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Rheinisches Wörterbuch 
 
Riffel, II bis riffelig (Bd. 7, Sp. 423 bis 425)
 
  PfWB  PfWB Riffel, II das Wort, zu dem man vgl. anord. reifar Pl. ‘Hülle, die um etwas gewickelt wird’, isl. reifa, norw. reiva ‘wickeln, binden’, schwed. reva, dazu ablautend anord. rifja ‘Heu wenden, entwirren, entwickeln’; nord. revle ‘Querholz’, mnd. revel zu einer germ.* ril ‘wickeln’, ist, mit der Sache veraltend, geschlossen in Neuw, Altk, Sieg, MülhRh, Waldbr, Gummb, Wippf, Lennep, Sol (also Berg), lrhn. in Aden-Staffel, Ahrw, Rheinb, Bo verbr. [im NBerg auch -rwəl, –ī-; s. Räbel], die Zs. geben noch ein weiteres rip. Geb. an u. zwar rifəl, -e- [-iv- Neuw-Rodenb, Sieg-Ägid; -ev- Altk-Eichen, MülhRh-Bensbg Brück; -iw- Neuw-Dernb Lorschd Steinshardt; -ib- Neuw-Windhg], Pl. -ələ(n) [rifəlts, Pl. -lə MülhRh-BGladb, Bo-Beuel, Köln-Brühl; riwəlts Neuw-Oberschd; ribəlts Neuw-Buchholz, refəlstər, Pl. -rə Sieg-Eitorf] f., meist Pl.: 1. Querholz. a. aus gespaltenem Weiden-, Birken- u. Faulbaumholz; im Gefach der Lehmwand, zwischen die senkrechten Stecken geflochten u. mit Lehm beworfen; de R.ə en dem Gefach sen ävver ful Sieg, Allg. — Will man an einer abschüssigen Stelle die Erde vor dem Abrutschen schützen, so werden einige Pfähle in die Erde geschlagen u. diese mit R.ə umflochten Allg. — b. mit Stroh umwundene Stickstecken zwischen den Balken der Decke Sieg-OPleis, MülhRh-Marialinden. — c. Die Bodenhölzer des Wagens Bo-Waldrf. — d. rēəfəltər Sg. u. Pl. Knüppel im Rauchfang, an dem das zu räuchernde Fleisch hängt Grevbr-Belmen (abseits). — 2. übertr. a. ein unreines, nur einige cm mächtiges kleines Kohlenflöz Wurmgeb. — b. Zahn im Kammrad, en neu R. en dat Kammprad insetten Gummb-Berghsn.

Riffel-blech Altk, Siegld n.: mehrere mm starkes Bl., das in Überbrüchen gern als Standfläche benutzt wird; die Riffelung, d. h. die regelmässigen Erhöhungen auf der Oberfläche des R., verleiht einen sicheren Stand, da sie ein

[Bd. 7, Sp. 424]
Ausrutschen fast ausschliesst, in der Bergmspr. Riffel-gerte (s. S.) -fəl- u. -fəlts- f.: 1. Riffel 1 a, die dünnen Querhölzer, um die Stauchstävvenzen geflochten u. mit Lehm beworfen Aden-Kaltenborn Staffel, Ahrw, Eusk, Rheinb, Köln-Horrem, Kemp-Stdt, rrhn., wo das Simpl. mehr gilt, Neuw-Bruchhsn, Sieg-Müllekoven ODollend Fussh Rhönd (hier die senkrechten Hölzer). — 2.a. fast 1 m lange Latte, unter der Decke befestigt, gegen die der Deckenbewurf geworfen wird Rheinb-Flamersh. — b. Latte, zum Bekleiden der Giebelwand an der Wetterseite Ahrw-Löhnd. Riffel-holz (s. S.) -fəl u. -felts- n.: 1. H., geeignet zu Riffeln 1; es wird gespalten der Länge nach in zwei Hälften, zu R. ruən (-ruten); R. im Bösch hollen Gummb. — 2. –gerte Eusk, Bo, Köln-GrKönigsd, Bergh-Habbelr, Dür-NMaub, Kemp-Stdt (revəl-), Waldbr-Hespert. Riffel-knopf -rivəltsknǫp Bo-Küdinghv m.: scherzh. kleine Schlafkammer über dem Stalle. Riffel-korb -feltskørəf Eup m.: 1. Siebkorb, Aschensieb. — 2. übertr. verächtl. Gebiss aus langen Zähnen, zwischen denen durch Lockerung Hohlräume entstanden sind. Riffel-ram -:- Gummb-Berkenr m.: -gerte. Riffel-rute -rū(ə) Gummb f.: dass. Riffel-stecken -əlts- Bo-Ollh m.: dass. Riffel-wand (s. S.) -fəlts- Rheinb, Bo f.: 1. Lehmfachwand Allg. — 2. übertr. der mit Riffeln belegte Wagenboden Bo-Keldenich.

 PfWB riffeln -if-, –ef- schw.: 1.a. abs. das Gefach riffeln, mit den Riffeln durchflechten Rheinb, Bo [refə Bo-Ippend Mehlem Muffend], Sieg-Fussh, MülhRh-Glöbusch Odenth Overath, Gummb-Berghsn, Sol-Burschd; r. on steffeln MülhRh (s. o.); r. on steəwern (mit den senkrechten Hölzern) Gummb-Berghsn; de Riffelruən weren geriffelt Gummb, Allg. — b. durchsieben, z. B. Asche, Sand r. Eup, Rees-Dornick. — c. en de Senn r. grübeln, nachdenken, überlegen Köln-Stdt. — 2.a. fasern, u. zwar -ef-, –if- Verbr. n. einschl. Prüm (rip.), Schleid (Süd-Grenze), Daun-Wiesbaum, May-Wassenach (südl. noch Kobl-Stdt), rrhn. n. einschl. Altk-Wissen, Süd-Grenze des Berg, Sieg [uSieg, LRip auch -evf-, –eif-, –īf-; in der Selfk in Geilk, Heinsb -øf- nur intrans. (trans. Fäəm uttrecke)] vgl. ndl. dial. rijvelen, nd. reffeln, rebbeln, ndl. (ablautend) rafelen, ravelen, ofries. rafelen. α. trans. Gewebtes, Gestricktes r., an ihm Fäden ausziehen, den Einschlag von der Kette herausziehen (meist op-, usr.); etwas, an etwas Gewebtem, Gestricktem r., hin- u. herreiben mit den Fingern, dass sich die Stelle mehr oder weniger lockert. — Do wuərd ech gereffelt on geraffelt, gestuffelt on gestaffelt; dat ech den Hals broch, dähten se mech dann schlagen aus dem Rätsel vom Flachs MülhRh. — Riffele die Samenkapseln des Flachses abmachen, reffen (s. d.) Kreuzn. — β. intrans. der Stoff (dat Züg) reffelt fasert aus, die äussern Fäden lösen sich ab; en Doch reffelt, wann et net gesömt (gesäumt)

[Bd. 7, Sp. 425]
es Allg. (Aach-Ld, Selfk nur intrans.). — b. übertr. α. nur es drövverreffele drüberpfuschen, ohne Sorgfalt arbeiten; dat es drövvergereffelt Zeug Dür-Birkesd. — β. einen r., schlagen, prügeln; ech r. dech ens! Sieg-Eitorf Fussh. — γ. nachdenken, –grübeln, über unangenehme Sachen; ich han der ganze Dag övver dem Pitter seng Bedragen gereffelt Prüm-Schüller, Schleid, Ahrw, Eusk, Rheinb; eine Sache nach allen Einzelheiten überdenken Eup. — δ. intrans. et reffelt dünner Schnee, Nebel rieselt herab Sieg-Eudenb. Abl.: die Reffel(er)ei, dat Gereffel(s) (s. u.).

ab: etwas a., drehend zwischen den Fingern abreiben, z. B. ein Fläus-chen Allg.auf -riffeln: 1. trans. die Stelle eines Tuches a., durch ständiges Reiben aufscheuern; Gestricktes a., auflösen; et Lis-che hatt mem Stromp gebruddelt (schlecht gestrickt), seng Motter mot (musste) em e ganz Del widder opr. Rip, Allg. — 2. intrans. aufgehen, vom Gestrickten, Gewebten Allg. aus -riffeln: 1. trans. a. Asche, Sand a., durchsieben Eup. — b. Gewebtes oder Gestricktes wieder auseinanderziehen, reffel mech ens gau (schnell) an dat Hemdenduck (-tuch) de Fäm ut, et ös so scheif geschneən (geschnitten) Mörs, Allg. — c. etwas a., austifteln, zurechtlegen Eup. — 2. intrans.; der Stoff (dat Tüg) riffelt ut fasert aus Gummb, Allg. be -riffeln: bərifəlt schlau, beschlagen Rheinb-GrBüllesh.durch -riffeln: eine Stelle, etwa unten an der Hose, d., durchreiben Allg.nach -riffeln: über etwas nor., nachgrübeln; ech han drövver nogereffelt Verbr. wie r. 2 b γ.

Riffel refəl, Aach-Stdt; -øf- Heinsb; Pl. -ələ; refəl, meist Pl. -əlts Klev-Calcar m.: 1. ausgezogener Faden, Charpie Allg. — 2. übertr. a. -ēf- schmales Stück Brot, Speck, Streifen Ackerlandes Heinsb (1 -øf-). — b. -ef- Hieb, scharfe Zurechtweisung Sieg-Fussh.

Riffels-bank Rheinb-Buschhv f.: Reffbank, zum Reffen des Flachses. Riffels-fäden -fędəm Rheinb-Wald Pl.: Garn von aufgezogenen Strümpfen. Riffels-garn (s. S.) Allg. n,: dass. Riffels-suppe refəlsup Elbf f.: verächtl. Wassersuppe.

Ge-riffel (s) Sg. t. n.: 1.a. die Querhölzer in dem Fach des Lehmfachwerkes Rheinb, Sieg. — b. das durch Auszupfen von Wollstrümpfen, –jacken (udgl.) gewonnene Garn, als Füllsel für Kissen, Betteinlagen verwertet; Charpie Allg. — c. gesiebte Asche Eup. — d. -refəltsə Abfall von Heu u. Stroh Siegld-Netphetal. — 2. übertr. -refəl abgemagerter Mensch Siegld.

Riffels rifəlts Köln-Stdt; -e- Remschd Sg. t. n.: Haufen ausgeriffelter, zusammengeknüllter Fäden.

Aus- riffels: dass. Köln-Stdt.

riffelig -ef- Barm Adj.: ausgefasert.