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Rheinisches Wörterbuch 
 
Reise bis anreisen (Bd. 7, Sp. 325 bis 328)
 
  NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB Reise das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk rs [hier u. da, bes. Birkf -ai-]; Mosfrk -:- [Trier-Stdt, WBitb, uMos -ā:-; Prüm -ē:-]; Rip -ē:- [uAhr, kurköln. Neuw, Sieg-Ho nef Rhönd, Köln-Stdt -e·i.-]; Berg -ē:- , –ē-, –e·i.-, –ī·(ə.)-; Eup, Koch -e·i.-; SNfrk -ē:-; Kref -ę·i.-; Geld, Mörs, Klevld -i- Sg. t. f. [n. Malm-Vith] (Pl. kaum gebräuchl.): 1. wie nhd., wenigstens eine Nacht ausserhalb der Heimat; en R. mache (dohn, antredde); en weck (weite) R. Rip, Allg.; e Ras-che Vergnügungsr. Trier-Stdt; de hat noch Geld, för Reskes te make SNfrk; gou (gute) R.,; vill Glöck op de R.! Abschiedsgruss MGladb, Allg.; wo (war) geht de R. (dann) hin (her)? wo willst du hin? (auch gesagt, wenn es sich nicht um eine R. zur Bahn handelt, zu einem, der mit Stock das Haus verlässt) Rip, Allg.; wo geht dan de R. hi mat eich dreien? zu einem Bauern, der mit Koppel Ochsen ausfährt Bitb-Dudeld; he geht op R. auf eine weite R.; he es op R. von einem Abwesenden Allg.; sech op de R. make (geəve) sich aufmachen, sich auf den Trab m. (an eine weite Reise ist nicht gedacht) Kemp, Allg.; sech op R. geəve sterben Erk-Rath; de Uhr es op R. gegangen zum Uhrmacher (u. so von allen, etwa ausgeliehenen oder gestohlenen Dingen Rip, Berg; et gäht an (in) ener R. in einer Fahrt Trier. RA.: Dat es gen kölsche R. (nach Köln) nicht sehr weit, kein grosses Unternehmen Geld, Klev. Dat es doch ken Öker R. (R. zur Aachener Heiligtumsfahrt) dass. Kref-Fischeln, Duisb-Meiderich. De R. dohn; he hät de R. gedohn ist gestorben Zell, Siegld, Rip, SNfrk; den trejt hos (bald) de R. an Geld; he deht en lang R. Heinsb-Arsbeck; de gruss R. ontreden Trier-Stdt; he mächt en R. en et Piereland Mörs, — et Pierkeslangk Barm, Elbf. De hät en R. der Bursche bringt ein Mädchen nach Hause Sieg-ODollend. Der Eber hot

[Bd. 7, Sp. 326]
än Johr de R. gedohn die Sauen besprungen Birkf. Wat dohn ech domet, wenn de Deuvel och eine metnimmp, on ech moss de R. bezahle! sagt der den Prozess Verlierende zu einem Freunde, der ihn tröstet mit den Worten: de D. krit en doch met sengem falsche Eid! Ahrw-Remag, May-Polch. En R. mäck gene Weəg ein Gang macht noch keine Spuren MGladb-Neuwerk. Vill Glick uf die R. un schen Werrer, dann rent' et net! scherzh. Abschiedsgruss Westerw; völ Pläsier op de R. en gau (schnell) wer hier! Emmerich. Scheiss an (in) de R.! lass fahren Wittl-Meerf. R. öm Stuhl maken, spillen ein Kindersp.; man singt ein Lied, aber auf ein Zeichen mit einem Stock müssen alle Platz nehmen Gummb-Berghsn. — 2. übertr. a. dis R. dies Mal; ein R. einmal; de irschte R. das erste Mal; jed R. jedesmal; all R.es jedesmal, einmal; de förrege R. voriges Mal; anger R. ein anders Mal; R. op R. jedes Mal uWupp, Sol, Mettm, Elbf, Barm; dis R. auch RRip, kurköln. Neuw, MüEif; ich wer de R. net do Birkf. — b. der Beköstigungsumgang des Hirten Siegld (veralt.); er machte in OSetzen beim Römgangk en lange on en kuərte R.; bei der l. R. wurde er von jedem Haus einen Tag beköstigt, das eine Kuh bei der Herde hatte, bei der k. R. war er nur bei denen in Kost, die mehr als zwei Kühe bei der Herde hatten und zwar je einen Tag für je zwei Kühe, die der Besitzer über die Zahl 1 hinaus hatte; morgens und abends ass er am Tisch mit, mittags wurde das Essen für Hierde, Ohierde und Hond auf die Schlöfe gebracht. — c. de letzte R. Grenzfurche MGladb-Kleinenbr. — Hüttenzeit, die früher behördlich berechneten Tage im Jahre, an denen gehüttet werden durfte, in der Spr. der Eisenhüttenleute Siegld, Altk 1839 (veralt.). — d. Reise Pl. Kinderkrämpfe Geld-Kevelaer, Klev, Emmerich.

 PfWB Durch- reise: nach dem Nhd. hä ös op de D. Allg.

Reis-bengel r:s- Merz, Saarbg, Trier-Cönen Igel Mesenich Metzd Ruwer m.: 1. Spazierstock. RA.: die Rebstöcke, deren Blüte bei schlechter Witterung abfallen, brengen de R. mat Trier-Mesenich Metzd. — 2. übertr. -bę·ŋ.əlχən lang entwickelte Rebranke; Wann en R. bei der Trauf as, geht se fort Trier-Mesenich Metzd OBillig. Reis-bündel rsbinəl Simm-Schlierschd n.: B., worin die Kleider usf. für die Reise verpackt sind. Reis-dolch Saarl-Lisd m.: verächtl. schlechtes Messer. PfWB reis-fertig r:sfērdiχ Saarbg-Wellen, Trier-Mehring Adj.: wie nhd.; mach dich r.! PfWB Reis-geld rē:s- u. nach dem Nhd. rē:zə- (s. S.) Allg.: wie nhd. Reis-jude -jyt Eusk-Lechenich m.: in der Wend.: He stenk wie ene R. Reis-kittel rskīrəl Simm-Laub m.: verächtl. 1. ein Mensch, der gern u. viel reist. — 2. ein Kind, das alle Augenblicke woanders hin spaziert. Reis-knecht Rheinschiff

[Bd. 7, Sp. 327]
m.: Aushilfsmatrose, der nur für eine oder einige bestimmte Schiffsreisen angeheuert wird. Reis-klüppel r:sglebəl Bitb; -gn- Daun-Lissend, Zell-Neef; rē:sknøpəl Ahrw-NHeckenb Stdt; rē:zə- Kirchsahr Lohrsd; -:- NZissen m.: Spazierstock. PfWB Reis-koffer re·i.zə- (s. S.) Verbr. m.: nach dem Nhd. RA.: Der hät ne Hau (Hieb) met dem R. er ist nicht recht gescheit Bo-Limperich. Reis-korb r:s- Saarbg-Wellen; rē:skǫrəf Prüm-Balesf m.: Schliesskorb, für eine Reise. Reis-sack rē:s- Bergh-Hüchelhv m.: Ranzen für Kleider udgl. für die Reise. Reis-stab (s. S.) r:s-, ra·i.s- Bernk, Daun, Prüm-Reuth, Aden-Lederb; -zə- Bernk-Stdt, Koch, Kobl, May-Galenbg Wehr, Daun m.: Spazierstock. Reis-steckel rē:s- Schleid-Blankenheimerd Zingsh m.: dass. Reis-stecken -zə- Mosfrk; r:s- (s. S.) Simm-Dichtelb, Birkf-Idar OBromb, Bernk-Dhron Kesten Lösnich NEmmel Neumag, Wittl-Esch Pantenbg Sehlem, Trier-Clüsserath, Daun-Kirchw; rē:stęk Geilk, Heinsb m.: 1. dass. Rätsel: Et geht de Trepp nof, fer wie en Appel, en der Mett wie e Mehlsack, henne wie e R.? die Katze. — 2. übertr. lange Ranke am Rebstock, durch die viel Nutzen des Stockes verloren geht (auf die Reise geht) Bernk-Kesten, Zell-Aldegung; krumme Stiele der Trauben, R. zum Verreisen Bernk-Wolf. Reis-stock r:s- (s. S.) Bernk-Erden, Sol-Steinbüchel, Geld-Straelen m.: Spazierstock Reis-tag rē:sdāx Geilk-Ütterath m.: Ziehtag des Gesindes zu Ostern. Reis-tasche r:s- Saarbg-Wellen; rē:stę Rip f.: wie nhd. Reis-wetter (s. S.) r:s- (s. S.) Verbr. n.: wie nhd.

Ein-gereise (s. auch Geräube) iγərēs Geld-Straelen; γərēs (ohne in-) Rees-Brünen Sg. t. n.: edle Eingeweide des Schlachttieres [mhd.  Lexer reisen schw.: bereiten, herrichten; wie Ingereide zu reiden ‘zurechtmachen’, so Ingereise zu reisen].Um -gereise: om-, emgər:s Merz-Saarhölzb Silwing, Saarbg-Wellen, Trier-Euren Schilling Thomm, Bitb-Fliessem Lahr OGeckler, Daun-Strohn; un-, ongər:s, –rā:s Bitb-Dudeld Mettend Speicher Sg. t. n.: 1. das Drum und Dran Daun-Strohn; Abfälle, das Nebensächliche Saarbg-Wellen. — 2. das Gekröse des Schlachtviehs, Magen, Därme u. die edlen Eingeweide u. Kopf, Füsse Verbr. sonst; on (an) dem Ochs hot der Metzger net emol et U. frei er verdient nichts daran Bitb-Dudeld, Allg.

 PfWB  ElsWB  LothWB reisen I (s. Reise) Allg. schw.: 1. eine (weite) Reise machen, in die Fremde gehen; övver Land r.; ze Foss (Fuss) r.; no Kölle r. Rip, Allg.; wemmer so viel geräst is wie der, muss mer doch Beschäd (Bescheid) wisse Hunsr, Allg.; för Pläsier r. zum Vergnügen Kref, Allg. (u. zom Vergnögen); fort- (weg-), heim-, hin-, mitr. Allg.; der kann r.! noch rüstig gehen, trotz Alters oder verletzten, lahmen Fusses Gummb Allg. RA.: De reis we ne Kohstetz (-sterz) vun einer Sick (Seite) op de ander of

[Bd. 7, Sp. 328]
we'n Müllekar, de alle Ovends heimküt scherzh. er reist nie weit Köln-Stdt. Wenn de Heilige r., schwetzt de Himel gibt es Regen Nahe, Hunsr, Hochw, — da geft et sche Weder (scherzh.) Bernk-Neumag. Gereste Frollöck (Frauleute) on al Peərd send necks weərd die Fr. haben keine Lust zur Arbeit, die Pferde keine Kraft Dür; resende Mädcher un en al P. sen egal vell wiərt Monsch; Vater, wie weit darf ich r.? ein Kindersp.; ein Kind ist der V.; es steht an der Wand, die übrigen Kinder gegenüber an einer andern W.; das erste dieser Kinder fragt: V., wie weit; der Vater nennt Städte (etwa Konstantinopel) u. Dörfer; soviel Silben jedesmal das Wort hat, soviel Schritte darf das K. vorwärts tun, muss aber erst fragen: darf ich? vergisst es das, so muss es stehen bleiben, auch wenn der V. sagt: nein; haben die K. alle gefragt u. eines steht bei seinem V., so tritt es an dessen Stelle Neuw-Dierd. — Ze r. komme sterben Aach-Merkst. — 2. im bes. a. der rest für dat Geschäf; he res en Doch (Tuch udgl.) st Geschäftsreisender; man nennt ihn en Resender (e Räsenden, auch Hausierer Mosfrk) Allg. (e Lappenräsenden in Tuch Bitb-Speicher); R. en ferdige Knopplächer scherzh. Birkf; Räuber, Schandarm, Reisender ein Knabensp. May. RA.: Better as r. es tehem bliwen, do schällt mer de klenen Eərpel (Kartoffeln) un bäckt do dicke Rif-kuken van Gummb-Berghsn. Da's em Dod sei Räsender ein magerer, blasser Mensch Ottw. Et sall sech wahl fenge (finden), sogt der Resende, du hau er siəve Lakes (Bettücher) voll geschiəte Heinsb. — b. umziehen am Ziehtag, vom Gesinde Saarbg-Köllig, Trier-Newel, Köln-Widdersd, Geld-Veert. RA.: Dat Densvolk res entwidder em Dreck us, udder et geht em Dreck (Regen) en Köln-Widdersd. Van Dag (heute) es de letzte D., morge goh wej r.; ek häbb den Bur so lang gedinnt, he well mech noch ni preise Geld-Veert. — c.α. mit Lärm u. Geschrei umherlaufen Sol. — β. viel gehen, in spött. Sinn; die räst de ganze Dag im Dorf erim un hilt iwerall e Schwätzche Hunsr, Allg.; do kunn se (heran) geres gegangen, angeschoben Rip, Allg.; do es er awer geräst hat sich aus dem Staube gemacht Saarbr, Allg. RA.: Er rast elo rim wie en brennig (brütelustiges) Hinkel (Huhn) läuft fortwährend umher Goar-Weiler. — γ. absol. dummes Zeug schwatzen Waldbr-Nosb. — δ. gew er (der Lüge) e Stecken, loss se r.! Merz-Saarhölzb. Dei (der Witz, diese Anekdote) räst! findet Nacherzähler ebd. — d. der Niəwel es am r. der Nebel geht fort OBerg. — Abl.: die Reiserei, dat Gereis.

 PfWB  PfWB  ElsWB ab- reisen,  PfWB  PfWB  ElsWB an- reisen: wie nhd.