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Rheinisches Wörterbuch 
 
Scharette bis schärfsig (Bd. 7, Sp. 927 bis 931)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Scharette -ręt , Pl. -tə(n) aus frz. charrette »Karren« f.: 1. -ręt u. gern -rętχə(n) a. zweiräderiger Federwagen, z. B. des Metzgers, mit dem er Ferkel, Kälber zum Markte fährt, auch des Bauern für die Fahrt nach der Kirche, dem Markte u. zu Festlichkeiten Trier, Wittl, Bitb, Prüm, Kobl-Weissenthurm, May-Kruft. S. Scharbang, Scharwägelchen. — b. kleiner Schlitten Merz-Reimsb, Daun-Stdt. — 2. übertr. a. sachl. α. aręntχən sehr kleines Schiebefenster Daun-Strohn. — β. verächtl. alter, wackeliger Karren, altersschwacher, im Gefüge lockerer Gegenstand schlechthin Merz-Riml, Trier-Olk, Bitb-NWeis, Koch-Treis, Goar-NFell, Kobl-Mühlhf, Neuw-HeimbWeis, Düss-Stdt, Rees-Wesel, MGladb-Odenk. — b. persönl. verächtl. e geck Sch. ein lächerliches, albernes Weib Siegld; en al Sch. altmodische Jungfer Düss-Stdt, altes Weib Jül-Linnich; en doll Sch. verrücktes W. Duisb.

Scharewari s. Schariwari.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB scharf das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk an der uNahe ö. einschl. Kreuzn-Warmsr Strombg Eckenr Windesh Waldhilbersh Heddesh Winzenbg ęăf; w. bis einschl. Nussbaum, ausschl. Auen, einschl. Soonw arf; w. u. n. davon im Rhfrk ā(r)f [südl. einschl. Wend-Frauenbg Breungenborn Ehlenb Sien, Meis-Sienhoppstädten im N. --, –â-, nach Süd. -ę-, –ā-; an der Saar -a-; doch n. einschl. Saarl-Biring, Süd. -ę-, Merz-Bietzen Menning Merching Riml Rissenth Wahlen zum Hochw hinab -ę- (Ruwert -a-), doch w. u. südl. Saarbg-Eft Hellend OLeuken Kessl Wies -a-; in Trier-Ld (Mos, uMos), Wittl, Bernk (Mos), Bitb, SPrüm, WDaun --, WBitb -ōə-, –ūr- sonst Mosfrk -a- (ONeuw -ǫ-); n. der –rf/rp-L. ar(ə)p, Siegld ārf (NSiegld ārp); lrhn. geht -rp im O. weit nach Süd., so hat Aden, May arəp; May-Polch Stdt, Koch-Faid Greimersbg Laub -ę-; sogar Goar-OGondershsn, Simm-Buch Laub -ā-; vgl. obd. scharpf]; das RRip, Berg hat ar(ə)p; LRip -ę- [Monsch-Simmerath --; ins SRip dringt nhd. arəf, –ę- ein], wie auch Eup, SNfrk; n. davon --; rrhn. n. Ruhr -ę- Duisb, MülhRuhr, um Dinsl-Sterkr Stdt, um Spellen u. Rees-Wesel u. Elten; ö. einschl. Rees-Isselbg Heiderrott Mühlenr Elsholt Wertherbr Heelden KlNetterden Borghees ăp; um Dinsl-Gahlen ęrp; um Hünxe -ęă-; um Görsicker -ă-; umRees-Drevenack -āĭ- Adj.: 1. wie nhd. a. von Schneidwerkzeugen, Waffen; verstärkt horsch.; Gegens. schleh, stumpig, stupp; en sch. Metz (Messer udgl.), sch.ə Zängcher (Zähnchen) Rip, Allg.; de sch.ə Kant (Si, Seite); et sch.ə Enn Messerschneide Nfrk, Rip; etwas sch. mache z. B. eine Sense, einen Kipphammer, den Pflug, die Hufeisen bei Frost (auch et Perd sch. m.) Allg. RA.: Dat Metz (et Bejel usf.) ese su sch. wie e Bartmetz Allg., — as en Schermess Klevld, SNfrk, — als en Beiel Gummb-Hesselb, — wie Gaft (Gift) WMosfrk, — es esu sch., dat ech der de Siel (Seele) domet eraushole kann Ahr-Sinzig, — dat mer droppen

[Bd. 7, Sp. 928]
(met em nackige Arsch) no Kölle regge (reiten) kann scherzh. es ist stumpf Berg, Rip, Nfrk, — dat mer met dem nackige Henner driwer retsche k. Mosfrk, Allg. Ge Metz, dat so sch. schiert, als wenn ene Bur Här wiərd Kemp-Süchteln, Verbr. En falsche Tong (Zunge) es schlemmer als e sch. Metz MGladb, Erk. E gode Mähder (Mäher) hat seng Sensel (Sense) emmer sch. Prüm-Ihren. De hät en sch.ə Schiər (Schere) er gibt knappes Mass Heinsb. Der Honger es e sch. Schwert Rip, Nfrk. Je aler der Bock, deste schärper et Hoər (Horn) vom geilen, alten Manne MGladb. Übertr. Dat Framensch hot e sch. Maul ein böses Maulwerk Bitb, Allg. Et Metz op eine sch. geschleffen han es auf einen abgesehen haben Köln-Stdt; ech hatt sch. gemat op den NN. Mü-Eif; dem han ech at lang sch. g. Aden-Liers; eich han fer den sch. g. Prüm-Burb; übertr. dat brängste net sch. nicht fertig Sieg-Lohmar. Ze sch. neid net, on ze spetz stecht net Koch, Rhfrk, Mosfrk. Rip. — Dat Metz schneck (schneidet) sch.; de Zäng (Zähne) van dem Hong (Hunde) bisse sch. Rip, Allg. RA.: En hungrig Laus beisst sch. Kobl, Allg. (s. Laus). Neu Besemen kehren sch. Sol. — De Koh ös sch. die Kuh hat eine Nadel verschluckt Sieg-Ägid. — Stupp on sch. es do alles liegt durcheinander; ech neəhm alles, st. on sch.; st. on sch. wor do Krethi u. Plethi Kemp-Dülken Süchteln SPeter, Grevbr-Wickrath. — b. scharfkantig, en sch.ə Eck; ene sch.ə Poste (Kant); en sch.ə Kihr (Biegung) udgl. Allg.; et sch. Krütz (Kreuz) Dornfortsätze auf dem Rückgrat der Kuh Gummb-Nümbrecht; sch.ə Sand scharfkörnig Merz-Bachem, Bitb-Dudeld, MüEif; möt der sch.ə Iəg (Egge) eggen, wobei die Zähne der Egge genau gegen den Strich gehen Grevbr-Garzw; sch.ə Strömp dünne, durchsichtige Strümpfe Kemp-UWeiden; op de sch.ə Esel reje (reiten) auf einem Besenstiel r., wobei zwei Knaben einen dritten auf einem Stab r. lassen, den sie schnell auf- u. abbewegen Mörs, Klev. De Koh es sch. gebaut ist eckig, hat Höhlungen hinter den Schulterblättern Erk-Gevenich: et geng sch. öm de Eck; der Weg no N. geht do sch. rechs af; sch. driəhe (drehen) beim Kegelsp. Heinsb, Allg.; half sch. setze nur mit der Hälfte des Gesässes sitzen, auf der Kante Sieg, MülhRh, uWupp; h. sch. kike einen Gegenstand von der Seite betrachten MGladb; h. sch. sin halb betrunken sein uWupp; (h.) sch. ege eggen, dass die Zähne der Egge nach vorn (nach der Seite) gerichtet sind; beim sch. e. wird in der rechten Ecke des Feldes angefangen u. stets rechts herum gedreht; beim h. sch. e. wird in der linken Ecke a. u. stets links herum gedreht Rip, Grevbr, MGladb, Geilk, Heinsb, Geld, Sol, Mettm. — c. auf die Sinne wirkend; sch.ə Mostert (Senf), Essig usf.; sch.ər Öllich (Zwiebel); de Boetter es sch., — schmack sch. ranzig; de Zupp es ze sch. gesalze; de Bir (Birne) es sch. sticksig Rip, Allg.; der Wein get sch. stark Saarbg-NLeuken; sch.ə Käs gekochter Quarkkäse, mit Pfeffer u. Salz, vierzehn Tage am kühlen Orte in einem Steintopf aufbewahrt Birkf-Selb, uSaar

[Bd. 7, Sp. 929]
von Merz-Zwalb an, Mos, May, Aden, Ahrw; sch. Schmer Trier-Mehring. RA.: Su sch. wie Mostert Rip, Allg. Ene sch.ə Geruch; he rüch (riecht) et su sch. Rip, Allg. — Ene sch.e Wend, Luft (SNfrk, Klevld auch schrapp); der sch.ə W. drüg et flöck op; ene sch.ə Wenter Rip, Allg. — d. mit scharfen Sinnen wirkend; he hät sch.ə Uhre, Oge, — en sch.ə Nas; he hürt (sieht) sch. Rip, Allg.; hej wor op en Ohr dof on met et andere hörden hej nit sch. Rees; dem mott me sch. op de Fengere kike, — sch. em Og behalde SNfrk, Allg.; bei dem mosste sch. oppasse Rip, Allg.; sch. va Kick (Sehen) siə in die Zukunft schauen können u. danach sein Geschäft einrichten Aach-Stdt; danach en sch.ə Brell Allg. RA.: Suə sch. konnste gen Lus e jen Fott kike das kann man nicht so genau beurteilen Heinsb. — e. stark, fest, arg, hart; et hot sch. hergangen; dau bas sch. drogangen hast die Sache fest betrieben; dau bas der Sach sch. op de Leif gangen; dau bas dem sch. nogesat (nachgesetzt) hast ihm stark nachgespürt Bitb, Allg.; sch. akkediere (um den Preis feilschen) on strack (sofort) bezahlę MüEif, de Tur (Gang) es doch en betsche (biss-chen) sch. för mech Kref, Allg.; he nömmt et sch. genau Elbf, Allg.; he hat (hor)sch. derneəvə getroffe MGladb, Allg.; sch. laufen, reichen, fahren Allg.; hei ärbeit so sch. wie en höltern Metz (Messer) er ist träge Mörs-Orsoy. — f. sch. laden; sch. schiessen wie nhd. Allg. RA.: So sch. schiesse die Preisse nit Hunsr. — 2. von lebenden Wesen. a. der Hond es sch. bissig; et Perd os sch. feurig Daun, Allg. — b. scharfsinnig; he denk sch.; sch.ə Gedanke Rip, Allg. — c. streng; ene sch.ə Lihrer; en sch.ə Predig; se setzen em sch. op passen streng auf; dat moss mer su sch. net nenn (nehmen) da muss man nachsichtig sein Rip, Allg. RA.: Dei sch. Richter richten nöt lang Saarbg-Faha. — d. sch. auf etwas sein, erpicht, versessen; de ös sch. op et Wirke (Arbeiten), — op et Fordere, — op et Geld usf.; der es sch. op et Metz er ist geil SNfrk, Allg.; dat es ene sch.ə Hahn, — ene sch.ə Hengst Rip, Allg. Dä es sch. wie ene Hahn (Hengs) geil Allg., — wie en Sül (Ahle) vom Mädchen, sie ist liebestoll Bo-Bornh. Se hon dat Mädchen op de Jong sch. gemacht Bitb, Allg. — e. einen sch. gegen einen machen, ihn gegen ihn aufhetzen; he hät mech gent den sch. gemach.f. geizig Wippf-Engeld. — g. hungrig Heinsb-Rathm. — h. dat Schärp Neckn. für ein Kind, durchtriebenes Bürschchen Aach-Stdt.

Scharf-brett Monsch-Kesternich n.: das Br., auf dem die Fleischteile gehackt werden, beim Wurstmachen. Scharf-gras Geld-Schravelen n.: rohrartiges Glanzgras, phalaris arundinacea Scharf-hüls -hø·l.ts Geilk-Grotenr m.: Stechpalme (s. Wk. III 27). PfWB  ElsWB Scharf-richter m.: nach dem Nhd. PfWB  ElsWB Scharf-rücken ęrprøk Heinsb-Karken m.: Barsch, der Fisch. Scharf-schmier -mēr Saarl-Berus Pachten Diefften m.: scharfer Käse, Brot mit sch. K. Scharf-schütz m.: Rufn. eines bissigen Hundes Gummb-Berghsn; bissiger Mensch, der bissige Worte im Munde führt Lützinghsn. Scharf-stein ęrəptēn MüEif m.: Prellstein.

[Bd. 7, Sp. 930]
Scharf-waage -w:x uWupp, Sol f.: einarmiger Hebel, den man unter eine Last drückt u. dann einen Stein unter ihn schiebt. scharf-weg ęrpəwęχ  MGladb Adv.: et es sch. am renen es regnet sehr stark.

 PfWB Schärfde, Schärfe uNahe, Birkf īrf u. -ft; Wend, Saar ęrft [Saarl-Kerl ęrp], im Hunsr rəf [rəp Goar-OGondershsn; āp Simm-Buch]; Mos von Trier bis Bernk, Wittl, Bitb r(ə)ft, –ēă-, –īă-; Prüm, Malm -ę- [Prüm-Steffeln -pt]; Monsch ęrpt, --; uMos, OEif ęr(ə)f; Neuw, Altk ęrftə (seltener -ft); Siegld (u. earftə), Waldbr ęrbdə, Berg ęrpə; Rip ęr(ə)p; doch Bergh, Dür, Jül-Aach ęrpdə [ət ęrpt Aach-Büsb; -p Brand], Eup, Raeren -pt; das SNfrk hat meist de schärpe Kant (Sit); doch ət ęrpə Geilk-Puffend, Heinsb vielfach, Erk-Houverath; ęrpdə Erk-Elmpt; ət ęrpə Heinsb-Millich, auch Geld, Mörs, Klevld meist de rpə Kant, doch auch ət rp Sg. t. f. (n. s. o.): 1. die Schneide eines Schneidewerkzeuges; dat Metzer hot e schlecht Sch., — hot kän Sch. mih; de Sch. es stompig Mosfrk, Allg., reck (reiche) mer et Brutmetz, ävver net met der Sch.! Rip, Allg. (s. die Synon. für die Sch. der Sense, Sichel: Bahn, Brandecke, Dangel, Dängelbahn, Har, Harpadd, Hart, Schor, Wate). — 2. übertr. a. sachl. α. ęrəf die beim Käsemachen übrigbleibenden Teile, die als Brocken im Käsewasser schwimmen; de Sch. mack net got Koch-Ernst; ērəp beim Buttersieden zurückbleibende Teile Ottw-Wiebelsk; ęrəp das Angebrannte im Topf Ottw-Neunk. — β. ęrəp die Knallkordel der Peitsche Schleid-Hellenth. — b. persönl. ęrəf eine böse Frau Sieg-Ägid.

 PfWB  ElsWB  LothWB schärfen das Zeitw. ist allg., doch Rhfrk mehr oder ausschl. scharf mache; Formen ęrfə(n), –-, –ēă-, –īă-, ęr(ə)pə(n), –- [-irəf- Saarbg-Beurig; -irəp- Daun-Strohn Tettschd, Rheinb-Meckenh, Bergh-Blatzh, Heinsb vielfach] schw.: etwas sch., ein Schneidewerkzeug sch. (hierfür auch ausserhalb des Rhfrk meist scharf machen; für das Schärfen der Sense s. Wk. III 8); aber immer de Plog sch. den Pflug, das Kulter scharf machen; de Iser (Hufeisen) sch. (auch et Perd sch.); den Mühlstein sch. (de Möhle oder de Stein sch. Heinsb); Bohnenstangen sch. (auch spetz mache). RA.: Ech weren dem de Plog sch. ihn antreiben Saarbg-Hentern, Aden-Kelbg. De lött (lässt) sech lewer nen Buhnenstecken om Koppe sch., äs dat he nen Penning afgeft der Geizige Sol, Allg. Wer et gewennt (gewöhnt) ös, dem kammer Bonnegerde für em Kopp sch. Bergh, Dür. — Wenn jmd. Hillich hält u. gibt den Burschen nichts zum besten, bekommt es geschärft; dann wird ihm ein Wagen vors Haus gefahren, das eine Rad wird hochgestellt, dass es sich rund drehen lässt, u. dann werden auf ihm Sensen geschliffen, was einen Heidenlärm verursacht May-Kollig. — Abl.: die Schärferei, dat Geschärf(s).

 PfWB ab- schärfen: ein Eisen a., durch Abfeilen oder Abschleifen die Kante scharf machen Gummb-Berghsn.an -schärfen: schärfen, anspitzen. Ek lot mej gen (keine) Bohnestak op de Kopp anschärpen Rees-Haldern.

[Bd. 7, Sp. 931]

Schärf-bille -bil Klev f.: B., mit der die Mühlsteine geschärft werden. Schärf-eisen -ī:zər Eusk-Mülh n.: im Rätsel von der Kuh: Vier Stange (Beine), v. Hange (Euterzitzen), zwei Wegwiser (Augen), zw. Sch. (Hörner). Schärf-hammer Klev m.: Dengelhammer. Schärf-stahl -- Kreuzn-Winterb m.: St., mit dem die Sense, das Messer geschärft wird. Schärf-stein -ē- NBerg m.: Wetzstein.

Scharfig-keit -fiχkt, –kāt Saarbr-Völkl, Trier-Stdt Sg. t. f.: 1. scharfer Geschmack Trier-Stdt. — 2. im Blut kreisende Krankheitsursache, scharfer Stoff im Blute; hat z. B. einer einen Ausschlag, Jucken, so heisst es: dat ös Sch. öm Blut Trier-Stdt, Saarbr-Völkl.

schärfsen ęrfsən Trier-Filzen, Zell-Stdt; sonst -bs-, u. zwar ērəbsə Simm-Laub; -ę- Goar-Weiler, Trier bis Kobl [-ę- u. -i- Kobl-Dieblich] u. -i- Rheinb-Meckenh schw.: scharf, herb schmecken, bes. vom Wein, Apfelmost; der Wein schärpst er schmeckt herb, aber auch prickelnd. — Abl.: die Schärpserei, dat Geschärps.

Schärfser -ęrbs- Mos Sg. t. m.: herber, prickelnder Wein.

schärfsig -ęrbs- ebd. Adj.: herb, prickelnd, vom Wein.