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Rheinisches Wörterbuch 
 
rugeln II bis geruhigen (Bd. 7, Sp. 582 bis 586)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB rugeln II ein Wort der Saar in Saarbr, Ottw, Saarl, u. zwar ruxələ, –uγ- schw.: kugeln, rollen (intrans.), rollen machen, rollend schieben (trans.), bes. von Kugeln, Klickern; ronnerr. herunterrollen; r. un schugeln; Rugelches ein Klickersp. — Dieselbe Abl. wie bei r. I.

auf- rugeln: ufrugələ, etwas a. 1. aufrütteln. — 2. in Erinnerung bringen Simm-Laub.

Rugel -əl, Pl. -ələ f.: der dickere Klicker R., Speis, Schipp! Fluch Saarbr

 PfWB rüggen = aus Roggenmehl s. bei Roggen II; Rügger -ø- = Reuter (s. d.).
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Ruhe das Wort ist allg.; es ergeben sich vier grössere Räume, bei denen die Grundlage des Wortes verschieden ist: α. auf ruowe zurückgehend im Rhfrk rū, rōu; im Mosfrk rū:, rō:, ro·u. [an der uMos von Zell an, in May, Daun, Aden, Altk, Siegld hier u. da rō:x; Siegld auch rōj u. rouw]. — β. auf râwe zurückgehend im Rip, Berg n. einschl. Kr. Monsch, Schleid-Hellenth, Aden-Liers, Ahr, rrhn. n. einschl. Neuw-Dattenbg, kurköln. Neuw, Altk-Kötting, von da aus Süd-Grenze von Gummb-Homburg ro; n. SGr. von Lennep, lrhn. bis zur Benr.-L., rrhn bis einschl. Ruhr rǫ·u. [Wermelsk, Mettm-Cronenbg ro·u.; Gummb-Schwarzenbergisch hat rau]. — γ. im SNfrk n. Benr.-L., wo nach Frings ein rûe < ruowe zugrunde liegt in der Selfk ruv, in der östl. Selfk r·u.; sonst ro·u., im N. rǫ·u.; diese Erscheinung reicht bis Kemp, Mörs-Schwafh Neuk Friemersh. — δ. n. dieses Geb. u. n. ausschl. Ruhr, in Klevld rū, ru Sg. t. f.: 1. wie nhd., der Zustand des Nichtbewegtseins, des Nichtstuns u. der Stille; ammerauh! (angenehme Ruhe)! Wunsch guter Nachtruhe Rip.; R. do! das Lärmen hört mir auf; et es en R. (Stille) em Hus, dat mer ment (meint), et wör usgestorve; de hät ken R. un k. Rast (dies Wort nur in dieser Verb.) Verbr.; ech han ken R. mih; für dem (im Gefängnis) hanmer noch es en Zecklang (Zeit-) R.; ken bessche R. hät mer Rip, Allg.; kä Armeslang R. han Kreuzn; Dag on Nät (Nächte) gen R. hon Erk, Allg.; de hot em Deiwel

[Bd. 7, Sp. 583]
seim Orsch kai R. Koch-Bruttig; he hät ken R., bös dat he er e paar (Ohrfeigen) hät MGladb, Allg., — net ehder R., bes im de Fingere gliche lang sön bis er gestorben ist, — bis e fünf Bord (Sarg) öm de Nas hät Köln; der hot ken R. am (im) Leif (Sterz, Arsch) Trier, Allg.; ek höbb ken R. an de Wejen (Weiden) Mörs-Asbg. RA.: R. im Hus, Frieden im Saustall, Hochtit im Backes (op der Misten)! scherzh. haltet R., zu Kindern Gummb-Peisel. R. an (in) der Hött, sät Herres Pött (Peter); R. am Heischen, sät H. Teis-chen (Matthias)! Trier-Schweich. Er hat net soviel R. wie e Erwes (Erbse) in der Quall (Wall, em Deppen) Wend, Ottw, Saarbr, Mosfrk, — so vill R. wie e Klopphengscht Saarl-Pachten, — ken R. wie en Entenorsch (-arsch) Trier. Der arbet gern, nur bei der Arbet on Nachts well he och seng R. han der Faulenzer Rip, Allg. Peərdszangk (-zahn) en Modderehangk (-hand) hant net R. en Amelangk Aach, — on e Fraleitshand sollen ke R. hon WEif, Wivertong (-zunge) hät genn R. en de Mongk (Mund) Kemp-Amern SAnton. No hät de ärm Siel (Seele) R. der lange um etwas bettelte Rip, Allg. Häff (habe) R.! zu einem unruhigen Kinde Bernk-Merschd. He hät de R. weg lässt sich durch nichts aufregen Gummb, Allg. He hät R. nüdeg nach dem Nhd, Rip, Allg. Satz dich, sust nimmsde de kläne Kinn de R. mit! Simm-Horn. — Loss mer mei R.; änem gor kä R. losse wie nhd. Rhfrk, Allg.; er lässt äm de leiblich R. nit Wend-Marping, Bernk-Crummenau, Ahrw-Gimming; loss mer mei R., flick mer mei Schuh! Bernk-Hellertshsn. Hall (halte) R.! sei nur still Rhfrk, Westerw, MüEif; R. gewe Saarbr; Gott gef em de iwige R. dem Verstorbenen Rip, Allg.; sech R. gönne nach dem Nhd. Rip, Allg.; donn dech mar R. an! beruhige dich MGladb. R. here (hören) aufhören mit der Arbeit, her R.! Saarbr; Lei (liege) R.! sei ruhig Trier-Mehring. Ich wönsche dir got R. (Nachtruhe), dann biss dech och kenn Fluh! Rheinb-Neuk. Du drägs enem de R. ut dem Hus! zu dem, der schon, ehe er Platz genommen hat, wieder fortgehen will Gummb-Berghsn. Un (an) er gönder R. as neischt verluər Saarbg-Wellen. — Mit Präpos. ohne Artikel. Op R. sen zur R. sein; ich will op ming (meine) R. komme; der Kopp op R. setze sich frei machen von anstrengendem Denken Aach; he kömmt eindlech (endlich) op sin R. heiratet endlich Heinsb; en leit (liegt) op der R. hält ein Mittagsschläfchen Bitb-Koosbüsch, Der lött sek nich ut der (siner) R. brengen Gummb, Allg. Loss mech en R. störe, behellige mich nicht Rip, Allg.; Lorenz, loss dat Kengk en R., et hät der nicks gedonn! höre mit der Schäkerei auf MülhRh, Köln, Kref; sech en de R. gen sich beruhigen Schleid-Hellenth, Köln-Stdt; duə kanns de Höt (Haupt) en R. lege bemühe dich nicht vergeblich, diese Aufgabe auszuführen Eusk; schlag din H. en R. mache dir keine Sorgen, beruhige dich MGladb. Besser en Ei en R. als Gezänk em en Koh Mos (o. O.). Jetz es Hahn en R. bei Beendigung der Saatzeit Bo-Pützchen. Mer kann noch net es

[Bd. 7, Sp. 584]
(einmal) met R. schlofe, esse Rip, Allg.; lot mech möt R. behellige mich nicht MGladb; de Kopp möt Rauə schloəhn sich beruhigen Kemp. — Mit Präpos. und Artikel. Der lött (lässt) sek nich ut der (siner) R. brengen er ist phlegmatisch Gummb, Allg. Er es en de R. zu Bett MüEif; sech en de R. gevve sich beruhigen ebd.; he krig et met der R. arbeitet bedächtig Rheinb-Buschhv; sech zer R. (u. en R.) setze sich vom Geschäfte zurückziehen Rip. — 2. übertr. a. ro·u., Pl. -ən die vorherbestimmte Stelle, wo im Nachlaufesp. ein Kind nicht angeschlagen werden darf; hei es R.! sagt das Kind Wittl, Bernk (Mos). — b. rōu die Stelle beim Hüpfsp. (hēgələ) in einer auf den Boden gezeichneten Figur mit allerhand Räumen (Himmel, Schere), in der das hüpfende Kind sich ausruhen kann Birkf-Idar. — c. rū, Pl. am Erntewagen ein auf die Hochkante gestelltes u. auf der Mitte des Langbaumes aufgesetztes Querholz, so dass die Mitte der Wagendiele u. der Ernteleitern unterstützt ist Simm-Laub.

Ge- ruhe: gərux, –ǫ-, in der Wend.: Se g. komme zur Ruhe k., zurechtk. uNahe, Birkf-Idar.Un -ruhe: 1. wie nhd.; der hät en O. an (en) sech, — son O. om Lif Rip, Allg.; de hät de iwige O. am Lif Sieg. — 2. übertr. a. unruhiger, nervöser Mensch; dat es de O. selver, — de iwige O. Rip, Allg. — b. Pendel an der Wanduhr, de O. ankehren Rhfrk, Saar, Mos, Wittl, Bitb, Prüm-Lambertsbg, Daun, May, Sol, uWupp (veralt.) de iwig O. Bernk-Horath Schönbg; Uhrfeder in der Uhr Gummb-Berghsn.

Ruh-boden rūbōdə Saarbrg-Scheidterbg m.: die Stelle beim Nachlaufesp., wo ein verfolgtes Kind ausruhen u. nicht angeschlagen werden darf. Ruh-bühne rōbȳn Siegld, Altk f.: in langen Klimmschächten werden die Fahrten (Leitern) in grösseren Zwischenräumen gerne etwas seitlich versetzt, indem man den ganzen Schacht etwas seitlich verschiebt; dadurch entsteht im Gestein ein Vorsprung, die R., auf die der die Leiter emporkommende Bergmann übertritt, wenn er, nachdem er sich auf der R. einen Augenblick ausgeruht hat, weiterklettern will, in der Bergmspr. PfWB Ruh-kissen (mit nhd. Lautung) n.: in dem Spr.: E got Gewesse es e sanf R. nach dem Nhd. Allg. PfWB Ruh-platz rūblats Simm m.: -boden (s. d.). Ruh-punkt Siegld, Altk m.: -bühne (s. d.), in der Bergmspr. PfWB Ruh-stunde rūtun, –dinχə Wend, Simm-Belth, Bernk-Fronhf Hottenb, Zell-Reidenhsn, Goar-Hungenr Pfalzf, also nur im Rhfrk f. (n.): e R. halle rasten, ein Mittagsschläfchen halten. PfWB Ruh-tag Saarbg-Wellen m.: wie nhd.

 PfWB  ElsWB  LothWB ruhen das Wort ist nur geläufig Rhfrk, Mosfrk (einschl. Aden), Westerw, Siegld, Gummb-Schwarzenbergisch u. die Pfälzer Kolonie in Klev, lautend wie Ruhe [vielfach in Wittl-Honth, in Zell (Mos), Koch, May, Daun, Aden rō:xə, –γə; Altk vielfach -xə; Koch-Bertrich Hauroth, May-Üss, Daun-Winkel, Aden-Berenb rō:rə; Goar-Macken (Mos) r:ə, Simm-Schlierschd, Altk-Brachb

[Bd. 7, Sp. 585]
rōuwə, –o·u.-; Altk-Mudersb NFischb Sassenr rō:wə; Altk-OIngelb rū·ə.; Prät. rū:xtə, Part. jərū:xt, –ō:-, dies auch Wittl, Bitb; gəro:χt WBitb], Siegld rōjə, –γə; Littf (u. -jə) Afholderb rouwə; Eisern roujə [im Geb. Ahrw-Remag, s. MüEif nur rǫ·u.ə; Elbf rǫuən; Lennep-Neuenholte Hückeswg ryən; sonst rästen, sech legen, während in ruhen-Geb. rästen meist fehlt] schw.: absol. u. sich r., wie nhd. RA.: De ruht wie e Isel (Esel) wer mit einer Last auf dem Rücken stehen bleibt Simm-Horn. De Jongen duəwen (toben) ger, de Alen r. ger Merz-Haustdt. Recht duhn lässt sanft r. Mos (o. O.). Et es ken Vügelchen so hoh gesetten, et ruht en Stöndchen no (op) dem Etten (Essen) Gummb-Schwarzenbergisch. Jö, Perdchen, wenn de dut bös, rouhste! zum Kinde, wenn es über Müdigkeit klagt Bernk-Wintrich.

 PfWB ab- ruhen: sich a., ausruhen, zu Ende r.; derirscht get sich e bess-chin obgerouht, ihr mer weider schaffen Merz-Saarhölzb. PfWB  LothWB aus -ruhen: absol. u. sich a., wie nhd. Allg.ge -ruhen: sich g., ausr. Altk-Almersb.un -ruhen: unruhig sein im Schlaf Birkf-Idar, Kreuzn.

 PfWB  ElsWB  LothWB ruhig Allg., u. zwar α. Rhfrk, Mosfrk meist ohne Umlaut rūĭχ, –ō:- usf. (s. Ruhe) [Merz-Erbring rē:iχ; Merz-Merching rī:dĭχ; Koch-Laub rē:rəχ; Aden, NAltk r:ĭχ; Neuw-Kurtschd, Altk-NFischb r:jĭχ; Siegld rēĭχ, –-; Obersd -ē-]; das Geb. β. Rip, Berg r·y.əχ, –ø·y.-, selten -ǫ·u.- [Monsch r·y.əleχ; Mulartzhütte r·ə.liχ; Witzerath r:jəl-; Dür-Froitzh rø·y.əl-; Aach r:jəliχ, rø·y.-; MülhRh, Wippf (rip.), Sol (rip), Düss, Mettm r·y.ləχ; Remschd, Mettm-Wülfr, Wippf-Lindlar, Mülh Rh-Hoffnungst -ələχ]; im Geb. γ. in SNfrk in der westl. Selfk ry·y.ĭχ, r:χ, r:ĭχ [Heinsb-Karken 1860 rū:x], dann nach O. u. N. rø·y.χ, –·y.- seltener -rø·y.ĭχ, –əχ; Geb. δ. Klevld ruχ Adj.: wie nhd.; bös r.! lärme nicht, weine nicht, höre auf mit Fragen, beklage dich nicht; du kanns r. sen hast keinen Grund zum Klagen Rip, Allg.; bes mar r., könns ävver zem Duət (Tod) gib dich nur zufrieden Geilk-Übch; sech r. verhale nicht lärmen; r. blive; r. om Stohl setze; r. stohn blive; schlofe, esse, afwarde; et r. drop ankomme losse; sag et r.; de kanns r. hemgohn (heim-); ech krig et Kend net r. Rip, Allg.; enen (Aufgeregten) r. mache beruhigen Monsch-Mützenich; sech r. betasten Mittagsschläfchen halten Sol; en r. Hus; ech han ken r. Stonn mih; r. Blot behale; r.ə Lof (Luft, Wind); en r. Wasser; e r. Geschäf; r.ə Löck (Leute); e r. Gewesse Rip, Allg.; ruhjəweg ebbes san (sagen) Wend-Winterb. RA.: R., wer kä Bart hät! so gebietet man Ruhe den Kindern, Weibern Wend-OReichenb. R. em Saal, os Pitter kreit Hör! Aden-Kaltenborn. So r. wei'n Meis-chen (Maus) Bitb, Merz-Becking. Et es so r., dat mer en Floh de Nas botze hert Goar-OGondershsn, — de Fleh niesen hert Saarl, — de Floh kleddere h. Saarbr. Wannste net r. bes, kreste Salz en et Mos (Mus)! zu Kindern Bo-Ippend. Sin mar r. (beruhige dich), dann werdste ock fett! Mörs-Schwafh. Du musst esu lang r. sein, bis dat de Katze möt der Kellerdrappe

[Bd. 7, Sp. 586]
fortläift, dann säste: oha! zu jungen Leuten, die den Alten gern ins Wort fallen Altk-NFischb. Hättschte nuren en den Hals geschiss, dann wärschte doch endlich r.! zum lästigen Schwätzer Saarl-Berus. Den gäht esö r. wie en Ochs fir dem Plog Trier-Beuren. Jungen un Hung (Hunde) gonn selde r. lansenander Köln, Rip.

 PfWB un- ruhig: wie nhd.; ene o.ə Mensch; ene o.ə Ges (Geist) rastlos Rip, Allg.; en o. Fass Sieg-Süchterschd; der Wein get o. beim Gären Mos. RA.: Der es esu o. wie der iwege Judd Rip, — en Wespel Trier-Mehring, — en Erwes (Erbse) en der Wall Rhfrk, Mosfrk.

ruhigen rō:ĭjə Bitb-Seimerich schw.: ausruhen. RA.: Wenn ein strammer Bursche sich mit einem schmutzigen Weib unterhält, so sagt einer: dat kann ech net verstohn, worauf ein anderer: ach, wer möd (müde) as, de rohigt och got op em Mesthof.

ruh-lich s. o. bei ruhig.

 PfWB be- ruhigen: ganz selten nach dem Nhd. bər·y.əlijə Monsch; -r·y.əjə MüEif; -rø·y.jə Erk-Elmpt, Kref-Stdt; -ruəjə Geld-Veert; einen b., nach dem Nhd.

ge- ruhigen: gərēχliχ, –- behaglich; de härret em Aler g. Siegld; — -ē:- Koch-Leienkaul; gər:χ- langsam arbeitend Daun-Nerdlen