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Rheinisches Wörterbuch 
 
Tross III bis Tröster (Bd. 8, Sp. 1396 bis 1399)
 
 Tross III das Wort, ndl. tros, spätmhd., mnd.  Lexer trosse f., tros m., zu mlat. trossa, ist, je nach Geb. in verschiedener Bed., vereinz. im Rip (s. 1), geschlossen in Heinsb-Millen, Kemp-Stdt Kaldenk, Kref-Strümp u. in Geld, Mörs, Klev, Rees, Dinsl-Walsum, Duisb verbr.; abseits trysχə Neuw-Stdt, dros Birkf-Stdt, u. zwar: trǫs Eusk-Lechenich, Köln-Stdt, uWupp, Sol; -- Aach-Stdt, Kemp-Stdt, sonst -ǫ- [-u- Geilk-Brachelen, Kemp-AmernSAnton Kaldenk SPeter, Kref-Strümp, Mörs-Asbg, Dinsl-Walsum, Duisb]; Sg. t. m., Demin. -sχə(n), –skə [-y-], Pl. -χər, -kəs: 1. Menge, Haufen, von Menschen u. Sachen, bes. auch von Lebensmitteln, z. B. ein grosses Stück Fleisch, ein Haufen Gemüse Rip (s. o.), Sol, Birkf-Stdt, Gefolge Emmerich. — 2.a. Busch, Strauss uWupp 1870. — b. Bündel von Früchten

[Bd. 8, Sp. 1397]
od. Blüten, bes. Anzahl (Traube) zusammenhängender Früchte, Beeren, Kirschen, Haselnüsse; ene Tr. Kersse SNfrk (s. o.), Klevld, Neuw-Stdt. — c. Büschel Haare, bes. die Stirnmähne des Pferdes Klev-Appeldorn Keppeln Luisend. — d. et rent (regnet) Tr. bei Regen mit Schlammbildung Eup-Stdt.

Tröss'chens-beeren trskəsbzə Verbr. nach Wk. III 30 (Johannisbeere) in Geld-Schravelen, Klev, Rees-Emmerich Hüthum KlNetterden Speelbg Pl.: Johannisbeere. Tröss'chens-flette trskəsvlęt Klev-Zyfflich; -vilętə Hülm, Geld-Schravelen f.: Bartnelke, Dianthus barbatus.

Ge-trösse -trsə Gummb-Berghsn Sg. t. n.: ein langer Zug, z. B. von zwei hintereinandergebundenen Wagen, die von einem Pferde gezogen werden; dat es en lang G.

Trosse trǫs, Pl. -sə(n) f.: 1. schweres Schlagtau der Schiffe Rheinschiff. — 2. seidene Bettdecke Kemp-SPeter.

Trossen-winde (s. S.) f.: W., zum Aufwinden der Trossen, in der Schifferspr.

trossen verbreiteter als Tross; Rhfrk, Mosfrk (s. u. die Belegorte) drosə(n), –ǫ-; sonst trǫ- (s. u. die Orte) schw.: 1. trans. a. mit Kindern daherziehen, sie tragen, schleppen, mit ihnen spielen; schwer schleppen, arbeiten Mörs-Wallach, Klev-Kalkar Warbeyen, Köln-Stdt. — b. absol. spielend arbeiten, langsam machen, zögern; tross doch nit esu lang! Neuw-Dattenbg, Gummb-Berghsn, Mettm-Haan, Grevbr-Garzw; sich langsam kleiden Sol. — c. etwas, alle zusammentr., herbeitr., zusammenbringen, herbeischaffen (nach langem Suchen), zusammentreiben; er dut ebbes zesametr.; mer han se all zesammegetrosst Meis, Birkf, Hunsr, May-Hatzenport (-drsələ), Kobl-Bendrf, Neuw-Dattenbg. — d. e getrosst Gesicht aufgedunsenes G. Kreuzn-Winzenh. — 2. intrans. a. schwer auftretend, beladen, aber doch schnell gehen; sich tr. sich drehen u. doch rasch fortkommen (meist getrosst); schwer auftreten Rees-Haldern, Geld-Veert; -- Koch-Lutzerath. — b. vor de Märt (Markt) tr. mit einem schweren Korbe zum Markte gehen Klev-Kalkar Warbeyen. — c. eilig laufen Siegld-Obersdorf 1840. — d. herumtr., umherziehen mit andern, langsam schlendern Kreuzn-Monzing, Birkf. — Abl.: die Trosserei, dat Getross.

ab- trossen: 1. sich wegmachen. — 2. ech sen so abgetrosst so müde, abgehetzt Birkf.  PfWB auf -trossen: 1. etwas a., etwas auftreiben, auffinden, ausfindig machen; se hat sich e Kend afgetrosst hat sich eine Schwangerschaft zugezogen (beim Herumziehen); wo host dau den Hut elo ofgetr.? Birkf, Goar, Kobl, Koch, Bernk, Trier, Wittl, Neuw-Dierd. — 2. ofgetrosst aufgedunsen Ottw-Theley, Zell-Enkirch.

Tross -ǫ- Mörs-Wallach Sg. t. m.: schwere Arbeit; den Tr. van schmärges (des Morgens) fif bös soves (des Abends) tihn.

Trosse Birkf Sg. t. in der Wend.: Of die Trosse gehn; er es of der Tr. auf die Suche gehen von Ort zu Ort; er zieht umher, auch bei Bekannten im Dorf.

[Bd. 8, Sp. 1398]

 
 Tröss (vgl. schwäb. Tros m. Rückstand beim Pressen; Truse f.) trs, –-, Pl. -sə LRip am WRand in Malm, Monsch, Schleid, Heinsb-Erpen m.: das, was in einem Trinkgefäss zurückbleibt, wenn es ausgetrunken ist; he hät en Tr. gemat; Pl. auch Rest von Brot, Kuchen in der Schublade, im Brotschiffchen.

Trössel -s-, Pl. -ələ m.: 1. Tröss Schleid-Hellenth. — 2. Mastfutter, auch von menschl. Speise, die alle mögl. Bestandteile zu einem dicken Brei vereinigt Heinsb-Erpen.

trösseln schw.: 1. Flüssigkeiten schlabbern Schleid-Hellenth. — 2. im Wasser planschen Monsch.

trössen verbr. wie Tröss schw.: 1. Reste stehen lassen. — 2. eine Flüssigkeit auf dem Tisch umstossen. — Abl.: die Trösserei, dat Getröss.

Trost I -o- = eingenähte Falte s. Truste.
 
 
Trost II das Wort ist allg., u. zwar drōt, –ō:-, –ū:- Rhfrk, Saar bis zur t-st-Linie; n. davon Mosfrk drō:st, –ū:-, –o·u.-; Rip trū:s; OBerg trū:s(t), trōst; NBerg -ō-, –ū:- [Barm -ū·ă.-, Elbf -ō·ă.-]; SNfrk -ū·ə.s(t) [doch in Eup-Stdt, vielf. in MGladb, Kemp nach dem Nhd. -ō:-]; Klevld -ōst [in Klev vielf. -ø-; MülhRuhr -ū·ă.-] Sg. t. m.: 1. wie nhd.; dat wor e schlechten (gerengen) Tr. fir hen Bitb, Allg.; dat es menge Tr.; et es mer ene gode Tr., dat de bei mer bes; enem Tr. enspreiche; dat hät e mir zo Tr. gesat Rip, Allg. RA.: Gott es mengen Tr Wermelsk, Verbr. Op ze Gott, beim Deiwel os ken Tr. Daun, Neuw-Asb. Ene gode Tr. es besser wie Schlä (Schläge) MülhRh. Der beste Tr. beim Verleren es et Vergesse Köln-Stdt. Et es kene nettere Tr. als wie en Kaffeduəs für die Kaffeetanten Dür-Gürzenich. Er es net rech bei Tr. nicht recht gescheit, unzurechnungsfähig Rip, Allg., — bei Trosten Trier-Conz. — Trusten Daun-Pelm, — Tröəsten Gummb-Nümbrecht. — 2. übertr. a. kosend en Köppche (Pöttche, Backche) Tr. eine Tasse (Töpfchen) Kaffee Rip, Berg, SNfrk; en Trüs'che Köln-Stdt. — b. scherzh. Jomferntr. penis Elbf.

Trost-brühe -brī: Kobl-Vallendar f.: scherzh. Kaffeegetränk. PfWB trost-los Adj.: nach dem Nhd. Rip hier u. da. PfWB  ElsWB  LothWB trost-mütig -mī:dĭχ (s. S.) Saar von Saarl an, Trier, Bitb, Prüm, Malm Adj.: schnell niedergeschlagen, mutlos, bei Krankheit nicht mehr an Gesundung glaubend, trostbedürftig; tr. drankucken (drein-); tr. do setzen; en tr. Gesicht; de Tr.midigkät. Trost-reif Trier-Stdt.: sehr tröstlich.

trösten drēdən, –ī:-, –ē:sdə(n), –ī:-, –e·i.-, Part. ohne Rückumlaut; trȳ:stə, –ȳ·ə.-, –ȳ·ă.-, –·ă.-, Part. jətrus(t), –ū:-, –o- Allg. schw.: 1.a. einen tr., sich tr., wie nhd.; er kann sich ämol nit dodriwer tr., darr em de Fra so frih gestorb is Rhfrk, Allg.; du kanns dek mit dem NN tr., dem geht et noch schlechter; tröste dek, do geht noch meh hin! wenn einer jammert, dass er etwas hat fallen lassen; tr. d., dat wor dat letzte Mol noch nich! OBerg, Allg. RA.: Mi Vatter, Gott trüəs en (en de Iəwigkēt), — sin Siəl (auch einfach G. tr.!) gesagt bei der Erwähnung eines Verstorbenen SNfrk, Rip, Mosfrk; stirbt ein Bekannter, mit dem man in Feindschaft lebte: Gott trüs sin Sil

[Bd. 8, Sp. 1399]
un der Düvel sin Arschloch! Köln. Tröst dek met Hiob! NBerg. — b. et Brüttschestr. weltl. Vorfeier vor der standesamtl. Trauung Mörs. Brügem (Bräutigam), set getrös, gej kommt nou mords in de Rös (Rüste, Ruhe), on wej welle hope (hoffen), dat gej ock mords bej de Frauw söllt schope bei der Bräutigamströstung (s. d.) Geld-Schravelen. — 2.a. getrus(t) ohne Scheu, ohne Angst, gottergeben, mit gutem Gewissen; gank nur g. derlangs, de Hond bīss doch net; ech han et alt getr. jedohn, ech wollt kene Streck (Streit) han; bes. g., Gott helpt der! Rip, Berg. — b. ongetr. α. unbehaglich, ungemütlich, jämmerlich; de hät en o. Leəwen Berg. — β. vernachlässigt, unordentlich; dat süht so o. ut MGladb. — Abl.: die Trösterei, dat Getröst.

an- trösten: das Vieh muss angetruəs werde beim Tode des Bauern od. eines Angehörigen; es wird jedem Stück zugerufen: Stern (Bläss udgl.), dengen Här es duət! Grevbr-Jackerath.ge -trösten: 1. in der Formel: Mei Grusspapp, Gott getrischten! Saarbg, Mosfrk, Rip. — 2. sich g. a. sich fügen, ergeben; sech tr., jet ze verliere; ich hatt mich at getrus, fuffzig Daler anzelege; he kann sich g., he krit seng Klöpp; sich an einem (etwas, auf etwas) g., an seinem Geschick Trost für sich finden; getrüs dich an mir, ich han et noch schlechter wie du Rip, Mosfrk, Nfrk. — b. sich einer Untat g., dazu hergeben; der getrüs sich dozo net; sich des Stellens (et Stelle »Stehlen« udgl.) g. Rip, SNfrk. RA.: We sich des Stellens (et Stellen) getrüs, moss sich och des Hangens (et Hange) g. Dür, Aach, MGladb. — c. he hät sech aller Ihr getrus hat alles Ehr- u. Schamgefühl abgestreift Rip. RA.: Wer sich der Ihr getrus hät, geht der Schangde (Schande) frei Schleid-Reifferschd, — es de Sorge ohn Sieg, Köln. Den hēsst Joust (August), hen os aller Ihre getroust Prüm-Ihren. ver -trösten: 1. einen v., wie nhd.; de kann äne immer so schen uf bessere Zeire v. Rhfrk, Allg. — 2. eich se vertreist! ruft das Kind beim Nachlaufsp., das etwa bei Seitenstechen ausruhen will u. nun nicht angeschlagen werden darf Merz-Waldhölzb.

Tröster Sg. u. Pl. m.: 1. wie nhd. allg. RA.: Nem gode Tr. deiht der Kopp nit wieh man hat gut trösten, wenn man keine eigenes Leid hat Köln-Stdt. — 2. übertr. scherzh. a. derber Stock zum Prügeln Kreuzn-Sponh, uWupp, auch sonst verbr. — b. Kaffeekanne, von alten Frauen so genannt Köln; der schwarze Tr. Siegld. — c. Saugstopfen, Schnuller des Säuglings Kobl, Lennep; Trüsterche Altk-Willr. — d. menschl. Kothaufen Altk-Herdrf. — e. penis Verbr.; Jumferetr.