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Rheinisches Wörterbuch 
 
Schande bis Schändel (Bd. 7, Sp. 904 bis 906)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Schande das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk an (Saar ant); Mosfrk a·n. [in Saarl vielfach -ǫ-; NSaarbg, Trier-Ld, Wittl, Bitb -ā-]; Rip im nicht mouillierenden Geb. a·n. u. jünger a·n.t; im mouillierenden rip., berg., sndfrk. Geb. a·ŋ. [Malm-Bütgenb ā:ŋ u. ā:nt; Monsch u. Schleid u. Berg vielfach a·ŋ.t; Elbf alt a·ŋ., jünger a·n.də; Gummb-Berghsn ęndə; im sndfrk. Trübungsgeb. von Heinsb, NWErk, Kemp, Geld ǫ·ŋ.]; Eup a·i.nt; WSelfk sa·n.j; n. ausschl. Geld-Neiderd Herongen Wankum Wachtendonk Gelinter, Kemp-Schmalbr Broich SHubert Orbr, Kref-Stdt Traar, Mörs-Kaldenhsn Hohenbudbg (mit a·ŋ., –ǫ-) gilt ā:nt, –ā- bis ausschl. Geld-Veert Stdt Aengenesch Issum, Mörs-Klosterkamp Lintfort (südl. davon on OMörs -a-); n. davon -ā-; rrhn. MülhRuhr ǫ·u.n, Duisb -ā:-; dann ānt bis Dinsl-OLohbg Hinsf Overbr Stapp Eppinghv-Stdt Möllen Spellen; n. davon -a- Sg. t. f.: 1.a. wie nhd. Unehre des Menschen; he mät senge Eldere Sch.; enem Sch. andohn; ene met Sch. (met Schemp on Sch.) fortjage; ech moss zo menger Sch. engestohn, dat ech gelogen han Rip, Allg.; en iwege Sch. ewige Sch. Rip, Allg.; en glehnig (glühende) Sch. Siegld; et is der Welt Sch. Simm-Schlierschd; so korte Röcke te drägen, es för en groət Wiecht (Mädchen) en Sch. Gummb, Allg.; dat es für dech (für deng Eldere) en Sönd on Sch., dat du su jet gedohn häs Rip, Allg. (Schemp on Sch.; e Sch. un e Spektakel, en Dauer on en Sch.; s. d. W.); weil (jetzt) sötzt et (das gefallene Mädchen) an (in) der Sch. Trier, Allg.; enem jet ter Sch. nosagen Sol, Allg. RA.: Stolz firan (voran), Sch. hannan (hintenan)! Eif (o. O.). Arbeien üs kein Sch. MülhRuhr. In den Düstern es fühlen (tasten) gen Sch. Klev. De Sch. brennt üm am Hatte (Herz) MülhRuhr. Ze vell Iehr (Ehre) äəs half Sch. Malm-Nidrum. We sich der I. getruəs (tröstet, nicht viel drauf gibt), geht der Sch. frei Schleid-Reifferschd. Wer I. versät (versagt), hät Sch. ze erwarde Dür-Gürzenich. Sinn (Sünde) un Sch. dreift manche aus dem Lann Eif (o. O.). De es och Schimp on Sch. gewöhnt Kobl-Bendrf, — wie

[Bd. 7, Sp. 905]
Spielmanns Rock Birkf, — wie des Lumpemanns Esel Kreuzn. Wer den Schaden hät, hät de Sch. derbei Sol, — brocht net fir de Sch. ze sorgen Prüm. We lüstert (lurt) achter (an) de Wand, hört sin eige Sch. Klev, Allg. Wo Suffen en Ehr es, do mät (macht) Kotze kein Sch. Köln-Stdt. He schött (schüttet) de Sch. af we der Hound de Flüh Eup. Er hat de Sch. erhalden wurde von einer unangenehmen Verpflichtung befreit; er hat för dat Mol de Sch. e. er genas nach lebensgefährlicher Erkrankung Malm-Bütgenb. Ärm in Ehre es beter (besser) as rick (reich) in Sch. Klev. Doə klagt me sech möt en de Sch. mein Klagen wird nicht geglaubt Kemp-SPeter. Möt klen Kenger (Kindern) on ā Lü (alten Leuten) doə klagt men sich möt en de Sch. Klagen sind häufig verfrüht MGladb-Viersen. Beis (besser) möt Schade als möt Sch. klok (klug) weərde Bo-Dransd. De Bat (Nutzen) för de Sch. neəhme keine Rücksicht, keinen Anstand nehmen, wenn man nur Vorteil hat Kemp, Geld. — Schannenhalwer um der Sch. aus dem Wege zu gehen, man müsste sich sonst schämen, um das Gesicht zu wahren, zum Schein; sch. muss mer et duhn; eich musst sch. mötessen; eich muss sch. hingihn aus moralischem Zwange Mosfrk; an- Siegld; a·n.dən- Rip; a·ŋ.ən-, –ǫ- im rip., sndfrk. Mouillierungsgeb.; a·ŋ.s- NBerg; anəwēə (-wegen) Birkf, Simm; va . węjən Prüm-Leidenborn; a·ŋ.swīəjə MGladb-Hockst. — b. et es en Sch. es ist ein Jammer, ist sehr zu bedauern, ist schade, z. B., fir de schen Schossel (Schüssel), die zerbrochen ist, — fir den goden Man, der, sehr geachtet, starb Mosfrk, Allg., — dat su jet geschich (geschieht), wie der et drif (treibt); dat Flesch es su dür (teuer), et es en Sch. Rip, Allg. (auch et es en Sönd on Sch., e Spott on e Sch., e Schemp on e Sch., en Dauer on en Sch. (s. d. W.). RA.: A.: Dat es en Sch. (wenn etwas verdorben ist)! B.: Dat es ken Sch.; et es en Sch., wenn de Koh en de Bach driss (scheisst) Rip. En es esu brav, dat et en Sch. es scherzh. zu brav; et es su dür, dat et en Sch. es usf. Rip, Allg.; schandebellig sehr billig Daun-Tettschd. — c. ze Schanne(n) (Schānen, Schande, Schange, –ǫ-; tə Sch. Berg) gehn zugrunde gehen, ze Sch. sein verdorben sein; ebbes ze Sch. mache verderben; der losst alles ze Sch. gehn; dir es noch käns ze Sch. gang; dem gäht vill Appedit ze Sch. er findet seine Befriedigung nicht Rhfrk, Allg.; sech ze Sch. lachen, –schaffen (arbeiden) [Aach u. SNfrk hat a·ŋ.ə, –ǫ- ohne ze, tə (ǫ·ŋ.ər Geld-Hinsbeck; -·ŋ.əs Heinsb-Effeld)]; z. B. jet sch. make verderben, bes. von Speisen; mak dat Gemös net sch., eət et mar; et Veh mackt et For (Futter) sch.; den Tit sch. make die Zeit vergeuden; dat Engemäksdengen ös sch. worde; et Flesch wörp sch.; en sch. Wursch verdorbene Wurst. Dat es jot Denge sch. jemęk wenn man üppiger als notwendig etwas verbraucht Kemp-Breyell. — De hät schāntə Peng übergrosse Pein Bergh-Blatzh. — 2. Übertr. a·n.t grosse Menge; wat en Sch. Menschen! Bernk-Stdt.

Schand-balg -nt- Wittl-Cröv m.: liederliches Weib. Schand-bank anə- Saarbr-Sulzb f.: Strafbank

[Bd. 7, Sp. 906]
in der Schule, die Katzenb. schand-beuteln fərambęidələ Saarbr-Sulzb schw.: etwas v., gemeiner Weise verderben, verunstalten. Schand-brock aintbrǫk Eup m. Sg. t.: Mensch, der ständig schimpft und nörgelt. PfWB Schand-deckel m.: 1. Dach der Wohnung auf den alten Ruhrlastschiffen Mülh-Ruhr. — 2. an- breite Umrandung der Bordwand eines Nachens Rheinschiff, Mos (schmal). — 3. anə- verächtl. alter, schäbiger Hut Goar (Rhein). Schand-fuge anfōx Siegld f.: eine Ausfugung, durch die man beim Aufeinandertreffen eines vollkantigen Balkens mit Schälkante (s. d.) das scharfkantige Holz über das fehlkantige übergreifen lässt. Schand-haufen -nt- Saarl-Pachten m.: kleiner Erdhaufen, den die Burschen auf ein nicht rechtzeitig vom Unkraut gesäubertes Feld setzen. Schand-kappe a·ŋ.əkap Eup-Raeren f.: weisse Mütze. Schand-läppe -ę- Gummb-Lützinghsn f.: verächtl. schimpfende Frau. PfWB  ElsWB Schand-lappen m.: verächtl. 1.a. -nt- gemeiner, unflätiger Mensch Saarbr-Sulzb. — b. -nt- Lästerer Neuw-Rengsd. — 2. aŋk- Berg; [-ŋt- Gummb-Schwarzenbergisch] Mensch, der gerne laut schimpft; Schaŋklappes-Wif Sol. schand-lappen fəranlabə Saarbr-Sulzb schw.: etwas v., gemeiner Weise verderben, verunstalten. schand-lappig Gummb Adj.: gerne schimpfend verleumdend. Schand-mächer a·ŋ.ə-, ǫ·ŋ.əmkər SNfrk m.: ein Kind, das die Speisen Schange macht, zu Schanden m., nicht aufisst. Schand-mai -nt- (s. Mai) m.: Zweig besonderer Art (Kirschbaum-, Schlehenzweig), den die Burschen übelbeleumdeten Mädchen stecken. schand-mässig -nt- Simm Adj.: nach dem Nhd.; dat sieht jo sch. aus; sch. liege (lügen). PfWB Schand-maul (s. S.) -nt-, –ŋk- Verbr. n., f.: Lästerer, Verleumder. schand-maulen -ntmūlə MGladb-Rheydt schw.: lästern. Schand-name (s. S.) Eup, Waldbr-Bladersb m.: Schimpfname. Schand-pfahl -ntpl Simm-Roth m.: in der RA.: Dau herscht (gehörst) an de Sch! an den Pranger mit deinem lasterhaften Benehmen. Schand-pflaster aŋkpl:stər Barm m.: einer, der über alles lästert. Schand-wasem -nt- Saargeb. m.: die Stelle über Tage, an der den Bergleuten die aus den Kohlen ausgelesenen Felsstücke vorgelegt werden, in der Berg mspr. Schand-wort aŋk- Sol n.: Schimpfwort.

Schanden-mächer -n:də- Köln-Stdt m.: verächtl. jmd., der alles zerstört.

Schände ę·ŋ., Pl. -·ŋ.ən MülhRh-Hoffnungst f.: verächtl. Abstellraum.

Schändel -ę·ŋ.d- Pl. -ələ Aach-Walh f.: verächtl. magere Kuh.