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Rheinisches Wörterbuch 
 
Spritze bis ausspritzen (Bd. 8, Sp. 438 bis 440)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Spritze nach dem Nhd. nur für besondere Arten von Spritzen; für Giesskanne mdl. Spränze, Spräuze, Späute (s. d. W.); lautl. -its, –e- Allg. (nicht Klevld) [-- Altk; -ø- vielfach Geilk, LRip, RRip; -y- Lennep, Mettm-Cronenbg Velbert, Sol-Wald, Düss-Ld; -etsə, –ø- OAltk, Siegld; -ø- Gummb, Mettm; -y- nfrk. Wippf, Barm, Elbf], Pl. -tsə(n), Demin. -tsχə(n), –tskə f.: 1.a. Gerät, womit man spritzt, vor allen die Brandspritze (dafür auch Rip, Nfrk prøts, –t, spøyt), Brand-, Fürspr.; zum Besprengen des Gartens Gardenspr.; die Spritzbüchse der Knaben (auch Spritzbüss) [-øtstə Gummb-Vollmershsn]; Spr., mit der man die Pflanzen, Bäume, Reben bespritzt Bom-, Schwevel-, Wengertsspr.; die Spr. des Arztes, auch Geftspr., Uhre-, Kliəzierspr. (auch die Einspritzung, de Däkter wille ball alles mit Spr.ə häle), Wurstspr. Allg.; die in der Wäsche (Aufbereitung) benutzte Handspr., mit der der ungeröstete Eisenstein von den Nebenbestandteilen, wie Quarz u. Schiefer, kenntlich gemacht wird, in der Bergmspr. Siegld, Altk. RA.: Der Kerl es so voll (bezecht) wie en Spr. Rip, Allg., — doll wie en Spr. Dür. Dat es ne Mann bei (vun) der Spr. (Brandspr., der Führer) ist hilfsbereit; he es de iərschte Mann (der Haptmann) an (van) der Spr. Rip, Verbr. — b. Gespritztes. α. schwache Regenschauer Birkf-Göttschd, Trier-Mettnich. — β. Wassertropfen, Schmutztr., an die Kleider springend, meist Pl.; Spr.ə Dreck, Wasser-, Dreck-, Farfspr.ə Mosfrk, Rip, Berg. RA.: De hät Spr.ə em Kopp er ist hochfahrend, närrisch Ahrw-Kirchsahr;

[Bd. 8, Sp. 439]
en Spr. em K. han Sol-Burschd; er hot en Spr. einen Rausch Goar-Trechtinghsn. — γ. de Spr.ə Pl. junge Weine; de Spr.ə prowiere Mos. — 2. übertr. a. sachl. α. zu Spr. 1 a, Pl. Sammelname für die hohlstengeligen, hochwachsenden Wiesenkräuter, wie Wiesenkerbel, Geissfuss, Bärenklau, Klettenkerbel, Steinbibernell, behaarter Kälberkropf, Hundspetersilie, Brustwurz, kümmelblättrige Silge, gefleckter Schierling Siegld-Alchet Fernd Freier Grund Kromb Salchend Siegen, Altk-Bachenbg; gefleckter Schierling Trier-Issel. — β. zu Spr. 1 b β. αα. meist Pl. kleine, dünne, runde eiserne Schuhnägel ohne Kopf in den Sohlen u. Absätzen; Leute, die keine eigentl. Schuhnägel haben wollen, lassen sich an den Stellen, die sie am meisten abtreten, die Sohlen mit diesen Spr.ə beschlagen Kreuzn, Hunsr, Saar, Mos, May, Daun-Katzwinkel, Bitb-Dudeld Herforst. — ββ. Spritzche ganz kleiner Klicker Saarbr-Sulzb. — γγ. -ǫtsən Pl. t. Sommersprossen Prüm-Schönf. — b. persönl. verächtl. α. hageres, lang aufgeschossenes Mädchen, dürres, mageres Weib Simm-Buch, Trier-Waldrach, Zell-Senh, Koch-Clotten Lutzerath Poltersd, May-MüMaif, Sieg-Eitorf. — β. Mädchen, das viel herumläuft Zell-Trarb. — γ. leicht aufbrausender Mensch Trier-Mettnich. — δ. Denstpr. Dienstmädchen Rip, Nfrk in den Städten.

 PfWB Spritzen-fäss-chen Mos n.: F., in dem die Kupfervitriol-, Kalkbrühe zum Bespritzen der Reben hergestellt wird. Spritzen-fizillien -fitsi·l.ĭən  Sol-Burschd Pl. t.: Pfaffenhütchen, evonymus europaea. Spritzen-gebäck(s) Köln-Stdt, Düss-Stdt n.: wie nhd. PfWB Spritzen-häus-chen (s. S.) Allg. (so auch Spräuzen-, Späuten-) n.: H. für die Brandspritze, zugleich als dörfliches Arrestlokal dienend. Spritzen-leute -lȳt Elbf Pl. t.: Feuerwehrleute. Spritzen-mann Köln-Stdt, Pl. -mę·n., m.: Feuerwehrmann. Spritzen-meister -r- Hunsr m.: der Mann bei ländl. Feuerwehren, der die Mannschaft befehligt u. in der Regel das Spr.-rohr handhabt. Spritzen-pfeife -øtsəpīpə Gummb-Stdt; -yts- Wermelsk f.: Spritzbüchse der Knaben. Spritzen-rohr n.: -schlauch m.: wie nhd. Spritzen-werk Aach-Stdt 1833 n.: -gebäcks. Spritzen-zeug -tseiχ, –ęi- Mos n.: Kupfervitriol-, Kalkbrühe, zum Bespritzen der Reben. spritzen-voll  Prüm-Reuth, Mülh-Rh, Köln, Aach; -its-  Goar-Liesenf, Sieg-Süchterschd Adj.: völlig bezecht.

Spritz -i- m.: 1. Sg. t. a. Spritzbewurf des Verputzers; der V. makt təirscht en grof Spr. oder Truffelspr. üəwer den Verputz, dann mit dem Spritzbesem, den man auf die Linke ausschlägt, den eigentl. Spritz(be)wurf Gummb-Berghsn, Allg. in der Maurerspr. — b. übertr. ne Spr. mache sich herausputzen Dür-Winden. — c. e Spr.che mache (Pl. -χər) einen kleinen Ausflug machen Sieg-Honnef. — 2. -its, Pl. -tsə verächtl. eitler Mensch Siegld-Kromb.

Spritz-büchse (s. S.) Allg. (SNfrk, Klevld auch prt-, prøyt-; s. auch Spratz-, Stritz-, Gitschb.) f.: die Handspritze der Knaben, zum Spiel. Spritz-ding Saarbr-Altenkessel n.: dass. PfWB  ElsWB Spritz-gebackenes Saarbr, Birkf n.: allerlei ausgestochenes Zuckergebäck zu Weihnachten. Spritz-kanne (s. S.) Malm-Weismes, Ess f.: Giesskanne. Spritz-klicker Wend-Baumholder

[Bd. 8, Sp. 440]
m.: kleinster Kl. Spritz-kopf -kǫp Trier-Mettnich, May-Allenz, Sieg-O-Dollend m.: verächtl. aufgeregter Mensch, Hitzkopf. Spritz-männchen -mę·n.əkə Düss-Stdt n.: Bronzefiguren an der Ecke Königsallee u. Bastionsstrasse, ein älterer Junge lässt einem kleinern aus einem bauchigen Kruge Wasser in den Mund laufen. Spritz-tur -tūr Allg. f.: scherzh. Abstecher, Tour in die Nachbarschaft.

Spritzeln s. Sommer-.

 PfWB  ElsWB  LothWB spritzen lautend wie Spritze [im Siegld meist trans., intrans. gewöhnlich spratzen] schw.: 1. intrans. a. das Wasser, der Schmutz, das Feuer spritzt Allg. (Rip, NBerg, SNfrk, Klevld meist spräuzen, –ten, späuten); der Dreck sprötzt bis an de Wand; et Fauer (Feuer) sprötzt em aus de Aən (Augen) Westerw, Allg.; de Frut (Getreide) spretzschtert Saarbg-Rommelfang. RA.: Je dieper (tiefer) dat me en den Dreck trett, je widder (weiter) sprützt et Elbf. — b. übertr. α. gleich spretzt der Kerl en de Loft er ist gleich gereizt Trier, Allg. — β. gespritzt kommen gelaufen k. Ottw; ausenannerspr. blitzschnell auseinanderlaufen Rhfrk, Allg. — 2. trans. a. Wäsche, Wege spr., mit der Giesskanne besprengen Kreuzn-Braunw, NBerg, MülhRh-Marialinden, Köln-Efferen, Grevbr-Hülchr Ökoven (dafür sonst mdl. Zeitw. sprängen, spräuzen, spränzen, späuten, giessen). — b. Bäume, Reben, die Weinberge werde gespritzt wie nhd. (kein Ersatz durch mdl. Zeitw.) Allg. — c. Stein spr. in der Wäsche den aufgespreiteten Eisenstein bespritzen, damit er sich von Quarz u. Schiefer abhebt u. sortiert werden kann, in der Bergmspr. Siegld, Altk. — d. der Darm get gespritzt mit Wurstteig gefüllt Trier-Neuhs Orsbg, May-Mü-Maif. — e. de Wand spr. mit Spritzbewurf Allg. — f. der Bam hengt gespritzt voll (Früchten) Wend-Leitzw. — g. einen (mit Wasser) spr., mit einem Wasserstrahl nass machen; enen nass spr.; sech voll spr. mit Wasser, Schmutz Allg. RA.: Met richen Hären es nit got Kerschen esse, de spr. einer met de Kerne Köln-Stdt. — h. absol. die Klicker gegen eine Wand werfen, daß sie zurückschnellen u. etwa schon daliegende Kl. treffen Simm-Sargenr; Spritzches Saarbr-Sulzb. — Abl.: die Spritzerei, dat Gespritz.

ab- spritzen: 1. intrans.; de Kugel is abgespritzt abgeglitten Rhfrk. — 2. trans. etwas, etwa eine Unreinigkeit a., durch Spritzen mit Wasser entfernen Allg.  PfWB aus -spritzen: 1. das Getreide spritzt aus rert Saarl-Wallerfang. — 2. in der Heilkunde, z. B. das Ohr a. Allg.