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Rheinisches Wörterbuch 
 
spannen II bis Spanndienst (Bd. 8, Sp. 251 bis 256)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB spannen II das Wort ist allg., u. zwar -an-, im Geb. der Schärfung -a·n.- [NWSaarbg, WBitb, WWittl, SPrüm -ā-; im sndfrk. Trübungsgeb. -ǫ-]; heute flekt. das Zeitw. schw.; in den Urkunden begegnet bis ins 15. Jahrhdt. das Prät. spien, spein u. das Part. gespannen; heute noch ist das Part. jəpa·n.ən in Malm, Monsch, Aach, Jül, Dür, Köln, Rheinb u. in Geilk, Heinsb, Erk, n. einschl. Ruhr üblich; das Prät. pē:n in der Selfk; -ī:-

[Bd. 8, Sp. 252]
Kemp-SPeter 1870, n. einschl. Ruhr; -ū·ə.- Sol-Burschd [in der Selfk, Kemp flekt. iχ pǫ·n., du pę·n.ts, hę pę·n.t, vər po·n.ə usf.; der Umlaut in der 2., 3. Sg. Präs. begegnet auch sonst SNfrk noch hier u. da]: 1. trans. a. etwas sp., wie nhd., z. B. ein Seil, Tuch, Gardinen, Garn, den Bogen sp., ein Stück Blech sp., durch beiderseitiges Hämmern die Fläche des Blechs so ausdehnen, dass der gehämmerte Teil sich in den nicht gehämmerten Rand spannt; Holz, Eisen in den Schraubstock sp.; die Mausefalle, den Regenschirm, den Flintenhahn, eine Spiralfeder sp. Allg.; dem Hochzeitspaare nach dem Verlassen der Kirche über die Strasse et Sel sp. von Kindern, die den Weg erst frei geben, wenn sie Geld erhalten haben Rip; Lingke (Leine) sp. Mettm, Nfrk; der Rock spannt en de Scholder ist zu eng; der Buch (Bauch) es em gespannt geschwollen Rip, Allg. RA.: Sej sp. en Lintje handeln einträchtig Emmerich. Mer moss et Selchen (Seil) net hühter (höher) sp., als mer sprengen kann nicht über seine Verhältnisse leben, zuviel über seine Kräfte erstreben Sieg-Thomasbg. Dau muss de Foadem net ze streng sp. sos flegt he kapot bei der Erziehung der Kinder nicht zu strenge sein Bitb-Dudeld. Me mott der Boəge net te hart sp. MGladb, Erk. Sall e halden en de Läng (in der Dauer), dann spann der B. nit zo streng! Köln-Stdt. Annemarei, span de Gei (Geige), Viulenkraut, iwwermuar geste'n Braut usf. Trier-Schleidw, WMosfrk. He spannt de Bart führt das grosse Wort Kemp-SPeter. Et Reit (Recht) spannt de Krūən (Krone, die über die Strasse gespannte Blumenkrone) das Recht wird gekrönt MGladb. Einem Jungen de Botz (Hose) (de Boddem) sp. den Hosenboden straff anziehen mit der einen Hand u. mit der andern H. mit dem Stock auf das Gesäss hauen; wart, du kris vam Vatter de B. gespannt; der hät se g. krege Rip, Allg. He het de Futt (Gesäss) gespanne die Hose sitzt stramm MülhRuhr. Spann de Balg (imperat. Wortform) scherzh. Bohnengemüse Gummb-Marienberghsn Nümbrecht; der Spann den Kneppel scherzh. Steuerinspektor Saarbr-Kl Blittersd. De kann en Flohfutz (-vulva) iwer en Bauchbitt (Waschbütte) sp. er kann mehr wie andere Leute Simm-Laub. Spann et Rendak (Regenschirm) open (offen)! NBerg, Allg. im open-Geb. — Sech sp. sich straffen; dat Sel spannt sech (udgl.); et spannt sech reibt sich, hat nicht Platz, Luft Rip, Allg. RA.: He spannt sek en de Bocks (Hose) strengt sich aus voller Kraft an Elbf. — Mit gespannten Fingern, der Handspanne abmessen, bes. beim Klickersp.; wenn der Schnellklicker vom Kl. des Gegners, der nicht getroffen ist, eine Handspanne entfernt liegt, spannt der Werfende de Hand von seinem Klicker bis zum Kl. des Gegners; erreicht er mit seiner Handspanne ihn, so gilt sein Wurf, wenn dies vorher ausgemacht wurde, auch beim Werfen nach dem Malstrich zur Bestimmung der Reihenfolge der Spieler; vie wellen ens sp., wer am nöhdsten dran es; sp. donn klickern Berg, Allg.; sp. on tätsche nach dem Sp. mit seinem

[Bd. 8, Sp. 253]
aufgehobenen Klicker den des andern anstossen Bergh-Bedbg, Neuw-Kurtschd; ek kann dek sp.! Gummb, Allg.; der Werfer ruft: spannen (spanne(n)s) u. er darf sp., wenn der Gegner ihm nicht mit spannen net! zuvorgekommen ist (bott spann! Wend-Breitenh; spann sich! um sp. zu dürfen Wend-Thallichtenbg) Allg.; man nennt ein solches Klickersp. spanneschesse Bergh-Elsd, Geilk-Floverich; Spannches (doh) Altk, Siegld, Simm-Dichtelb, Saarbr; Spannches wirrer de Wand einer wirft den Klicker gegen eine Wand, ein zweiter danach; dann wird mit den Fingern gespannt; reicht die Spanne, hat der zweite gewonnen Siegld. Seide spannes mir! Zuruf beim Klickersp., der es dem Rufer gestattet, die Lage seines Klickers eine Spanne weit seitwärts zu legen Merz-Büschf Nunk; der gespannte Knippsten es verloren Gummb, Allg. — Sp. eine Tour beim Fangsteinsp., wobei die Steine in Spannweite hingelegt werden Merz-Haustdt, Zell-Pünderich; eromsp. die Lage der Klicker im Sp. ändern Ottw-Hirzw. — b. einen sp. α. einen iwersp. ihn zum Verprügeln überlegen Simm. — β. die Kuh sp., auf der Weide an einen Pfahl festmachen, tüdern, — fortsp. weiter sp. Heinsb, Geilk. — γ. Zugtiere an (en) de Kar sp. Rip, Allg., — op de Kette sp. Vorspann nehmen Mörs-Baerl, — op Repen sp. Kref-Fischeln, — op den Bom sp. uWupp; mer sp. an de Plou (Pflug) gehen pflügen Merz-Haustdt. RA.: Et hät wat te sägge, met en olts Perd te egge; en spannj (spannst du) en jonge derför, den rett ow de Taue dör! Emmerich. De es zo langk, för en en Kar, un ze kort, för en ne Wage ze sp. er taugt für rein nichts Köln-Stdt. Enem op den Bom sp. ihm helfen uWupp. Et Perd (der Oss »Ochse«) henger den Wagen sp. etwas am verkehrten Ende anfangen Elbf, Köln, Birkf. Sponn ech dat P. en de Kar, et geng net hott on n. har; du spen ech et en de Eəg, du gong et net ut der Weəg, du spen ech em an de Plog, du geng et och net got genog; du wol et noch net laupe, du moss ech em verkoupe Heinsb-Kirchhv, — nit genug; hei spann em för dat Is; dat I., dat riss; dat Perd, dat schiss; de Köttels, die floge; da's all geloge; Mörs-Pelden. All de Hölpen baten (nützen), sät de Möhn (Frau), du spien se den Hahn (en Möck) för de Schörgskaər Kemp-SPeter, Geld-Leuth. Spann de Katt för de Augen (on kik dor de Löker)! setze die Brille auf Klevld, — on kick die dor de Brelle! Mörs-Xanten, — en kik dör et Wettmänntje! Emmerich. Spann je en Kette för de Schiene! dann geht es gut voran MülhRuhr. Er os su stolz be en gespannte Hänn (Hahn) Koch-Weiler. Hej löppt äs en gespannde Has Meiderich. Metgespannen, nich metgeschlohn die junge Frau ist zwar mit mir verheiratet, schlägt aber nicht recht ein Ess-Frintrop. — 2. übertr. a. absol. α. die Ohren spitzen, aufmerksam zuhören, meist vom Kinde; auf etwas lauern, sein Augenmerk richten, etwas zu erreichen trachten; gell, do spannt en emol; of ebbes sp. Saarb Ottw, Saarl, Kreuzn-Sobernh, Hunsr, Bitb-Philippsh, Kobl, Neuw-Heddesd. RA.: E spannt wie

[Bd. 8, Sp. 254]
en Unk Goar-OSpay, — wie en Katz op en Maus Kobl-Neuend. — β. mit den Augen messen, staunen, sich wundern; do kusse (konnte er) sp.; no spann! Ausr. der Verwunderung; spann üm (ihn)! sieh an Rees, Klev, Sol-Pattschd. — Abseits in der Kundenspr.: wat hot den Hauts (Bauer) de Schärp (Mädchen) gespant! beguckt Trier-Zemmer, Bitb-Speicher. — γ. do sin ich awwer mol gespannt, — m. druf g. neugierig, begierig, etwas darüber zu erfahren Rhfrk allg., — g., wat e sät; en gespannde Geschicht Rip, Allg. RA.: Ich sen g. wie e (alder) Renschirm (en al Pareplü, en aul Rendak) Birkf, Allg. — e Flitscheboge (Flätsche-) Rip, Verbr. — δ. hönger en en sp. ihn scharf ins Gebet nehmen, ihn tadeln Schleid, Malm, Monsch. — ε. düchtig en de Erd sp. tief pflügen Rheinb-Wald. — b. etwas sp. α. etwas fortsp. verschieben, noch etwas warten MGladb-Rheind; Schnäjele (Schnecken) fortsp. unnütze Arbeiten verrichten May-Hatzenport. — β. etwas sp., Geld sp. Geld leihen, borgen; spann mer jet, — Geld; der kann sp. Sieg-Ägid ODollend Rhönd. — γ. enem eng (eine) sp. etwas einbrocken, einen Streich spielen Aach-Merkst, Geilk-Palenbg. — δ. der hat se gespanne er ist bezecht Aach-Walh. — ε. mat äm op gespannten Fuss stohn (lewen) in Feindschaft Bitb, Allg. nach dem Nhd., (spannens Foss Eup-Raeren). — c. einen sp. α. an sich locken Elbf. — β. enen an de Arbet sp. an eine Arbeit stellen Rip. — γ. Prame sp. Bremsen reizen Heinsb-Breberen, — δ. ene derochter sp. ihn zurechtweisen Heinsb-Lümb. — ε. der is iwerspannt hat es hoch im Kopfe Simm, nach dem Nhd. Allg. — d. sich sp. α. sich sperren, durch Worte u. Gebärden sich gegen einen zur Wehr setzen; nu sponn dech mar net long on donn, wat ech bevoəhlen han! Heinsb. — β. die Kräfte anspannen Sieg-ODollend. — γ. sich herausputzen, um etwas vorzustellen, sich etwas einbilden; se spännt sich MGladb. — δ. sich derhenger, h. jet sp. mit Eifer etwas zu erreichen suchen; auch der Jong spannt sech henger dat Mädche Rip. — Abl.: die Spannerei, dat Gespann(s).

ab- spannen: 1.a. das Zugtier a., aus der Karre sp., auch et Perd van der Plog a. Rip, Allg. RA.: Er hät net afgespannt, bie et Zeit wor hat das Mädchen geschwängert Neuw-Datzeroth. — b. mit der gespannten Hand die Entfernung zweier Klicker messen Bergh. — 2. afgespannt sen müde, kraftlos sein Rip nach dem Nhd. Allg.  PfWB an -spannen: 1. das Zugtier, den Wagen a., in den W. sp., bes. auch das junge Tier a., anlernen Allg. RA.: Wer sich a. liet (lässt), muss och trecke wer sich an etwas beteiligt, muss auch die Folgen tragen Köln-Stdt. E hät sich a. gelosse der Bursche, der das Mädchen schwängert Neuw-Datzeroth. — 2. einen a., übermässig zur Arbeit anhalten, anstrengen Allg. auf -spannen: 1. etwas in die Höhe sp., z. B. eine Guirlande Allg. RA.: Et spännt de Kruən (Krone) op es ist übertrieben, z. B. tagelang anhaltendes Regenwetter MGladb-Rheind. — 2. den Schirm a., öffnen wie nhd. Allg. (nicht im nfrk. open-Geb..)

[Bd. 8, Sp. 255]
aus -spannen: 1.a. das Zugtier a., vom Wagen (udgl.) abschirren Allg.; auch den W. a. Allg. RA.: Enem de Kar utsp. einem Freier sein Mädchen abspenstig machen Lennep, Sol. Spannut rope vor Schmerz schreien MGladb-Rheind. Er hot ausgespannt ist gestorben Kreuzn-Langenlonsh. — b. ausspannder! Zuruf beim Klickersp., der dem Rufer gestattet, die Lage seines Klickers zu ändern Goar-OWesel. — 2. übertr. a. einem etwas (ein Mädchen) a., abspenstig machen Allg. — b. absol. u. van der Arbet aussp. u. sich a. Ferien machen Rip, Allg. ein -spannen: 1. ein Zugtier e., den Wagen e., wie nhd. Allg. — 2. dief (drei) asp. tief (nicht t.), pflügen Wittl-Dörb. um -spannen: etwas u. (), nach dem Nhd. PfWB ver -spannen: verspanne sen mit Arbeit überladen sein; Fridig on Samstig sind ärg versponnde Dag Eup, Geilk, Erk, Kemp, Neuss. RA.: Ech bön esu verspanne wie en Pann en der Fasteloəvend Allg.vor -spannen: absol. u. ein Pferd v., wie nhd. Allg. RA.: Wej mödden noch döck (oft) jö, jö rupe, ehr wej öwer de Berg sind oder dor mott all ene försp. Mörs-Rheinbg.zu -spannen: den Schirm z., wie nhd. Allg.

 PfWB Spann -a- m.: 1. Sg. t. das Treiben eines Stossortes über einer zu Bruch gegangenen Strecke; das Treiben einer sonstigen Hülfsstrecke, in der Bergmspr. Wurmgeb. — 2. -n, Pl. -·n.ə die Spanne am Fuss; op ene Sp. LRip (hier u. da), Eup-Raeren; sonst Spanne (s. d.).

An- spann: das Anspannen des Zugtieres Siegld. — En Ansponnsvüəle ein Füllen, das zum Anlernen angespannt wird Kemp. Aus -spann: 1. Stelle, wo man die Zugtiere ausspannt; Stall zum Einstellen, gegen Entgelt; de ha do der Ussp. Siegld, Neuw (auch f.). — 2. Mitgift, bei den Bauern Eup. Ein -spann: ēnpęn n. Gabeldeichsel für ein Zugtier Dinsl-Spellen, Rees-Obrighv Ringenbg Schermbeck Weselerwald.Vor -spann: das Pferd, insofern es vor die in der Deichsel ziehenden Pferde zur Hilfe vorgespannt wird; V. holle (nemme), auch et Füərspannsperd Rip, Allg. Förspann op de Kettengs (auch Kettenperd) Klevld; e gut Förspannsperd, wat gut op de Kettings treckt Geld; die Fürspannskette (-seler Jül, -klenke Geld-Hinsbrck, -zoge Aden, Sieg, -bügel Gummb) sind an dem Fürspannshok, –krampen (-stropp Rip, -penn Erk-Beeck, -nock Mettm, -ring Hunsr) des Karrenbaumes befestigt Allg.Ge -spann: n. 1.a. -an die angespannten Zugtiere, bespanntes Fuhrwerk; en En-, Zweigesp. Allg.; -ę- Saarbr, Saarl-Büren Itzb, Merz-Oppen Reimsb (das junge Zugtier en't G. duhn anlernen); -ę-, alt -- Gummb-Berghsn; Gespānsknecht der Hauptknecht, der die Fuhren besorgt Bitb. — b. ebenso lautend; e schen G. eine schöne Gesellschaft (ironisch) Saarbr. RA.: Jong on alt git ke G. Jül. Frau a Man as e G. WBitb, WEif, Verbr. — 2.a. Tür-, Fenstereinfassung Malm; et Veergesp. (Vier-) der Tischsteg Gummb-Homburgisch. — b. Egespa gegabelte Deichsel, zum Einspannen eines Zugtieres Siegld-Bottenb Buschhütten; Ägespa oFerndorft Litfet; Egespann Prüm-Pronsf. — c. Gespänner Pl. Dachstuhl Mörs-Neuk.

[Bd. 8, Sp. 256]

Spann-ader (s S.) Siegld-UWilden, Sieg, MülhRh, Sol, Mettm, Elbf f.: Fesselsehne, die starke S. hinter dem Oberschenkelknochen bei Mensch u. Tier. Spann-älse -ęlts Klev f.: krummer Schusterpfriemen. Spann-balg Aach-Eschw m.: scherzh. dicke Suppe, meist aus Hülsenfrüchten. PfWB Spann-balken Wend, Neuw-Dernb m.: Dachkäffer. Spann-baum Mörs-Sonsbeck m.: Knebel, zum Zusammendrehen der Ketten über einer Wagenladung. Spann-bogen Mettm, Sol, uWupp m.: Armbrust, Pfeilbogen. PfWB Spann-bolz Neuss-Glehn m.: die hintere Querstange zwischen den Wagenleitern. PfWB Spann-brett (s. S.) n.: 1.a. Br. des Handwebers, mit dem er das Tuch auseinanderspannt Bitb-Dudeld. — b. Br. des Schusters, über das er das Leder spannt Wend. — 2. Sp. spiəle Sp. der Mädchen, wobei über die Finger gespannte Fäden abgehoben werden u. Figuren bilden Aach-Stdt. Spann-bügel (s. S.) m.: 1. B. an der Häckselbank, Verbindung zwischen Tritt u. Messer Sieg. — 2. B. über dem Planwagen, über denen die Plandecke befestigt ist Kemp-UWeiden.  PfWB Spann-dienst (s. S.) Allg. m.: wie nhd.; Hand- on Sp.ə.