hin geben, im Gegens. zum derben Schliff; gewöhnl. ist eine Seite der Klinge stärker gewalkt als die andere; beim Rasiermesser wird auch der Wall gewalkt Sol, Remschd. — b. übertr. α. einen w., gehörig prügeln; dau kanst noch geherig gewalkt were, wann de dei frech Maul nit hilst Rhfrk, Allg. (nicht Klevld); der krig se gewalk; de hät den Puckel g. kregen Rip, Allg. (s. o.); de walk se enem öm de Uhre Dür-Ellen. — β. sich w., sich balgen Klev. — γ. sech erömw. im Bette herumwälzen (vgl. die Gruppe walgen) Aach-Merkst. — 2. intrans. a. aufwallen, vom Rauch, Dampf in mächtigen Wolken; der Damp walkt Prüm-Ihren Mützenich; et rent (regnet), dat et walkt op der Erden Gummb-Berghsn, — dat et sech su walk Sieg-Rhönd. — b. herauswürgen, von zusammenhängendem, oft lang gezogenem Auswurf od. Mageninhalt Prüm-Ihren Mützenich; dat (geschnittene) Gras walk sech örndlech vür de Sens bildet einen dichten Wall Sieg-Rhönd. — c. doherw. breit dahergehen Ahrw-Löhnd. — Abl.: die Walkerei, dat Gewalk(s).

ab- walken: einen a., verprügeln Eusk-Lechenich.aus -walken: einen a., dass. Neuw-Datzeroth.bei -walken: die Schneide des Beiles b., schleifen Sol, Remschd. PfWB  ElsWB durch -walken: einen d., verprügeln Allg. (nicht Klevld). PfWB ver -walken: einen v., dass. ebd.

Walk -lək, Pl. -kə(n) Prüm-Ihren Mützenich, Rheinb-Meckenh, Bo-Volmershv, Geilk m.: zusammenhängende, geballte, gerollte rundl. od. walzenförmige Masse, etwa Rauch, Dampf, Nebel, Mist, Gras, Heu, Haar, grosse zusammenhängende Erdmasse, Scholle.

Walk-bank SNfrk f.: B., auf der in der Töpferei der Ton, stückweise abgeschnitten, näher untersucht wird (s. walken 1 aγ). Walk-block Grevbr-Wickr, Mörs-Neuk m.: Bl., auf dem das Leder für den Fussrücken geformt wird. Walk-brett n.: 1. Br., auf dem das Leder aufgezogen u. geformt wird (s. W.holz) Kreuzn, Sieg-Fussh. — 2. Br. zum Glätten des Tones, in der Töpferei Rees-Schermbeck. Walk-dach Bo-Pech n.: Walmdach (s. d.). Walk-fass -fāt Grevbr-Wickr n.: F., zum Einfetten der Häute, in der Gerberei. Walk-haus waləkəs Rip (o. O.) [urkdl. boven den Walkheise Neuw-Isenbg 1373] n.: Raum, in dem das Tuch gewalkt wurde. Walk-holz (s. S.) Saarbr, Simm, May, Sieg, OBerg, SNfrk, Mörs, Klev n.: Buchenholz, um das der Schuhmacher ein Stück Leder breitet, dieses mit einer Schraube an beiden Enden festschraubt u. es durch Klopfen mit dem Hammer biegsam, rund macht. Walk-jacke Gummb-Ründeroth f.: gestrickte Mannsjacke. PfWB Walk-mühle (s. S.) [walgəmēl Siegld] veralt. [urkdl. häufig: by der alden walkenmole

[Bd. 9, Sp. 220]
Siegld XV; van der nuwer walkmoelen Neuss 1501] f.: wie nhd. RA.: Wemmer de W. em Mull hät on de Musigande of der Brost on de Auge en der Däsche (wenn man alt u. verschlissen ist), da notzt et net meh Siegld. Walk-schraube (s. S.) OBerg f.: Schr. am W.holz (s. d.).

Walke walək, Pl. -kə f.: 1. Walkraum der Tuchfabrik Aach-Stdt. — 2. grosses Fass, zum Einfetten der Häute in der Gerberei Jül-Inden.

Walken-vater -ləkəvā:r Jül-Tetz m.: Schimpfw. (s. unter Balken-).

Walker m.: 1. -a- Aufzieh-, Glättholz des Schuhmachers Sieg-Fussh. — 2. -ę- der herausschraubbare Griff am Ortspahn, auch Krücke genannt; beim Walken der Klingen zieht man den Walker auf sich zu u. erhält dadurch die Rundung an der Schneide Sol.

Walkes I s. o. Walk-haus.

Walkes II walkəs, Pl. -əsə m.: 1. verächtl. Kerl; dommer, fuler, aler W. Siegld. — 2. dicker, eiserner Wurfklicker May-Köllig.

Walkes III -kəs kurköln. Neuw, Sieg Pl. t.: Prügel; du kriss W.!

walkig Prüm-Mützenich Adj.: dickschollig, vom Ackerboden.

walksen -aləks- Aach-Merkst schw.: einen w., gehörig prügeln. — Abl.: die Walkerei, dat Gewalks.

wall, wäll s. wohl;