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Rheinisches Wörterbuch 
 
Wage bis Wag-geld (Bd. 9, Sp. 183 bis 186)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Wage das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk bis zur uSaar, über den Hochw, bei Zell ungefähr an die Mos reichend u. dann der Bopparder Linie entlang w, w:; dann noch um Waldbr, Gummb-Homburgisch, Altk-NFischb, Sieg w:; Siegld wγ, Pl. -ə(n); n. dieser Geb. w:x, –ō:-, –·ə.-, Klevld -- [im SNfrk auch oft w·ə.r; Erk-Örath w·r.], Pl. -γə(n); Demin. wəlχə, w:jəlχə(n) (usf.), -ələn; Klevld wχskən f.: 1.a. wie nhd. Waage; mit der Schal (Scholl), der Zong u. den Gewichtern, Gewichtstēn; Arten s. bei Balanz-, Basküll-, Dezimal-, Baum-, Krämer-, Küchen-, Gold-, Knipp-, Püngels-, Botter-, Brut-, Vieh-, Wasser-; de W. wist (zeigt) lo Pongk; die W. es (net) op Bedrog engericht; der Sack treckt (zieht) de W. ist sehr schwer; jet op de W. dohn (lege); sech op de W. setze; et Ferke met der W. woge Rip, Allg. RA.: De W. hot uf en Horkeid (Haar) scharf gezo (gezogen) haarscharf gewogen Simm. De W. mutt im Gliken sen der Balken waagerecht u. dat Töngelchen lotrecht Gummb. Wo kä Gewicht es, es a kä W. wo kein Kläger, da auch kein Richter Saarbr-Sulzb. Du motts net jeddes Wort op de W. legge es nicht so genau nehmen Kref, Allg. — b. en der W. im Gleichgewicht; der Balke es noch net en der W.; et Gestell en der W. krige Rip, Berg. — c. ein W. Erdäppel = 4 Pfd. Köln-Stdt. — 2. Waageartiges. a. das Sternbild der Waage; de W., de gelt; setzt man Kartoffeln im Zeichen der W., gibt es reichen Ertrag Verbr. — b. Teil des zweispännigen Gefährtes, in der Vereinigung von Backen u. Deichsel, durch den Hammer befestigt, an Ackergeräten, an das die Silscheiter für die Zugstränge befestigt werden; de Ackerw. am Pflug, der Egge, Walze; Wansw. am Wagen; de Sträng sein an de Sile, de S. an de W. durch de Schlang befestigt Rhfrk, Mosfrk, Siegld, Rip, Berg, Dinsl-Hiesf, Erk-Borschemich, Grevbr-Glehn. — c. lange Stange als Hebel mit einer Kette zum

[Bd. 9, Sp. 184]
Bremsen des beladenen Wagens Trier-Kenn, Bitb-Betting. — d. Hebebaum, mit dem man den Mühlstein von einer Seite zur anderen dreht Kreuzn-Monzing, Sieg-ODollend, Rees-Elten.

 NRhWB An- wage : 1. guter Punkt zum Ansetzen des Hebels Simm-Laufersw, Neuw-Datzeroth. — 2.a. Waage 2 c Meis-Meddersh. — b. Waage 2 b Trier Mettnich. — 3. der starke, etwa 4 m lange Druckbalken über der Kelter, eingelassen in die Kelterwand, am anderen Ende ein Fäss'chen mit Wasser als Gewicht; er drückt auf den darunterliegenden kurzen Balken u. so auf den Deckel der Kelter, unter dem die mit Hefeschlamm gefüllten Bandelsäckchen, zwei nebeneinander auf dem Boden, dann zwei rechtwinklig zu den ersten, liegen; durch den Druck entweicht der im Hefeschlamm befindliche Bandelwein uNahe.

 PfWB Wage-balken w-, w:γə- Allg. m.: eiserne Stange mit Aufhängevorrichtung an der Balkenwaage; an den kürzeren Hebelarm wird die Last gehängt; W.balkenschmied Hersteller der Balkenwaage (veralt.) NBerg [urkdl. waigbalck Mörs-Rheinbg 1554]. RA.: der Aprilsnarr soll de glasere W. holle Dür. Wage-bolzen w:γəbolts Grevbr-Glehn m.: eiserner, hammerähnl. B. zum Befestigen der Wage 2 b an die Deichsel. Wage-gang w:janŋk Prüm-Mürlenb 1860 m.: ein ca. 4 Fuss schmales Brett, worauf ein zweites kurzes Br. in horizontaler Stellung, auf beiden Seiten des leichteren Erkennens halber schwarz u. weiss angestrichen, befestigt ist; Instrument zum Nivellieren. PfWB Wage-hammer w- Nahe, Saarl, Merz, Bernk-Monzel, Zell-Sohren m.: -bolzen. Wage-kelter w:x- Ahr, Siebengeb. f.: älteste Kelterart, dabei liefert ein langer, schwerer Eichenstamm, mit Steinen beschwert, den Druck. Wage-klöbchen w:xklfχə Sieg n.: Vorrichtung an der einschaligen Waage, in der sich die Zunge bewegt. PfWB Wage-nagel (s. S.) w-, w:γ(ə)- Rhfrk, Mosfrk, Gummb-Berghsn, Mettm-Hochdahl, Dür-Nörvenich m.: -bolzen, –hammer. Wage-piddel w:γən- Wippf-Lindlar m.: dass. Wage-pinn wγənpen Wippf-Thier m.: dass. wage-recht -γə- Adj.: nach dem Nhd. RA.: Eich kann of zihn Meder en e w. gehal Flasch scheissen wer starken Durchfall hat Trier-Stdt. PfWB Wage-schale w-, w:x- (s. S.) Allg. f.: wie nhd. RA.: Dat kammer och net op de W. lege wie nhd. Allg. PfWB Wage-scheid w:xēt Sieg-Leuschd n.: Waage 2 b. Wage-schwengel w:γən- Wippf-Thier, Lennep-Hückeswg Mesenholl Neuenhs m.: dass. Wage-schreiber w:xrīvər Mörs-Neuk m.: Rechnungsführer der Gemeinschaftsmühlen, der den Multer (s. d.) verkauft u. am Ende des Jahres den Ertrag an die Genossenschaftsmitglieder verteilt. Wage-stift w- Simm-Heyw m.: -bolzen. Wage-stösse w:γətī:s Trier-Mehring Pl.: die kleinen Ketten, die von der Wage 2 b an die Presse der Achse gehen.

wagen lautend wie Wage, also wə, wǫ:ən, –:γ-, –ǫ:-, –·ə. [in Aach neben -·ə.γ- auch -·.ə], in der Bed. 1 beschränkt verbr., Bed. 2 allg. schw.: 1. zu Wage 1. a. intrans. an Gewicht schwer sein Saarbg-Weiten, Bitb, Prüm, Zell-Briedel Rip, Eup, Heinsb, Kref; sonst schwer sein; he wog noch ken hongdert

[Bd. 9, Sp. 185]
Pongk mih; ene Schnider wog net esu vill wie ene Gēssebock (usf.) Rip, Allg. — b. trans. etwas w., wägen Prüm, Daun, NNeuw, Altk, Rip, Eup, SNfrk (nicht Kemp); aber Klevld wγə, Prät. węγdə, Part. γəwxt od. γəwγə; OBerg wījə, Prät. dazu auch wxtə, Part. jəwījən, auch jəwγə, -wxt (MülhRuhr -ē-, he wī:x); sonst wiegen; Erdäppel (udgl.) w.; got, schlech, völlig, knapp, schärp w. Rip, Allg.; jet en et Klüəfche w. genau Dür-Winden; he kann got w. zu seinem Vorteil MGladb, Allg.; wogt jet gott, et es för ene Kranke Aach-Stdt; woəg dech net e jen Höll! nicht zu knapp Heinsb, Sieg. RA.: Einem armen Freier sagt man: do bes de ze lech, do wird mer gewog Sieg-ODollend. Ech w. dech äs! hebe dich (das Kind) am Kopf in die Höhe Daun-Boxbg. Gewog on gemesse es düvelsgäng fresse (sehr schnell) Sieg, — es flott verzehrt un fl. vergessen Neuw-Harschb. Märzstepp (-staub) get gent (gegen) Gold gewogt Prüm, Malm, Saarbg-Weiten. De wog alles met der Goldwog nimmt alles sehr genau MüEif. — Salz w. ein Kindersp. Altk-Helmenzen. — Sich w., sich schaukeln Prüm 1856. — 2. etwas w., kühn unternehmen, aufs Spiel setzen (mhd.  Lexer wâge nicht nur »Waage«, sondern auch »ungewisser Ausgang«, in die wâge setzen); eich rore der gut, duh nit zu viel w., die Sach kann ach schief gehn Rhfrk, Allg.; Lif on Levve w.; jet dran w.; wog et es (einmal); dat hät he sech net gewog Rip, Allg.; er wot sich zu viel traut sich zu viel zu Rhfrk, Allg.; he wog sich ze ärg, — sich net hat kaum Mut; mer wog sech net mih op de Stross Rip, Allg.; gej wellt min wäll dran w. du willst das wohl auf mein Risiko tun Emmerich; sej hät et derbej gewogt ist in der Nacht gestorben ebd. RA.: Et W. es en gau Schul, mär et Liehrgeld es dür (teuer) Aach-Stdt. Heə woəgt alles wie en Fleg (Fliege) op ene Pott ebd. He wogt et wie den Bur de Ente; versuppe se, dann v. se Geld, Mörs, NBerg. E versaift Kätzche es got dra w. Siegld. Ek häbb dor e Ögsken an gewogt mal eben hingeschaut Klevld. En wogende Kroh (Krähe) fängt miəh äs en schlopende Sol. We nit wog, de net wennt, we nit haspelt, de nit spennt Rip, Nfrk; wer neist wot, de neist gewinnt Rhfrk, Mosfrk, — den neist sieht, de n. find Bitb, Prüm; wi wogt, den wennt; wi pupt (furzt), den stenkt Emmerich. Fresch gewogt es half gewonnen Rip, Nfrk. — Dat as gewogt waghalsig, kühn, en g. Sach (Steck, Spill) Bitb, Allg.; e g.ər Mann kühner M. Trier-Welschbillig; e gewoter Minsch (Mond) ganz unberechenbarer Mensch (Monat) Trier-Zemmer. — Abl.: die Wogerei, dat Gewog(s).

ab- wagen: etwas a., abwiegen Verbr. wie wagen 1 b.aus -wagen: etwas a., dass. ebd.ein -wagen: beim gewichtsmässigen Verteilen einer im ganzen gewogenen Menge durch ungenaues Abwiegen Schaden haben ebd.ver -wagen: fərwə verwegen, waghalsig; dem verwoəne Kerl gehn ich immer aus dem We (Weg); wie sieht de so v. aus! Rhfrk, Saarl; e verwoter Mensch Raufbold Ottw-Neunk; hean hat e verwogene Kapp (Kopf) Bitb-Rittersd.vor -wagen: sich v.; er hat sich zu weit vorgewot un wär nächst unnergang, wenn de anner en nit noch am Rock verwischt hätt; sich in eine

[Bd. 9, Sp. 186]
gefährl. Sache (Spekulation) zu weit einlassen; duh dich nit ze weit v., vor so Sache reicht dei Gerschtche (Gerstchen, Kapital) nit aus Rhfrk, Allg.

Wag w:x Sg. t. m.: 1. gewagtes Unternehmen, Risiko Prüm-Mürlenb 1860; wa·i.χ f.; en de W. schlinn ein gewisses Wagen beim Handeln; e hat ze viel en die W. geschlo zu viel gewagt; et es en die W. gange misslungen Kobl-Stdt 1875; op welle Woəg tollkühn Kemp-Dülken. — 2.a. Neigung, Wendung nach irgendeiner Seite Altk-Hellert. — b. Augenblick; im W.; wart noch ene W.! Malm-Grüffl; domet hät et guət W. (n.) das verlangt seine Zeit, geht nicht so schnell Mettm-Haan. — c. in der Wend.: Etwas em W. hon od. en de W. kreien etwas bemeistern Prüm-Mürlenb 1860.

 PfWB Wag-geld Verbr. wie wagen 1 b u. Berg n.: G., das man bezahlen muss für die Benutzung einer öffentl. Waage.