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Rheinisches Wörterbuch 
 
Richard bis richtdurch (Bd. 7, Sp. 385 bis 388)
 
  PfWB Richard riχā(r)t, –χat bes. im NBerg; Kurzf. riχ Berg, Jül, Heinsb; rikəs Mettm-Wülfr; riks Barm, Elbf m.: 1. der männl. Vorn. — 2. übertr. a. dowe R. Schwerhöriger Barm. — b. geəle R. Apfelsorte Heinsb, Gummb; Richaner Kemp-SHubert.

Richel I -i-, –ī- = Riegel (s. d.).
 
 
Richel II das ndl. richel entsprechende u. < regel entstandene Wort ist in zwei Geb. bezeugt, mit verschiedener Bed., u. zwar am rip. WRande in Malm u. in Aach, sich fortsetzend zur Selfk (in einer Zs.) u. Erk-Rurich; dann in Geld, Mörs, Klev, n. einschl. Ruhr -əl, Pl. -ələ, Klevld -əlt n.: 1.a. reχəl dickes, geschnittenes Holz, etwa wie es der Stellmacher braucht Malm, Aach. — b. reχələ Pl. die waagerechten Flechtruten im Fachwerk Aach-Stolbg; riχəlhōt Heinsb. — c. riχəl Querbalken am Hof-, Scheunentore, die Bretter zusammenhaltend Erk-Rurich. — d. ręχəl(ə), –e- Regal, hölzernes Gestell an der Wand, auf dem Teller, Kannen, Töpfe usf. stehen Geld; reχəl Mörs; riχələ Klev, -ę- Warbeyen; reiχəl, Schuhn-, Schottelr. Ruhr, n. Ruhr. — e. reχəlt verziertes Gestell, um den Busem des alten Rauchfanges, zum Aufstellen von Tellern Rees; riχəl Weselerwald. — f. riχəl Mantelhaken Meiderich. — riχələ kleines Töpfchen, Milchsatte MülhRuhr-Styrum. — 2. übertr. persönl. verächtl. reχələ hageres Mädchen Emmerich.

Richel-holz n.: 1. reχəlholts schweres, geschnittenes H. Aach. — 2. riχəlhōt waagerechte Flechtrute im Fachwerk Heinsb. Richel-kuchen reχəltskō:xə Schleid-Hellenth m.: Buchweizenkuchen. Richel-stück riχəltstøk Malm n.: Brett, Bohle von bes. guter Beschaffenheit u. über die gewöhnliche Brettstärke hinaus gesägt, gewöhnlich Eschenholz, zu Stellmacherarbeit verwendet.
 
 
richeln I riχələ Schleid-Hellenth: im Auszählr.: R., rachele, Domini, helt heraf, vertikaf, Hoffmannspiel, Selversaf, Hahnepuckel af!

[Bd. 7, Sp. 386]

richeln II = röcheln (s. d.).
 
 
richeln III -īχ- Rhfrk an der Nahe [in Wend vielfach -e-], Birkf, Simm, Zell (Hunsr); abseits -e- Saarbg-Schoden, -i- Saarbr-Sulzb; im Ablaut zu racheln, röcheln ‘röcheln’ schw.: nur in dem besonderen Falle, eigentümliche Töne von sich geben, die das Mutterschwein beim Säugen der Ferkel hören lässt; solange das Tier nicht richelt, ist die Milch noch nicht in die Zitzen eingeschossen. — Abl.: die Richel(er)ei, dat Gerichel.
 
 
richeln IV -iχ- Rhfrk in Simm, Goar, Zell-Stdt, im Ablaut zu recheln, Rechen schw.: mit dem eisernen Gartenrechen die Gartenerde so lange hin u. her scharren, bis sie locker, fein genug ist [mit dem Holzrechen scharren ęrə]. — Dieselben Abl. wie bei r. III.

Richel-rechen ebd. m.: eiserner Gartenrechen.
 
 
richeln V ein Wort im Kr. Sieg, u. zwar -eχ- Sieg-Lohmar Eudenb Ittenb; -eiχ- ODollend schw.: einen r., prügeln (nicht in roher Auffassung); mer han en gerechelt; er krig se g. — Er hät Rechələs kräge Hiebe. — Abl.: die Rechel(er)ei, dat Gerechels.
 
 
richester reiχəstər Sieg-Rhönd: r. spille ein Nussp.
 
 
Rich-rath reχr:t: Dorf im Kr. Sol. Rechroder umherziehende Musikanten.
 
 
Richo nach frz. réchaud ‘Kohlenbecken’ Mosfrk; riχō  Koch; riō:r Trier-Mehring m.: bei der aus Steinen gebauten Feuerstelle, eine eiserne Platte auf vier Füssen ruhend, über der am Hohl der Groppen (Kochkessel) hing (veralt., vor dem Herde im Gebrauch).
 
 
Richsel reχsəl, Pl. -əln vereinzelt Prüm-Leidenborn n.: Traggurt.

richt I = recht (s. d.).
 
 
 PfWB  LothWB richt II das Wort, im Ablaut zu recht, ist, reich entwickelt, nur lrhn. im Rhfrk im Saargeb., Wend, Birkf, Simm, im Mosfrk an der Saar, Hochw, an der Mos bis Koch, in der Eif bis einschl. Malm, Prüm, Daun-Auel OBetting, May-Kollig Trimbs (einige Ausläufer nach N., auch rrhn. im Berg, s. u.), u. zwar Saargeb., Wend riχt [Urexw Alsw Winterb ]; Birkf, Simm -ī-; mosfrk Saar -i- [n. einschl. Saarl-OEsch, Merz-Silwing Weiler, Saarbg-Nohn Taben Greimerath bis einschl. Saarbg-Eft Orscholz Freudenbg Kastel Hamm, Merz-Bergen Waldhölzb rit; n. davon rīt; Saarbg-Stdt rīχt]; Trier bis Bernk, Bitb, SPrüm rīχt [Trier-Crettnach Igel Karths Kell Mandern Merzlich Lampaden Pluwig Schilling rīt] Zell -i-; Koch, May-Kollig, Aden-Virnebg ris (< richts); Daun riχt u. -ī-; NPrüm, Malm rīt [Bütgenb -ē-; n. anschliessend Monsch-Witzerath reiχ]; dann noch einige verstreute Ausläufer rīət Dür-Ellen; rex Heinsb-Millen; rīt uWupp 1870; Adj., Adv.: 1. räumlich a. grade, nicht krumm oder gebogen, gradlinig, in grader Richtung [gerade

[Bd. 7, Sp. 387]
hat nur zeitl. Bed.] verstärkt peil-, schnacker-; e r.ə Strich; e r.ə Stock; e r. Stick Holz; en r.ə Fuər (Furche); et Holz as ganz r. (gewoss ‘gewachsen’); der Pohl (Pfahl) stäht g. r.; he kann net mieh r. gohn; sech r. halen (halten); der Weg (de Bach) läft (läuft) r.; he kom r. op mich los; dat leit r. fir (vor) dir; dem sein Hor stihn r. an (in) der Loft, — zu Berg senkrecht; r. der Nas no soll man gehen; et rent (regnet) r. herof (erunner); r. de Berg (Trapp) aus (erof) WEif, Allg. RA.: Su r. wie en Kerz Allg., — de Bedeshemer (Prüm-Büdesh) Bach, die viele Krümmungen hat, iron. krumm Prüm, — de Zerwer (Trier-Zerf) B. (die Ruwer) Merz-Nunk, — de Kordeler B. Bitb-NWeis, — de Krummener (Bernk-Krummenau) B. Bernk-Merschd. Hen hält sich su r., wie wenn hen en Pohl (Pfahl) geschluckt hätt, — durch de Reche gezogen h., — hen e Besemstaf am (im) Bockel stechen hätt SWEif, Allg. Adjes, hal dech riss, dat de kane kromme Buckel kris! May-Kollig, Koch-Driesch. Eso r., wie en Sau sächt (seicht) iron. krumm Trier-Mehring. Mit dem es kän r. Fur (Furche) ze fahren (pflügen) ist nicht auszukommen uPrimstal. Et hot alles en r. Seit, nömme (nur) de Kromme vu Krujchten (ein widerborstiger Bauer aus Kruchten) net Bitb-Seimerich. Eich hun Hunger, dat ich net meih r. kucke kann Saarbg-Wehing. Dat elo (eine Sache, ein Geschäft) reisst (net) r. nimmt (nicht) den rechten Fortgang, kommt (nicht) zu gutem Ende; wenn dat r. reisst, da son (sage) eich neist mih, — da well eich et lowen! Zell, Bernk, Trier, Bitb, Prüm. Dau kömms r. an (in) de Hel (Hölle)! Drohung Trier, Allg. R. un Krumb, wo läfste (läufst du) hin? Geschurene Kapp (Kopf), wat geht et dich un? Mei K. as net esou dack (oft) geschurgen wie dei Arsch zugefrur as Bach u. Wiese Trier. — b. auf der richtigen Seite (rechts), im Gegens. zu :wənts (s. äbich) links, bei Kleidungsstücken, Stoffen Bitb, Prüm, Malm. RA.: Den os mer liewer äwenzig wie den annere r. Prüm-Ihren. — 2. zeitl. sofort, schnell; ech ku r.; komm es (einmal) r.; heə geht ewell (jetzt) r.; ich komm lo (allda) r. u. ənricht Bitb, Wittl, Daun, Prüm, Malm [reiχ bald, über ein paar Wochen oder Monate Monsch-Witzerath].

auf- richt: oprīts Adv. aufrecht stehend; o. fohren über die Eisbahn gleiten Saarbg-Ockfen.er -richt: ərīt gradeswegs, ohne Umweg, ohne Säumen, sofort Saarbg-Wellen.ge -richt: engem ebbes g. machen so, wie es ihm gefällt, mundgerecht Prüm-Mürlenb.

 PfWB  LothWB richt- in der Zs. mit andern Adv. : ab -:f Bitb: geradewegs, de Kop r. hauen, den Ast as r. gebroch. richt-abhin -awə Nahe: r. do a. gerade da hinunter. richt-auf rītop Malm-Amel; rēχ- MüEif; rēt- uWupp 1870: 1. aufrecht; dat Kend stond em Bettche r.; de Kopp r. drage Allg.; ene Ritop plumper Mensch Malm-Amel.

[Bd. 7, Sp. 388]
Schnider, Schn., Getbock (Geiss-), stip die Hoəre (Hörner) r.! Spottr. gegen den Schneider MGladb-Rheind. — 2. auf der Stelle, sofort uWupp 1870. richt-aus Allg.: grade aus; der Weg gäht r.; dem stohn de Biārschte (Haare) r.; r. gohn Allg. richt-durch -dūrəχ u. dədurəχ Allg.: grade mitten durch, gradeaus; der Weg geht emmer r. Allg.; et geht bei dem r. derdurch er kümmert sich nicht um rechts oder links Prüm-Ihren. En Ris derdorch plumper Mensch Koch-Lutzerath.