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Rheinisches Wörterbuch 
 
Sünde bis Sunnog (Bd. 8, Sp. 997 bis 998)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Sünde sin, ze·n., –ø·n.t, zø·ŋ.. Pl. wie Sg. Rhfrk, Mosfrk; sonst wie Sg. u. -n.də(n), –·ŋ.də, –·ŋ.ə [OBerg zyndə, -ø-, Pl. -dən; Eup zø·y.nt, Pl. -də; MülhRuhr zø·y.n Sg. u. Pl.; Ess zynə Sg. u. Pl.], meist ohne Artikel f.: 1. wie nhd., in relig. Sinne; ös dat S.? Kemp. Allg.; en lēch, en schwer S.; en Duts.; S. dohn sündigen (das Verb fehlt) Rip, Allg. Karde spelle es S. gedoh Siegld, Allg. Scherzh. Beichte: Herr Pastor, ich knie vor dir, all Sinn breng ich dir; hon en der Wuch sechs Teller verbroch, hon meiner Modder am Essig geroch; Herr P., es dat genug? Bernk-Fronhf. Geht man beichten, fallen de Senn vam Mensch ewie de Bunge (Bohnen) van de Gēssen Prüm-Leidenborn. RA.: Schlech wie de S. Selfk; schwarz wie de S. Eusk. Dumm wie de S. Ottw. Dat es mer leid wie ming Sönn Rip, SNfrk. Mer es eso schwach dergege wie gegen de S. Düss-Stdt. Wat kein S. üs, üs auk kein Schann (Schande) MülhRuhr. Widdervergelt es ken S. Mülh-Rh. S. on Schann dreift mannichen aus dem Lann Mos (o. O.). Laupen gonn es S. gedohn Sol. Et es ein S. vergewen das geht in einem durch Sol. Do sein em all Senn läd gewor, — engefalle Kobl, Allg. Got verzeih mich de S.! sagt man, wenn man im Laufe des Gesprächs unbedacht eine unehrerbietige Äusserung in bezug auf religiöse Gegenstände macht Aach. Wat ut de Mule kömmt (beim Sprechen), üs völl mehr S., as wat inne M. heringeiht Ess, Verbr. Et as wohr: dausend Milliarde Sinn, Feier, Flamm, ich well richt erowen (herab) an de Hell fohren (dabei macht man ein Kreuzzeichen über die Stirn)! Beteuerung Bitb-Malbg. — Zum Kinde, das weisse Flecken auf den Fingernägeln hat: su vell S.ə häste gedohn, — op dem Hetze (Herz)! Rip, Allg. Grēne Senn wachsen aus! sagt zur Entschuldigung der Korbflicker u. Schäfer, wenn er Weiden wegnimmt (die Schafe an sie herangehen) May-Kollig. — 2. etwas Unrechtmässiges od. Ungehöriges, was gegen Sitte und Herkommen verstösst, bes. in den Verb.: Et is doch S. u. Schann (en S. un en Sch.), dat so ebbes zugeloss werd (udgl.); et is S. un Sch. vor die schene Bäm Rhfrk, Allg. S. on Jommer! Ausr. der Klage Klev.

 PfWB  LothWB Sündenbock- -ndə(n)- [zø·n.ə- Trier-Stdt] Verbr. m.: wie nhd. Allēn wie ne usgestosse S. Köln-Flittard. Eins, zwei, drei, hicke, hacke, hei, hicke, hacke, hock, dau best e Sündebock! Abzählr. Wittl-Kinderbeuren. Sündenbock-flecken søn- Siegld; sonst -·n.də- Rip, Mörs m.: scherzh. weisse Flecken auf den Fingernägeln. Sündenbock-krüppel sendəgrebəl Saarbr-Sulzb

[Bd. 8, Sp. 998]
m.: -bock. PfWB Sündenbock-register -·n.də- nach dem Nhd. bekannt n.: wie nhd.; de hät e gruss S. PfWB Sündenbock-schuld sinə- Rhfrk f.: nach dem Nhd. sündenbock-teuer sendədęiər  Birkf-Herrst, Saarbr-Völkl Adj.: sehr, unverschämt.

 PfWB  ElsWB Sünder stets -ndər nach dem Nhd. Sg. u. Pl.: 1. im kirchl. Sinn, in RA.: Er hofft wie en ormer S. Merz-Wahlen, — kemmt doher wie en o. S. Bitb-NWeis; eich setzen allēn hei wie en o. S. Prüm; do steht mer wie en arme S. wird nicht beachtet Sieg; do hängste bie en ärme S. Aden-Wanderath. — 2.a. verächtl., scherzh. ene ale (groə) S. alter Kerl, der noch gern Streiche verübt, bes. sich noch hinter die Weiber macht Allg. — b. ene ärme S. armer Schlucker SNfrk. — c. übertr. arme S. Schinkenknochen Sol-Witzhelden.

 PfWB sündig -ø·n.d- Kemp, Emmerich Adv.: traurig; wat kick de s.; of et wer net stemmt?

 PfWB  LothWB sündigen ist in mdl. Form siniχə Rhfrk; sonst ist das Verb nicht mdl., dafür Sönd dohn; sehr wenig hört man sonst ze·n.-dijə, –ø (also nur leicht eingelautet) [zø·ŋ.dĭjə Monsch-Witzerath; zø·ŋ.ijə Wermelsk] schw.: nach dem Nhd., auch sich ver-. RA.: Met dem Glied, wo de sennischt, werscht dau a (auch) bestroft Saarbr-Sulzb.

sunder = sonder (s. d.).
 
 
Sundern m.: urkundl. silva que vulgo Sundere dicitur; ein aus der Waldgemeinde ausgesondertes Waldstück, an der Ruhr; im Sungern Wiesengrund (o. O.); meist nur noch in FlN.

Sündert zø·ŋ.ərt, Pl. -tə Kemp-Süchteln m.: nasses Grundstück.
 
 
Sünd-fluss zīntflos Prüm-Mürlenb 1860 m.: -flut. Sünd-flut zønt- usf. f.: nach dem Nhd.; aus der Bibel bekannt. Ellen (Krs. Dür) es van de S. stohn blivve Neckspr.
 
 
Sündik sindik , Pl. -ks m.: 1. Ortsvorsteher, in franz. Zeit Hunsr. — 2. Syndikus eines geschäftl. Unternehmens Barm, Verbr.

süngeln -y-, –ø- = schmerzhaft ziehen s. singeln.
 
 
Sunkel suŋgəl, Pl. -ələ (zu sinken) vereinz. Rhfrk in Saarb-Eiw m.: tiefe Stelle im Bache.

Sunksel zoŋksəl Emmerich Sg. t. m.: Bodensatz.

Sunn I = Sonne (s. d.); Sunn II = Kuss s. Suhne.

Sunnig = Sonntag (s. d.).
 
 
sünnig das Wort -yn- ist Klevld in Klev, Rees-Dornick Emmerich Adj.: sparsam; se lewe s.; gej mott dor morr s. met ömgohn; t'Hüs (daheim) an't Heckepörtje word hej s.ər.

Sünnig-keit Sg. t. f.: Sparsamkeit. RA.: S. bej volle Fät (Fässern); bej lege (ledigen, leeren) kann et necks mehr bate (nützen) Emmerich.

sünnigen Emmerich schw.: etwas s., sparen, auch uts.

Sunnog, Sunnug = Sonntag (s. d.).