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Rheinisches Wörterbuch 
 
Wacht bis Wack II (Bd. 9, Sp. 169 bis 172)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Wacht gegenüber dem rip., snfrk. Wach (wāx, wāk, wobei snfrk. wax zu Wacht gehören kann) hat Mosfrk waxt [WBitb wxt, wĭχt]; Siegld waxt; NBerg -a-; LRip in Eusk, Bo, Köln, wāx Pl. -χtə; Aach-Merkst, Heinsb-Breberen wāt; Karken wxt, meist Sg. t. f.: 1. wie nhd.; de W. halen am Krankenbett wachen, auch achtgeben, dass nichts unerwartet geschieht, keiner mich überrumpelt; op der W. sein aufpassen, sich vorsehen, dass nichts Schlimmes eintritt; W. stohn Wache stehen. RA.: Ömmes de Wacht asagen jmd. warnen unter Androhung von Strafe NBerg, — de Wat Aach-Merkst, Heinsb-Breberen. — De W. (-a-, –ā-) am Rheng nach dem Nationallied; hal ding Schnüss un seng de W.a.Rh. Rip, Allg.; du kannscht mir de W. a. Rh. blosen! abschl. Antwort Saarl-Niedaltorf; enem de W. a. Rh. ansage ihn drohend warnen Eusk-Lechenich, Erk-Baal. — 2. Polizeiwachstube, –gefängnis; du kemmst en de W. Neuw, Rees-Ringenbg.

Bei- wacht: of Beiwacht gohn auf Wache gehen nachts

[Bd. 9, Sp. 170]
in den Stall eines Nachbarn, in dem ein krankes Tier behütet werden muss; die älteren Burschen u. jüngeren Männer teilen sich in Wachen ein; jede Partie, 2—3 Mann, wacht eine Nacht mit dem Besitzer; geschieht ein Unglück draussen u. ist es nicht möglich, das kranke Tier am selben Tage zurückzuschaffen, dann bleibt die B. die Nacht mit draussen; dabei wird ein Beiwachtfeier angezündet u. unterhalten; ebenso geht man zur B., wenn ein Kranker im Hause liegt u. dessen Wartung die Kräfte der Familienangehörigen übersteigt WEif.

Wacht-feuer waxtəfȳər Monsch-Witzerath (veralt.) n.: Feuer am ersten Fastensonntag, von der Jugend auf einer Höhe angezündet. Wacht-haus wāxhūs Köln-Stdt; wātəs MGladb n.: 1. wie nhd. — 2. -hȳ:sχə übertr. scherzh. ein aussergewöhnl. dickes Gesäss Köln-Stdt. Wacht-hund (s. S.) Allg. (auch, wo das Simpl. fehlt) m.: wie nhd. Wacht-kammer (zu wachten »warten«) -ām- Emmerich f.: Wartesaal. Wacht-mannschaft Allg. f.: nach dem Nhd. Wacht-meister Allg. m.: 1.a. wie nhd., die milit. Rangstufe. — b. Anrede der Polizisten in den Städten. — 2. übertr. a. strenge, das Kommando führende Ehefrau Verbr. — b. scherzh. menschl. Kothaufen im Wege Bo-Stdt, Erk-Beeck, Duisb. Wacht-parade Allg. f.: nach dem Nhd. RA.: De käm mer dann doch zer W.! dass ich ihm gehörig die Meinung sagen könnte Kobl-Bendrf. Wacht-posten Allg. m.: nach dem Nhd. Wacht-spiss -e- Trier-OEmmel m.: Spiess des Nachtwächters; die Nachtwache ist genossenschaftl. geregelt; jeden Abend werden von den Vorgängern die zwei N.ə in zwei Häuser getragen, aus denen je einer die Nachtwache zu übernehmen hat; auch während des Hochamtes sonntags gehen die zwei Männer mit ihren Spiessen durch das Dorf. PfWB  ElsWB Wacht-stube (s. S.) Allg. f.: nach dem Nhd.

wachten das Hauptgeb. des Wortes mit selbständiger Bedeutungsentwicklung ist das Klevld u. der WRand des SNfrk (s. Bed. 2); dazu steht es neben wachen im LRip u. in WBitb (s. 1) schw.: 1. wxtən, –ĭχd- WBitb; -āxt- LRip; bei enem w.; övver enen w. wie nhd. (s. wachen [-āk- SNfrk]). — 2. n. Selfk, NWErk, Kemp-Boish Breyell Dülken Grefr Hüls, Kref-Stdt u. n. Mettm-Velbert einschl. Ruhr, u. zwar waxtə WSelfk; -- OSelfk, NWErk; -ǫut- Kemp (s. o.); -āxt- Kref-Stdt, Kemp-Hüls; Klevld -axt-, in SMörs, SGeld -ā- [Dinsl auch waxən]. a. sich vor einem w., auf der Wacht sein, sich vor ihm hüten; dat is enne richtige Filu, vör dem kanns de dich w.; wacht ow vör den, die van Gott geteikent sin.b. warten, stehen u. sehen, ob jemand kommt; säumen [warten fehlt in diesem Geb. u. unser Wort steht in gleicher Anwendung wie jenes; vgl. engl. to wait u. ndl. wachten]; do kas de noch lang w.; nu wach noch en Amelangk; a, wach (mar)! Warnungsruf; wacht, ek sall ow helpen; gej hat doch w. gelehrt; op wat (ēne) w.; w., bis ... Allg. RA.: Hej wacht as en Luchs Emmerich. En Bōssem (Boish, Kemp) modde se w.! Neckspr. Wenn et noch lang durt, da w. we noch en bitschen MülhRuhr, Allg. Jo, wenn he noch so lang wachtet, kann he noch Pobst

[Bd. 9, Sp. 171]
in Rom weren! von einem, der Luftschlösser baut Ess. Weə Geəves wocht, deə es kollek (übel) dran Heinsb. Wej w. all (schon) met de linke Hand wir haben schon angefangen mit Essen, Arbeiten, Spielen udgl., ohne auf dich länger zu warten Klevld. Ek well w., bes örgens en Hahn van der Fäckel fällt mit dem Heiraten, bis ich einen heiraten kann Dinsl-Gahlen. Hej wacht op Hop (Hoffnung) vergebl. Klev-Kalkar. Dor es gut op w., marr schlecht op faste das dauert noch lange Klevld, Allg. He üs su krank äs en Huhn un sitt achterm Owen un wach op de Sunn MülhRuhr. — Abl.: die Wachterei, dat Gewach(t).

ge- wachten: etwas g., erwarten; die Moder konn all wäll Hölp g. Rees. ver -wachten: dass. Klevld, Kemp (abseits Aach-Stdt). RA.: We Vieh hät, h. Knöək te v., — dor es ömmer et Fell te v. hat zu erwarten, dass eine Seuche ihm manches Tier raubt Klevld, Kemp. Wej kaze (Ball schlagen) well, mott den Ball v. Klevld. — Onverwach(t)s, selten -xt, unerwartet, plötzlich Allg. RA.: De Dod kömmt o., net as de Dief in de Nacht Klev.

 PfWB  ElsWB Wächter -ę-, –- Sg. u. Pl. (u. -ərə) m.: 1. wie nhd., bes. der Nachtwächter, meist Nachtsw. genannt; bis Ende des vorigen Jahrhunderts wachte der N. nachts von 10—2, auch bis 3 Uhr; im Siegld war ihm der Biwächter od. Stellw. beigegeben, den die einzelnen Häuser umschichtig zu stellen hatten; der ging, die vollen Stunden ausrufend, durchs Dorf, der B. od. St. machte die Halbstundenrunde. RA.: Freche Hong (Hunde) sind gode W. Wippf-Berrenbg. Wann de W. schlofe, dann wachten de Def (Diebe) Köln-Stdt. De Foss (Fuchs) as W. öwer de Tütten (Hühner) setten den Bock zum Gärtner machen Rees; de Spetzbof zum W. mache Köln-Stdt. — Wächterches ein Ballspiel Saarbr. — 2. übertr. scherzh. menschl. Kothaufen im Wege Saarl-Berus, Kreuzn-Wallhsn, Zell, Koch, May, Aden, Schleid, Rheinb, Dür, Jül, Neuw, Altk, Siegld verbr.

Bei- wächter: s. o.

Wachtel I -ā- = Wacholder (s. d.).
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Wachtel II abgesehen vom nfrk. Geb. mit Quartel, –tt- ist das Wort in nhd. Lautung allg., u. zwar Rhfrk, Mosfrk waxdəl [Saarbg-Wellen wūədəl; Trier-Kenn waxdəl, –χd- u. kwχd-]; sonst -axt-, –āxt-, ohne Einlautung zu -āt-, –ęit-, ein Zeichen, dass das Wort Lehnwort aus dem Nhd. ist; Böckderöck (nach dem Ruf) ist Rip, Nfrk in der Volksspr. beliebter; Pl. -ələ, -əln f.: 1. wie nhd.; man deutet ihren Ruf: böck de Röck (bücke den Rücken, den Landmann mahnend, das emporschiessende Unkraut zu jäten, u. bei der Ernte zu den Schnittern u. Binderinnen hin) Mosfrk, Rip, Nfrk, — der Röck jet döck (oft) on flöck (flink)! MGladb; — de Rick em Korenstick Trier-Comml, — R., du fauler Strick Rhfrk, — R., eich diht sou gere flöcken, eich hun äwer ken Zwir (Zwirn) Trier-Schleidw, — de R., gef dem Knech Krock (Kraut) on Speck; gef de Mad Weck, W., W.! Dür-Girbelsr; — de R., scharp af! Andernach; de R., du fauler Strick, pick de R., Speck wie Dreck, Geld wie Dr. op de Pott Wuppert-Kronenbg; Sp. wie Dreck, Sp. wie Dr.!

[Bd. 9, Sp. 172]
Mettm, Düss-Rating; Sp. wider weg! Mettm-Deilb, Wuppert-Dönbg; fleck de Bocks (Hose), fl. de B.! Erk-Doveren; rik (reich) ben ik, r. ben ik! SNfrk, Mörs; räck bedäck Kemp-Dülken; Pott bedeck! Kref; beck de Reck, lo kimmt e Man. B. de R., wat hot en dann? B. de R., en Sack voll Geld. B. de R., wu hot en dat kriet? B. de R., en hot et gestuahl. B. de R., de guden Man. B. de R., göt opgehang! Trier-Schleidw. Sie singt, wenn das Mädchen geputzt zum Felde geht: Schön Jungfrau! Die Schwalbe, die es hört: Wenn duə se siəhchs (sähest), wie ich se sehn, dann send se we Düvel! Bergh-Blatzh. — RA.: Monter wie en W. Ahrw-Sinzig. So flöck (schnell) we en labendig W. Monsch. So krell wie e W. Saarbr-Sulzb. Die schlaht dobbelt wie e W. ebd. — Volksgl. Wann de W.ər fleissig schlohn, sangen (singen) se von Rendag (Regentagen) Prüm-Ringhuschd, Kemp-Boish. So däck (oft) de W. reift (ruft), so vill Dalern kost de Viertsel Kuar (Roggen) Saarbg-Zerf, Verbr. — 2. übertr. a. persönl. α. Rufn. αα. für eine Kuh Koch, Aden, Schleid, Malm, Monsch. — ββ. für den Wachtelhund Kreuzn-Seesh, Trier-Kasel, Koch-Müden, Altk-Neitersen. — β. munteres, flinkes, wenig schlafbedürftiges Kind Rhfrk. — γ. dicke W. verächtl. dickes Weib. — b. sachl. α. scherzh. Pellkartoffeln Kobl-Vallendar. — β. Fischreuse Prüm-Burb, Schleid-Ahrhütte.

Wachtel-hund (s. S.) Verbr. Ahrw, Neuw, Kemp m.: die Hunderasse. Wachtel-könig (s. S.) Kreuzn-Rümmelsh, Wippf-Stdt m.: Wiesenknarrer. Wachtel-loch wādəlox Saarl-Differten (s. Wachtel 2bβ) n.: Fischreuse.

Wächten -ę- = Weichen beim Vieh (s. d.).
 
 
wack -a- Schallw.: Heimruf des Hirten; kommo, k., w., w. Wittl-Gipperath. — Im Kniereiterlied: Ra, r., Räss'che (Röstchen), Perdche drenkt am Fläschche; marge welle mer Hawer dresche, kreit et P. Foder ze fresse; wackedutzdich! Neuw-Datzeroth. — Im Hetzruf an einen Hund: Alle waks kess, kess! MGladb-Rheind; alle wack kiss, kiss! Heinsb-Myhl.

Wack I -a- = schwerer Stein s. Wacken.
 
 
Wack II nur vereinz. neben wętjən wak in Dinsl; ob eine Abl. zu ndl. wak, mndl. wack »feucht, nass«? Sg. t. n.: Molken.