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Rheinisches Wörterbuch 
 
tatschen bis betätscheln (Bd. 8, Sp. 1078 bis 1081)
 
 tatschen das Schallw., im Ablaut zu totschen, titschen, tutschen, ist Rhfrk, Mosfrk, Rip, Berg, SNfrk, Mörs bezeugt; im Rhfrk meist mit d- beginnend; im Vokal -a-, –ā-, –ā:-, –ę- (im einzelnen s. bei den Belegen) je nach der Empfindung des Geräusches schw.: 1. intrans. a. -a- im Finstern tappen; durch Schmutz, Morast gehen, ohne Rücksicht auf Beschmutzung; plump, träge, langsam herankommen Saarbr-Wehrden, Kreuzn, Simm, Bernk (Hunsr), Merz, Saarbg, Bitb-Ehlenz, Neuw, Altk, Siegld, Sieg, Bo, Jül, Grevbr, uWupp, Sol, Düss; -ā- Merz-Saarhölzb (u. -a-), Daun-Tettschd (u. -ę-), Sieg-Ägid, MGladb; -ę- Koch-Greimersbg, Siegld-Hilchenb, Dür-Stdt; da- Mettm-Langenbg; do erumt.; eranget. kumme; durch de Dreck t.b. -ę- mit Geprassel herunterstürzen MülhRh-GrDresb Overath; dę- Siegld-Hilchenb. — c. -ę- auseinanderspritzen,

[Bd. 8, Sp. 1079]
vom Schmutz beim Gehen; der Dreck tätscht uWupp 1870 (RhKlaaf). — d. tā- dahinsiechen, altersschwach sein Bitb-Wiersd. — 2. trans. a. -a- absol. u. ungeschickt, mit plumpen Händen nach etwas greifen, an etwas herumt., tasten; no ebbes t.; an ebbes erumt. Rhfrk verbr. wie 1 a. u. dazu -ā- Saarbg-Filsch, Ahrw-Sinzig, Prüm-Weinsf; -a- Ahrw; -ę- Remag; -a- Düss, Neuss, Kemp-UWeiden; -a- schnell zufassen Goar-Braunshorn, Neuw-Datzeroth; Fisch t. Fische im Wasser mit den Händen greifen Kreuzn-Boos; der es immer an einem eröm am t. kann die Finger nicht bei sich behalten Ahrw-Remag. — b. -a- etwas t., zerkleinern, quetschen, z. B. gekochte Kartoffeln; et get Getatschten Trier-Waldrach, Wittl-Meerf, Ahrw; dę- Rheinb-Heimerzh; dę-, Gras, Getreide t., niedertreten May-Ochtendung; ta- Sieg, Bo; ta-, ebbes zesammet. zusammendrücken, einschlagen, zertreten Saarbg, Merz-Saarhölzb (-ā-); –ę-, de Kamelle (Bonbons) sen all zesammegetätscht zusammengeklebt Sieg. — c. absol. -a- hörbar kauen, schmatzen Erk-Kofferen; -ę- Rheydt-Giesenk, Elbf; -a- im Schmutz arbeiten Bergh-Elsd; in den Speisen manschen, anstatt zu essen MGladb. — d. einen t., leicht mit der Hand schlagen, ohrfeigen, einem den Hinteren t., u. zwar datə u. -ę- Saarbr-Sulzb; dę- Saarbr-Feching, Bernk-Neumag, Wittl-Eisenschmidt; tā-, –ā:- Schleid-Hellenth; -ę- Jül-Kirchbg; -ę- Duisb-Serm; -a- Heinsb; -a-, –ā:- Sieg; -a- Gummb-Gimborn; auch se enem gehürig t.; he krig se getatsch. RA.: Dau hos e Gesicht wie e getätschten Entenorsch Wittl-Eisenschmidt. — e. -ę-, einen t., liebkosend streicheln, hätscheln, auch der tätsch gern öm de Mädcher Rip, Düss, Mörs-Neuk; auch sech an ene erant. heranschmeicheln; de hät sech do erengetätsch wege dem Erve Rip. — f. dę-, einen, etwas t., treffen; et hot mich en Noss grod of de Nos gedätscht beim Nüsseschütteln; de dätscht die Wärbeln (Klicker) Trier, Bernk; -a- Ottw, Trier; -ę- Neuw-Kurtschd; tę- Kreuzn-Boos, Trier, Koch, Kobl, Altk, Rip, Grevbr, Kemp, Mörs-Fünderich; -a- Wippf; im bes. -ę- den Klicker gegen eine Mauer werfen, dass er zurückprallt u. etwa schon daliegende trifft Saarl-Ensd, Merz-Honzr, Siegbg, Wippf-Engelsk Hardt, Eusk, Rheinb-MüEif, Bo, Bergh, Dür; mit dem dicksten eisernen Kl. Nachwerfen spielen Sieg-Hänschd, Barm, Bergh-Bedbg, Grevbr; dę- Altk-Seelb; auf einige auf dem Boden liegende Kl. andere senkrecht hinabfallen lassen Dür-Pier; mit Kl. in eine Kaule werfen, dass ein Teil davon herausspritzt (s. stucken), auch Külche t. Eusk, Köln, Dür; kultatschen Gummb-Berghsn; rusdich tätsche (heraus-) Aach-Stdt. — Mit den Spielknöcheln Fangsteinspielen, von den Mädchen Monsch (auch -ęk-), Aach. — g. absol. -ā- unnütz, andauernd schwatzen MülhRh-Overath; -ę- Bo-Volmershv, Düss, Neuss. Du häs nüs ze t.! nichts zu sagen, befehlen Bo-Volmershv. — Abl.: die Tatscherei, dat Getatsch.

an- tatschen: etwas, einen a., an-, betasten Verbr. wie t. 2 a.ein -tatschen: sich e., einschmeicheln Verbr. wie t. 2 e.nach -tatschen: mit dem Eisenklicker Nachwerfen spielen

[Bd. 8, Sp. 1080]
Altk-Seelb.ver -tatschen: 1. Gras, Getreide v., niedertreten Verbr. wie t. 2 b. — 2. Klicker v., verlieren Dür-Ellen. zer -tatschen: = ver-, Verbr. wie dieses.

Tatsch, Tätsch m.: verächtl. 1. Sg. t. a. dat Strassenkot; durch de D. goh Siegld; dę- May; ta- Daun-Tettschd; ta- u. tę- [-ā- MülhRh-Rösr] dass. u. pappige, schlammige Masse, breiige Speise Rip, Düss-Stdt, Grevbr, Neuss, MGladb; d- Neuss, MGladb, Kemp. — b. -a-, meist -ę- verdorbene Teigmasse, unausgebackenes Brot; ech kann de T. net esse Rip in Ahrw, Eusk, Rheinb, Bo, Köln, Bergh, Düss-Stdt, SNfrk in MGladb. — c. dt, –ə- (s. Dätsch) Buchweizenbrei Kemp, Kref; edelfaule Birne Geld. — d. dat, meist abəld. Apfelmus Saarbr-Fürstenhsn, Saarl-Falschd. — e. tāt, Kiest. Käsebutterbrot; e Gesech han wie en afgeleckte K. Jül-Linnich, Aach-Eschw. — f. tęt Regenschauer Wippf-NBrochhg Waldbr. — g. tętkə werpe einen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen, wobei der St. einmal aufplumpst Eup-Stdt. — 2. Pl. -tə(n). a. tat, –ā-, –ā:-, –ę- schallende Ohrfeige Schleid, Sieg, MülhRh, Eup. — b. -ę- dicker Klicker Siegbg. — c. -ā- Frosch Ahrw-Neuenahr. — d. dęt, –- Eichelhäher Bitb-Malbg Orsf SThomas.

Tatsch-ball tę- Monsch m.: B., beim Fangsteinsp. benutzt. Tatsch-beutel tātby·l. MGladb m.: verächtl. Tölpel. Tatsch-brot tętbrū:t Köln-Frechen n.: verächtl. unausgebackenes Brot. tatsch-faul -fūl  Rip Adj.: völlig angefault. Tatsch-faust tatfūs Rip verbr. f.: verächtl. plumpe Hand. Tatsch-fuss ta- Zell-Beilst m.: verächtl. plumper Mensch. PfWB  ElsWB Tatsch-hand (s. S.) Rip, MGladb, Kemp-Born, Mörs-Niep f.: -faust. Tatsch-häuer tę- Elbf m.: dickster Klicker. Tatsch-knickel tętknegəl Eusk m.: dass. Tatsch-knöchelchen tę- Monsch-Simmerath n.: Spielknöchel beim Fangsteinsp. Tatsch-maul tatmu·l. Aach f.: verächtl. breiter Mund. Tatsch-stein tęt-, tęktēn Monsch verbr. (-kə- Kalterherbg) m.: -knöchelchen.

Tatschen-eier tā- Ahrw-Altenahr Pl.: Froschlaich. Tatschen-käulchen tętəkȳlχə Köln n.: T.spille mit Klickern stucken (s. d.). tatschen-weich tętəwēχ  Neuss-Vanikum Adj.: breiig w., bes. edelfaul, von Birnen.

Tatsche -t, Pl. -tə(n) f.: 1. sachl. verächtl. a. plumpe Hand, pl. Fuss, pl. Schuh, u. zwar dat Kreuzn-Kirn, Goar-Bacharach, Siegld; tat u. im gleichen Ort vielf. -ā- Saar, Trier-NMennig Waldrach, Bitb-Fliessem, Bernk, Zell, Koch, Daun, Westerw, Rip, Eup, SNfrk in Geilk, Heinsb-Bocket, u. sonst allg. u. in Mörs, im Berg in Gummb, Lennep, Elbf, Düss, an der Ruhr; -ā- u. dā- Merz-Saarhölzb. [-ā- Pfote beim grossen Hund Trier-Waldrach, Bernk-Hottenb, Koch-Poltersd]. — b. meist Pl. Spuren von Schmutz, den man mit den Schuhen hereingetragen hat, Fusstapfen schlechthin Verbr. wie T. 1 a. — c. tət ungleichmässige Falte, Einbuchtung, Beule Saarbg-Wellen; s. Tautsche, Tutsche. — d. -ā- Hupe aus Erlen-, Weidenrinde Neuw-NBieber, Altk-Flammersf. — 2. persönl. a. -ā- Vögel. α. Grasmücke, auch Grast., die verschiedenen Arten der Motacilla, bes. M. sylvia u. curruca Rip, Eup, SNfrk, Geld, Mörs; dāt Saarbr-GrRosseln, Saarl-Berus,

[Bd. 8, Sp. 1081]
Schleid-Dollend, Aden-Lind, Ahrw-Walporzh Westum; drt Daun-Hillesh. RA.: Grön wie en T. Aach-Bergr. — β. -āə-, tətkə Meise (u. 2 a α) Eup-Stdt; -ā- Kohlmeise Malm-Montenau, Köln-Badrf, Geilk-NBusch. — γ. schwarzköppige T. Schwarzköpfchen, Mönch, Motacilla atricapilla Ahrw-Sinzig, Eusk, Rheinb. — δ. Goldammer Aach-Berensbg, Neuss-Stdt, MGladb. — ε. Wachtel Saarl-Berus, Sieg-Stield. — ζ. Neuntöter, Würger Schleid-Baasem. — η. Eichelhäher Schleid-Heimb. — θ. verächtl. dāt ungeschickter Vogel, der nicht fliegen kann Saarl-Berus. — b. -ā- von Mensch. α. von Frauen; plumpes Weib Düss-Stdt; schwatzhaftes, langsam arbeitendes W. MGladb-Rheind, Erk, Heinsb-Dremmen Oberbr; en ful T. Bergh-Elsd, MGladb, Sieg-Ägid; en al T. ebd.; en deck T. dickes W. Grevbr, MGladb; zimperl., sich lächerl. benehmendes W., bes. Mädchen; en T. van e Mädche Aach, Heinsb, MGladb; Weib, das immer klagt Bergh-NEmbt; en hufferdige T. übles, putzsücht. Mädchen Dür-Gürzenich, Eup; nachlässig gekleidetes W. Grevbr-Wickr; ein nicht ganz gesundes, nicht normales Mädchen Bitb-Seimerich; -ā- altersschwache Frau Bitb-Wiersd. — β. verwöhnter, kränkl. Mensch Trier-Welschbillig; unbeholfener M., dem die Arbeit nicht von der Hand geht Kref-Fischeln. — γ. kleines Kind, verwöhnt, bes. kl. Mädchen; häbbje e neu Kengk? Ene Jong? Näə, en T. Kemp (Grast. Kind, das unreifes Obst isst), Heinsb-Wassenbg, MGladb.

tatschelig Adj.: 1. dat- nicht ausgebacken, vom Backwerk Saarbr, Ottw, Birkf; edelfaul, von Birnen Saarbr-Bildstock, dę- Trier-Stdt. — 2. tęt- schwach auf den Beinen Koch Lutzerath; -- Daun-Tettschd.

tätscheln schw.: 1.a. dat- hin- u. hertreten, Getreide u. Gras niedertretend SONeuw. — b. tt- unsicher gehen, da schwach auf den Beinen; krummbeinig gehen Koch-Lutzerath, Daun-Tettschd; dę- plump dahergehen Koch-Bremm. — c. tęt-, Stän t. losse Steine über eine Wasserfläche hüpfen lassen Neuw-Datzeroth. — 2. trans. a. dęt-, einen t., zärtl., kosend streicheln, bes. ein Kind, Vieh; e Kind t.; an dem Kinn erimt.; dätschel äm doch nit immer im Gesicht erim! Rhfrk, Mosfrk in Trier ö. Stadt, Kobl-Stdt, Neuw-Datzeroth Dierd; -a- Bernk-Wehlen; tę- Saarl, Merz, Saarbg, Trier-Stdt, Wittl, Koch, Kobl, Rip, Berg, MGladb, Mörs-Neuk. — b. e gedätschelter Kopp mit glatt gebürsteten Haaren Kreuzn-Langenlonsh. — c. gedätschelt mit bunten Farben betupft Simm-Stdt. — Abl.: die Tätschel(er)ei, dat Getätschel(s).

be- tätscheln: -dat-, etwas, einen b., plump betasten Bernk-Wehlen.