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Rheinisches Wörterbuch 
 
Strauss II bis Strauss-feder (Bd. 8, Sp. 802 bis 805)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Strauss II das Wort ist Rhfrk, Mosfrk, Rip, OBerg (hier wie im Siegld neben Drust) u. SNfrk in WGeilk, WHeinsb, sonst Nfrk fehlend, dafür Plock, Poll, u. zwar Rhfrk -aus-, –ǫu- [Birkf-Idar -ō-, Pl. -ē-; Saarbr. im Monophthonggebiet -ūs, –u-, Pl. -ī-, -i-], Pl. -ai-, –ęi-; Mosfrk -ǫu-, –ou-, Pl. -ęi-, –ei- [Saarbg -øy- Sg. u. Pl.]; OAltk -ǫust, Pl. -ęi-, –øy-; Siegld -ust, Pl. -i-; Gilsb Wahlb -ausdə Sg. u. Pl.; Rip, OBerg -ū-, Pl. -ȳ-; Geilk, Heinsb -ūəs, Pl. -ȳə-; Demin. -aisχə, –ęi- [-ē-], -ei-, -ȳ- [OAltk -ęistχə, –øy-; Siegld -istχə]; WGeilk, WHeinsb -yskə m. [WMosfrk hier u. dort f.]: 1. Strauss von Blumen oder Laub; ene Str. Blome, en Strüssche Viülcher (Veilchen); ene Blomen-, ene Nägelchestr. (Flieder-) udgl., auch ene Str. Ähren (Sangen); ene Str. Federe om Hot han Rip, Allg. RA.: En Kuscht (Kruste) Brut em Saek es besser be en Str. om Hot Koch. Ech han met dem ne Str. ze plöcke ein Hühnchen zu rupfen Rip (o. O.). De Sonn kret Strüss sie glüht Schleid-Hellenth. E Streiss-chen op meim Sterchen (Stirnchen) licht (leuchtet) meim Herchen, gele Fodem em et Haus, get de Fosichteier eraus, oder mer schecken ich (euch) de Wolf an et Haus! Fastnachtsheischelied

[Bd. 8, Sp. 803]
Bitb, Prüm (mit Var.). — Strüss-che benge (binden), im Pfänderspiel; die Mädchen (Burschen) stellen dann Blumen dar, die (der) eine Nelke, die (der) andere eine Rose, die (der) dritte eine Primel usf. Ist das nun ausgemacht, ruft man die (den) betreffende(n) herbei und fragt der Reihe nach: Was willst du mit der Nelke, der Rose usf. tun? Die Antworten lauten etwa: Die Nelke will ich wegwerfen, ins Knopfloch stecken usf. Diese Antworten geben jedesmal zu Heiterkeit Anlass Gummb, Verbr. — Auch ene Str. Elbern Erdbeerenstengel mit reifen Früchten; en Str. Wolbern Heidelbeerstengel mit r. Fr. Gummb, Allg.; e Str., e Streiss-che Zweig voller Kirschen Meis, Simm-Buch, Saar, Bitb-Biersd, Wittl-Gransd OKail, Daun-Katzwinkel. — Der Strauss bei Gebräuchen: der Str., Kerwestr. (Kirchweih-); dazu wird ein möglichst geradegewachsener Wacholderstrauch verwendet, der mit Rosen, Bändern, Schleifen und leeren Eiern geschmückt ist und vom Jungvolk (den unverheirateten Burschen und Mädchen) im Zuge unter Jauchzen durch den Ort bis zum Tanzboden getragen wird, wo er dann aufgepflanzt wird Rhfrk, Mosfrk; ein Tannenbäumchen, geschmückt mit buntem Papier, behangen mit Tabak, Pfeifen, Taschentüchern, bei der Bauhebe auf den Dachfirst gesetzt, was der älteste Zimmermann (od. Maurer) besorgt, wobei er eine Baupredigt hält; danach wird der Str. geplündert und Schnaps getrunken, den der Bauherr gestiftet hat; de Str. setze Merz, Allg., — ofschleihn Merz-Haustadt, — ofrichte Merz-Brotd, — setze Rip, — op et Haus stelle Trier; die han (do es) de Str. om Dach Rip; der Str. get verziəhrt Mosfrk, Rip, — werd versoff Rhfrk, Allg.; die krieən de Str., d. h. die Zimmerleute (Maurer) erhalten Schnaps u. Essen Trier. Vgl. die Wk. VII 10 (Richtfest). — Sind die Weinbergsarbeiten fertig, wird auf einen Rebstock ein Str. gesteckt u. die Arbeiterinnen krieən de Str. werden bewirtet Mos. — Der letzte Erntewagen wird mit einem Tannenbäumchen geschmückt Simm-Ellern, Daun, Schleid, Eusk. — Ist der Bräutigam ein Fremder, dann kaufen die Jünglinge ihm einen Str., ist die Braut von einem anderen Ort, dann kaufen die Jungfrauen einen Str., aus künstl. Blumen hergestellt. Vor der Kirche wünschen der Herrchen (der älteste der Jünglinge) und das Fräuchen (die älteste der Jungfrauen) dem Brautpaar Glück und überreichen dem Bräutigam bzw. der Braut den Strauss. Als Gegengeschenk erhalten sie vom Brautpaar Geld. Dieses wird an einem der nächsten Sonntage im Wirtshaus verjubelt Bernk-Commen. — Verzierter Laubbusch, den Mädchen am Maiabend ans oder aufs Haus gesteckt; ene Maistr. steche Rip. — Die Patin kauft einen Str. und steckt ihn dem Patenkind an Saar, Hochw, Zell-Enkirch, Meis-Meckenb. — Das Namenstagskind erhält einen Str. (eine Topfblume) Allg. — Bei Beerdigung von Knaben, Jünglingen, auch Junggesellen trägt man anstatt des Kreuzes einen sog. Strauss. Um einen Stock wird grüner Buchsbaum, durchflochten mit Blumen, gewickelt. Auf die Spitze wird eine mit Gold- oder Silberbronze

[Bd. 8, Sp. 804]
überstrichene Kartoffel gesetzt. Darunter ist ein Ring mit farbigen Papierstreifen befestigt. Der Ring selbst ist mit einer Schleife geziert. Der Strauss soll die Unschuld (Reinheit) bedeuten. Die Bedeutung der einzelnen Teile ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen May-Kehrig. — Die Winzerwirtschaft, in welcher nur selbstgezogener Wein eine bestimmte Zeit lang verzapft wird, zeigt dies durch einen Str. Weinlaub am Eingang an Verbr. im Weinbaugebiet. — Einem Jungen, dem das Hemd aus dem Hosenboden herausschaut, rufen die anderen Kinder nach: En neien, n. Wirtsmann, kuckt de Str. hannen (hinten) eraus! Trier-Schleidw. — 2. übertr. a. sachl. α. die Haare, bei einem Jungen, Burschen vorn str.artig zusammengekämmt; he hät sech ene Str., e Strüss-che gekämmp Rip; Schopf bei Vögeln (Huhn, Lerche udgl.); en Hohn med enem Str. (Strüssche); Stirnmähne des Pferdes Rip, Westerw, Daun, May, Kobl, Wittl-Reil, Birkf-OTiefenb. RA.: Strüss kreje (han) sich zu Berge richten, vom Haar, zornig werden (sein) Schleid-Hellenth. — β. Namenstagsgeschenk, auch als Geld, Kuchen udgl.; Zugabe zum Lohn der Dienstboten, etwa zu Weihnachten; dat lei (hier) hun ich kreit fer mei Str. Merz, Saarbg, Trier, Wittl, Koch-Laub. Scherzspr. zum Namenstagskind: Hei, dau Schouss, do hasde en Str., stell se op de Schaf (Schrank), dau Aff; huəl se eraf (herab), dau Schof (Schaf)! Trier-Schleidw. — γ. geschnürter Zipfel eines Sackes Schleid-Nettersh. — δ. in der Wend.: Ene beim Str. krije beim Kragen, beim Wickel kr. Eusk. — ε. in der Wend.: Met dem han ich ene Str. eine Auseinandersetzung, Zwist Rip. — ζ. e Streiss-chen han einen Rausch Koch-Bertrich. — b. persönl. α. Streiss-chen Huhn mit Schopf May, Altk-Betzd, Eusk. — β. Wiedehopf Kobl-NWerth. — γ. Strüss-chen Rufn. für eine Kuh, die vor den Hörnern einen kl. Schopf hat Mülh-Rh. — δ. Sträuss-chen euphemistisch uneheliches Kind Koch-Lutzerath.

Strauss-birnen -brə Simm-Riegenr Pl.: eine Birnensorte. PfWB Strauss-bohnen (s. S.) Kreuzn-Boos Seibersb, May-Trimbs, Aden-Kaltenborn Pl.: Buschbohnen. PfWB Strauss-buben -būwə Rhfrk Pl.: die Burschen, die den Kerwestr. (Kirchweihstr.) durch den Ort tragen. Strauss-gras Saarl-Aussen n.: rotes Str., Agrostis vulg. Strauss-huhn -ysχəshō:n Altk-Derschen Walterschen, May; -ȳsχəs- Sieg; -aus- Koch, May, Daun; -ūs- Waldbr, Altk-Birken n.: H. mit Schopf. Strauss-flette (-violette) -ūsflęt Bo-Poppelsd; -øysχəs- Aden-NAdenau; -ȳsχəs- Bo-Berkum f.: Bartnelke, Dianthus barbatus. Strauss-haare -ūəsh·ə.rə Heinsb-Breberen Pl.: zerzauste Haare. Strauss-hafer -hawər Wend, Saarbr, Saarl f.: mehrrispiger Hafer. Strauss-kamm -ȳsχəs- Sieg-Ägid m.: mehrteiliger Kamm des Huhns od. Hahns. Strauss-köpfchen -ūskpχə Sieg-Hänschd, Waldbr-Geilenksn, Gummb-Nümbrecht, Schleid-Reschd; -ęis- Koch-Clotten n.: Huhn mit Schopf. Strauss-lerche -ǫuslī:wəriŋ May-Ettring; -ūslī:vərχə Schleid-Dahlem, Eusk-Vernich, Köln-Horrem, Wippf-Reudenb; -ysχəslīrwek Kobl-Kesselh Neuend; -ȳsχəslī:vəliŋ Rheinb, Bo, Köln, MülhRh m.: Haubenlerche. Strauss-moos -ęisχəsmūs Zell-Altstrimmig n.: Moos, zum

[Bd. 8, Sp. 805]
Binden von Kränzen. Strauss-nägelchen -ūsn:lχər Gummb-Harscheid Hömel Pl.: -flette. Strauss-pipp -ȳsχəspip, –ī- Rheinb n.: -huhn. Strauss-püll -ǫuspe·l. Koch-Ernst, May-Hausen n.: dass. Strauss-vögelchen -usχəsfyjəlχə Koch-Landkern; -ūsfȳ:lχə Neuw-Buchholz n.: -lerche. PfWB Strauss-wirtschaft Verbr. in dem Weinbaugeb. f.: wie nhd.

Sträussel-hafer -ęis- Kobl-Horchh f.: Haferrispe.

Straussen -ǫus- Sg. u. Pl. WMosfrk in Merz-Haustadt m.: Holänderstr. Holunderstrauch.

straussen I -ūəsən WHeinsb Adj.: straussartig; Rätsel: Ongen wie en Muhr (Möhre), medde wie en Ei, oəve wie en str. Mai? Die Rübe.

straussen II -ūəs- WGeilk, WHeinsb, MGladb-Rheind schw.: 1. etwas str., kraus machen, senkrecht nach oben kämmen; dä hät de Hore gestrusst; bes. die Federn, Haare sträuben; dem str. de Hore opene (auf dem) Kopp; de Hohnder str. de Feəre.2. dat strusst uterēn (auseinander) breitet sich aus, z. B. von Gemüse, vom Kleid aus steifem Stoff. — Abl.: die Struəsserei, dat Gestruəss.

Sträusser Ahrw-Schalkenb m.: scherzh. Schnurrbart.

sträussig -ȳs- Ahrw-Gelsd Adj.: eigensinnig, trotzig.
 
 
 PfWB  ElsWB Strauss III nach dem Nhd. m.: der Vogel Strauss Allg.

Strauss-feder Saarbr-Rockershsn f.: Aster; Chrysantheme.