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Rheinisches Wörterbuch 
 
streuen bis Streukasten (Bd. 8, Sp. 826 bis 828)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB streuen das Verb ist allg., u. zwar Rhfrk -āuə-, –ǫu- [Wend-Leitersw āuwə; uNahe -auə u. āə; Goar-Weiler -ārə], Part. gədrāut [-āt]; Mosfrk an der Saar, im Hochw -ā·ə.n, Part. gətrā:t; Trier-Stdt -ā:wən u. -ā:jən, Part. gədra·i.t; sonst -ā·i.ən, –ā:jən, –:j-, –ę·i.jən, Part. gətra·i.t, –a·i.χt; Siegld -ęjə, –aj-, –j-, Part. gətrajt (usf.); Rip, Berg, Ruhr -·y.ə, Prät. -ǫut, Part. jətrǫut [Sieg, Aach -jə, Part. jətrχ]; SNfrk -ø·y.ə, Prät. -·y.də, Part. jətrø·y.t [WSelfk -y·ə.]; Klevld -ouə, –ǫuə [Geld auch -ǫwə], Prät. -ǫut, Part. γətrǫut, schw.: 1. absichtl. str. a. im Stall Streu, Laub, Stroh streuen; ek han den Dieren noch nich (de Strau) gestraut, — im Stall (den Stall) noch nich gestr. Gummb, Allg.; auch et Veh (de Schwein) str. Mosfrk, Allg. RA.: Der Mann har (hatte) en Bart (so gross), do kamme acht Dag de Zieg van str. Gummb-Berghsn. Ferke Ruse str. Perlen vor die Säue werfen Köln, Bergh, Dür. — b. Blumen, Kalk, Sand, Dünger, Gift str. Allg.; witten Sangkt (Sand) op de Dell, in de Stuəf, op den Katzendreck str.; Zucker op de Koche str.; den Huhnern Haver str. Gummb, Allg.; dat Zostr. Streusel für den Prozessionsweg Jül, Aach.

[Bd. 8, Sp. 827]
Flachs, Gras, Heu, Mist, Maulwurfhaufen str., ausbreiten, auch uterēnstr. SNfrk, Klevld, sonst mehr spreiten. RA.: Du brauchst kan Erwesen ze str., er wāss de Weg! Koch-Kaifenh. Spitz et Schar, sp. et Sch., strau em Veəlche Hawer dar! so mahnen im Frühjahr die Vögel die Bauern Hunsr. Anem Weihrach str. nach dem Nhd. Trier, Verbr. Einem Mädchen, das sich unehrenhaft benahm, wird Kaf gestr. Rip, Allg. Dau brauchscht den Has nure Salz of de Britsch ze str., un wann er sich dann rimdreht for ze lecke, muscht du en dabber an de Uhren hollen! zu einem harmlosen Jungen Saarl, Allg. Beəter es beəter, sät der Jong, du streuden he sich Zocker op et Sipnat (Sirup) Heinsb. Äm Sand an (in) de Aue str. wie nhd. Bitb, Allg. — 2. unabsichtl., versehentl. str., verschütten; du streust de Kaffe; streu doch net su Aach, Allg.; dau häscht dein Beicher (Bücher) schein elo remgestrat Merz, Allg.; de Kih str. sich werfen das Futter aus der Krippe Saarbr-Güding; de geschotten (geschüttelten) Bieren logen do wie gestraut OBerg, Allg. — Abl.: die Streuerei, dat Gestreu(s), –ts.

aus- streuen: wie nhd. Allg.be -streuen: wie nhd. Allg. RA.: de Brütt b. bei Hochzeiten stand vor 50 Jahren an der Kirchtür eine alte Frau, u. wenn das Brautpaar aus der Kirche kam, streute sie gegen die Braut Blumen, wobei sie sprach: Brütt, et guje Lewen es üt, ek sall beje (beten) öm't Glöck! dann erhielt sie ein Trinkgeld Geld.ein -streuen: Häute e., mit Salz u. Alaun, in der Sprache der Gerber.ver -streuen: wie nhd. Allg.vor -streuen: etwas v., z. B. der Kuh op dem Weg Koəhlblar vüərstr. OBerg, Allg.zer -streuen: etwas z., wie nhd. Allg. (nicht Rhfrk, wo ver-). RA.: Winnig gedeiht, zovill zerstreut Köln-Stdt.

 PfWB  ElsWB  LothWB Streu Rhfrk -āu; Mosfrk an der Saar -ā:; Hochw -ǫ·u., Wittl-Binsf, Zell, Koch; -ā:w Saarl-Berus, Trier-Heiligkreuz; sonst -ā·i., –ę·i.; Siegld -au; Rip, Berg -ǫ·u. u. -·y.; Eup-Stdt -; SNfrk -·y. (Klevld nicht bezeugt) Sg. t. f. (Trier-Neuhütten n.): 1.a. Heidekraut, Ginster, Moos, Laub, Stroh, unter das Vieh im Stall gestreut, heute durchweg nur Stroh, bes. Heide völlig veralt. [urkdl. strauw und lauff Sieg-Seelschd 1602]; Strau mache Heidekraut abmachen u. trocknen Allg., — scheren, — harken Berg, — holle Allg.; Strau für et Veh Rip, Allg.; Hede-, Lof-, Ströhstr. Berg; dem Veh de Str. mache die alte Str. ausfegen u. neue aufstreuen Rip, Allg. RA.: Em März wird de Str. sibbemol nass un sibbemol drü (trocken) MülhRh-BGladb. Destele em Heu es gut för de Str. Kref-Lank. Dat holt me doch nich unger (unter) der Str. furt! greift man doch nicht aus der Luft Gummb-Stdt. Tünsdorfer Str. Neckn. f. Saarbg-Tünsd. — b. Pferdestand im Stall Düss-Erkr Gerresh Rating. — c. Strohlager, bes. in Wirtshäusern, wenn es an Betten fehlt Siegld, Rip. RA.: Dat deht, dat die op de neue Str.sen kunn gesagt, wenn Eheleute nach Bezug einer neuen Wohnung wieder ein Kind bekommen Sieg-Ägid. — d. die gestreuten Blumen auf dem Prozessionswege, in den Wetterregeln: Wie Herrlichnemsdag de Str., so werd och et Heu so trocknet auch das Heu Kref-Osterath. Ränt (regnet) H. en de Str., dann r. et och en et Heu Jül-Linnich. — 2.a. lange

[Bd. 8, Sp. 828]
Reihe ausgemachter Kartoffeln, auf der Spreite liegend; de Grombern leien noch of der Str.; wat es dat en schen, lang Str. Ottw, Saar, Hochw, Wittl-Binsf Kinh; auch regellos Daliegendes; wat leit elo en Str. Äppel! Saar. — b. -ā:, –ā·u. Schutzdecke über dem eigentl. Boden des Schiffes Saar, Mos, Rhein (vgl. Streu II). Abl.: Dat Gestreu(s) zu Streu 1.

 PfWB Streu in den Zs. zu Streu u. streuen: PfWB Streu-büchse -bøs (s. S.) Rip, Verbr. f.: Streubüchse für Sand, Pfeffer, Salz. Streu-bühn -byn Gummb n.: Lage für Streu 1 a über dem Stalle. Streu-büsch -bøy Sieg-ODollend m.: Wald, in dem grosses Heidekraut wächst. Streu-engelchen Rip n.: kl. Mädchen, das Blumen vor dem Allerheiligsten während der Prozession auf den Weg streut [in Aach-Stdt aus einem über der Strasse hin- und hergezogenem Kästchen]. Streu-furke -furək, –o- (s. S.) Mettm, Bergh, MGlad f.: Holzgabel mit 2 Zinken, mit der man im Stall die Streu auflockert, bearbeitet, auseinanderspreitet. PfWB Streu-gabel -jafəl (s. S.) Rip, SNfrk, Geld-Winnekendonk, Dinsl-Stdt [urkdl. eine streuwgapfel Goar-Halsenb 1635] f.: dass. Streu-greife -f Altk-NFischb f.: dass. Streu-hacke Gummb u. Wippf f.: H., mit welcher man Heide loshackt. Streu-häcker ebd. m.: Mann, der Heide loshackt. RA.: Hä ett wie en Str. Streu-häpe -h:p (s. S.) Sieg-Fussh Hennef; -hępə, –:- Lennep, Sol, uWupp f.: Hippe, Art Sichel, mit der man Heidekraut abschlägt. Streu-harke (s. S.) OBerg f., Wippf-Biesf, MülhRh (-hęrkəl) m.: Rechen zum Zusammenharken der Heidestreu. Streu-häuer OBerg m.: -häcker. Streu-haus Zell-Neef Senh, Koch-Bremm Ediger Eller Ernst n.: Raum in einem Schuppen, in der Scheune, wo die Streu gelagert wird. Streu-hölzer -o- Ahrw-Dernau OBreisig, Rheinb-Maulb, Bo Pl. t.: der Holzbelag (Knüppelbelag) auf der Obertenne (der Stalldecke; auf die Deckenbalken kommen Gerten, darauf Reiser u. auf diese Rasen, mit der Grasseite nach unten Rheinb-Maulb). Streu-kar Rheinb-Ludend n. (f.): aus Strohseilen geflochtener ovaler Behälter, aus dem der Sämann die Saat streut. Streu-karre (s. S.) Allg. f. (m.): K., zum Transport der Streu. Streu-kasten Goar-NGondershsn m.: Roggenstand auf dem Felde mit Hut.