PfWB ElsWB LothWB Ruder das Wort ist, abgesehen von der Spr. der Schiffahrt, nach dem Nhd. bekannt u. bezeichnet in der Spr. der nicht Schiffahrt Treibenden das R. zum Fortbewegen des Kahnes, während das Steuer Steier, Stüər heisst; lautl. rūdər, –ūr-, –ū:d-, –ō:-, –o·u.- (usf.); in der Spr. der Schifffahrt ist das R. das Steuer des Schiffes, Nachens; die R. zum Fortbewegen des Kahnes sind die Riemen (s. d.) u. Klev ruə (s. rujen); lautl. Klevld rūər, südl. von Rhein u. Mos rō:dər, Pl. -rə n.: 1.a. das Steuer des Schiffes u. Nachens (s. o.) mit dem R.blatt, aus R.platten bestehend, die auf den sie einfassenden R.rahmen aufgenietet sind, dem R.hus, R.stuhl auf der Kommandobrücke der Raddampfer, -koker Röhre, durch die das obere Ende des R.schafts nach dem Deck reicht; der R.schaft wird unterm Heck am Hintersteven durch die R.öse (Halskorb), ein Scharnierband, festgehalten; mit dem R.pinn R.hebel u. Stift am freien Ende des R.hebels, zum Befestigen eines Taues oder Drahtes; mit dem R.reep (-reifen, Tau) Stück Tau oder Drahtseil, auch Kette, zum Feststellen des R.blattes; mit dem R.schwanz oder R.schwert Verlängerungsplatte für das R.blatt; mit dem R.spur der untern Ecke des Hinterstevens; der R.gänger zweiter Steuermann oder Gehilfe des Kapitäns auf Schleppdampfern; dat Strickr. (Streich-) mit Brücke u. breitem Blatt, stehend gehandhabt, zum gleichzeitigen Rudern u. Steuern eines Fliegers; et R. liep onklor das Schiff gehorchte dem Steuer nicht; et R. utdrähjen (ausdrehen) das R.blatt soweit als möglich zur Seite legen; et Schepp löppt (läuft) üt et R. gehorcht dem Steuer nicht; et hät genug Fahrt op et R. wenn die Steuerbarkeit des Schiffes nicht durch die Gewalt der Strömung beeinträchtigt wird Rheinschiff. RA.: Ärms (Arme) as Ruərs Rees. Et R. führen eigentl. Meister im Hause, Anführer sein ebd. u. allg. auch im Geb. von 1 b, nach dem Nhd. — b. R. zum Fortbewegen des Nachens; mit denselben seitwärts liegenden R. steuert man auch (s. o.). — 2. übertr. -ō:d-, Pl. -rn- Gleitschiene unter den Schlittenkufen; am R. sin Elbf. — Zs. s. o. R. 1 a. PfWB rudern schw.: 1.a. ein Schiff, einen Nachen r., steuern, meist steuern Verbr. wie R. 1 a. — b. den Nachen r., fortbewegen allg.; s. rujen. — 2. übertr. beim Gehen mit den Armen schwenken; he küt (heran)gerodert Rip, Mosfrk; hen rudert sitzt unruhig auf dem Stuhle Prüm-GLangenf.
ab- rudern: 1. wie nhd.; auch übertr. abfahren, sterben; wenn dau emol obruderscht, da wiərd den Deiwel kä kläne Spass hunn Merz. — 2. sich a., sich müde r. Allg. an -rudern: zu r. anfangen, mit verstärkter Kraft r. Nrhn.
Rudera rūdərā Gummb-Schwarzenbergisch, Köln-Stdt (Pl. -rās) Pl. t.: Reste, Überbleibsel, [Bd. 7, Sp. 574]
Trümmer; do liegen de R. om Dösch; de R. (das abgebrannte Haus) sind nu nicks wert.
Ruder-ralles-kasten Lennep-Hückeswg m.: scherzh. Puppentheater.
Ruderast rūdərast Gummb-Ründeroth Sg. t. m.: Schutt, Geröll, Abfälle; es war eine Tür durch eine Wand gebrochen worden, do mott noch der ganze R. weggeschafft weəren.
Rüdger Kurzf. j·ī.rəs Dür-Golzh m.: der männl. Vorn.
Rudi -ū- = Kurzf. für Rudolf (s. d.); rudig, rüdig I = voll Grind, Schorf s. räudig; rüdig II -ī- = brünstig, vom weibl. Hunde s. bei Rüde.
rudirallalla Verbr.: im Anfang von Liedern. R., hau der Katz den Schwanz ab, loss er noch e Stitzche stihn, dat se kann spazeəre gihn Neuw-Dierd.
PfWB Rudolf rūdələf, ru:-, rū-, –dǫləf Allg.; Kurzf. rūdəl Rhfrk, Kemp; -ud-, –y- MülhRh, Sol; -ȳd- Berg; rūdi, rudi Allg.; rū:t, –u-, rytχə Rip; rȳəl Elbf; ryl Mettm-Wülfr, Klev-Üdem; ruli(i), ryl MGladb, Kref, Kemp; rut Barm; roləf, –u-, rø·l.fχə, –kə Verbr.; ry Aden-Liers; doləfəs, –ø- Rip m.: der männl. Vorn. R.
Rüe rȳə = Rüde (s. d.).
Rüelen -ȳə- = Masern s. Ruddeln; Ruet I -ūə- = Brotlaib s. Ranft; Ruet II -ū·ə.- = Teich zur Flachsröste s. Rosse.
Ruf I s. bei rufen.
PfWB ElsWB LothWB Ruf II, Rufe, Rüfe das Wort, ahd., mhd. Lexer ruf f. entsprechend, ist allg.; hinsichtl. der Lautung u. des Geschlechtes teilt sich das Gesamtgeb. in mehrere grössere Räume, u. zwar α. rūp f. Pl. rūbə, Demin. rībχə Rhfrk bis zur pfälz./ kurtrier. Grenze u. an der Saar (Ottw, Saarbr. bis zur nass.-lothr. Grenze), rōp, Pl. -bə, Demin. rēbχə Saarbr, Wend-Berschw Werschw; rup, Pl. -bə, Demin. ribχə Saarbr-Friedrichsth, Wend-Freisen Leitzw, Birkf-Bundenb Jdar Oberst, Meis-Altheckmühl, Kreuzn-Dhaun, Simm-Argenth, Zell-Wahlenau, Bernk-Hochschd. — β. WMosfrk [Saar von Ottw-Aschb Thalexw, Saarl an, Hochw, Mos bis Zell (nach Süd. bis zur kurtrier. Süd-Grenze), Bitb, Wittl, Daun, Prüm, Malm] rof m., Pl. -e-, Demin. refχən [ruf, Pl. -i-, Demin. rifχən ist seltener]; das Geb. setzt sich im N. mit rof m., Pl. -ø-, Demin. røfχə in NPrüm, Malm, Schleid-Berg Dreiborn Hellenth (Pl. røfə) Marmag fort [rūf, Pl. -ī- Bernk-Commen Longkamp Wintrich, Zell-Lötzbeuren; Pl. ruwən Wittl-Neuerbg Monzel, Trier Heidenbg, Bernk-Stdt; rif Sg. u. Pl. m. Saarbr-Berschw]. — γ. die uMos u. südl. davon bis zur kurtrier. Süd-Grenze (Zell, Koch, Kobl, Goar, Simm-Leideneck), May u. SNeuw (im entrundenden Teil) rīf f., Pl. -wə, Demin. rīfχə [nach W. vereinzelt Trier-Clüsserath Trittenh, Wittl-Salmrohr, Bernk-Merschd Rapperath Zelting; rīwən Sg. u. Pl. m. Bernk-Neumag; -e·i.- Dhron; rif, Pl. -wə vielfach May, Koch-Bertrich, Zell-Senh; rēf, Pl. -wə Koch hier u. da; ręf, Pl. -wən Neuw-NWamb]; an dieses Geb. setzt nach [Bd. 7, Sp. 575]
N. u. NO. im nicht entrundenden Teil ryf, –ø-, Pl. -və f., Demin. ryfχə, –ø- an in NDaun, Aden, Ahrw [-u- Remag], Schleid [-o- Dahlem Reifferschd, Prüm-Elcherath], Eusk, Rheinb, Bo, Köln (diese Geb. ö. der Erft) u. MülhRh, Sieg, NNeuw, NAltk (nach Süd. rȳf, Pl. -wə) [ref, Pl. -və Ahrw-Rech; -i- Rheinb-Effelsbg; -ø-, Pl. -ftə Monsch-Kalterherbg, Bo-Dransd Schwarz-Rheind, Sieg-Geislar Sieglar; rȳəf, Pl. røvən Sieg-Leuschd]. — δ. LRip w. Erft bis zur Benr.-L. u. Köln-Stdt, Eup ruf, meist -o- (auch rovf, rof, rōf) f., Pl. -fə, Demin. røfχə (-øvf-, –øyf-, –f-). — ε. das OBerg hat in Waldbr, Gummb-Homburgisch durchweg rȳəf f., Pl. rȳəwen, Demin. ryfχən [rūəf, Pl. rȳəwən Waldbr-Stdt; Pl. rbən Waldbr-Brenzing; - ȳəl-Hahn; roft, Pl. -ftə Waldbr-Bladersb Denkl, Gummb-Dieringhsn NBreidenb]; Gummb-Schwarzenbergisch ruf, –o- m., Pl. -fə, rȳəf u. ryfə, Demin. ryfχə; Wippf u. NBerg ruf, –o- m., Pl. -fən, Demin. røfkə [Düss-Stdt rof f., Mettm-Cronenbg n., Sol-Stdt Hilgen Höhschd røf; Elbf rof m., røf f.; Wermelsk rȳ:f f.]. — ζ. das SNfrk n. Benr.-L. in Geilk, Heinsb, WErk, WKemp rūəf m., Pl. rȳ·ə.f, Demin. røfkə; im O. rōf, m., Pl. -:-, Demin. røfkə; Geld, Mörs, Klev, n. einschl. Ruhr m. rǫf m., f., Pl. - u. rǫwən u. in Mörs auch rf f., Pl. -, Demin. rfkə. — Es ergibt sich also, dass es zwei Geb. mit m. gibt (WMosfrk u. Berg, SNfrk, Klevld), in die sich das Geb. mit f. eingeschoben hat (uMos, OEif, Westerw, Rip); dazu Rhfrk f.: 1. Kruste oder Borke bei heilenden Wunden, bei Ausschlag auf dem Kopfe, im Gesichte; dat Kend hät Rüwwe op em Kopp, op der Stir, an der Maul Aden, Allg.; de Wunn (Wunde) hot schon R. kriet Birkf, Allg.; der R. ofkratse, afstoeəte Kemp, Allg.; ropp nemmen (nur) net de R. erob, sos blot (blutet) et näs (wieder) Merz, Allg. RA.: Moder, os Trin (Katharina) schmitt all de Lüs in de Pott. Nä, M., et sind mar (nur) Röf Mörs-Binsh. Mämm, de Pitter het en L. en de Brei geworfe! P.: du verloge Mensch, et wor jo en R.! Mutter: dat äs och Sauerei Neuw-Asb. Dem han ech der Ruəf gedoppt (gekratzt) ihn abgekanzelt Heinsb. Er hät en Rüff of em Buckel einen Prozess May-Rieden. Den hat sech e gude Roff afgestouss (abgestossen) eine grosse Last, eines Schuldpostens entledigt Prüm-Ihren; do hän ech meng Rövven afgeschupp Sieg-Bahlschd. Wann de Laus hungrig as, beisst se um (am) Roff Trier-Schleidw. De schilzt (schielt) heraus, wie en L. aus em Roff er steht hinter etwas Grossem, dass man ihn nicht gut sehen kann Prüm, Malm (s. Laus). Den as su grandzig (empfindlich), wibelig (regsam) wie en L. am (im) Roff WMosfrk. — Rätsel. Et heckt (hängt) an der Wand, hät Röwwen am Buch (Bauch)? die Kartoffelreibe Altk-Michelb. — 2. übertr. a. sachl. α. Pl. rauhe Stelle an Äpfeln, Birnen, Kartoffeln Allg. — β. rof verkohltes Ende des Dochtes Trier-Butzw, Bitb-Sefferweich, Prüm, Erk-Kaulhsn. — γ. verächtl. scherzh. in der Wend.: Ech gef der enen op de Ruff auf den Kopf; enem op de R. kummen ihn durchprügeln; [Bd. 7, Sp. 576]
ech schlohn dich övver do R.! Erk-Körrenz, uWupp, Sol. — δ. er hat iwerall Riwe Schulden May-OMendig; rȳəbən Waldbr-Hahn. — b. persönl. verächtl. α. rof unreifer Junge, Lausbengel Prüm-Burb, Bo-Witterschlick. — β. e ryfχə ausgelassenes, wildes Mädchen Bo-Friesd; altes Weib Köln-Stdt.
Rufen-dutz rīwədots Kobl-Cobern Bisholder m.: verächtl. Kopf mit Ausschlag u. einer mit einem solchen R. Rufen-gesicht Allg. n.: verächtl. G. mit Ausschlag, Blattern. Rufen-kater refkdər Bitb-Bollend m.: verächtl. ein mit Ausschlag am Munde, Kopf, mit Pocken Behafteter. Rufen-knütteler rīwəgnetələr Koch-Lutzerath m.: dass. Rufen-kopf (s. S.) rīwə- Kobl, May, Aden, Neuw; ref- Trier-Kenn; rof- Eusk-Antw m.: verächtl. K. mit Ausschlag, Grind, einer mit solchem K. Rufen-maul ebd. n.: verächtl. Mund mit Ausschlag u. einer mit solchem M.