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Rheinisches Wörterbuch 
 
Rosmarin bis Rosskamm (Bd. 7, Sp. 515 bis 517)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Rosmarin das lat. rôs marinus ist mdl. aus dem Rhfrk, Mosfrk als rōs(ə)mărain, –ręin, –səməręi, –smręin, –zə-  bezeugt [røysmăręin Merz-Losh; ruzəbręin Zell-Lötzbeuren Merl] Sg. t. m.: 1. wie nhd.; nach der Überlieferung bei der Hochzeit im Gebrauch: Hier kommen wir gegangen, die Braut zu empfangen, nicht mit Disteln u. Dornen; drum wird sie nicht erzornen; sondern mit Lorbeer u. R.; drum wird es angenehm sein Eif vor 1856. R. u. Thymian wächst in unserm Garten; unser Lenchen wird bald Braut, will nicht länger warten; roter Wein u. weisser W., morgen soll die Hochzeit sein Birkf, Verbr. Heija, h. Limerche, brech dem Kindche Blimerche, Bl. u. R., et R. will geschockelt sein! Zell-Sohren. — Stirbt ein Glied der Familie, stirbt der R.stock im Garten ab, wenn man ihn nicht an eine andere

[Bd. 7, Sp. 516]
Stelle verpflanzt Saarbg-Soest. — 2. wille R. hellblaues Frauenhaar Wend-Baumholder.
 
 
Rospe rǫsbə Sg. u. Pl. Siegld; rǫsə Gummb-Wiedenest f.: Raspel, Feile, zur Holzbearbeitung.

rospelig -o- = rauh s. ruspelig; rospeln -ǫ- = raspeln (s. d.).

Ross I --:- = Honigwabe s. Rasse; Ross II --, –ø-, –- = Riss s. d; Ross III -o- gestochene Grasnarbe s. Rüsch; Ross IV -ō:- = Russ (s. d.); Ross V -ō:- = Flachsröste s. Rosse; Ross VI -ø-, –ǫ- = Rost III (s. d.).
 
 
 NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB Ross VII das Wort ist der MA. im allg. Gebrauch fremd; nur in zwei RA., in Kniereiteliedern u. in übertr. Bed. als Sg. t. bezeugt; in Zs. ist es in geschlossenen Geb. verbr. n.: 1.a. in RA.: Der Appel (Rossapfel) fällt net wick (weit) vam R. Kinder arten nach den Eltern Sieg, Bo, Köln, Jül. He kömmp von R. (--) op Eəsel er kommt wirtschaftl., sittl. herunter Kemp-Dülken. — b. in rhfrk., mosfrk. Kniereiteliedern. Reiter, R., Räss-che, druwe steht e Schläss-che usf. Rhfrk. Ross, R., rill, de Bauer hat en Fill; Fillen wollt net lafen (laufen) usf. Koch, Kobl. Ri, ra, Räss-che, et Perdche staht eam Schläss-che, et Fillche st. eam Stall on frisst de Hawer all May-Trimbs. (Rossa, Rossa, Rüllche Altk-Willr). Jä, jä, R., Perdchen steht am Schloss, morge, m. Hawer dreschen, kret dat P. Spitzen fressen Merz-Büschf. — 2. übertr. a. Ross Bęiə(r)t (eigentl. das Ross Bayard der vier Haimonskinder) ungeschlachte, ungestüme, waghalsige Person, bes. grosses, gesetztes Weib, kleiner lebhafter, wilder Junge (halb scherzh., h. tadelnd) Köln-Stdt, Bergh-Heppend, Kemp-Stdt (rs); Beiə(r)t Eusk-Lechenich; Bęiər Kobl-Stdt (n. verächtl. schlechtes Pferd), Bergh, Dür, Jül, Aach, Heinsb (auch rus), Grevbr-Wickr, Kemp-Amern (lästiger Schwätzer); rǫs Bęiər u. ras B. m. u. rǫs Bęi f.; rǫs bęikə u. has Bęiər m. Eup; rǫs bajas Bitb-Wiersd (starkes Pferd; starkes Weib); dat es et püərschte (reinste) Rass Beike kräftiges Mädchen Eup. — b. ręsχən n. das an den zwei Enden zugespitzte Holz, finger- bis handlang, auf einem Steine liegend, das durch einen Schlag mit der Plätsch in die Höhe geschnellt wird, worauf es die Mitspieler (der anderen Partei) auffangen müssen; et Ross· (Rass-)spiel; Räss-chen spielen; Ross-ches (Räss-ches) sp.; et R. offänken Wend, Ottw, Saar, Trier-Hochw (Rässelche); s. Gimme I, Leikse, Gischt, Pinke IV. — c. ręsχən n. das Holz in dem Aufbau des Vorderpfluges, auf dem der Grindel, der Pflugbaum, ruht Merz, Saarbg.

Ross-ameise -ęməs, –hęməlts (s. S.) Siegld, Altk-Bachenbg, Siegld-Marienborn, Remschd, Mettm-Cronenbg f.: grosse Waldameise (sonst Perds-, Bär-, Wehr-). NRhWB  PfWB Ross-apfel (s. S.) nach dem Nhd. verbr. m.: scherzh. Pferdekot. ross-bändig rǫsbę·n.diχ, –bēniχ Bitb, Prüm Adj.: unbändig, gewalttätig. RA.: Den hat en r. Schniss (Maul)

[Bd. 7, Sp. 517]
ein freches Maul Prüm-Burb. ross-beiern schw.: 1. rǫsbę·i.ərə sich wild tummeln Heinsb-Lümb; -bę·i.ə Dür-Gürzenich. — 2. -bę·i.ə langweilig erzählen MGladb-SHockst. — Zu Ross Beiert s. Ross 2 a. Ross-beutel -by·l. Aach m.: -tuch (s. d.). Ross-bockigkeit rǫs- Saarbg-Perl f.: Wildheit, Übermut. Ross-dieb rǫsdē:f Köln-Stdt m.: in der RA.: Voll Moss (Mass) hät Gott lef (lieb), un wer e Perd stillt, es ene R. Ross-dommel rǫsdǫ·m.əl Geld-Straelen; -domp Kemp-Grefr Lobberich m.: Rohrdommel. Ross-dreck rǫs- Saarbr-Camphsn m.: in der Nachahmung des Dreitaktes beim Dreschen: Friss R.! Ross-fett rǫusə- Monsch-Strauch n.: Gericht, ein Gemisch aus Mehl u. Speckgrieben. Ross-geschirr -īər Geld-Kevelaer n.: Striegel. Ross-gestell Siegld-Kromb (nur in dieser Zs.) n.: Wagenschere. Ross-groschel -e·i.- Saarbg-Kahren f.: Stachelbeere (Gr. allein ‘Johannisbeere’). Ross-kamisol Gummb-Berghsn n.: Spitzn. Ross-kamm rǫs-, rǫzs-, rǫus-, røskam(p) (s. S.) Schleid-Scheben, Heinsb, Erk (-kǫmp, sonst für ‘Kamm’ kē:m), Kemp, Klev, rrhn. MülhRh-Holweide, Sol, Wermelsk, Emmerich m.: 1. Striegel. Allg. — 2. Pferdehändler Wermelsk.