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Rheinisches Wörterbuch 
 
Stern bis Sternschnappen (Bd. 8, Sp. 637 bis 641)
 
  PfWB  ElsWB  ElsWB  LothWB Stern das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk -ęrə Sg. u. Pl., Demin. aber meist -ęrnχə; mosfrk. Saar, Hochw, Trier-Stdt -rən Sg. u. Pl., dies auch Koch, Kobl, May, Daun; NSaarbg, Trier, Wittl, Bernk, Bitb, Prüm -:r, Pl. -rən; Siegld -eărn Sg. u. Pl.; Rip -:n, -·ə.-, –ē·ə.-, –ī·ə.-, Pl. wie Sg. u. selten -nə [MüEif, Köln-Stdt -:n u. -nə Sg.]; doch Malm, WSchleid, Monsch, Eup, Aach, Jül, Dür, WBergh -:r, –·ə.-, –ē·ə.-, –ī·ə.-, Pl. -rə, dies auch SNfrk, SGeld [in der WSelfk neben -:r auch -ā:-; Pl. -rə (Millen -a·r.ə), Demin. -rkə]; OBerg -:n, –·ə.-, –ē·ə.-; Gummb-Schwarzenbergisch -ęrn, Pl. -nən; NBerg -:n, –-, -ēăn [Wermelsk -e·i.n], Pl. -nən; Klevld -rn, –ăn Sg. u. Pl. -nən [in Mörs auch -ęrn]; MülhRuhr -ē:n, Pl. -nən; Demin. -χə(n), –kə, –ntjə m.: 1. wie nhd.; ene klore, helle St.; de St.ə löchte, fonkele, flimmere; der Himmel es voll St.ə Rip, Allg.; de St.ə ovends at (schon) gonge (gingen) Aach-Stdt. — Die Benennung der St. nach dem Kalender, aber wenig mdl. Der Widder, de stüsst; de Konner (Kinder) se büəs; de Wog, de gelt; der Löf, de bröllt; der Schötz, de schüsst; der Wassermann güsst; der Scherpinn (Skorpion), de stecht; de Jongfrau sprecht; der Kriəbs, de kröcht (kriecht); der Oss (Ochse), de döcht (däut) Schleid-Berk; wenn mehrere St. in Form eines Sarges über einem Hause stehen, stirbt jmd. im H. Saarbr, Bitb; warf eine Kuh ein Kalb im Zeichen des Skorpions oder Krebses, so sagte man: et Kalf ort (artet) sech net Daun-Tettschd. — Bei St.schnuppen: do fällt en St. (heraf); de St.ə falle; et es en St. (vam Himmel) gefalle Rip, Allg.; et es e Stick St. gefall Saarl-SBarbara, Bernk-Wenigerath, Gummb-Belmicke, Erk-Pesch; et fällt ene Klomp Für vam St. Kref-Stratum; e Schwanz vom St. es gefalle Simm-Schlierschd; e St. mat Schw. as gefal Bitb-OGeckler; lo fliet (fliegt) e St. Simm-Dill, Bitb-Koosbüsch Outschd, Schleid, Monsch, Grevbr-Aldenhv; et kennt e St. gejagt Bitb-Obersgegen; ət stüss (stösst) ene St. af Grevbr-Kuckum; do ritscht e St. Bernk-Immert; es is e St. geschoss Saarbr; e St. hot (is) g. Meis, Simm; de St. schiesse, et St.schiessen Wend-Winterb, Saarl, Saarbg, Trier-Igel, Hunsr,

[Bd. 8, Sp. 638]
Daun-Katzwinkel, Rip, Heinsb-Breberen, Erk, Grevbr, Kemp, Mörs, Geld-Wemb, Westerw, OBerg; do schütt ene St. af MGladb; de St. verschieten Mörs-Wardt, Klev-Wissel, — fonke Bergh-Balkhsn, — botzen sich Merz-Michelb, Trier-Höfchen Hermeskeil; et hot (sech) e St. geschneizt Mos, May, Daun, Aden, Ahrw, Neuw. Wat de St.ə kotzen, dat kamme, wenn et ophört mit Renen (Regnen), op de Feildern ligen siəhn; dat es so schwammig, labberig Tüg (Zeug) Gummb. E gruss St.schessen bedeut Kreg Altk, Allg.; bes. ein Heerbrand mit auffallend grossem Schweif bedeutet Todesfall in dem Hause, über das er fliegt Altk; wenn eine St.schnuppe nidderküt, dann stirf einer; flüg se üvver et Hus, dann werd einer em H. krank Neuw-Vettelschoss. Do schütt ene St., do küt morgen der Wengk (Wind) von af MGladb-Giesenk. Man muss sich beim St.schnuppenfall etwas Schönes wünschen, es trifft alsdann ein Allg. Man sagt, es komme jedesmal eine arme Seele aus dem Fegfeuer in den Himmel Geld; deshalb soll man leise, aber schnell, ehe die Schnuppe erloschen ist, sagen: Zu Gott, z. G., z. G., dau orm Sil! dann wird eine Seele erlöst Bitb-Outschd. Wer das Fallen einer St.schnuppe nicht verschweigen kann, k. auch sonst nichts v. Daun-OEhe. — In Fluchformeln. Mä Krütz en St.; St.ə Ramenasse jäcker; mä Himmel hagele dausent St.ə zapper ellemei noch! St. Milliuəne (Bruətsgrommele), — Kränche, — düstere Weər! Aach-Stdt Alsd; Donner St.ə! Aach-Bardenbg; Himmel, St., dausend noch! Kohlschd; Himmel, St.ə Kränk! Köln-Stdt, Sieg-Ägid; St.ə Jesuiter! Köln-Stdt; Himmel St., Kerschekerne, Gaslaterne! Köln-Stdt; Himmel St.ə Donnerkil! MülhRh, Berg, Kreuzn-Münchwald, — Granadefeier! ebd., — alleluja! May; St.ən Wagen D.! Remschd; St. an der Bettlad! Ottw-Humes; mord St.ə Milliunen Blecks! Wittl-Dörb; mord Jis, o St.! Daun-Beinhsn; Himmel St.ə, Vierdel op Fott (Gesäss), on wenn et schleht, da schl. et mödde drop! MGladb-Rheind. De flocht de St.ən vom Himmel eronner Altk-Horhsn. — RA.: Oge wie St.ə so hell u. klar Geilk-Grotenr, Verbr. Do es kän St., de lechtet da ist kein Hoffnungsschimmer Siegld, Westerw, OBerg, Ahrw, May, Trier-Stdt; er seiht kein St.ə mih lüchte Ahrw-Hepping. Ech hauen dech, dat de mens, de St.ə fele (fielen) vam Himmel! Rip, — dats de de St.ən siehst! Merz-Wadern, — dat de de Sterncher am Himmel siehs! Bo, — dat de menst, de St.ə danzen! MGladb-Viersen. De St.ə setze in die Luft stieren Prüm-Steffeln; mer mänt, de well de St.ə zehlen er stiert in die Luft Westerw; den zihlt den St. ist hochmütig Wittl-Dörb. Goht no de Mon (Mond) en plöck St.ə! Ausr. des Verwunderns Klev, Geld, — en pl. Starre, loət se fa le, dann höbbs de Kralle! Heinsb-Millen. Wiərscht de nemmen (nur) op en Hirsch gebonn on e lief met dir durch Sonn on Mond, dat dir de St.ən um (am) Henner (Hintern) hänken bliewen! Saarbg-Taben. Die St.ə vom Himel rofliegen (herablügen) Mosfrk, Rhfrk. Die Frau zu ihrem Manne: Du häs mi ens den Himmel versproken, äwwer ken Sternchen gehalen! Gummb-Berghsn. Mem Koppe an de St.ən

[Bd. 8, Sp. 639]
stuten hochmütig sein Sol. En de St.ə kicke stieren Schleid. In de St., dor sette se gern Mörs-Xanten. — In Wetterregeln. Wie der St. des Ovends geht, su g. am angere Dag der Wengk (Wind) Bergh-NAussem. Es de Luət (Luft) voll St.ə, git et go Weər (Wetter) Jül-Tetz. De St. fönkele so, van Nach früs et hart Mörs, Allg. Lüəte (leuchten) de St.ə, früst et och gere Schleid-Hellenth. De St.ə goh kile (eilen daher) dann ist das Wetter nicht beständig ebd. St.ən a jen Hömmel, Kullen (Kaulen) e jen Steng (Steinen) Aach-Stdt. Wat mih St.ən woren (beim Radscheiben auf Burgsonntag), wat mih Kasten (Getreidehaufen) et un de Flor (Flur) gof Daun-Neroth 1860. Get et en der Fasenacht viel St.ə, len (legen) de Hihner gere Bernk-Veldenz. Wemmer Dreikönnige de St.ə durch de Kamin kann sehn, dann dusche mer noch en Flasch (Wein) drönke dann gibt es ein gutes Weinjahr Sieg; wievell St.ə du op Dreikönneksovend dörch et K. kanns senn, su v. Flasche Wing darschde dr. Bo-Volmershv. — Im Kinderld. Haio, bom, bäre, am Himmel stinn de St.ə; eam Stall, do staht de braun Koh; Kindche, hall de Äuglein zo! May-Trimbs. Haijo, jeren, am H. stohn de St.ən, st. de St.ən am H., em Garde wäəst der Fimmel (Hanf), w. der F. em G., de Bure stohn drop warde, w. drop de B. (de B. welle mer schwarde), de Döppe welle mer schure, sch. mer de D., de Kiərschte welle mer plöcken, pl. mer de K. bos ovven en de Fiərschte, bos o. en de Dollen, do welle mer se all hollen! Schleid-Berk Reifferschd, mit Var. Ahrw, Saar, Wend. So viel St.ə stehn am H., so v. Hor hat der Schimmel Birkf. Henger (hinter) dem Backes (Backhaus) steht ene St.; wenn mer mahle, git et Meəhl; wenn mer backe, git et Brut; wenn mer sterve, se mer dut! Dür-Gürzenich. An os (uns), an os, an os ka gene tippe; vür gönnt, v. g., v. g. de St.ə kicke! Marschierld. Aach-Warden. — Im Rätsel. Äppelche, Bäppelche op de Bank, Ä., B. van der B., es gene Mann en Broband, der Ä., B. zälle (fange) kann? Dür, Allg. Et ginge drei Duve öm de Kirch schnuve; en (die Sonne) möt ligge (leiden), dat et Dag wör; de en (Mond) m. l., dat et Nat wör, un de en (Sterne) m. l., dat et bleff wie et wör? Dür-Schlich. — 2. übertr. a. sachl. α. der St. mehr scherzh. die Sonne; der St. stich, — brennt; wat der St. schinnt! SNfrk, Rip. — β. sternenförmig Gehäkeltes, Gesticktes, aus Papier Geschnittenes, bes. als Schmuck des Christbaumes; Gebackenes (Gebildweck), st.e Nudeln in der Fleischbrühe Allg. — γ. Windvogel in Sternform Düss-Bilk; kleine, eingelegte Verzierung in Sternform aus Metall im Messerheft Sol; St.chəs ein Klickersp., wobei die Klicker statt in einer Reihe auf die Endpunkte der Strahlen eines eingeritzten Sternes eingesetzt werden Saarbr-Malstatt. — δ. mit der vielgeteilten Narbe der Kapsel des Feldmohns machen sich die Kinder Sterncher auf Stirn u. Handrücken Bo-Wesseling, Gummb. — ε. ich habb Sterkes för de Oge es flimmert mir vor den Augen MGladb-Viersen, Nfrk, Rip. — ζ. Augenstern Saar, Trier, Wittl, WEif, Malm, Monsch, Bo, Köln, Jül, Heinsb, Erk, Grevbr-Schaan, rrhn. Altk (Sternchen Nauroth), Sieg, MülhRh. — η. die gerillte Seite des

[Bd. 8, Sp. 640]
Spielknöchels beim Fangsteinsp. Mörs-Pelden; Sternken (Ass-, Lesst.) Dinsl-Gahlen. — θ. Sprung im Eise Kemp-Stdt. — ι. Rad an der Welle, um die das Schrotseil zum Hinaufwinden von Fässern aus dem Keller sich windet Bernk-NEmmel. — κ. e Steərke Sit auf gezahnte Pappscheibe aufgewickelte Seide SNfrk, Klevld. — λ. Sternchen ein Flicken Leder unter der Sohle eines neuen Schuhs, um den Pinn, ein Loch, zu verdecken Gummb-Berghsn. — μ. Sterne lope ein Kindersp., wobei die Spieler nach allen schrägen Richtungen auseinanderlaufen Mörs-Wardt. — ν. Fleischstück, die Verlängerung des Flankenstückes (Nierlapp), das strahlenförmig mit Fett durchzogen ist Aach-Stdt. — j. Pflanzen. αα. Stercher Pl. weisse Narzisse, Narcissus poeticus Saarbg; Sterne gelbe N. Sieg-Schreck. — ββ. Sternche Klatschmohn, Papaver rhoeas Waldbr-Holpe. — γγ. blo Starkəs Scilla bifolia Kref-Willich. — δδ. Sterekes van Bethlehem doldiger Milchstern, Ornithogalum umbellatum Geld-Schravelen. — εε. grönge (grüne) St. Farnkraut Aach-Kohlschd. — ζζ. körniger Steinbrech, Saxifraga granulata Saarbr-Stdt. — ηη. Seifenkraut, Saponaria Saarl-Limb. — θθ. verlore St. Vergissmeinnicht Saarbr-Stdt. — b. persönl. α. Rufn. für eine Kuh mit einem nach unten weisenden weissen Fleck auf der Stirne Allg. [2 öchsger, so beyde Ein stern auf m Kopf haben Malm-Lülling 1778]. — β. dass. für ein solches Pferd Trier-Bonr. Bernk-Gräfendhron. — γ. Geliebter Elbf. — δ. Neckn. für einen aus Trier-Fell.

 PfWB  ElsWB Stern-anis Verbr. m.: Anisschnaps mit Stern. Himmel St.əanislakretz! Fluch Schleid-Dahlem, Monsch, Aach, Eup, Jül; St.ənangənīs! Köln-Stdt; -angəniskolett! MülhRh. Stern-apfel (s. S.) Geld m.: Apfelsorte. stern-blind -rəblent  Merz-Saarhölzb Adj.: bl. gegen Abend, vom Huhn. PfWB  ElsWB  LothWB Stern-blume (s. S.) f.: 1. Pflanze. a. weisse Narzisse, Narcissus poeticus Meis, Kreuzn, Simm-Laub, Trier-Züsch, Saarbg-Rodt, Prüm-Büdesh. — b. gelbe Narzisse, Narcissus pseudonarc. V 20 Kreuzn-Waldböckelh, Birkf-Nockenth, Wend-Sien, Wittl-Cröv, Kobl-Winning, May-Ochtendung, Sieg-Königswinter, Dinsl-Gahlen. — c. kleinblumige Sternmiere, Stellaria media Kreuzn-Strombg Langenlonsh Traisen, May-Kottenh, Dür-Derichsw, Aach, Mörs-Rumeln. — d. Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis May-Kottenh. — e. weisse Wucherblume, Chrysanthemum leucanthemum Birkf. — f. doldiger Milchstern, Ornithogalum umbellatum Erk-Kleinenbr, Geld-Schravelen. — g. Klatschmohn, Papaver rhoeas Heinsb-Arsbeck; Sterntjes Rees-Elten. — h. Ehrenpreis, Veronica Aach-Kohlschd. — i. Buschwindröschen Siegld-Imgarteichen Setzen. — k. Massliebchen Saarl-Bous. — 2. übertr. Rufn. für eine Kuh, Stern 2 b α Gummb. Stern-büchse -bøs Rheinschiff f.: Stopfbüchse im Stevenrohr des Schiffes, durch welche die Schraubenwelle nach aussen tritt. Stern-fall Simm-Bruschd, Prüm-Dackschd, Daun-Boxbg; -:nə- Rheinb-Rodert Rupperath m.: -schnuppe. Stern-gefall Goar-Kratzenbg n.: dass. Stern-gerüpps -ø- Malm-Vith n.: dass. Stern-geschneuz Aden-Spessart n.:

[Bd. 8, Sp. 641]
dass. Stern-geschoss Wend-Erzw Reichw, Meis-Kirschr, Simm-Kellenb, Merz-Hargarten n.: dass. stern-hauf -:rhāf  Merz-Bachem Becking Adv.: st. lauden zusammenläuten. PfWB  ElsWB  LothWB Stern-keiker -kikər Aach-Breinig u. sonst verbr. m.: einer, der gern in die Sterne guckt, scherzh. auch für den Astronomen. Stern-knupper uNahe m.: Taubenkropf, Silene vulg. Stern-koz -:- Prüm-Ringhuschd m.: -schnuppe. Stern-kräutchen -ę·i.- Bitb-Halsd n.: Mauerpfeffer, sedum acre. stern-latern  Geld-Straelen Adj.: völlig bezecht. Stern-miere (s. S.) Bitb-Kyllbgw, May, Kobl-Vallendar, Altk f.: wie nhd. Stern-moos Wend, Simm, Prüm-Schwirzh, Kemp-UWeiden n.: eine M.art. Stern-nagel (s. S.) Koch-Poltersd m.: kleiner Schuhnagel. Stern-rad Kreuzn, Goar-Boppard n.: Wellrad der Wassermühle. Stern-reinette -rənęt(ə) Verbr. f.: Apfelsorte; das Innere zeigt einen Stern. PfWB  ElsWB Stern-schiesser Neuw-Altenhf m.: -schnuppe. Stern-schlauze -ts Bernk-Gonzerath f.: dass. Stern-schleisse -eis Wittl-Eisenschmidt f.: dass. Stern-schnappen m. Neuw-Brückrachd; -ępkən n. Rees-Schermbeck: dass.