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Rheinisches Wörterbuch 
 
Troll II bis Trommenbühne (Bd. 8, Sp. 1385 bis 1389)
 
 Troll II in zwei Geb. α. NLRip u. SNfrk. β.Geld (s. u.) trǫl, Pl. -·l.ə, Demin. -·l.χə, –·l.əkə m.: 1. ein Zweig voll Früchte, bes. Kirschen, Beeren; Stiel voller Blumen; ene Tr. Kiərsche NBerg, Jül, Grevbr, MGladb. RA.: Die Tent (Hütte) huckt an den Troll steht am Wege MGladb. — 2.a. Kreisel Geld-Aldekerk (--) Hartef Nieukerk Stdt. — b. Trölleke übertr. kosend für den Kopf kleiner Kinder Geld.

Trollen-böllchen trǫ·l.mbləkə Geld-Stdt n.: Troll 2 b.

trollen I trǫ·l.ə Geld-Hartef Nieukerk Stdt schw.: Kreisel spielen.
 
 
 PfWB trollen II das Zeitw., zu dem auch die oben aufgeführten Wörter troll, Troll gehören, ist Rhfrk in Saarbr, Ottw, Wend, Bernk-Rhaunen, Simm-Schlierschd, Goar-Heimb, Mosfrk an der Saar, Mos bis Zell, WEif. verbr; im Rip hier u. da Sieg-Ägid, MülhRh, uWupp, SNfrk in Kemp-SHubert Lobberich (dr-), Geld-Stdt (trǫălə), u. zwar dro·l.ə, –ǫ-; im Rip usf. tr- [Zell-Briedel -u-; in Merz, Saarbg hier u. da, Trier-Pluwig -l-; WSaarbg WBitb -e-, –ø-, Part. gədrǫ·l.t] schw.: 1. intrans. radähnl. od. auf dem Boden umherrollen, hin- od. umfallen, herabkollern, einstürzen; getrollt sen gepurzelt, gefallen sein, bes. von Kindern; hean as dohigetrollt; dohergetrollt komme; elo trollt en da liegt er, sich wälzend; de Äppel trolle vum Bam; den Humer (Hammer) trollt of em Bodem; et Brot tr. am (im) Dreck; die Kläder tr. an der Stuf (Stube) (erum); iwer seng ege Bän (Fiss) tr.; ich hauen der än, dats de iwer Kopp on Oərsch trolls; hannen dran (drein) tr. tänzelnd hinterdrein gehen; eraftr.; erantr.; lo eremtr.; ebbes eremtr. lossen ohne Ordnung herumliegen

[Bd. 8, Sp. 1386]
lassen; dat Geschiər hat lang genug do erumgetrollt; eronnertr. WMosfrk, Allg.; faulenzend herumliegen, sich umhertreiben Allg.; der trollt schun acht Da lo erom Trier-Heidenbg, Prüm-Mürlenb; ohne bestimmtes Ziel einhergehen Kemp-Lobberich, Geld-Stdt (-ă-); der N. ehr Strimp tr. rollen herab; et git Rēn, er hot getrollte Str. Simm-Schlierschd, Saarbr-Güding. RA.: Tr. wie jong Katze sich balgen Saar. De kemmst getrollt wie en Kuh, de muscht e For (Farre, Stier) sen Saarbg-Taben. De Äppel tr. wie gerēnt kollern herab Merz-Hilbring. Dau trolls dran (drein) wie en Sau an (in) de Wessebrei (Weizen-) du richtest mit deinem unvorsichtigen Reden Unheil an Bitb-Geichl. En trollt dorom wie en Bonsel (Kotklümpchen) ön der Bach der Betrunkene torkelt hin u. her Trier-Stdt. Dau trollscht mer op em Herzen bist überflüssig Merz-Saarhölzb. — 2. trans. a. sich tr. α. sich auf dem Boden herumwälzen, sich balgen; ech hauchen dech, dat de dech trollscht o wänzelscht; en hat sich getrollt un gewälzt vor Lachen (Pein); sich de Berg eraftr.; sich eran-, erunnertr. Saar, Allg. — β. sich müssig umhertreiben; sich (erum)tr. Allg. — γ. sich beeilen; du moscht dich awwer tr., sonscht es der Zug fort Ottw, Allg.; sech heromtr. sich beeilen, plagen Kemp-SHubert. — δ. sich wegmachen, sich langsam davonmachen Allg. — b. etwas tr., ungleich drehen, wälzen Saargeb.; ein Fass irgendwohin kollern Allg. — Abl.: die Trollerei, dat Getroll(s).

ab- trollen: Verstecken spielen SSol.an -trollen: dass. Sieg-Altenr.aus -trollen: auszählen, durch einen Abzählreim bestimmen, wer beim Spiel Fänger sein soll, Verstecken spielen MülhRh-BGladb Herkenr Immekeppel, Wippf-Kürten.ein -trollen: einstürzen WBitb.

 PfWB Troll Sg. t. m.: 1.a. em Troll sen in Eile sein Goar-Gondershsn (abseits). — b. eine Tanzart de Borksen Droll Rees-Ringenberg. — 2. Rufn. für einen männl. Hund Meis-Bärenb, Simm, Merz-Weisk, May-Galenbg, Siegld-NSchelden, Eusckommern.

Troll-hafen -hāwə Saarbr-KlBlittersd m.: in der Wend.: Wennschte nit ofhirscht (mit deiner Unart), kemmschte in de Tr.! zu Kindern. Troll-häus'chen -ę·i.- Prüm-Stdt n.: Karussell. Troll-mitsche -ləmit Saarbr-Nassw f.: ein mit Teig umbackener Apfel. PfWB Troll-schobben Kreuzn, Simm-Schlierschd m.: Wein im offenen Glase, das in einer Tischgesellschaft beim Abschied die Runde macht, bis es leer ist; beiss em de Kopp ab! sagt man dem ersten; reiss em de Schwanz aus! dem letzten.

Trolle drol Sg. t. f.: 1. halb Tr. Pause bei der Spinnmai (-stube) an den Winterabenden; sie wird bis zu einer halben Stunde ausgedehnt, etwa von 8—8,30 Uhr; in dieser Zeit begibt sich das Jungvolk auf die Strasse u. treibt allerlei Neckereien u. Unfug Simm-Laub. — 2. dumm Tr. dummes Weib Simm-Schlierschd.

trollern drolərn Siegld-Obersd 1840 schw.: schlecht spinnen.

Trollert drolərt, Pl. -də Goar-Salzig m.: verächtl.

[Bd. 8, Sp. 1387]
Tölpel, ungeschickter Mensch, Dickwanst, bes. von einem Kinde.

 PfWB  PfWB  LothWB  LothWB Trolles droləs, –ǫ-, Pl. -əsə m.: 1.a. verächtl. einer, der stets umhertrollt, herumlungert, Bummler, der mit der Arbeit nicht voranmacht Merz, Saarbg. — b. Kind, das sich in jedem Schmutz trollt Merz-Saarhölzb. — c. schweres, kugeliges Kind,; kleiner gedrungener Mensch, Dickwanst; en decken Tr. Saarbr, Wend, Saarl, Merz, Trier-Thomm, Wittl-Bruch. — 2. Rolle mit Holzstäbchen in der Karrassel Wittl-OKail.

Trölles trø·l.əs m.: 1. ene gode Tr. gutmütiger Mensch Ahrw. — 2. Sg. t. a. scherzh. ein guter, starker Kaffee Sieg-Fussh, Waldbr. — b. Kopf Geld-Stdt.

trolligen droljən Saarbr-Völkl schw.: refl. sich tr., balgen u. wälzen.

trollzen drolts-, –ǫ- Wittl-OKail, Neuw-Datzeroth schw.: sich tr., umherrollen, sich im Bette wälzen, sich in einer Gegend umhertreiben od. in Wirtshäusern. — Abl.: die Trollzerei, dat Getrollz.
 
 
Trollinger drǫl- Mos (veralt.) m.: Traubensorte, schwarzer Muskateller.
 
 
Trölmes trølməs, Pl. -əsə Neuw-Ohlenbg m.: verächtl. unbeholfener Mensch, Tölpel.
 
 
Tromme das Wort, ahd. trumba, mhd.  Lexer trumbe, trumme, hat auch im Rhein. die Grundform trumme, u. zwar Rhfrk drum, -o-; Mosfrk -o·m., –u-; sonst tro·m. [Köln-Stdt, WSelfk, MülhRuhr -u-; um Kemp-Dülken -ǫ-] [das Berg hat schon neben tro·m. das nhd. tro·m.əl; ebenso neben drom auch droməl Birkf, Ottw; druməl »Kindertr.« Simm-Laub] [urkdl. trom Siegbg 1583; dromme gespilt Trier 1594; lermen vf der Trummen Siegld 1610; mit der trumel Aach 1662; die trom geschlagen MüEif 1676; Thrum MGladb-Neuwerk 1686]; Pl. -ə(n), Demin. selten -imχə(n), –e-, –ø-, –kə f.: 1. wie nhd., das Musikinstrument; de decke Tr. die Pauke; de klen Tr. od. kurzweg de Tr., die mit Schlegeln geschlagen wird; de Tr. schlage; en de Tr. schlage (haue) Rip, Allg.; en Tr. ness (nett als) en Tonn fassförm. Trommel Geld; de Regimentstr. Pauke Simm. RA.: de hät ene Buch wie en Tr. Rip, Allg. fress der ene Bauch (Panz) wie en Tr! Simm, Trier, Bernk; e Arsch wie e (gross, dick) Tr. Birkf-Idar, Schleid-Hellenth. De Fra (der Kerl) es su dick wie en Tr. Goar-Weiler, Allg.; su satt (voll, v. gefress) wie en Tr. Rhfrk, Mosfrk. De Tr. hät e Loch kräge die Freude ist gestört worden Köln-Stdt. Do's de Tr. drengeschlage scherzh. man bekommt zur Kirmes leichtes Bier Kemp. Mer ment, mer hät en Tr. en de Uhren bei anhaltendem Lärm od. lästig werdendem Geschwätz Prüm. De hät en Tr. onder de Schöərt (Schürze) ist schwanger Mörs, — de Tr. ömgehange Kemp; he hät ihr en Tr. angehange Sieg-Rhöndorf. Fremb, frech on fromm schleht övverall de Tr. Dür-Gürzenich. De es de Tr. am verjöcke bringt sein Geld durch MGladb. Er hot of sei Fra geschloh as wie of en Tr. Westerw, Allg. En de Tr. haue das Heft in den Händen haben Rip. Deə wellt Hase met de Tr. fange er will unmögl. Dinge tun Aach, Eup, — ene Wolf mö'r Tr. fange

[Bd. 8, Sp. 1388]
Monsch-Kalterherberg. Met de Tr. gewonne, met de Flöət verspeəlt in harter Arbeit erworben, spielend vertan Aach, — met de Pife verlore Köln-Stdt; met et Flötche gewonne, met der Tr. verteərt Heinsb. — Scherzfr.: A.: Wesste och, wat et schwerts Enstroment es? B.: Enä. A.: Da well ich der et sage: en decke Tr. voll Gedresse (Geschissen) MüEif. — Im Kinderld.: Rubbededupp (rubbediwupp), de kölsche Zupp (de franze Z.), der Tambour hät ejen Bocks gepupp (geschissen)! Nachahmung des Trommelschlages Heinsb. Tromm, tr., tr., sag den Bur, ich komm; nemm em Koh un Kälver af on sag och net, warom; tr., tr., tr., ich ben em och nit fromm! Dür-Stdt; tr., tr., tr., höu (hüte) dich, Bur, ich komm, ich breng dich nüs, ich nemm dich nüs en ben ouch net sihr fromm! Aach-Stdt; tr., tr., Triselke, wie roppelt dech dem Buk? Dat deht die kalde Bottermelk on de wärme Kuck (Kuchen) usw. Kemp-Grefr. Trommeldelomm, de ditsche Tr., honnertonvier es e Weltpläsier! Siegld. Tralalabomm, der Petter schläht de Tromm; et Lisett setz sech henge drop, der P. schl. met der Klöppel, drop tr. bomm! Aach-Warden. Herm, schlag Derm, schl. Pip, schl. Tr.! Heinsb, Dinsl. Hermen, schla Lermen (Lärm an), schla Pipen, schla Pummen, der Kaiser will kummen met all sinen Mannen (met iseren Stangen), w. Hermen ophangen! Gummb (nach einem alten Landsknechtld.). Heinzelche, kumm, schla mir de Tr., fihr mir dat Lehnche in Birkefeld rum, schrumm, schr., schr.! Birkf. Marieche, M., wo es dann dinge Jong? Om Nümart, om N. on schleht de decke Tr.! Rip. Ross, R., rill, Fillen wollt net lafen, wollt et de Bauer verkafen; se reiden on (in) et Feld on hon kai Geld; Tr. geschlahn, Bichs geladden, ein Häs'chen moss geschossen sein! Koch-Laub. Brölloəss, setz dich op de Kölleporz; wann de Kölsche komme, dann schlohn mer op de Tr.! Dür-Stdt. Annelies, Katzekies (-käse), setz dech en de Bunne; wenn et zwölf Uhre sin, dann kumme se met de Tr.ə! Köln-Widdersd. — 2. übertr. a. sachl. Trommelartiges. α. der muldenförm. Verbindungsteil des alten Säulenofens mit dem Ofenrohr; er hatte eine Öffnung nach oben, in die man Kochgeschirre einsetzen konnte, sonst mit einem flachen Eisendeckel mit Stiel verschlossen, Rip, SNfrk. — β. eiserne, hohle Ackerwalze Kemp, Klevld. — γ. Fischreuse SNfrk, Mörs, Dinsl, Duisb. — δ. Walze an der Dreschmaschine mit Zähnen, die das Getreide ausschlägt Allg. (vielf. in nhd. Lautung -əl). — ε. hölzerner Kasten zur Deckung der Mühlsteine Goar, Saarbg, Prüm, Gummb. — ζ. Haspel am Webstuhl, von der die Kette auf den Kettbom gebömt wird Kref, MGladb. — η. grössere Dose aus Blech od. Holz, bes. Brottr., in der das angeschnittene Brot aufbewahrt wird Allg., meist in nhd. Lautung -əl; Radkasten an Schiffen Rheinschiff; eiserner Behälter, in den die noch glühenden Backofenkohlen gescharrt werden Bitb, Wittl, Bernk, Koch, Kobl, Goar, May, Daun, Rip, Düss, Erk, MGladb. — En isern Trömmche (Behälter der alten Öllampe), en fett Pühlche (Öl), en wüllen Lömpche (Docht), owen drop en Pitter-Wellemche (Flamme); wat es dat?

[Bd. 8, Sp. 1389]
Gummb-Berghsn. — θ. -məl Ventilator mit Handbetrieb, in der Bergmspr. Saargeb. — ι. scherzh. en decke Tr. sehr dicker Bauch od. ebensolches Gesäss Rip. — b. persönl. verächtl. α. en (decke) Tr. dickes, watscheliges Frauenzimmer Trier, Bernk, Zell, Koch, Rip, Geld, Mörs; trø·m.əlχə Sieg-Scheiderhöhe; -y- Köln-Stdt (u. tru·m.əl m.). — β. tro·m.əl m. einfältiges Weib Monsch-Witzerath.

Trommen- in der Zs. -mə(n)- u. daneben sehr oft -əl, wie –fell, –klüppel, –korde, –schlag, –schläger wie nhd.; dazu Trommen-beine -ē- Gummb-Berghsn Pl.: Tr. han klumpig gewachsene, klobige, nach innen gekehrte Füsse haben; auch für O-Beine. Trommen-bühne -byn Gummb (veralt.) n.: Söllerkammer, die durch einen Kasten, der mit dem Ofenrohr der Stube in Verbindung steht, erwärmt wird.