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Rheinisches Wörterbuch 
 
Riss II bis Risten (Bd. 7, Sp. 460 bis 462)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Riss II das von reissen abgeleitete Wort ist allg., u. zwar Rhfrk ris, –e-; Mosfrk -e- [im Geb. der tiefsten Senkung des WMosfrk, Westerw -a-, –u-, –o-, –ǫ-, –ę-, --, –ø-, Pl. aber -e-, –ø-; um Saarl-Diefflen ręts f.]; Rip res, –ø- [uSieg, LRip auch resz, –ø-, reis, –øy-, rēs, –-]; Berg rīt, –ē- [Wermelsk res; Gummb ret-, –i-]; Eup rēt; SNfrk rīət [Pl. vielfach -tər f.; doch rīət, Pl. -tər n. ‘Ritze’]; Klevld rēt [n. Ruhr vielfach ret; im Nfrk in übertr. Bed. res] Pl. wie Sg. [Saarbr -sər; Berg -tə]; demin. -sχə(n), retə m.: 1. wie nhd.; ene R. em Kled, Holz, Brett, Brut, en de Wand, Hut usf.; eine vom Regen gerissene Rinne im Felde Rip, Allg.; fefter R. im Stoffe, in Gestalt einer römischen Fünf (s. d.) Siegld; Motross Winkelriss Waldbr-Hurst. RA.: He (se) hät en R. em Röck (Rock) einen Makel, von Männern, die mit einem Mädchen in Verruf stehen; von Mädchen, das ein uneheliches Kind hat Sieg-Scheiderhöhe Seelschd. De Fröngschaft hät en R. gekregen Wermelsk, Allg. Donn gäht's en äm R. dehin auf einmal Saarbr-Sulzb. — 2. übertr. a. res (auch Nfrk) Pl. Schläge, Hiebe; he hät (seng) R. krege; et hät R. gen Sieg, u. so Wend, Ottw, Hunsr, uMos von Zell an, May, Westerw, Rip, Berg, SNfrk, Dinsl; resə NBerg; ritə, –e- Gummb. — b. res, –ø- Pl. Aufschneiderei, Lügen, Witze, Schnurren; de kan der R. machen (reissen) Wend-Offenb, Saarbg, Trier, Bitb, Wittl, Prüm, Westerw, Siegld (Resse kloppe), MüEif, Sieg, MülRh; restən Bitb-Wilsecker; resə Duisb, Geld-Schravelen Kevelaer; doll Rett Dinsl-Vörde; Elbf auch Sg. en Riss vertällen.c. res Pl. unbegreifliche Handlungen; de mät R., bes e kene Sterz (keinen Pfennig) mih em Vermöge hät Mü-Eif. — d. res Sg. t., in der Wend. α. sich in de R. leə (legen), vor äne (ebbes) für jmd. (etwas) nachdrücklich eintreten Birkf, Kreuzn, Simm; sech en de R. stellen uWupp, Düss-Stdt. — β. jet em R. losse etwas nicht tun, pflegen; he let et Meddagsschlif-chen em R. Köln-Stdt; ene em R. losse im Stiche lassen Eusk-Dirmerzh; dat Perd es em R. blevve verloren gegangen Bergh. — e. res Pl. t., en die R. geroden in die Klemme geraten

[Bd. 7, Sp. 461]
Wittl-Stdt. — f. res Sg. t. in der Wend.: Do kanns de der mol en R. dovon nemme einen Begriff davon machen Kobl-Bendrf. — g. persönl. res Sg. t. m. grosser Mensch Jül-Langerw.

Ab- riss: 1. do kanns de der de A. dran nehme dir ein Bild von einer Sache machen Simm-Laub. Sich en A. numme sich ein Beispiel nehmen Goar-Weiler. — 2. abgerissenes Stück Tuch Sol. Be -riss: res Bereich, Bezirk uWupp 1870.

Riss-bändel res-bngəl Schleid-Weyer m.: aus mehreren Lederriemen geflochtene Peitschenschnur. Riss-bär resbēār Siegld m.: verächtl. wilder Junge, der viele Kleider zerreisst. Riss-hände rīəthę·ŋ. Erk-Elmpt Pl.: H. mit Schrunden. Riss-lakes rǫslākəs [rǫs- = i > ǫ] Aden-Quiddelb m.: Knabe, der viele Kleider zerreisst.

Rissen-bisser resəbesər Schleid-Hellenth m.: halbwüchsiges Kalb, das auf der Weide schon Gras frisst. Rissen-macher resmχər (s. S.) Verbr. wie Riss 2 b; rǫs- Prüm-Ihren; resə Geld-Schravelen Kevelaer m.: Witzbold, Spassmacher.

Ge-riss Nahe, Hunsr, Kobl-Stdt Sg. t. n.: 1. in der Wend.: Dat (Mädchen) hot jo et G. ('s G.) die Burschen reissen sich um es; es ist viel umworben; die hot det G. wie Bills Gans uf der Mest (Mist) Birkf, — 's Giewels (Gibbels) G. Kreuzn; dat hot dat G. nore im Unnerrock man umwirbt es nicht in ehrlicher Absicht, sondern nur zu zweifelhaften Zwecken Allg. — 2. -- Gerümpel Altk-Leingen.

 PfWB  ElsWB  LothWB Risser -e-, –ø- Sg. u. Pl. m.: 1. persönl. a. einer, der viele Kleider zerreisst Birkf-Idar, Simm, Mos, Bitb-Dudeld, Siegld. Hoserösser-Bockseschösser! Zuruf an kleine Kinder Trier-Mehring. — b. Raufbold Schleid-Hellenth, Aach, Stdt. — c. Wildfang Monsch. — d. Aufschneider, Lügner, Witzbold, Schnurrenmacher Ottw, Saarbr, Prüm, Altk-Leingen. — 2. sachl. a. Pl. scharfe Zähne Verbr. — b. Messer, womit die Bäume im Walde zum Fällen gezeichnet werden Bitb; Anreissmesser des Zimmermanns, mit seitwärts U-förmig nach der Griffseite hin zurückgebogener Klinge; es dient zum Einreissen von Zeichen, Buchstaben und Zahlen in das Holz Siegld. — c. M. des Hufschmiedes, zum Beschneiden des Hufes Bitb-Heilenb. — d. -ø- ein mit Kerben versehener Holzkegel, zum Aufreissen der Weiden (u. røtsər) Mos; Stakerösser ein Mann, der Weinbergpfähle reisst Trier-Mehring. — e. Keil, Setze, beim Spalten des Holzes benutzt, bes. Gerät zum Einritzen des Fassgargels, Gargels Simm, Mos. — f. Pflug (ohne Streichbrett), zum Aufreissen des Bodens Saarbr. — g. Hemmschuh, der unter das Rad gelegt wird u. auch unten scharfe Zähne hat, die in den Boden einreissen Saarbr-Völkl, Wend-Offenb, Birkf-Schwollen. — h. resər aus mehreren Lederriemen geflochtene Peitschenschnur Schleid-Dollend; resəl Rheinb-Iversh.

[Bd. 7, Sp. 462]

Aus- risser -øs-: einer, der über die Stränge schlägt, unbändiger Mensch, bes. Knabe WBitb.

Risses røsəs, Pl. -əsə Schleid-Kirchseifen m.: einer, der schnell arbeitet.

 PfWB rissig -i-, –e-, –ø- Rhfrk, Mosfrk, Rip, OBerg (-is-, –e-) Adj.: 1. leicht reissend, weil zu spröde, Risse zeigend; r. Holz, r. Brut, r.ə Hänn usf. — 2. übertr. -es- gerne Witze machen Geld-Kevelaer.

aus- rissig -ø-: zügellos, unbändig, ausgeartet; der Sprössling einer sparsamen Familie, der verschwendet, ist a. WBitb.ge -rissig: mit Rissen versehen, z. B. vom Brot Saarl-Fraulautern.
 
 
Rissel resəl, Pl. -ələ Verbr. in Daun, Schleid, Aden, Rheinb-Iversh Mahlbg Schönau (im selben Geb. auch --, -y-; Aden-Dorsel restəl) m.: Peitschenriemen.

Risselcher = Zittergras s. Rossel II.
 
 
Rissigale das Wort, < lat. risigallum entwickelt, ist in einer Wend. verbr., u. zwar rīsəgal Goar, Koch, Kobl, Prüm, Schleid-Dollend; rīsənja·l. Daun-Strohn; risi- Prüm-Steffeln; risə- uWupp, Sol; resə- Aach-Stdt; rō:sə- Bergh, Dür, Düss-Stdt  Sg. t. f.: rotes Sperment von zinnoberroter Farbe, auch Rauschgelb u. roter Arsenik, bitter schmeckend, in der Wend.: So better (et schmeckt) wie R. Allg., — en Uperment Aach-Stdt.

Rist -ī- = Flachs-, Strohbündel s. Reiste(n).
 
 
Riste risdə Sg. u. Pl. Siegld f.: Seite, Lende, in der Wend.: Än em (um) de R. haue; än em de R. gewe; a de R. krijje.
 
 
Ein-geriste eγərest Geld-Straelen. Sg. t. n.: Zunge des Schlachttieres mit anhängenden Fleischteilen.
 
 
Ristel -eist- Köln-Kierbg Sg. t. f.: Mistel, viscum album.

risten I -ī:- = rösten s. bei Rost III; risten II -i- = rüsten (s. d.); Risten -i- = Flachsbündel s. Reisten;