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Rheinisches Wörterbuch 
 
Rute II bis rütsch (Bd. 7, Sp. 642 bis 645)
 
  PfWB Rute II nach frz. route meist rut, Pl. -tə(n) (Rhfrk, Mosfrk -də(n)) Verbr. f.: Wegrichtung, Reise nach einem bestimmten Ziele; wohin geht de R.; de R. mache Rip, Verbr. — A rut! Ruf beim Verstecksp., wenn beide Parteien bereit sind, frz. en route.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Rute III das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk rūt, –ōu-, Pl. -rə; Mosfrk in Saarl rū:t, –o·u., –ōu-; sonst im grössern Teil der uSaar -o·u.-; sonst Mosfrk -ū:-, –ō:- [in Bernk in einem Bezirk -o·u.-], Pl. -də(n); SNeuw, Altk rō:t, Pl. -rə, –lə; Siegld rō, Pl. ; Rip rō:t, Pl. -də; Berg rō:t, –ō-, Pl. -dən [doch Gummb rū(ə) am ORande rou(ə); Lennep rū, rō, Pl. -ən]; Eup ro, Pl. ; Aach ro·u., Pl. ; SNfrk rō:, rū:, ro·u., Pl. [Kemp ruγə]; Geld, Mörs rū, Pl. ; Klevld ru, Pl. -iə; Demin. rīdχə, –ei-, –ēi-, ī:-, –e·i.-, –:- usf. mit Umlaut; NBerg, SNfrk røtə; Klevld rytjə f.: 1.a. Gerte, die man etwa von der Haselnussstaude, der Birke, Weide abschneidet; en schwunke R. biegsam; eine R. (Rietchen) schneidet man sich im Frühjahr beim Ausflug in den Wald; Wünschelrute; mit einer R. treibt man die Tiere; eine Birkenrute bringt der hl. Mann den unartigen Kindern auf Nikolausabend, u. so dient die R. als Züchtigungswerkzeug; de Kender han de R. krege; mach, dann hollen ech de R.; enen met der R. strofe Rip, Allg. RA.: De R. mät (macht) de Kenger got Bergh, Köln. Och en schlechte R. m. kodde (böse) Kinder got Köln-Stdt. De Kannern dorf mer de R. net sporen Bitb-Dudeld. Je liewer et Kend, je schärfer de R. Mos (o. O.). Deə bengt (bindet), schneidet, macht, flöch (‘flechtet’) sich en R. för singe eige Arsch (Hinnern, Fott) einer, der seine Kinder

[Bd. 7, Sp. 643]
schlecht erzieht, der durch eigne Schuld in eine leidvolle Lage gerät, sich selbst schadet Aach, Allg.; die trecke sich en R. for ehre ege Arsch wenn die Eltern die Kinder verziehen Düss; den hat sich selwer en R. hannewieder geschlohn sich selbst geschadet Trier-Mehring; er hot sich e R. uf de Buckel gebunn dass. Simm-Schlierschd; er hat sich mit der R. im (um) den Ärsch gehan (gehauen) dass. Saarl-Berus. Fruher Senn un gode Mot spart dem Kend of de R. Neuw-Unkel. Der Kenger ihre Welle stich en der R. Rip. Peərd ohne Tung (Zaum), Kengk o. R. deht se Leəvendag net got MGladb-Korschenbr, Bernk-Bruchw. — b. zu besondern (technischen) Zwecken. α. Pfropfreis Wend, Ottw, Trier-Schweich, Bitb-Ehlenz, Bo-Brenig. — β. Stange über dem Ofen, zum Trocknen der Windeln u. a. Wäsche Berg, MGladb, Kemp, Mörs. — γ. Stange am Dreschflegel, Allg., an der Peitsche May, LRip, am Rechen Bernk-Malborn, Aden-Kaltenborn. — δ. zwei R.ə dicke Balken, auf denen die Kelter ruht Trier, Siebengeb. — ε. sehr lange Stange, etwa zum Aufsetzen des hölzernen Vogels, beim Vogelschiessen, Vugelsr. Allg., Gardinenstange Barm, zum Halten des Bettvorhanges Sieg (veralt.). — ζ. Messlatte Allg. — R. zum Messen des Weines im Fasse, Wingr.; man steckt sie durch das Spundloch des Fassbauches einmal nach links schräg bis zum Ansatz des l. Bodens, einmal nach rechts zum Ansatz der r. B. u. einmal senkrecht durch das Fass hinein u. beobachtet jedesmal, wie weit der Wein an den R. reicht. — η. Schliessrute beim Samtweben Kref. — θ. meisselförmig auslaufende Eisenstange, mit der bei einem Abstich des im Hochofen gewonnenen Roheisens das Stichloch aufgestossen wird, in der Spr. der Hüttenarbeiter Siegld, Altk. — ι. ausgeschmiedete Stahlstange Remschd. — κ. Eisenschiene unter den alten Holzschlittenkufen Barm. — λ. Flügel der Windmühle, im bes. die äussern Enden der Fl. aus Holz Geld, Mörs, Klev, Rees. — μ. Obertenne, mit Ruten belegt; of der R. (s. Geräte) Wend-Pfeffelb Werschw. — 2. übertr. a.α. Geschlechtsteil des Stieres, Ebers Dür, Aach. — b. Schwanzknochen des Pferdes Bernk-Gräfendhron, Dür-Grey. — c. Masse. α. en R. Iser Bündel Eisenstäbe Remschd, Mettm-Cronenbg. — β. Längenmass Allg.; 1 R. = 12 Fuss (Schuh) zu 12 Zoll zu 12 Linien; en kölsche R. = 3,77 m; eine Aachener R. = 4,5135 m; in Kobl = 16 Fuss, 1 F. = 12 Zoll, 1 Z. = 12 Linien. — γ. Flächenmass, de Quadratr. Allg.; 1 R. = 14½ qm; (24 R. = 1 Viertelscheid Gummb); 160 ertliche (örtl.) R.ən = 1 alter Morgen, 120 R.ən = en preissischer Morgen Hunsr; 180 R.ən = 1 M. Daun, Mörs. — Ein R. Gut = 1 Landlor Saarl-Hüttersd 1800. — 1 Fass Soot (Saat, Land) = 60 R.ən, soweit als man mit 36 Pfd. säen kann Bernk-Dhron, Zell-Enkirch.

Ruten-bohnen rō:dəbu·ŋ.ən Bitb-Betting Pl.: Stangenbohnen. Ruten-gänger Verbr. m.: nach dem Nhd.; Mann mit der Wünschelrute. Ruten-gläs-chen

[Bd. 7, Sp. 644]
rū·ə.jlęs-kə Kref n.: Vergrösserungsglas, mit dem man den Samt auf seine Dichtigkeit hin prüft; diese wird nach der Anzahl der eingeschlagenen Ruten 1bη gemessen. Ruten-klöpfer -bər Bernk-Andel m.: Waldspecht. Ruten-leiter rūdəldər Saarbr-Sulzb (selten statt gəret-) f.: L., zur Obertenne führend.

 PfWB Ge-rüte das Wort ist von der Nahe von Wend, Birkf, Meis-Becherb, Kreuzn-Boos Hahnenb Hennw Oberhsn nach N. zu bis Trier-Heidenbg Beschd Thiergarten Züsch Hermeskeil, Bernk-Longkamp Gräfendhron Berglicht Sensw Merschd Gonzerath Talling verbr.; dazu Saarbr-Feching, Merz-Zwalb Stdt, Saarbg-Orscholz, u. zwar grīt, gər- [-ei- Birkf-Idar Fischb Göttschd Nhosenb Hettenr Hintertiefenb Kirschw Mackenr Leisel NWörresb Siesb Sonnschd Schwollen Veitsr Wilzenbg; -ī:- im Geb. der Schärfung; -e·i.- in den Orten von Bernk, Trier-Heidenbg, Saarbg-Orscholz, Merz-Stdt; -ī- Wend-Berglangenb Erzw Kappeln Sien; -rīr Pfeffelb; -e·i.ə Merz-Zwalb], Pl. -dər, –rər n.: 1. der über der Tenne der Scheune (über den Ställen) aus Balken u. Brettern liegende Boden zur Aufnahme von Getreide, Heu; Obertenne. RA.: Der kann vom Gr. esse ein langer, hagerer Mensch Birkf. — 2. übertr. a. der ganze Unterbau des Wagens Wend-Reichenb, Simm-Gehlw. — b. der Aufbau des Vorderpfluges Birkf-Schwollen, Wend-Offenb.

Gerüte-balken m.: B. auf dem Gerüte 1. Gerüte-hölzer grēhiltsər Wend-Schwarzerden Pl.: Balken im Unterbau des Wagens. Gerüte-leiter (s. S.) f.: die zum Gerüte 1 hinaufführende Leiter.

Rüter -:d- Siebengeb. Sg. u. Pl. m.: derjenige, der den Inhalt eines Weinfasses mit der Weinrute misst. RA.: Der R. ös en Röder (Rater) er trifft selten das Richtige.

Ge-rüter jər:də(r) Bo-NBachem Sg. t. n.: Stall u. Scheune, Wirtschaftsgebäude im Gegens. zum Wohnhaus.

rutern -ō:d- Köln 1840 schw.: mit der Fassrute messen.
 
 
Rutel -ūət-, Pl. -ələ, –əlts Kemp-Amern m.: mit Gras bewachsene Grenzfläche zwischen zwei Feldern.
 
 
ruteln das ndl. reuteln, mnl. rôteln, rûten entsprechende Wort ist am WRande der Selfk u. in Geld-Leuth, Aach-Herzogenr verbr., u. zwar -ūət- Heinsb-Breberen Karken Lümb, Geilk-Gangelt; -ūrt- Aach-Herzogenr; -ōt- Geld-Leuth; -t- Aach-Stdt 1831 schw.: röcheln. — Abl.: die Ruətel(er)ei, dat Geruətel(s).

Rutel -ūət- Heinsb-Karken Sg. t. m.: das Röcheln.

Rutel-kunte rtəlkont Rees-Milling f.: Ohrenbläser.

Rütels -ȳ:- = Rötel (s. d.).
 
 
Rütels-fell rtəltsfl (s. Rüsel) Mörs-Neuk f.: Haut vom Nierenfett.

rüten -ȳət- = laut rufen s. rüchten; Rüter =

[Bd. 7, Sp. 645]
Reiter, Heubock, Sieb s. Reuter; rütern -ȳ- Russ bilden s. bei Russ IV.
 
 
Rutine rutīnə nach frz. routine Elbf u. wohl sonst in den Städten Sg. t. f.: Erfahrung.
 
 
rutsch rut u. ruttĭχ, mit dem ratsch zu vergleichen ist, ist in Merz, Trier bis Koch, May-Rieden, Bitb-Dudeld, Monsch, Malm, Bo, u. in Neuw-Asb Dattenbg, Altk-Horhsn, Siegld, Sieg, Waldbr, Gummb, Remschd verbr. Schallw.: 1.a. einen Fall, ein Zerbrechen, ein Herausziehen begleitend; r., do fiel e hin; r. ging dat op dem Is, do rötschte ek ut Gummb, Allg.; rutsch (beim Durchfall), dat kömmt vom Bireviez, awer nöt vom besten Trier-Stdt; rutschtich-futschtich Altk-Horhsn. — b. gänzlich; de Bam (Baum) es r. kapot; et es r. verbrannt; hen hot alles r. ofgefress; en hot sich den Daumen r. ofgeho (abgehauen); de Stock es r. afgebroch; r. voll Mos (s. o.); rutschekahl völlig k. Malm-Mürring; rutschtigaf völlig ab Neuw-Dattenbg; rutschweg Gummb. — c. plötzlich; r. wor he do Monsch. — d. rirarutsch, mer fohre möt der Kutsch usf. Trier, Allg. im ganzen Geb. — 2. subst. a. em R., en enem R. in Eile; op än R. auf einmal Siegld. — b. der Rutschtich scherzh. der Durchfall Trier-Stdt. — c. Rutsch bücken Wäsche bauchen (s. d.) Düss-Siebenmorgen, Meis-Meckenb, Mettm-Cronenbg.

rütsch -ø- Mörs-Pelden Adj. präd.: aller Klicker verlustig, bankerott; ek sin r.